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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-19 · 29 (19.7.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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etMe 488 Dr. Vloch's »orlMschrM. Nr. SS welches Dr. Sieger als treuer Anhänger des Judenthums zur Förderung desselben und insbesondere in der Abwehr ungerechter Angriffe zu jeder Zeit bekundet habe. Die Versammlung stimmt de» Ausführungen des Präsidenten zu und auch seiner Mitteilung. daß er Herrn Dr. Sieger das Bedauern über seinen Austritt zur Kenntmß bringen werde. Cuttusvorfteher Dr. Joseph Breuer referirt über die Anstelkrug zweier Hilfsärzte für die israelitische Bersorgungsanstalt. Entsprechend seinem Vorschläge werden die Herren: Dr. Julius Arisch und Dr. Otto Paul Gerber zu Hilfsärzten ab 15. Juli 1901 bestellt. Namens des AufnahmscomitLs für die israelitische Versorgungsanstalt referirt Herr Vertreter Oberingenieur Arthur Edler v. Mises über die Aufnahme von 14 Männern und 18 Frauen in das neue Siechenhaus, weiters über die Aufnahme von 14 Personen in das Bersorgungshaus und gibt bei diesem Aulaffe ein Bild über den Pfleglingsstand des Altersversorgungshauses. In das am 1. November 1890 «öffnete Altersversorgungshaus wurden an Jnsaffen des alten von Wertheimstein'schen SiecheuhauseS 13 Personen übernommen, von welchen derzeit noch zwei am Leben find. Die Zahl der Jnsaffen des AltersversorgimgShauses seit der Eröffnung desselben im Jahre 1890 bis zum 7. Juli 1901 betrug 400. Bon diesen sind 221 gestorben, 9 find freiwillig ausgeschieden, so daß sich derzeit im Bersorgungshause 170 Pfleglinge befinden. Nach der Zuständigkeit entfallen auf: Wien .. Nieder-Oesterreich (außer Wien) Böhmen .. Mähren. Schlesien . . . . . . . Gmizien. Triest. Ungar«. Bereinigte Staaten . . . Der Präsident nimmt Anlaß, den Dr. Breuer und Oberingenieur v. Mises für ihr Mühewaltung den Dank des Vorstandes auszusprechen. Die vom Statutencomitö für das Bersorgungshaus vorgelegte Hausordnung für die Bersorgungsanstalt der israelitischen Cullüsgemeinde wird im Sinne des Referates, des Herrn Baurathes Theodor Ritter von Goldschmidt en Live Eingenommen. Vertreter Dr. Maximilian Steiner referirt über die Bestellung eines Functionärs für die Seelsorge im Gefangenhause des k. k. Landesgerichtes an Stelle des Herrn Lectors M. Friedmann, welcher diese Functionen seit 30 Jahren in ausgezeichneter Weise versehen, und mit Rücksicht auf sein hohes Alter um Enthebung von diesem Posten angesucht hatte. Entsprechend dem Vorschläge des Bertretercollegiums wird Herr Dr. Armand Kaminka, gewesener Oberrabbiner von Effegg, provisorisch mit diesen Functionen bis Ende dieses Jahres betraut. In die vorbereitende Commiffion zur Bildung einer historischen Commiffion werden zu den in einer früheren Sitzung gewählten Fachmännern die Vorstandsmitglieder: Architekt Max Fleischer, Docent Dr. Josef Grünfeld, Direktor D. Simon, Dr. M. Spitzer, Dr. Maximilian Steiner und Baurath Wilhelm Stiaßny entsendet. Schluß der Sitzung halb 8 Uhr Abends. ~~~ Wie». (Paßschwierigkeiten an der russischen Grenze.) Bis vor Kurzem war der Grenzverkehr mit Rußland sowohl über die österreichische als über die deutsche Grenze auch jüdischen Kaufleuten mit Paffirscheinen gestattet. Dieses Recht ist vor einiger Zeit sistirt worden. Auf Reclamationen der deutschen Behörden wurde der Grenzverkehr an der deutschen Grenze wieder gestattet. An der österreichischen Grenze blieb jedoch das Verbot aufrecht, wodurch der österreichisch-russische Grenzverkehr außerordentlich gehemmt wurde. Auf Ersuchen der Krakauer Handelskammer hat heute der Reichsrathsabgeordnete dieser Kammer, Dr. v. Rapoport. beim Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber und bei dem ersten Sectionsches im Ministerium des Aeußern, Grafen Szecsen, Vorstellungen erhoben. Der Ministerpräsident erklärte, daß er sich mit dieser Angelegenheit sehr beschästige. und im Ministerium des Aeußern wurde dem Abg. Dr. v. Rapoport der Bescheid, daß mehrfache Schritte in dieser Angelegenheit durch den k. u. k. Botschafter in Petersburg gemacht wJr^en seien. — Nach einer Mittheilung, welche die Regierung 42=24*7% 1= 0'6 % 18=10*5% 28=16*4% 1= 0*6% 17=10*0% 1= 0*6% 61=36*0% 1= 0*6% Vorstehern Herren: an die Krakauer Handelskammer gelangen ließ, find die vom Botschafter Baron Aehrenthal unternommenen Schritte in der That von Erfolg begleitet. Die ruffische Regierung hat die früher bestandenen Erleichterungen bezüglich des Grenzverkehrs an der österreichisch-russischen Grenze wiederhergestellt und der Grenzübertritt der mit Legitimationskarten versehenen Grenzbewohner mosaischer Confeffion wurde, so wie es früher üblich war, wieder zugelassen. Wien, 16. Juli. (Das Opfer eines Denune i a n t e n.) Im März d. I. fand vor einem Erkenntnißsenat des hiesigen Landesgerichtes eine Verhandlung statt, die durch die Person des Angeklagten, durch die Art der „strafbaren Handlung* und den Belastungszeugen interessant war. Auf der Anklagebank saß der vierzigjährige Mediciner Berthold Bodansky, ein schwer nervenleidender Mensch. Er war angeklagt, in der Servitenkirche, in die er eingetreten war, um die Musik einer Meffe zu hören, bei der Wandlung nicht aufgestanden zu sein, was nach Aussage des Zeugen, eines antisemitischen „Journalisten" v. B u k o v i ch, Aergerniß erregte. Der Bukovich, der, wie sich später herausstellte, ein höchst anrüchiges, wegen allerhand gemeiner Schwindeleien später mehrfach bestraftes Subject war, provoeirte in der Kirche einen Scandal, mißhandelte den todtkcanken „Religionsstörer* und denuncirte ihn schließlich. Auf Grund der von heiliger Entrüstung erfüllten Aussage dieses ehrenwerthen Bukovich und der einer Kellners, der auch bemerkt hatte, daß Bodansky in der Kirche sitzen Zeblieben war, wurde dieser zu einer Woche Arrest verurtheilt. ' Damals machte der Berurtheilte ans jeden Unbefangenen schon den Eindruck eines schwer kranken, auch Psychisch nicht ganz gesunden Menschen. Als später die erwähnten Qualitäten des sehr edlen Bukovich zum Vorschein kamen, suchte Bodansky, dessen Beschwerde der Caffationshof verworfen hatte, um Wiederaufnahme des Verfahrens an. Das Landesgericht gab dem Gesuche Folge, das Oberlandesgericht jedoch beschied auf eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin das Gesuch abschlägig. Gestern wurde Bodansky todt in der Wohnung seiner Eltern aufgefunden. Er ist so plötzlich gestorben, daß zur Feststellung seiner Todesursache die sanitätsbehördliche Obduction angeordnet wurde. Wenn auch nicht erwiesen werden konnte, daß der unglückliche Kranke selbst seinem Leben ein Ende gemacht hat, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß die großen Aufregnngen der letzten Zeit die Schuld an diesem Plötzlichen Tode trugen. Seit seiner Berurtheilung verfiel Bodansky, der sich fortwährend mit dieser Angelegenheit beschäftigte, sichtlich und widmete nur Interesse den Nachrichten, die hie und da in der Gerichtssaalrubrik über den Denuncianten Bukovich auftauchten. Dieser scheint indessen den heißen Wiener Boden verlassen zu haben. Lemberg. Zufolge der Vereinbarung des hiesigen Vereines „Schomer Israel* und des „Jüdischen Bolksvereines in Wien* hat Samstag den 6. d. M. unter Aegide der Herren Dr. Vierer. Julius Hochfeld^ und E. Rosenfeld eine imposante Volksversammlung, die alle Schattirungen: Nationale, Socialisten, und Zionisten, vereinigte, im Saale des Handwerkervereines „Jad Charuzim* stattgefunden, zu welcher von Seite des „Jüdischen Bolksvereines* Herr Dr. Lifschitz und Red. Munk delegirt wurden. In dieser Versammlung wUt.de Stellung genommen gegen die schädigenden §§ 59 und 60 der Gewerbe-Ordnung und nach den Reden der Herren Dr. Lifschitz, Red, Munk, Dr. Malz, Koffler, Salamander, Menkes folgende Resolution des Antragstellers Julius Hochseld angenommen: 1. Eine Maffenvetition der Agenten, Hausirer und Gewerbetreibenden von Galizien und der Bukowina an das Handelsministerium und an die Handelskammer zu senden. 2. Eine Petition mittelst des „Jüdischen Bolksvereines* an das Herrenhaus durch den Jüdischen Bolksverein. 3. Biele Volksversammlungen in Galizien und der Buko wina wegen Stellungnahme gegen die die Agenten und Hausirer schädigenden §§ 59 und 60 der Gewerbe-Ordnung zu veranstalten. 4. Ein Mißtrauensvotum den jüdischen galizischen Abgeordneten. die nur persönliche Ambitionen, aber keine jüdischen Interessen vor Augen haben, zu ertheilen. Schließlich einigten sich alle vertretenen Parteien, die Jüdischuationalen, Zionisten und Socialisten, zufolge der treff lichen Rede des Dr. Lifschitz dahin, gemeinsam gegen die drohende Gefahr zu arbeiten und so den Beweis zu erbringen, daß die Juden wenigstens in der Gefahr solidarisch Vorgehen. Mit einem Dankesvotum an den „Jüdischen Bolksverein* und den „Schomer Israel* wurde die interessante und für di«* Juden bedeutungsvoll« Versammlung geschloffen.

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