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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-19 · 29 (19.7.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 490 Vr<> Brom s Wr chrns<zrM Rr. 29 Brüder, die, sobald es gegen die Juden ging, ein Herz und eine Seele waren, gespannt sein. Inzwischen entwirft Wengg in seinem „Deutschen Bolksblatt" von Memminger, den er doch kennen muß, folgende anmuthige Schilderung: .Mit der eisernen Stirn, die den berüchtigten Herausgeber der „Neuen bayerischen Landeszeitung" stets ausgezeichnet hat, fügt Memminger einer ihm von uns zugesandten Berichtigung nicht nur die Wiederholung der schon vorgebrachten Lügen an, sondern er ergeht sich in neuen frechen Verdächtigungen über unseren Redacteur und alle Männer, die mit dem Bunde der Landwirthe in irgend welcher Beziehung stehen. Es war wirklich an der Zeit, daß wir Schritte gethan haben, um einem gemeinschädlichen Individuum, wie Memminger, dessen bodenlose Frechheit und Verlogenheit ihm allein noch die Existenz^ ermöglicht, zu beweisen, daß auch den raffinirtesten Verleumdern und politischen Wegelagerern das Handwerk gelegt werden kann." Wir wagen nicht zu widersprechen. Frankfurt a. M., 10. Zuli. Wie bekannt, geht die hiesige Firma M. A. v. Rothschild und Söhne am 1. October in den Besitz der Disconto-Commandit-Actiengesellschaft Berlin üb:r. Dem Einflüsse des Herrn Baron Edmund v. Rothschild ist es zu danken, daß die mitübernommenen Angestellten des Hauses an Sabbath und jüdischen Feiertagen vom Geschäfte befreit sind. Unter der Leitung des seligen Baron Willy war bekanntlich das Geschäft an diesen Tagen vollkommen geschlossen, während, so lange Baron Meyer Carl die Leitung hatte, die Couponscasse an Samstagen durch einen nichtjüdischen Beamten bedient wurde. Paris. Der Präsident des Central-Comites der „Alliance israfeliteuniverselle-, Herr Narcisie Leven, hat an die Gründer des „Hilfsvereines der deutschen Juden" in Berlin nachstehendes Schreiben gerichtet: »Wir sind geneigt, alle neuen Institutionen freundlich aufzunehmen, die dem Wohle unserer Glaubensgenossen gelten, Ihre Mitarbeit anzunehmen und ihnen die unsere zu widmen. In der Leidensgeschichte des Judenthums gab es keine Krise, wo die „Alliance" nicht ihren Appell an alle Kräfte, an jegliche Art von Opferwilligkeit hätte ergehen lassen. Arbeitet man nicht eben jetzt im Vereine mit den Comitss und Gemeinden aller Länder, um die entsetzliche Noth der rumänischen und russischen Juden zu mindern? Wenn Ihr Werk nichts Anderes will, als dieser Hilfe eine größere Ausdehnung, mehr Zusammenhang und System zu geben, dann hat es unsere Zustimmung ohne Vorbehalt. Dock beim Lesen Ihrer Zuschrift mußten wir daran denken, daß Sie auch, ja sogar hauptsächlich, sich mit der moralischen Situation der Juden Europas und Asiens zu beschäftigen gedenken. Nun, das ist eine sehr delicate Sache, für die wir Ihre ganz besondere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen möchten. Das ist eine Aufgabe, der sich, wie Sie wissen, die „Alliance" seit 42 Jahren widmet. Unterstützt von den Juden aller Länder, besorgt sie diese Arbeit mit einer Ausdauer und einem Erfolge, die auch Sie anerkennen müssen. Sie besorgt sie in Gemeinschaft mit den Israeliten Deutschlands. Diese sind ihre Mitarbeiter seit Gründung der „Alliance", und sie haben zu ihrer Entwicklung mächtig beigetragen. Ihr Antheil ist ein großer bei all dem, was die „Alliance" gegen Unduldsamkeit und religiöse Verfolgungen unternommen hat, bei allen Werken des sittlichen und geistigen Fortschrittes, die die „Alliance" in v:rschiedenen Ländern der Erde gestiftet hat, Werken, die dem Judenthum und den Juden zur Ehre gereichen. In allen Theilen Deutschlands wurden Comitäs gebildet. Diese haben noch heute in ihrer Mitte Mitarbeiter, die schon in der ersten Stunde da waren. Sie sind durch eine Erfahrung überzeugt, daß das, was die Stärke der „Alliance" ausmacht, in der Ausscheidung aller politischen und religiösen Meinungsverschiedenheiten und in der Einheit des Werkes liegt. Sie denken ebenso wenig daran, sich von uns zu trennen, wie wir von ihnen. Wenn Sie nun geneigt scheinen, aus politischen Erwägungen oder vielleicht aus Furcht vor unseren Feinden, den Namen „Alliance" zurückzuweisen, werden darum unsere Anhänger nicht auch fernerhin glauben, daß sie unserem Gedanken treu bleiben, jede politische Differenz beseitigen, alle ihre Kräfte und ihren ganzen guten Willen der „Alliance" zur Verfügung stellen müssen zur Emancipation, zur sittlichen Hebung der Juden und zur Erhaltung einer ganzen Reihe von Institutionen, die seit 40 Jahren zu diesem Zwecke gegründet wurden? Das sind die Gesichtspunkte, die wir Ihnen entwickelt hätten, wenn Sie uns Gelegenheit gegeben hätten, Ihr Project des „Hilfsvrreines" kennen zu lernen, bevor sie es zum Beschlüsse erhoben haben Thatsächlich haben wir vor Empfang Ihres Briefes vom 21. Mai keine Nachricht von Ihnen erhalten. Wir sagen Ihnen heute unsere Meinung mit jenem Freimuth, den wir Männer Ihrer Art schulden, die beseelt sind von gutem Willen und von dem aufrichtigen Wunsche eines Einvernehmens mit der „Alliance". Wir haben unsererseits die Ueberzeugung, daß der gemeinsame Wllle unserer Glaubensgenossen, die Juden zu stützen und zu erziehen, uns einträchtig diesem Ziele, so gut'als es nur geht, wird zustreben lassen". London. (A m e r i k a f ü r dieAmerikaner!) scheint auch der Wahlspruch der United Hebrew Gharities von New-Iork geworden zu sein, welche vor einiger Zeit an den Vorsitzenden des Londoner Board ok Guardians ein Schreiben gerichtet haben, des Inhalts, das Board mö^e doch die H e r ü b e r s e n d u n g e n jüdischer Emigranten nach d e n.V e r e i n i g t e n Staaten e i n st e l l e n. Der Brief wurde in der Monatssitzung des Boards vom 8. Juli verlesen und hatte da die Wirkung eines Blitz's aus heiterm Himmel gehabt. Wie weit muß es schon gekommen sein, wenn selbst die vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine von New-Iork keine jüdischen Emigranten mehr haben wollen! Wo sollen die Zehntausenden von armen Glaubensgenossen, die jahrein jahraus gezwungen sind, sich eine neue Heimat zu suchen, denn hin, wenn ihnen selbst das gastfreie Amerika seine Thore verschließt? Trotzdem schlug der.Vorsitzende des Boards, Mr. Leonhird Cohen, vor, den vereinigten New-Aorker Vereinen die Erfüllung ihres seltsamen Wunsches ohnewriters zu versprechen. Der Vorschlag wurde jedoch allseitig bekämpft. Parlamentsmitglied Stuart M. Samuel schlug vor, die vereinigten Vereine um die Namhaftmachung derjenigen mittellosen Emigranten zu ersuchen, die das Board im letzten Jahre nach Amerika hinübergesch'ckt habe. Die Debatte wurde schließlich vertagt, um dem Emigrationscomite des Boards Gelegenheit zu geben, sich mit der sensationellen Angelegenheit eingehender zu befassen. London. (Jahresversammlung der Anglo Jewish Association.) Am 30. Juni fand in beit Amtsräumen der Board of guardians zu London die diesjährige Generalversammlung der Anglo Jewish Association statt. Mr. Claude Montefiore beklagt die geringe Theilnahme des englischen Judenthums für die Bestrebungen der Gesellschaft, infolge dessen die .Einnahmen zurückgegangen sind. Es kommt mir oft sonderbar vor, daß 60 Männer unseres Vorstandes Monat für Monat zusammenkommen, um über die Verwendung einer Jahreseinuahme von höchstens 65 000 M. zu berathen. Redner bedauert es umsomehr, als das geringe Einkommen der Gesellschaft nicht gestattet, sich von der Pariser Alliance noch mehr zu separiren. Dieses kann nicht eher geschehen, als bis sich einige englisch-jüdische Millionäre entschlossen haben werden, für die Anglo Jewish Association dasselbe zu thnn, was 2—3 französische Juden für die Alliance gethan haben. Für Schulen in 9 Städten der Türkei mit ca. 200.000 Juden hat die Gesellschaft 104-0 Psd. Sterling (34 Percent der Grsammtausgaben) verwendet. Hier ist noch ein weites Feld für eine von der Alliance unabhängige Thätigkeit, allein unsere reichen Juden und Jüdinnen interessiren sich eben für unser Ecziehungswerk nicht. Nebst der Unterhaltung von Schulen hat die Gesellschaft noch die Aufgabe, für die Juden überall da einzutreten, wo sie schwer bedroht werden. In dieser Beziehung hat aber die Gesellschaft jetzt weit weniger zu thun als in früheren Jahren, da einerseits in vielen kleinen Ländern Judenverfolgungen heutzutage weniger häufig geworden sind. Andererseits aber gibt es Länder, wo eine Einwirkung von Seiten der Gesellschaft absolut zweck- und wirkungslos wäre. Demonstrationen und Deputationen sind, aber, wenn man damit nicht durchdringt, stets überaus schädlich. Redner geht zur Besprechung der Lage der Juden in der ganzen Welt über und bemerkt, daß die russischen Juden sich im Ltalns quo befinden. Sie sind im Gegensatz zu den rumänischen Juden wenigstens keine Fremdlinge im eigenen Vaterland. Außerdem gibt es unter den russischen Christen, wie auch unter den russischen Juden selbst eine große Anzahl gesunder und thatkräftiger Elemente, welche uns für die russischen Juden in eine hoffnungsvollere, Zukunft blicken lassen. Weit schlimmer ist die Lage der 260.000 Juden in Rumänien, welche wider Gesetz und Recht als Fremde mißhandelt werden. Was soll aber aus diesen Unglücklichen werden, die einer ebenso grausamen wie niederträchtigen Verfolgung ausgesetzt sind und für welche sich in ganz Europa kein schützender Arm erheben will?

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