Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 29 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 89 Dr. Blocht wvckrenschrin. Sette 487 Jahrhundert, mit einem den König Salomo darstellenden Titelbild, die italienische mit hebräischen Lettern 1617 in Venedig gedruckte des Rabbi Hiskia Rieti, einige in italienschen Versen und die 1894 zum ersten Mal in Paris gedruckte, arabische des Gaon Saadja, mit französischer Uebertragung und hebräischen Anmerkungen von I. Derenbourg. Hebräisch ist auch der 1748 in Livorno gedruckte Commentar des aus Granada stammenden Abraham Gawison, arabisch der des 30. Capitels vom Karaiten Japhet ben Eli, mit lateinischer Uebersetzung von Zacharias Auerbach 1866 in Bonn gedruckte. Daran schließen sich zwei englische Erläuterungsschriften von S. C. Malan 1889—1893 in drei Bänden und vonJ.L.Nye 1889, zwei lateinische mit Commentar von Albert Schaltens 1748 und vom Jesuiten Peltan 1621. Neben dem Jesuiten nennen wir Melanchthon mit seinem 1556 iu Wittenberg gedruckten Commentar und des Superintendenten Dr. Konrad Dietrich zu Ulm „Buch der Weisheit Salomons, in unterschiedenen Predigten erkläret und ausgelegt", Ulm 1632. Ferner eine französische kritische Dissertation von C. Reymond, Genf 1859 und Richard Pfeiffer's „Die religiös-sittliche Weltanschauung des. Buches der Sprüche, München 1897, endlich die nur den Sprüchen Agurs und Lemuels (Cap. 30 und 31) gewidmeten Abhandlungen von G. L. Björck (schwedisch, Upsala 1865) und H. F. Mühlau, (lateinisch) Leipzig 1869. Zwei Sammlungen unter dem Titel Adagia sacra, Leipzig 1601, Lyon 1612 und die Proverbia des I. Drusius, Franeker 1590, enthalten Sprichwörter aus der ganzen Heiligen Schrift, im Original oder in lateinischer Uebersetzung. Solche in gereimter französischer Uebersetzung enthält des Cölestiner's Du Chastel Recueil des plus notables Sentences de la Bible, Paris 1577. Ein kostbares seltenes Werk ist der Mibcbar hä Peninim, gedruckt.1484 in Soncino, die hebräische Uebersetzung des Jehuda ibn Tibbon von Salomon ibn Gabirol's arabischer Sammlung von Sentenzen, Anekdoten, Räthseln u. dgl. Reich vertreten ist die Spruchweisheit des Talmud in Bernstein's Bibliothek. Wir finden u. A. Blüthenlesen in der Originalsprache: Millin de Rabbunun von Israel Michelstädt, Frankfurt a. O. 1781, Arugath ha Bossem von A M. Mohr, Lemberg 1848; Leier Baruch Mnwonim öon Abraham Sußmann, Wilna 1869; in jüdisch - deutscher Sprache: von Jsaac Posner, Berlin 1734, von Seligmann Ulma, Frankfurt a. M. 1680, der sich rühmt, ein „göttlich und weltlich Sefer, das seinesgleichen ist nie in Druck gekommen" geliefert zu haben. Bescheidener ist der anonyme Uebersetzer der Maase ba Gedolim, Lemberg 1891, der seine 110 talmudischen Sprichwörter mit Lebensgeschichten der Talmudisten aus dem hebräischen Werke eines „großen Gelehrten" übersetzt haben will. „In hebräischer und deutscher Sprache geordnet" ist H. I. Löwenheim's „Sentenzen, Sprüche und Lebensregeln aus dem Talmud und anderen Urquellen orientalischer Weisheit" Berlin 1857. Hebräisch und französisch mit Anmerkungen sind die alphabetisch geordneten 1343 Sentences et Proverbes du Talmud et du Midrasch von Moses Schuhl, Paris 1878. Eine ausführliche Recension dieser Sammlung ist enthalten in Adolph Franck's Nonveiles etudes orientales, Paris 1896, welche sich ebenfalls in der Bibliothek befinden. Sie enthält auch Samson Levy's Mekor Chajim (Quelle des Lebens) in französischer (Paris 1845) und italienischer (Venedig 1852) Ausgabe, eine Sammlung, in der sich nur Sentenzen, Lebensregeln, Parabeln und Allegorien aus dem Talmud, aber keine Sprichwörter finden. Zahlreiche talmudische Sprichwörter enthält dagegen eine andere italienische Sammlung, Fioretti tabnudici, Mailand 1835, von einem anonymen „Rationalisten", der sie mit andern „moralischen Blüthen berühmter antiker nnd moderner Autoren" vergleicht. Sprichwörter, Legenden und Gedanken aus Talmud und Midrasch, sowie ein talmudisches Sprichwörter-Lexikon in polnischer Sprache (Warschau 1880 und 1887) besitzt die Bibliothek von David Rundo, ebenso wie Sententiae et Proverbia Rabbinorum Pirke Abotb von Louis Henri Daquin, Paris 1620. Unbescheidener als diese in Paris erschienene nennt sich eine in dem kleinen Jsny 1541 gedruckte lateinische Uebersetzung der Pirke Aboth.- Sententiae vere elegantes, piae mireque cum ad lingnam discendam, tum animum pietate excolendnm utiles, veterum sapientum Hebraeorum quas id est Capitula, aut si mavis, Apoplitegmata' Patrum nominant. Neben der großen Zahl von Uebersetznngen der Sentenzen des Jesus Sirach und Ausgaben des griechischen Textes enthält die Bibliothek auch die vor Kurzem aufgesundenen, 1897 in Oxford und in Berlin gedruckten Bruchstücke des verlorenen hebräischen Originals, sowie zwei Ausgaben der hebräischen Sittensprüche des Ben-Sira nebst lateinischer Uebersetzung. Sprichwörter aus dem Hebräischen mit Anmerkungen und Parallelen enthält auch die zweite Ausgabe der englischen Sammlung von Sprichwörtern, von I Ray, London-1678. Doch wir müssen von dem schönen Kataloge Abschied nehmen, der gewiß in den Herzen Aller, die fich mit Parömiologie, Volkskunde und Philologie beschäftigen, lebhafte Sehnsucht nach der kostbaren Bibliothek selbst erregen wird. Nun, es steht kein Engel mit dem stammenden Schwerte vor diesem Bücherparadiese. Aber die häßliche Schlange fehlt nicht. Herr Bernstein hat, sehr tolerant, auch dem „Antisemiten-Katechismus" des Theodor Fritsch Einlaß gewährt, weil er auf zwei Seiten Spr'chwörter über Juden enthält. Der Verfasser, ein Muster antisemitischer Bosheit und Unehrlichkeit, hat aus Wander's großem Sprichwörter-Lexikvn alle judenfeindlichen Sprichwörter ausgezogen, die den Juden günstigen hat er weggelassen. Die alte Schlange kriecht noch immer herum und sticht in die Ferse, manchmal erhebt sie sogar frech den Kopf, zischt unb spritzt ihr Gift aus, aber schließlich wird man ihr den Kopf zermalmen. M. L. Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Borstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien, am 9. Juli 1901. unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung halb 5 Nhr Nachmittags. Im Einlaufe werden zur Kenntniß gebracht: An Spenden: Vom ersten Vice-Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern sür Arme K 100, von Herrn Vertreter Dr. Maximilian Steiner für die Chewra- Kadischa zur Vertheilung an Arme während der Schuwa-Zeit X 100.-. Im Präsidialberichte gibt der Vorsitzende ein übersichtliches Bild über die Gebahrung des Gemeindehaushaltes im ersten Halbjahre 1901 und über den finanziellen Stand. Zur Verlesung gelangt ein Schreiben des Herrn Cultusvorstehers Architekten Max Fleischer, in welchem derselbe mittheilt, daß das im Aufträge des Cultusvorstandes ausgeführte Grabdenkmal für den seligen Obercantor Josef Goldstein aufgestellt ist und in die Obhut der Gemeinde übernommen wurde. Der Präsident spricht unter Zustimmung der Versammlung dem Herrn Architekten Fleischer, welcher in gewohnt uneigennütziger Weife die Pläne für das wahrhaft künstlerische Grabdenkmal entworfen und die Ausführung desselben überwacht hat, den wärmsten Dank aus. In Hinsicht auf das zur Verlesung gelangte Schreiben des Herrn Regierungsrathes Dr. Heinrich Steger, des Inhaltes, daß er sich infolge Ueberbürdung durch Berufspflichten genöthigk sehe, sein Mandat als Cultusvorsteher niederzulegen, gibt der Präsident seinem lebhaften Bedau-rn Ausdruck, daß es seinen Bemühungen nicht gelungen sei, Herrn Dr. Steger von seinem Entschlüsse abzubringen, und gedenkt des warmen Interesses,