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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-19 · 29 (19.7.1901) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenfchriff. Sette 485 mit verschiedenen Zuthaten als „Original-Bericht" übernommen und die Juden als Urheber der vermeintlichen Gräuelthat bezeichnet hat. Der mystificirte „Przedswit" macht sich nun deshalb über seinen Krakauer Kollegen lustig. David Kaufmann. 1852-1899. Von Dr. Samuel Krauß in Budapest. (Fortsetzung.) Unterdessen machte er bereits die ersten Flügelschläge zu dem hohen Flug, den sein Geist in den Sphären der Literatur später zurücklegte. Seine erste, mit 18 Jahren unternommene Arbeit war eine historisch-kritische Abhandlung aus dem Gebiete der altbiblischen Geschichte, deren näheres Thema meinem Gewährsmann nicht bekannt ist, deren Manuscript jedoch sich entweder in der Hinterlassenschaft des Autors oder in der Universität Erlangen befinden muß, denn sie war ursprünglich für eine Dissertation behufs Erlangung der Doctorwürde an der Universität Erlangen bestimmt, wofür sie jedoch weder verwerthet, noch gedruckt wurde. In Wirklichkeit war seine Dissertation die Religionsphilosophie des S a a d i a, die in seiner Attributen lehre gedruckt ist?) Denn Kaufmann hatte sich von der Behandlung der biblischen Geschichte, in der er keinen sicheren Boden unter den Füßen fühlte, alsbald abgewendet, um sich der jüdischen Religionsphilosophie zuzuwenden. Er war noch nicht 19 Jahre alt, als er auf dem Breslauer Seminar mit seiner Abhandlung „Die Theologie des Bachja ibn Pakuda“ einen Preis gewann; diese Abhandlung wurde unter den Publicationen der kaiserlichen Akademie zu Wien 1874 ausgenommen?) In diese frühe Zeit)reicht auch die Ausarbeitung des Saadja behandelnden Theiles seiner „Attributenlehre" zurück. Diese Schrift diente ihm, wie bereits erwähnt, zur Doctordissertation, und zwar in Leipzig, wo er anderthalb Semester die Universität besuchte und unter Anderem die Collegien des großen Orientalisten M. Fleischer hörte; hier promovirte er im Jahre 1874, wobei er unter Vorsitz des Astronomen B r n h n s die mündliche Prüfung bei den Professoren Krehl, Loth und D r o b i s ch mit der höchsten Auszeichnung bestand. Sein Aufenthalt in Breslau war damit noch nicht zu Ende. Bon 1871 bis 1876 studirte auch der jüngere Bruder, Ignatz Kaufmann, am Gymnasium zu Breslau, während welcher Zeit der jüngere Bruder sowohl in den Gymnasialgegenständen, als auch im Hebräischen Unterricht von dem älteren Bruder erhielt. Dieser jüngere Bruder nun versichert mich, daß dieser Unterricht die Geduld David Kaufmanns auf harte Probe setzte und ihm viel Zeit raubte, dennoch aber ertheilte er ihn mit rührender brüderlicher Liebe. Im gemeinsamen Studirzimmer nahm der jüngere Bruder auch noch Violinunterricht und übte sich am Clavier; es gab also eine ständige Musikbegleitung bei der Ausarbeitung der „Attributenlehre". Eine ernste achtwöchentliche Erkrankung des jüngeren Bruders erheischte von David Kaufmann eine Selbstaufopferung, deren Martyrium er nur durch die Theiluahme Dr. Rofin's und seiner edlen Gattin ertragen konnte. Edles Zartgefühl bekundete Kaufmann auch darin, daß er von Breslau aus seinen drei Schwestern im elterlichen Hause einen schriftlichen Lehrcurs ertheilte. Deutsche und französische Aufgaben, zum Theil eine leichtere Correspondenz in französischer Sprache, Bezeichnung von Lehrbüchern und belletristischen Schriften, die sie durcharbeiten sollten — dies war der hauptsächliche Gegenstand der mit den Schwestern geführten Correspondenz, welche ganz danach angethan war, die Schwestern vollauf zu beschäftigen?) Dabei nahm er den Eltern auch einen Theil der materiellen Sorgen ab. indem er den Söhnen der Herren Dr. Rosin und Maier Levi im Hebräischen Privatlectionen gab. Bald zu Anfang seiner Universitätsstudien schrieb er auch für Journale und periodische Blätter, so in die „Breslauer Zeitung", in die „Schlesische Presse" in Breslau, in „Ungar. Grenzbote" in Preßburg, in die „Neue Freie Presse" und die „Deutsche ') Nach einer Mittheilung seines Schwagers Dr. F. Rosenthal. Rabbiner in Breslau. a) Diese Schrift wurde von seinem Landsmann N. Brüll scharf bekrittelt, weshalb denn zwischen den Jugendfreunden eine Verstimmung eintrat. s) Die drei Schwestern Kaufmanns sind Frau Dr. Ernestine Oppenheim in Brünn, Frau Dr. Amalie Rosenthal in Breslau und Frau Mühlen-Director Nadie König in Budapest. Zeitung" in Wien, in das von Lehmann redigirte, sehr angesehene Blatt „Magazin für die Literatur des Auslandes" und viele Andere; es waren dies Artikel über Judenthum und die jüdische Wiffenschaft, und diese Thätigkeit machte nicht nur seinen Namen weithin bekannt, sondern trug auch zum Auskommen der beiden Brüder bei. Er kam nun auch in die Lage, eine ausgebreitete wissenschaftliche Correspondenz zu unterhalten, so daß seine Zeit wirklich knapp bemessen war. Um seine Correspondenz bewältigen zu können, setzte er feste Briestage ein, eine Eigenthümlichkeit. an der er bis an das Ende seines kurzen Lebens festhielt. Die Eltern und Geschwister konnten gewöhnlich bis auf die Stunde das Eintreffen seiner Nachrichten voraussehen. Für alle Sabbathe schickte er seinen Eltern einen größeren Brief und eine Karte im Laufe der Woche. Am Seminar war Kaufmann das rührigste Mitglied der beiden jugendlichen Verbindungen, des homiletischen und des Livjath-Chen-Vereines. Seine Predigten im homiletischen Vereine verfehlten nicht, Aufsehen zu erregen. Er unterhielt mit seinen Collegen ein recht inniges Berhältniß, und zwar auch außerhalb der Schule; so machte er z. B. mit ihnen zu bestimmten Stunden größere Spaziergänge; in Kaufmannes Leben war nämlich auch der Spaziergang aufs Peinlichste geregelt. ES waren aber seine Collegen ihm gleichwerthige charakterfeste Männer, so Dr. Wilhelm Bacher, später auch sein College am Rabbinerseminar zu Budapest. Dr. Adolf Schwarz, gegenwärtig Rector der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien. Dr. D. H. Müller, der berühmte Orientalist an der Universität in Wien, Dr. S. Beck, gegenwärtig Rabbiner in Bukarest, u. A. So manchem seiner Collegen half er auch bei der Vorbereitung für die Lamina und so manche Dissertation ging durch seine Hände, ehe sie in die Hände der Professoren kam. In der Gesellschaft machte er sich in Breslau durch seine Predigten im Seminartempel und durch seine wissenschaftlichen Vorträge bekannt, die er in dem Vereine „Austria" hielt, einem Vereine, zu welchem Leute aus allen Berufskreisen gehörten, und wo er über populäre Themata von österreichischen Interesse sprach, so über Grillparzer, Adalbert Stifter rc. Manche werthvollen wissenschaftlichen Arbeiten und Predigten aus der Breslauer Zeit, die nicht veröffentlicht find, verdienen in die gesammelten Schriften David Kaufmann's. die von der Zunz-Stiftung zu Berlin herausgegeben werden sollen, ausgenommen zu werden; freilich wird sich dann über diese Arbeiten ein besser begründetes Urtheil abgeben lassen?) ll. David Kaufmann war nun in dem Alter, wo es galt, einen Lebensberüf zu wählen. In einem seither bekannt gewordenen Briefe („Allg. Zeit. d. Jud." 1901, S. 41) schreibt Kaufmann den 15. April 1873 an W. Hertzberg: „Ich bin sechs Jahre schon im Breslauer Seminar und stehe trotzdem nicht an, meinen Beruf Ihnen als noch gar nicht gewählt oder feststehend zu bezeichnen." Noch als Seminaristen wurde ihm von Seiten der Leipziger jüdischen Gemeinde der Antrag gestellt, daß er von ihr die Kosten seines Studiums erhält, wenn er sich verpflichtet, nach Beendigung desselben das dortige Sekretariat zu übernehmen; der Antrag wurde abgelehnt. Das Natürlichste wäre freilich gewesen, daß er gleich den Meisten seiner Collegen einen Rabbinatsvosteu annehme, und in der That bewarb er sich im Jahre 1876 um das Berliner Rabbinat, das er aber wegen seines unbeugsamen Conservativismus nicht erhalten konnte?) Kaufmann hatte sein Fiasco oder seinen glänzenden Durchfall, wie er sich ausdrückte, vorausgesehen, und hätte er es sich überhaupt nicht einfallen lassen, sich um die Kanzel eines Michael Sachs zu bewerben, wenn er durch seinen Gönner David R o s i n nicht förmlich dazu gedrängt worden wäre. Mit seinen Reden und seinem Auftreten erntete er allgemeinen Beifall, und hieß es auch überall, daß seine Wahl ') Bis hieher reichen die Daten, die mir Herr Ignatz Kaufmann in Kojetein gegeben, dessen Worte ich mitunter in unveränderter Fassung wiedergebe. Doch habe ich von ihm auch für den folgenden Abschnitt des Lebens seines Bruders werthvolle Daten, für die ich ihm hiemit bestens danke. Für gleichen Dienst spreche ich auch der Schwester und dem Schwager Kaufmann's, Frau und Herrn König in Budapest, meinen innigsten Dank aus. Sämmtliche Daten dieser Biographie find auch von der Witwe, Frau Prof. Kaufmann, geprüft und gebilligt worden. *) Man sagt, daß die zur Reform neigenden Herren der Berliner Gemeinde es dem jungen Kandidaten verübelten, daß er am Versöhnungstage gegen alle gute Sitte (!) in Filzsocken betete. Mehrere Stimmen über Kaufmann's Predigten in Berlin findet man in Frankl- Grün's Biographie.

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