Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. S8 Vr. VlEe Wo^enschrM- Sette 475 Dr. Hoff, Bisenz Kr. 4; I. Ueberreich. Ung.-Ostra Kr. 3; Schön's Handelsagentur, Ung.-Brod Kr. 10; Hoffman. Olmütz Kr. 2; Cultusgemeinde Nikolsburg Kr. 20; Cultusgemeinde Mißlitz Kr. 10; Cultusgemeinde Friedek-Mlstek Kr. 20; Brüder Sonnenschein, Luhatschowih Kr. 20; M. Wolf, Olmütz Kr. 4; Max Samer, Wien Kr. 10; H. Wilhelm Kr. 5; Cultusgemeinde Wiener-Neustadt Kr. 5; Cultusgemeinde Brünn Kr. 40; Summe Kr. 354. Weitere Spenden werden später bekannt gegeben werden. S. Zboröw. Am Mittwoch den 3. d. M. fand hier die laut Ministerialverordnung vom 21. März 1890. betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältniffe der israelitischen Religionsgesellschaft, vorgeschriebene Cultusvorstandswahl statt, bei welcher die Wählerschaft sich in zwei sich schroff gegen einander stehende Lager theilten. Nach einem harten und erbitterten Wahl- 'kampfe beiderseits gelang es unserer Gemeinde, 16 biedere, ruhige und friedliebende Bürger in den ersten Cultusrath zu entsenden. In einer Zeit, wo wir zur Abwehr des äußeren Feindes genug, ja übergenug zu thun haben, sollen wir doch im eigenen Lager den so theuern Frieden zu erhalten wiffen. — Sonntag den 7. Juli fand in der hiesigen Baron Hirsch-Stiftungsschule unter Theilnahme sowohl der jüdischen, als auch der nichtjüdischen Bevölkerung unserer Stadtgemeinde die Jahresprüfung statt. Unter den erschienenen Gästen waren auch unser Bürgermeister Herr Wladislaus Raciborski, der als Delegirter des Zloczower Bezirksschulrathes bei der Prüfung den Vorsitz führte, sowie der k. k. Notar Herr Zubek und viele andere Honoratioren unserer Stadt zu sehen. Die Prüfung fiel glänzend und über alle Erwartung zufriedenstellend aus. Die geprüften Kinder zeigten in allen Gegenständen eine frappante Fertigkeit und antworteten auf alle die an sie gestellten Fragen correct und verständnißvoll. Besonders waren die hebräischen, polnischen und deutschen Declamationen, sowie der vom Schulleiter Herrn Isidor Gezelt geleitete Gesang gewählt und frappirend. Nach der Prämiirung und Verlesung der Classification der Schüler sprach der Vorsitzende Herr Bürgermeister sowohl dem Schulleiter für die vorzügliche und musterhafte Leitung der Schule, als dem gesammten Lehrkörper für seine rastlose und ersprießliche Arbeit auf dem Felde der Jugenderziehung im Namen des k. k. Bezirksschulrathes seinen Dank in beredten Worten aus und versicherte, das schöne Resultat der Prüfung höheren Orts zur Kenntniß zu bringen. Die Gäste und Zuhörer, unter denen viele Eltern der Schulkinder sich befanden, verließen voll Befriedigung und mitgenommener bester Ueberzeugung das Schulhaus, und die Schlußfeier war somit beendet. Juda Labiner.M Leitmeritz. Am 28. v. M. wurde in Budweis Herr Leopold Müller, emeritirter Rabbiner, zu Grabe getragen. Nur Wenige dürften den verschlossenen, fast menschenscheuen Mann näher gekannt haben; und doch überragte er an Bildung, insbesondere an jüdischem Wissen und an Charakter den Durchschnitt um ein Erkleckliches. Zwei hervorragende, wenn auch grundverschiedene Lehrer hatten ibn in die Hallen jüdischer und insbesondere talmudischer Wissenschaft geführt: Chasam Sopher und Rappoport s. A. Die Namen dieser Lehrer genügen, um von dem Bildungsgang und der wissenschaftlichen Ausrüstung des Verblichenen ein Bild zu geben. Er verband eine bewundernswerthe Beherrschung des weiten talmudischen Gebietes mit inniger Liebe zu jeder Art wissenschaftlicher Bildung, theologisches mit profanem Wissen, talmudischen Scharfsinn mit gewissenhafter Gründlichkeit. Nach Mittheilungen seines Schwiegersohnes, des Rabbiners Adolf Gerloczi aus Fiume, finden sich in dem Nachlasse des Verewigten Glossen zum Talmud, welche demnächst zur Veröffentlichung gelangen sollen. Mehr noch als das vielseitige und gründliche Wissen dieses in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ausgebildeten Rabbiners erregte sein unbeugsamer Charakter die Bewunderung derer, die ihn kannten; gerade darin liegt wohl der Grund, daß dieser hochbegabte Mann sich schön vor 25 Jahren vom Rabbinate gänzlich zurückzog. Er zog es vor, als Privatgelehrter in bescheidenen Verhältniffen zu leben, als von seiner religiösen Ueberzeugung oder seiner Standeswürde ein Titelchen preiszugeben. So lebte Müller seit 25 Jahren zumeist in Pilsen in stiller und bescheidener Zurückgezogenheit ausschließlich seiner Familie, dem Studium und dem Unterricht. Neben jüdischen wissenschaftlichen, und speciell talmudischen Disciplinen unterrichtete er mit Borliebe alte und neue Sprachen, welche er in Wort und Schrift^ beherrschte. Die letzten Lebensjahre fanden ihn bei seinem Sohnes MUDr, G. Müller in Budweis. Dort fand er denn auch seine» letzte Ruhestätte. Fast die ganze Gemeinde gab ihm das letzte Geleite; am Grabe würdigte zunächst Herr Rabbiner Wunder in trefflichen Worten die Gelehrsamkeit und den Charakter des Verewigten; dann nahm der Schwiegersohn Herr Rabbiner Adolf Gerloczi mit thränenerstickter Stimme Abschied von dem trefflichen Manne, dessen Charakterbild er in herzergreifenden Worten entwarf. Mit Rücksicht auf den nahen Sabbath waren manche Freunde und Schüler des Verblichenen — unter Letzteren auch der Schreiber dieser Zeilen — verhindert, dem verehrten Manne die letzte Ehre zu erweisen; umso dringender empfand ich das Verlangen, wenigstens mit diesen Zeilen die Pflicht der Pietät gegen den verehrten Lehrer zu erfüllen. Möge die Erde ihm leicht sein! Dr. M. Schornstein. Rabbiner. München. Die .Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben: „Achtzigster Geburtstag." Am 30. Juni beging der Geheime Hofrath Dr. Siegmund Ritter von Henle den 80. Geburtstag. Siegmund Henle war. ehe er sich nach einer arbeitsreichen und von Erfolg gekrönten Thätigkeit in das Privatleben zurückzog, einer der angesehensten Advocaten Münchens und von seinen Collegen wiederholt zu Vertrauensstellungen in den Berufsvereinen auserkoren. 1845 promovirte er als Dr. jur., 1895 wurde dies Doctordiplom seitens der hiesigen juristischen Facultät erneuert. Im politischen Leben, bei den Liberalen, spielte Henle namentlich in den Sechziger- und Siebziger-Jahren eine hochbedeutsame Rolle; er ist einer der Wenigen, die noch an der ersten Organisation der liberalen Partei in München mit betheiligt waren. Er gehörte zu jenen 1875 gewählten Münchener Abgeordneten, deren Mandate von der ultramontanen Kammermajorität sammt und sonders casfirt wurden. Die Ultramontanen hatten aber die Rechnung ohne die Liberalen Münchens gemacht, denn neben Schuster, Haushofer. Eckart und Weidert zog Henle 1876 in den Prannersaal neuerlich ein. An den Kammer arbeiten betheiligte sich Henle mit Eifer; im Ausschüße für die Geschäftsordnung war er mehrere Jahre hindurch Mitglied. Er wurde auch zum Stellvertreter des Abgeordneten Freytag als Landtagscommiffär für das Staatsschuldenwesen gewählt. Aber auch um eine Reihe humanitärer Anstalten und Vereine erwarb sich Henle Verdienste, so daß ihm nicht allein allgemeine Hochachtung im Publicum, sondern auch Anerkennung von allerhöchsten Stellen aus zu Theil wurde. 1877 ward ihm das Ritterkreuz I. Claffe des Verdienstordens vom heiligen Michael verliehen; 1882 erhielt er das Ritterkreuz des Verdienstordens der baierischen Krone mit dem persönlichen Adelsstand; er wurde Hofrath und Geheimer Hofrath. Allerhöchsterseits wurden namentlich Henle's Verdienste als Anwalt und als eines der Repräsentanten dieses Standes geehrt. — Demselben Blatt wird von anderer Seite berichtet: Einer der Brüder des Geheimen Hofrathes von Henle war protestantisch geworden und Jahrzehntelang Chefredacteur des feingegangenen) „Correspondent von und für Deutschland" in Nürnberg. Der Jubilar selbst blieb aus Ueberzeugung Jude. Die Heirat des Dr. Henle im Jahre 1850 war die Veranlassung zu der durch Bankier I. v. Hirsch Vater beim König Max ll. befürworteten Aufhebung der sogennanten Matriken-Berordnung. wonach der 29jährige Ädvocat, weil er Israelit war, .noch nicht an der Reihe" und noch nicht berechtigt gewesen wäre, zu heiraten. Berlin. Auch in der diesjährigen „Großen Berliner Kunstausstellung" und in der „Secession" find unsere Glaubensgenoffen in stattlicher Anzahl und mit meisterhaften Darbietungen vertreten. In der letzteren begegnen wir Bildern des holländischen Meisters Jozef Israels und seines Sohnes Isaak, Max Liebermann's,f Jacob Nußbau m's, Eugen Spiero's u. A. In der „Großen Kunstausstellung" feffeln ganz besonders die Darbietungen Hermann Stru ck's, namentlich die geradezu meisterhafte Radirung des Kopfes eines polnischen Rabbiners, welche durch die Feinheit der Ausführung, wie durch die charakteristische Naturtreue jeden Beschauer zur Bewunderung hinreißt. (Nne Reproduktion ist kürzlich im „Weltspiegel" erschienen.) Bon den sieben ferneren graphischen Werken des jugendlichen Künstlers, der, von Erfolg zu Erfolg fortschreitend, schon heute einen klangvollen Namen sich erworben hat, sei das reizende „Garbenfeld" hervorgehoben. Unter den Malern begegnen wir folgenden Glaubensgenoffen: HMax Fabian. Johanna Engel, Nathan Sichel, Max lgß tern. Der Bildhauer Max Klein ist mit einer Bronce MStatue des kraftstrotzenden Simson vertreten, welche weitaus ^zum Besten gehört, was der diesjährige „Salon" bietet.