Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 29 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. LS Dr. Blvch's Wochenschrift. Sette 489 Budapest. Eine glänzende Genugthuung ist dem Docenten Dr. Emanuel Herzl, der im Verein mit Professor Sonnenburg auf Wunsch des Königs an dem Honvödminister Baron Fejßrväry eine schwere, aber lebensrettende, glänzende Operation vornahm, zu Theil geworden. Herzl, der sich als Operateur weit und breit einen guten Namen erworben hat, sollte einem der medicinischen Faeultät vorgebrachten Vorschläge gemäß zum außerordentlichen öffentlichen Professor ernannt werden. Doch infolge des Referates zweier Professoren der Chirurgie wurde das Gesuch abschlägig beschieden und seine Ernennung nicht befürwortet. Bald darauf aber wurde der genannte Operateur durch Verleihung des ungarischen Adels ausgezeichnet. Es ist dies eine Ehrung, die einem Arzte, am allerwenigsten einem jüdischen, seit langer Zeit nicht zu Theil geworden ist. — Die Ofner Rabbinerwahl, welche unter geringerer Betheiligung der Wähler als bei früheren Anlässen vor sich ging, verlief abermals resultatlos, da für den Candidaten Dr. Arnold Kiß die nothwendige Zweidrittel-Majorität nicht aufgebracht werden konnte. Der Wahlgang wurde Nachmittags 2 Uhr durch den Wahlpräsidenten Dr. David Cohn e> öffnet. Die Wahlcommission bestand aus den Herren Moriz Steiner, Ignaz Spitzer, Max Danneberg. Adolf Ernst, Adolf Stampfer, Gustav Löwy, Dr. Daniel Pscsi und Israel Bruck. Als Vertrauensmänner fungirten seitens der Kiß-Partei Leopold Wassermann, Jakob Wamoser, Dr. Emanuel Klaar und Siegmund Friedländer; seitens der Gegenpartei Dr. Moriz Ernyei. Ludwig Bodrogi, Ladislaus Deutsch und Philipp Steiner. Die Abstimmung ging in größter Ordnung und Ruhe vor sich. Die stimmberechtigten Mitglieder kamen in spärlicherer Anzahl zur Urne als bei den früheren Wahlen, da ein großer Theil derselben sich bereits ferne von der Hauptstadt befindet. Abends 7 Uhr schloß der Vorsitzende den Wahlgang. Es wurden insgesammt 451 Stimmen abgegeben. Hievon lauteten 273 auf den Candidaten, 178 Wähler stimmten mit „Nein". Nachdem der statutarisch festgestellte Zweidritteltheil der abgegebenen Stimmen nicht dem Candidaten galt, wurde die Resultatlosigkeit der Wahl constatirt. Um 8 Uhr Abends zerstreuten sich die Wähler in größter Ordnung. Wie wir erfahren, wird der Gemeindevorstand in den nächsten Tagen eine Sitzung halten, um über die vorzunehmenden weiteren Schritte Beschlüsse zu fassen. Jägerndorf. Es dürfte für unsere Leser von Interesse sein, daß es einem unserer Glaubensgenossen, Herrn Sigmund Stern, Disponent der Firma Weinreb, gelungen ist, als Mitglied der Jägerndorfer priv. Schützengesellschaft die Königswürde zu erreichen. Seit dem nachweisbar 600jährigen Bestände dieser Gesellschaft ist es das erstemal, daß einem Juden diese Würde zutheil wurde, und daß Herr Stern diesen Erfolg thatsächlich nur seiner hervorragenden Treffsicherheit zu verdanken hat, beweist seine neuerliche Betheiligung am VHI. Bundesschießen in Brünn, bei welchem Herrn Stern trotz Concurrenz der bekanntesten Meisterschützen ganz Oesterreichs fünf namhafte Preise zufielen. Mit großem Ceremoniell wird am 21. d. M. der traditionelle Königsauszug unter Betheiligung der hervorragendsten Spitzen der hiesigen Gesellschaft und aller sonstigen Bevölkerungsclassen nach dem Schießhausparke erfolgen, um dortselbst festlich begangen zu werden. E. B. Brünn. Das achte mährische Landesschießen hat einen glänzenden Verlauf genommen, trotz der seitens der deutschnationalen Antisemiten gemachten Einwendungen wegen der Nichtracenreinheit. Die Betheiligung jüdischer Schützen war wohl nicht lebhaft, weil ja die Juden den Schießsport erst in neuerer Zeit pflegen. Allein die jüdischen Schützen haben sich nahe zu alle bewährt und die meisten derselben erhielten erste Preise. Drt Stadtmeisterschaft wurde zuerkannt: Leopold Langsteiner (Wien), die Pistolenmeisterschaft Otto Kuhn (Brünn), Leopold Bloch (Brünn). Auf der Feldscheibe Sigmund Stein (Jägerndorf), auf der Standehrenscheibe »Brünn" Emanuel Spitzer (Jglau). auf der Gedenkscheibe Fritz Fürst (Wien), Emil Lichtwitz (Jglau), Moritz Friedmann (Wien), auf der Pistolenfestscheibe „Sßteit" Otto Kuhn (Brünn), auf der Pistolenmeisterscheibe Otto Kuhn (Brünn), Leopold Bloch (Brünn) und auf der Feldmeisterscheibe Otto Kuhn (Brünn). Wie auf allen Sportgebieten bewähren sich die Juden auch im Schützenwesen und die von den Antisemiten gegen die Juden ins Treffen geführten Verleumdungen beweisen sich, wie stets, als mederträchtiger, gemeiner Haß und Neid wegen ihrer Präponderanz auf allen Gebieten des socialen und Berkehrslebens. Straßnitz. (Lehrer-Jubiläum.) Anläßlich des Schlusses des heurigen Schuljahres und des Austrittes des allseits geehrten und geachteten Leiters und Oberlehrers der hiesigen deutschen Volksschule, des Herrn Samuel Binder, aus seinem bisherigen Wirkungskreise fand Samstag den l3. d. M. im festlich geschmückten Lehrsaate vor einem zahlreich erschienenen Publicum eine solenne Sympathiekundgebung für den gefeierten Schulmann statt. Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Friedmann feierte in einer schwungvollen Rede die Verdienste und Charaktereigenschaften des Jubilars, den er als treuen Sohn und Gelehrten mit der höchsten Auszeichnung, die ein Rabbiner zu verleihen hat. ehrte, indem er ihm die „Morenu" ertheilte. Hierauf überreichten für die dankbare Schuljugend drei Schulmädchen einen silbernen Pocal und ein Blumengewinde mit dankerfüllten Worten und einem gelungenen Festgedichte. Im Namen der Cultusgemeinde sprach Herr Dr. Ignaz Robitschek» im Namen des Ortsschulrathes Herr Moritz Haberfeld, im Namen der politischen Gemeinde Herr Wilhelm Kohn-Glück. Sie alle bedauerten den Abgang des verdienstvollen Lehrers und versprachen ihm ein dankbares Angedenken. Sodann brachte Herr med. Theodor Kohn in begeisterten Worten die herzlichsten Glückwünsche und die Versicherung steter Dankbarkeit im Namen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen kraftvollst zum Ausdrucke. Zum Zeichen der allgemeinen Verehrung und zum Beweise der Dankesgefühle überreichte der gewiegte Redner eine prachtvoll ausgeführte Dankadresse und eine werthvolle Consoluhr als bescheidenes Ehrengeschenk. Im Namen der gewesenen Straßnitzer Schülerinnen dankte Fräulein Hedwig Haberfeld dem Jubellehrer in schlichten, ergreifenden Worten. Herr Oberlehrer Binder, sichtlich gerührt, dankte Allen und jedem Einzelnen herzlich für die dargebrachten Huldigungen und nahm von allen Freunden und Schülern bewegten Abschied. Außerdem erhielt'Herr Oberlehrer Binder ans Kanitz ein schön ausgestattetes Album mit den Photographien ehemaliger Schüler und Schülerinnen und zahlreiche Huldigungsschreiben aus Nah und Fern. Am Nachmittage überbrachte unter Führung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners eine Deputation des Schulkreuzervereines dem Gründer dieses humanen Vereines das wohlverdiente Ehrenmitglieds-Diplom. Herr Oberlehrer Binder hat sich durch seine verdienstvolle 4vjährige Wirksamkeit und seinen lauteren Charakter die Sympathien Aller erworben, so daß er, wie Herr med. Theodor Kohn in seiner trefflichen Rede bemerkte, ohne Uebcrhebnng mit Heine sag.n kann: „Und nennt man die besten Namen, so wird auch der meine genannt." Ein dauerndes Denkmal ist dem Jubilar im Herzen seiner dankbaren Schüler und Mitbürger gesichert. Möge es ihm und seiner werthen Frau Gemalin gegönnt sein, lange, lange Jahre in ungestörter Kraft und Gesundheit die wohlverdiente Ruhe zu genießen! Dresden, 4. Juli. Durch den Zusammenbruch der Leipziger Bank hat die hiesige jüdische Gemeinde einen empfindlichen Verlust erlitten, indem sie nahezu des gesammten Capitals einer Wohlthätigkeits-Stiftung beraubt wurde, welche für unsere heimlichen Armen und für zahlreiche humanitäre Institute reichen Segen bedeutete. Der Begründer des Bankhauses M. S ch i e hat testamentarisch verfügt, daß seine ganze Nachlaffenschaft in Actien der Leipziger Bank, welche damals als mündelsicher galt, anzulegen und nur der Zinsertrag seinen Erben zu übermitteln sei. Das Vermögen sollte als Familien-Stiftung fichergestellt werden, damit für alle Zukunft keiner seiner Nachkommen in Noth gerathen könnte. Für den Fall des Aussterbens seiner Familie bestimmte der Erblasser, daß das gesammte Vermögen der hiesigen jüdischen Gemeinde zufallen und letztere verpflichtet sein sollte, die Zinsen alljährlich an Arme zu vertheilen. Die Familie, welche beim Tode des edlen Wohlthäters über dreißig Mitglieder zählte, ist ausgestorben und die Stiftung vor etwa eineinhalb Jahrzehnten in den Besitz der Gemeinde übergegangen. Nachdem die Noten-Privilegien der Leipziger Bank aufgehoben waren, wandte sich der Vorsteher der Gemeinde, Herr Banquier Salzburg an die Regierung mit dem Ersuchen, die Testaments-Bestimmung, wonach das Vermögen in Actien der Leipziger Bank angelegt bleiben mußte, aufzuheben. Dieses Ersuchen wurde mit der Begründung abgewiesen, daß die Verfügung des Erblassers unabänderlich sei. Als immer ernstere Zweifel über die Solidität des Bankinstitutes sich aufdrängten, wiederholte Herr Salzburg die Vorstellung bei der Regierung, abermals mit negativem Ergebniß. Durch die nunmehr hereingebrochene Katastrophe ist das gesammte, sehr namhafte Capital der Stiftung verloren! Es wird der erprobten Opferwilligkeit der Angehörigen der hiesigen jüdischen Gemeinde bedürfen, um mit vereinte» Kräften wenigstens annähernden Ersatz zu schaffen und die zahlreichen Familien, welche der unentbehrlichen Unterstützung beraubt worden find, vor bitterer Noth zu bewahren. München, 2. Juli. Der Antisemiten-Oberhäuptling Wengg hat gegen den Herausgeber und gegen den Redakteur der erzantisemitischen »Neuen Bayrischen Landeszeitung", gegen Memminger und Geister die Beleidigungsklage angestrengt. Man kann auf die gerichtlichen Auseinandersetzungen der feindlichen