Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 26 Seite 477 Vr. Vloch"s Wochenschrift. „Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" ein. Es lst auf dem Principe der Solidarhaftung gegründet und dadurch das Risico dermaßen vertheilt, daß es fast Null ist.- Die Mannet, die an der Spitze des Unternehmens stehen, bieten durch ihre sociale Stellung und Charakter die beste Gewähr für eine gedeihliche Entwicklung. Ein jeder Jude hat die moralische Pflicht, dieses Unternehmen, welches berufen ist, Hunderte unserer Stammesgenossen vor dem Untergange zu bewahren und ihnen zu ermöglichen, ehrlich von ihrer Händearbeit zu leben, zu unterstützen. Der Platz für jüdische Arbeit ist geschaffen, wir werden sehen, wer mitthut und wer sich ausschließt. Brünn. Wir lesen in einem mährischen Blatte: Jüngst ging durch die Presse die Nachricht, daß Landesrabbiner Dr. Baruch P l a c z e k demnächst in den Ruhestand treten werde. Diese Meldung ist eine irrthümliche und die diesbezügliche Information auf den Umstand zurückzuführen, daß der Herr Landesrabbiner sich vorläufig theilweise von den Predigten und von den Casualfunctionen zurückzuziehen beabsichtigt. E. B. Olmütz. (Kaiserliche Auszeichnung.) Dem hiesigen Kausmanne und Laienrichter, Herrn Nathan G r o a g, wurde vom Kaiser der Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Prag. Bei der Wahl in die Cultusgemeinde-Repräsentanz wurden aus dem dritten Wahlkörper gewählt: Dr. Ludwig B e n d i e n e r, Dr. Julius Popper, kaiserl. Rath Hahn, Dr. P e t s ch e k, Gottlieb Schmelkes und kaiserl. Rath Fuchs. Marienbad. Am 20. Juni d. I. hat die hiesige israelitische Cultusgemeinde einen herben Verlust erlitten. Ihr wohlverdientes Vorstandsmitglied, Herr Ignaz Ko Horn, starb nach mehrmonatlichem Krankenlager. Kohorn, der hier durch viele Jahre ein optisches Geschält betrieb, wußte demselben durch Fleiß, Geschicklichkeit und Pünktlichkeit ein wohlbegründetes Renommee zu verschaffen. Sein leutseliges Wesen und sein Bestreben, Jedermann gefällig zu sein, verschafften ihm auch unter den Badegästen eine große Anzahl von Freunden. Im Jahre 1896 wurde er in den Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde gewählt. Die ihm zugewiesenen Agenden, das Schristführeranit und die Friedhofsangelegenheiten versah er niit der größten Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Seine besondere Ausmerksamkeit widmete er dem Chorgesange, für dessen würdige Ausgestaltung er mit besonderem Eisir eintrat. Die Sympathien, deren sich der Verblichene erfreute, fanden ihren deutlichen Ausdruck beim Leichenbegängnisse, an dem nicht nur viele unserer Glaubensgenossen, sondern auch Bekenner anderer Confeffionen, insbesonders aber zahlreiche Badegäste theilnahmen. In einer gediegenen Grabrede würdigte Herr Rabbmer Dr. Ph. Goldberger die Verdienste des Verblichenen. Möge die allgemeine Theilnahme der Witwe und den Geschwistern des Verstorbenen zum Tröste gereichen. Pohrlitz, 3. Juli. Heute wurde hier Frau Betti Steiner, geborene Brunner (Schwester des Directors Moritz Brunner) unter ungewöhnlich zahlreicher Betheiligung der hiesigen Bevölkerung, ohne Unterschied des Glaubens, zu Grabe getragen. Die Verblichene verschied nach kurzer Krankheit im 48. Lebensjahre und hiuterließ einen gramgebeugten Gatten, Herrn Josua Steiner, mit n unversorgten Kindern, wovon das jüngste 4 Jahre alt ist. An ihrer Bahre schilderte unser greiser, ehrwürdiger Seelsorger, Josua Weiß, in beredten Worten, welchen Verlust der Gatte erlitten, welche aufopferungsvolle, treue Mutter die zahlreichen Kinder beweinen, welchen sie eine streng religiöse Erziehung angedeihen ließ, wie sie es im Hause ihrer seligen Eltern vor sich gesehen. Die Theilnahme an dem Verluste der Familie ist hier ein allgemeine, denn die Heimgegangene hat thatsächlich allgemeiner Sympathie sich erfreut und war mit seltenen Tugenden ausgezeichnet. Friede ihrer Asche! W. B. W. Wessely a. d. March. Herr Moritz Ehrenhaft der Bürgermeister oer rsraelmschrn Gemeinde, die Zierde derselben, ist leider verschieden. Weil über 25 Jahre hat er die Würde eines Bürgermeisters, die ihm in Anbetracht seines reinen Charakters, seiner einfachen Biederkeit seine Mitbürger verliehen, innegehabt. Bei allen höheren und hohen Behörden, mit denen er in Folge seiner Stellung als Bürgermeister und langjähriger Bezirksschulrath zu thun hatte, erfreute er sich in Würdigung seiner trefflichen, dabei unaufdringlichen Eigenschaften der besten Werthschätzung, und nicht nur seine engeren Gemeindegenofsen, sondern auch die Mitbürger der christlichen Confessio» beehrten rhn mit ihrem Vertrauen, indem sie ihn in ihre Gemeindevertretung wählten, der er schon über 20 Jahre angehörte. Nicht durch Reichthum, der kraft seiner Macht imponirt und oft dadurch seinem Besitzer zu allen möglichen Ehrenstellen verhalf; sondern durch wahrhaftes Vertrauen, das seine Mitbürger zu ihm hatten, hat der Verstorbene sich diese Hochachtung erworben und ehrten dieselben nur sich selbst, wenn sie den Edelsten an ihre Spitze stellten. An seiner Bahre trauerten um ihn seine hochbetagte Gattin. 3 Söhne und eine Tochter, Alle in hochgeachteter Stellung, und bestreben sich, stets dem Vorbilde, welches ihnen der Verstorbene gegeben, nachzueifern. Die Armen und Nothleioenden verlieren an ihm einen Wohlthäter, der Niemanden unbeschenkt fortgehen und es auch denselben nie fühlen ließ, daß er ihnen etwas schenkte. Sein Leichenbegängniß, an dem alle 3 Ortsgemeinde-Bertretungen, sowie auch die aller Nachbargemeinden theilnahmen, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, bei der man allseits wahrhafte Theilnahme bemerken konnte. Die dem Verstorbenen von seinem Neffen Herrn Julius Kohn beim Trauerhause und vom Herrn Rabbiner unserer Cultusgemeinde in Ung.-Ostra aus dem Friedhofe gewidmeten Nachrufe ließen kein Auge thränenleer. Der Verstorbene hat seinem Volke, seiner Gemeinde, seiner Familie und seinem Namen zur Ehre gereicht. I. Zürich. Die Züricher israelitische Cultusgemeinde hatte im Vereine mit der israelitischen Religionsgesellschaft an die Centralschulpflege das Gesuch gerichtet, es möchte denjenigen israelitischen Schülern, welche darum nachsuchen würden, an Samstagen Dispens von manuellen Thätrgkeiten (Schreiben, Zeichnen, Handarbeiten) ertheilt werden. Die Schulbehörde hat owses Gesuch abgewieseu wegen der Consequenzen, die sich aus einer Gewährung desselben ergeben könnten. Feuilleton. Ser Unessane tokef. Novelle von Dabetta Fried in Prag. VII. Polansky und Sarah. In Betrachtung dieser Bilder versunken, überhörte es Polansky, daß die Thüre, welche von dem Salon in ein Nebenzimmer ging, geöffnet wurde und die Herrin des Hauses eingetreten war. „Herr Daffiesky!" sprach ihn diese an, den Namen von der Visirkarte, die sie m der Hand hielt, herablesend. Polansky wendete sich, von dem Klange ihrer Stimme wie elektrifirr, rasch um. Keines weiteren Wortes mächtig, starrte Sarah ihren Besucher an. Sie hatte im Momente in ihm Denjenigen erkannt, denk sie nie mehr im Leben zu begegnen wünschte. Verachtungsvoll kehrte sie dem Gehaßten den Rücken und wollte den Salon verlassen. Polansky vertrat ihr den Weg. „Verzeihen Sie, gnädige Frau, daß ich unter einem falschen Namen den Eingang zu Ihnen erschlichen, nachdem mir derselbe unter meinem eigenen verwehrt worden wäre." „Das sieht Ihnen ähnlich", antwortete Sarah im Tone der tiefsten Verachtung. Sre war in den Jahren, während er sie nicht gesehen, noch viel schöner geworden. Aus dem schlanken, zarten Mädchen ist eine voll entwickelte üppige Frau geworden; aus der vielverheißenden Knospe die entfaltete, Dust spendende, farbenprächtige Rose. „Ich stehe schutzlos Ihrem Unwillen gegenüber und vertraue Ihrer Gcoßmulh, die das Gastrecht ehren und meine Bitte erfüllen wird, derentwegen ich einen so weiten Weg unternommen habe. Es geschah dies einzig und allein in der Absicht, Sie zu sprechen." „Sehr schmeichelhaft", höhnte Sarah. Polansky fuhr ans: „Nicht diesen Ton, Sarah!" „Ich heiße Frau Braun und habe keine Ursache, meinen Namen zu verbergen, wie Sie." Polansky brß sich ärgerlich auf die Lippen. Für so unzugänglich hatte er seine frühere Geliebte denn doch nicht gehalten. „Also gnädige Frau", begann er abermals, „zur Sache. Ich bin, bevor ich dieses Land verlasse, hrehergekommen, um Sie zu fragen, wo unser Kind sich befindet." Sarah war todtenbleich geworden und es schien Polansky, als wankte sie und bedurfte selber der Stütze, als sie ihm nach diesen Worten einen Sitz anbot und sich selber aus dem Divan unter den beiden Oelgemälden niederließ.