Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 29 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 484 Nr. 29 Br. Bloches Wochenschrift. der größten Berliner Häuser in Leipzig eine Filiale aufthat, so wird man nicht fehlgehen in der Bermuthung, daß an der Leipziger Katastrophe jene jüdische Großmacht nicht unbetheiligt war, die »jenseits von gut und böse" und unbekümmert um die Thräuen der Verzweifelten mit zermalmendem Fuße Alles niedertritr, was sich ihrem dämonischen Streben nach Meinherrschast entgegenstellt." Der vorstehende Artikel bestätigt, daß protestantisch-kirchliche Kreise durch die Leipziger Katastrophe besonders hart betroffen sind, wie denn auch der Gustav-Adolfverein 180.00j Mark auf der Bank stehen hatte. Auch hat ein weimarischer Superintendent ins Irrenhaus gebracht werden muffen, weil er bei dem Krach sein ganzes Vermögen verloren hat. Die Leipziger Bank hat vor Allem eine weit ausgedehnte Pastorenkundschast; Leipzig und Halle sind ja specielle Zentren des kirchlichen Protestantismus. Außerdem sind auch die Verbindungen mancher Directoren der verkrachten Spielhageubanken mit den erwähnten Kreisen bekannt, so daß die Bankkata>trophe gerade ui diesem Lager leider wirkliche Verheerungen angercchlet hat. Der pessimistische Ton des Artikels der „Allg. evangel.-luther. Kirchenzeitung" erklärt sich daraus von selbst. Es ist auch vollständig richtig, was sie zur Kritik des Auffichtsrathswesens schreibt; diese Institution scheint mehr dazu zu existireu, angesehenen Personen Tantiemen zu gewähren, als wirklichen Nutzen zu stiften. Die Mitglieder von Aufsichtsräthen erlangen meist überhaupt keinen Einblick in die Institution, der sie vorstehen, man schneidet ihnen förmlich die Möglichkeit dazu ab, denn man ivill nur ihre Namen. Richtig bemerkt die katholische »Kölnische Bolksztg. (7./7.): „. . . Was das orthodoxe Centralorgan gegen die Berliner Hochfinanz sagt, bedarf näherer Erläuterung und Begründung. Die „jüdische Hochfinanz" hat doch nicht verschuldet, daß die Leipziger Bank sich soweit mrt der Caffeler Trebertrocknungsgesellschaft eingelassen har, daß kein anderer Ausweg mehr btteb, als die Erklärung des Concurses. Wie denkt man sich nun eine Hilfeleistung der Berliner Großbanken, bei denen diese nicht zugleich ihre eigenen Aktionäre geschädigt hätten, was sie doch auch nicht verantworten konnten? Wir wollen vorläufig keine Stellung in dieser Frage nehmen, allein die Auslaffungen der „Allg. evangel.-luther. Kirchenztg." scheinen uns hier ziemlich zweifelhafter Natur zu sein. Wer solche Anklagen erhebt, muß sie auch begründen und beweisen können. WaZ sind das für „ganz andere Schwierigkeiten", welche die „jüdische Berliner Hochfinanz im Stillen überwmiden hat"? Die Behauptung, daß diese Hochfinanz den Boden der Leipziger Bank nnterminirt habe, ist so ernst und berührt so weite Kreise des besitzenden Publicums» daß man von einem so allgesehenen kirchlichen Organ nicht erwarten kann, es werfe derartige Anklagen in dre Welt, ohne festen Boden unter den Füßen zu haben. Hätte die „jüdische Berliner Hochfinanz" sich wirklich .dieser That schuldig gemacht, so müßte das Publicum jegliches Vertrauen verlieren, denn was sich gestern in Leipzig ereignet hat, könnte sich morgen in jeder anderen Stadt iviederholen. Zunächst ist zu verlangen, daß die „Allg. evang.-luther. Kirchenztg." die dunklen Jntriguen und Machinationen der „Hochfinanz" im Einzelnen darthue; solange das nicht geschieht, wird man der Ansicht sein, daß es die verwegene und unsolide Geschäftsführung der Leipziger Dlrection war, welche die Katastrophe verschuldet hat. Die Judcu in deu Bereinigten Staaten von Nord-Amerika- Unter der Ueberschrift »Jüdische Ausdauer und Fortschritte" veröffentlichte das dem Präsidenten Mac Kinley nahestehende, leitende Blatt der republlkanischen Partei, die »Nem- Iork Tribüne" (23. Juni), folgenden Artikel: Das Gruppenbild der Uuiversitätshörer der Stadt Nem- Aork, welches wrr am vergangenen Msttwoch brachten, hätte man fast für die Abbildung einer Vereinigung jüdischer juilger Männer halten können, so zahlreich war unter diesen der unverkennbar semitische Typus vertreten. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch das Register, welches Namen jüdischen Urspruilgs in auffallender Mehrzahl aufwies. War nun dieses Berhältniß eine Eigenthümlichkeit dieses einen Jahrgangs? Nein, an der städtischen Universität ist dies schon lange der Fall und wird dies Institut deshalb oft »di- Universität der Juden" genannt. Diese Bezeichnung, die keineswegs einen Borwurf bedeuten soll, könnte man beinahe aus fast alle unsere andern wissenschaftlichen Institute anwenden. Die zwei großen städtischen Universitäten haben unter ihren Hörern oesouders in den juristischen und medicinischen Facultäten eine auffallende Zunahme der Juden aufzuweisen. Diese Thatsache ist bezeichnend für den Geist der ganzen Ra«. Trotzdem die Juden, obschon zahlreich, nur eine kleine Minderheit der Gesammteinwohnerzahl unserer Stadt ausmachen, sind sie in den höheren öffentlichen Lehranstalten sehr stark vertreten, ebenso in den Universitäten. Möglich wäre, ja, daß mehr Christen als Juden auswärtige Universitäten aussuchen, doch ergibt die Statistik, daß eine verhältnißmäßig größere Anzahl Juden als Christen in unserer Stadt nach höherer Bildung streben, daß der Bildungsgrad unter Juden ein höherer als unter den Christen ist. Letzteres ist sicher unter den ärmeren Claffen der Fall; denn viele der jüdischen Hörer stammen aus dem ärmsten Stadttheil, einem Stadttheil, welcher sicherlich seine christlichen Knaben nicht an die Universitäten entsendet. Auch besuchen die jungen Juden nicht blos in großer Zahl die höheren Schulen. Sie sind dabei die besten Schüler und überflügeln ihre christlichen Kameraden, wie die Zahl der Prämiirten unter ihnen beweist. Wie bereits oben bemerkt, ist dies bezeichnend für den Geist der semitischen Ruce, für ihre besondere physische und intellectuelle Veranlagung, für ihre Lebensfähigkeit und Zähigkeit, für den Muth und die Ausdauer, aut der sie alle Hmdernisse überwinden und für ihre Fähigkeit, vor allen Anderen meistens ihr Ziel zu erreichen. Ein ähnliches Beispiel hat bis heute die Geschichte einer anderen Nation nicht auszuweisen. Alle vorchristlichen Nationen sind untergegangen, nur die jüdische, eine der ältesten Nationen, entfaltet sich noch heute trotz viel tausendjähriger Verfolgung und Unterdrückung in vollster Kraft und hat sich nach 4000 Jahren die gleiche Individualität, dieselben Eigenschaften erhalten, die sie schon im Alterthum als ein »auserwähltes Volk" auszeichnet. Schon zu Zeiten Egyptens, Athens und Roms sind die Juden das Ziel der Verfolgung und Unterdrückung gewesen; heute noch sind sie bei fast allen christlichen Völkern mehr oder weniger Gegenstand des Haffes; trotz alledem stehen sie in Wirklichkeit unüberwindlich (irrepressible and indomitable) in den ersten Reihen der moderneu Culturvölker. Wir sehen hier einen geschichtlichen Vorgang, welcher die Bewunderullg und das Staunen der Wett herausfordert." Ein Missionär bei König Menelik. Mit dem Beherrscher Abessyniens hat, wie ein schwedisches Blatt erzählt, ein Missionär merkwürdige Erfahrung machen müffen. Als der Missionär Abeffynien erreichte, wo er seine Missionsthätigreit aufzunehmen gedachte, wurde er sogleich an der Grenze vor den Gouverneur gebracht, der wissen wollte, woher der Fremdling kam. Der hohe Beamte hatte zwar schon von Rußland, Deutschland, Italien, England und Amerika gehört, aber Schweden ging über seinen Horizont und deshalb schickte er den Missionär unter Bedeckmig an den Hof, damit dieser die schwierige Frage entscheiden sollte. Nach zweitägiger Haft in der Hauptstadt wurde er an den Hof geführt, wo König Menelik, umgeben von seinen Würdenträgern und einer Leibwache, die ihre krummen Schwerter blankgezogen hatte, in höchsteigener Person den Missionär empfing. Mit finsterer Miene fragte der Köing: „Fremdling, von welchem Lande bist Du?" — „Aus Scandinavlen." — „Zu welchem Zwecke bist Du hergekommen?" — „Um die ab essy Nischen Juden zu Christus zu bekehre n." (Dies bildet den einzigen Vorwand, unter dem christliche Missionäre das Land betreten dürfen. Ein anderes Bekerlntniß würde den Betreffenden einen Kopf kürzer machen, da unter den Rechtsgläubigen Abessyniens jeder Bekehrungsversuch mit Todesstrafe bedroht ist.) — „Sehr gut!" fuhr Menelik fort. „Welche Länder hast Du denn berührt, ehe Du hier ankamst?" — „Deutschland, Egypten und den Sudan." — „Hast Du deun in Deutschland gar keine Juden zum Bekehren gefunden?" ftagte Menelik. Der Missionär mußte leider bekennen, daß dies nicht sein Auftrag gewesen sei. Nachdem der König auf die Frage, ob der Missionär auch in Egypten und im Sudan keine Juden und Heiden angetroffen habe, die gleiche Antwort erhalten, sagte die braune Majestät: „Also bei allen Juden und Heiden bist Du vorbeigefahren, um die Juden Abessyniens zu bekehren?" Dann wandte er sich an seine Leibwache: „Dieser Fremdling wird an die Grenze gebracht, damit er zuerst die Juden und Heiden, durch deren Länder er gekommen ist, zu Christen bekehren kann. So geschehe." Daß der Missionär für die heitere Seite dieses abgekürzten Verfahrens in jenem Augenblick kein Verständniß hatte, läßt sich begreifen. Die zwei mysteriösen Geschichten. Aus Lemberg wird uns berichtet: Der clericale „Przedswit", welcher die mysteriöse Geschichte von der Entführung einer Hebamme in Stanislau durch maskirte Männer und von der Verbrennung eines nengeborenen Kindes veröffentlicht hat, gibt heute auf Grund der von einem Reporter dieses Blattes an Ort und Stelle gepflogenen Erhebungen zu, daß er mystificirt worden sei. Zugleich beruft er sich aber darauf, daß der gegenwärtig in S.anisläu weilende französische Schriftsteller Armand de Boisgilbert zuerst dieses Märchen im Pariser „Le Journal" mitgetheilt habe, in welchem, um die Sache für die französischen Leser interessanter zu machen, der Schauplatz der Schauermär nach Quimper im Departement Finistöre verlegt worden ist. Mr. Boisgilbert behauptet, daß an dieser Ortsänderung nicht er, sondern die Redaction des Pariser Blattes die Schuld trage. Das Ergötzlichste an der Sache ist, daß das in Krakau erscheinende antisemitische Blatt „Glos Narodu", das als Special-Organ für jüdische Blutmärchen bekannt -ist, die sensationelle Mittheilung des „Przedswit"