Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 29 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021415--11019-3035532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 492 Nr. 29 Vr. Bloch's Wochenschrift» Boskowich. Auf Antrag des Bürgermeisters Herrn E. Ungar hat der Ausschuß der Jsraelitenstadt Boskowitz dem Landesrabbiner Dr. Plaöek das Ebrenbürgerrecht verliehen. Der Bürgermeister hob in einer formvollendeten Rede die persönlichen Tugenden dieses hervorragenden Mannes, des würdigen Sohnes unseres unvergeßlich?n Rabbiners Abraham Plaöek, hervor, schilderte seine Bedeutung als Kanzelredner und Gelehrter und verwies auf die großen Verdienste, die er sich als Landesrabbiner um die Gemeinden Mährens erworben, indem er, unbekümmert um die Wünsche der Gemeinden, stets darauf bedacht war, nur tüchtige, theologisch gebildete Rabbiner anstellen zu lassen. Mühr.-Ostrau. Bei der Wahl im III. Wahlkörper der israelitischen Cultusgemeinde wurden nachstehende Mitglieder in den Ausschuß gewählt: Marcus Straßmann, Leopold Rufeisen (Witkowitz). Dr. Alois Hilf, Eduard Wechsberg und Philipp Förster (Przirros). Dr. Max Beer (Poln.- Ostrau), Joses Zänker (Oücrberg), ferner Jacob W u l k a n, Leopold Racher und Berthold Schwarz. Die Wahl im II. WahWrper ergab nachstehendes Resultat: Als Ausschußmitglieder: Franz Groß. Ignatz Reiß, Albert Wechsberg, Josef Weißlitz, L. Singer (Witkowitz). Adolf Mannaberg, Adolf H a b e r f e l d, Bernhard Pollitzer, Michalowitz, Adolf Immer glück und Moritz Wechsler. Bei der Wahl aus dem I. Wahlkörper wurden gewählt: Dr. Böhm, Siegmund Czuczka, Hermann Friedländer, Dr. Fuchs, Moritz K r a s n y. Dr. K a tz e r, Nathan L i e ch t e n st e r n, Dr. R e i k, Professor Schwarz und Josef Spitzer. Purgstall. Die Boistehung der israelitischen Cultusgemeinde Amstetten (früher Abbs a. d. Donau) gibt hiemit die Trauernachricht vom Ableben ihres ehemaligen verdienstvollen Cultusvorstehers, des Herrn Michael Koblitz. welcher nach längerem Leiden am Samstag den 13. d. M. in München verschieden ist. In früheren Jahren als Kaufmann in Ibbs a. d. Donau ansäßig, erfreute sich der Dahingeschiedene seines biederen Charakters wegen allgemeiner Sympathien. Ganz besondere Verdienste jehdch hat der Heimgegangene sich um unsere Cultusgemeinde erworben. Als treues, eifriges und verdienstvolles Vorstandsmitglied gründete er den neuen jüdischen Friedhof in Abbs a. d. Donau, wie er überhaupt stets ein warmer Förderer unserer Gemeindeinstitutionen war. Trotzdem der Verblichene seit Jahren schon mit seiner Familie in München wohnte, bewahrte er dennoch bis zum letzten Athemzuge eine treue Anhänglichkeit für unsere Cultusgemeinde. Möge es seiner tieftrauernden Gattin und Kindern zum Tröste gereichen, daß der Verewigte stets in ehrendem Andenken unserer Gemeinde unvergeßlich bleiben wird! Das Leicheübegängniß — zu welchem unsere Gemeindevertretung den löblichen Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in München delegirte — fand am Montag den 15. d. M., um 9 Uhr Vormittags, am israelitischen Friedhofe zu München statt. Ehre seinem Andenken! Jungbunzlau. Freitag den 12. d. M. um 2 Uhr Nachmittags fand an der hiesigen israelitischen Volksschule die Schulschlußfeier in Gegenwart der Vorsteher der israelttischen Cultusgemeinde und des Talmud-Thora-Verernes, sowie zahlreicher Gäste, worunter sich auch mehrere Stabsofficiere und deren Frauen befanden, statt. Die hiesige israelitische Schule, die jetzt gleichsam wie eine deulsche Oase inmitten eines böhmischen Landesgebietes hervorragt, da die hiesige israelitische Cultusgemeinde dem Lockruf zu deren Auflösung fest standhielt, gehört nun zu den wenigen israelitischen Schulen Böhmens, in denen die Kinder nicht nur in beiden Landessprachen, sondern auch in der Religionslchre und im Hebräischen einen gründlichen Unterricht genießen. Man konnte bei dieser Schlußfeier die allgemeine Zufriedenheit den dresem Feste beiwohnenden Eltern und Gästen gleichsam vom Gesicht l^en; sangen doch die Kinder die Schullieder mit Präcision und der schöne Vortrag der.Gedichte zeigte, daß sie den Inhalt derselben nicht nur memorirt, sondern auch vollends begriffen hatten. Am Schluffe dieser Schulfeier hielt der Schulleiter, Herr I. Hoffmann, eine die Herzen der Kinder mächtig ergreifende Ansprache, und mit einem dreifachen donnernden Hoch auf unseren allergnädigsten Kaiser und Landesvater und der Volkshymne schloß diese schöne Feier zur allgemeinen Zufriedenheit des anwesenden distinguirten Publicums. Dürrmaul, 14. Juli. Aus unserer Gemeinde habe.ich diesmal Erfreuliches zu melden. Seit 14 Tagen wird an der Renovirung unseres Gotteshauses gearbeitet. Die Renovirungsarbeiten wurden an Herrn Baumeister Thomas Thurner in Plan übergeben und dürften in circa 4 Wochen beendet werden. Wie sehr dringend diese Renovirung ist, zeigte sich erst nach Ausräumung des Gotteshauses, und ist dies wohl nicht zu wundern, nachdem seit Erbauung desselben bereits 100 Jahre verfloffen sind; die Gemeinde rüstet sich, dieses Jubiläumsfest würdig begehen zu können. Bei Vergebung der Renovirungsarbeiten wurde vom Vorsteher die Bedingung gestellt, daß an Samstagen nichts gearbeitet werden darf. Hoffentlich gelingt es den Anstrengungen unseres Vorstehers, den hiezu nöthigen Betrag von K 2000 durch Spenden und Sammlungen aufbringen zu können, nachdem die Gemeinde nicht in der Lage ist, irgend einen Betrag beisteuern zu können. . Prag. InHokowitz verstarb im Alter von 90 Jahren Frau Rosalia S t e i n b a ch, Mutter des Arztes Dr. L. S. Steinbach in Philadelphia. Die sterblichen Ueberreste wurden unter starker Betheiligung aller Bevölkerungsschichten auf den israelitischen Friedhof zu Kamena bei Milin zur letzten Ruhestätte überführt. Im Trauerhause und am offenen Grabe hielten die Rabbiner Dr. K o h n aus Pribram und Dr. Kraus aus Wodnan ergreifende Nachrufe. Die Trauergesänge besorgten die' Cantoren Freund aus Pribram und Urbach aus Hotowitz. 7 Kinder, 23 Enkel und 10 Urenkel betrauern die Verstorbene. Pilsen. Wie „Plzenske Listy“. berichten, feierten Herr Moses Tänzer in Stennowitz und seine Gattin Babette am 1'.' Juli den 60. Jahrestag ihrer Hochzeit. Carlsbad. Am 4. b. M. verließ Obercantor N. Tiger welcher in dieser Eigenschaft 15 Jahre hier thätig war, unsere Stadt. Er hat vorläufig seinen Aufenthalt in Wien genommen. Die Cultusgemeinde hat das Scheiden ihres langjährigen Obercantors zum Anlasse genommen, ihn durch eine große Spende zu ehren. Budapest. Der bekannte Schriftsteller Herr D. H. Spitzer ist von einem schweren Unfall betroffen worden. Er wurde von einer Privatequipage niedergestoßen, bei welcher Gelegenheit er so schwere Verletzungen erlitt, daß ihn die Rettungsgesellschäft in seine Wohnung befördern mußte. Herr D. H. Spitzer, der noch eine bis zwei Wochen das Bett hüten dürfte, befindet sich bereits am Wege der Besserung. Troppau. Der Schlußfeier in der hiesigen israelitischen Volksschule wohnte der Obmann des Ortsschulrathes, Walther Kudlich, der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde und viele Eltern bei. Die Feier nahm einen würdigen Verlauf. Am Schluffe der beifällig aufgenommenen Gedichte und Lieder hielt Oberlehrer Blatt eine Ansprache, aus welcher wir hervorheben, daß die Schule im abgelaufenen Schuljahre von 75 Schülern besucht war, von denen 72 in die höheren Claffen versetzt, beziehungsweise in die Mittel- und Bürgerschule übertreten können. Feuilleton. Ver Unessane tokef. Novelle von Babetta Fried in Prag. VIII. Dawidl. Dawidl war das schmerzlich vermißte Kind Jakob Polansky's und Sarahs. Dies war sicher. Wo blieb die soviel gepriesene Sttmme der Natur, daß sie da geschwiegen, als ein merkwürdiger Zufall — oder war es mehr als Zufall, war es eine höhere Fügung? — Vater und Sohn gegenüberstellte? Da hatte diese Stimme geschwiegen, und nur das Künstlerblut ist freudig und erwartungsvoll aufgewellt, als es von den Lippen des begabten Kindes den Unessane toksk gehört hatte, jenen Gesang, der, eine wehmütbige Erinnerung an seine längst vergangene glückliche weil schuldlose Jugendzeit, zu ihm herübertönte. Das Blut des Künstlers sprach laut und überwältigend, die Stimme des Blutes aber hatte geschwiegen. Merkwürdig! Feibisch übergab dem fremden Manne das wie ein eigenes geliebte Kind, weil ihm kurz zuvor Cheile, die Schlafstätterin, ins Gewissen geredet hatte, das Kind etwas lernen zu lassen und weil der fremde Mann ihm versprochen hatte, aus dem Kinde etwas Tüchtiges zu machen. Warum hatte er ihm aber verschwiegen, daß der Knabe nicht sein eigenes Kind sei, auf welche Weise er zu ihm gekommen, überhaupt sein ganzes Schicksal. Warum? Wer wüßte diese Frage zu beantworten? Genug, er that es nicht. Hätte er blos das Eine gegen Polansky erwähnt, blos die Gegend benannt,