Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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«eite 474 Br. Vlvch*s Wochenschr^^ Nr. 38 schieden war, wie nur selten Einem. Doppeltes war mit dem Schulbesuche in Breslau bezweckt; vor Allem die Ausbildung im hebräischen Fache, wofür das Breslauer Seminar die geeignetste Stätte war, dann aber auch die Fortsetzung der Gymnasialstudien an einem speciellen Gymnasium. Die reichen Borkenntniffe des 15jährigen Jünglings verschafften ihm die Aufnahme, die einem solch' jugendlichen Candidaten sonst verweigert worden wäre. Director Zacharias Frankel') hielt große Stücke auf den von seltenem sittlichen Ernst und tiefer Frömmigkeit erfüllten Schüler, in ganz besonders innige Beziehungen aber trat er zu Dr. David R o s i n, der als sein Lehrer in den Gymnasialsächern früh auf die Begabung dieses seines Lieblingsschülers aufmerksam wurde. Der erste schriftliche Aufsatz des neuen Schülers: »Mein Lebenslaufs, ließ den erfahrenen Lehrer sofort erkennen, welche geistige und sittliche Reife diesem jungen Geiste innewohne, der zugleich eine Meisterschaft des deutschen Styls und eine Schönheit der Sprache verrieth, wie sie einem Sprößling eines mährischen Ghetto und einem Kinde einer böhmischen Gegend kaum zuzutrauen war. Trotzdem der preußische Gymnasiallehrplan von dem österreichischen merklich abwich, konnte der Jüngling nach drei Semestern des Gymnasialbesuches dennoch mit Auszeichnung das Maturitätsexamen am evangelischen Gymnasium zu Teschen bestehen, wo es ihm im Sinne der Schulordnung nur nöthig war, das letzte Semester (1869) sich als öffentlichen Schüler ins Gymnasium eintragen zu lasten. Die Erlangung eines österreichischen Maturitätszeugnisses war chm nothwendig, um vom Militärdienste befreit zu sein und das Einjährig-Freiwilligen-Recht zu haben. Die Zeugniste des Breslauer Seminars hatten nämlich damals für Oesterreich noch nicht Staatsgilttgkeit und so konnten sie eine Befreiung vom österreichischen Militärdienste nicht bewirken Die Anregung, den österreichischen Besuchern des Breslauer Seminars dieses staattiche Beneficium zu erwirken, ging von David Kaufmann aus, und er war es, der bei seiner Rückkehr nach Breslau im Jahre 1869 im Namen der österreichischen Hörer des Seminars eine von chm abgefaßte Petitton an das Aiegsministerium in Wien sandte, welche von diesem auch genehmigt wurde. Diese Begünstigung kam ihm 1872 bei der Affentirung schon selber zu Gute. Nach der Maturttät kam er in die obere Abtheilung des Seminars, wo ausschließlich jüdisch-theologische Disciplinen gelehrt werden; zugleich aber besuchte er die Universität in Breslau, an der er Vorlesungen hörte über Naturwiffenschaften (unter Anderem auch bei Ferdinand Cohn), Philosophie (bei Dilthey und Magnus), Orientalia (bei Schmölders). (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Lugos. Der Oberstuhlrichter des Begaer (Krassä-Szöreuyer Comitat) Bezirkes B 6! a Hirsch! war jüngst, anläßlich seines fünfuadzwanzigjährigen Dienstjubiläums, Gegenstand selten schöner Ovationen. Der Jubilar, der seit zwanzig Jahren an der Spitze des genannten Bezirkes steht, wußte sich das Vertrauen aller Nationalitäten und Confeffionen zu erwerben und in dem als Wetterwinkel bekannten Landstrich Ruhe und Ordnung zu schaffen. An den Festivitäten, welche in B 4 l i n c z stattfanden, betheiligten sich außer den Einwohnern des Bezirkes auch Obergespan PogLny, der ehemalige Staatssecretär Jakabffy und der Reichstagsabgeordnete Bela S z e n d e. Nach den Gottesdiensten in den griechisch-katholischen und israelitischen Gotteshäusern begrüßte Stuhlrichter K o r m o s den Jubilar und überreichte ihm ein silbernen Lorbeerkranz. Oberstuhlrichter H i r s ch l spendete zum Andenken des Jubiläums 1000 Kronen, seine Familie 500 Kronen zu Gunsten des zu errichtenden Bezirksspitals. Mittags fand ein Bankett zu dreihundert Gedecken statt. Lemberg. In der Sitzung des galizischen Landtages am 5. d. M. gelangte eine wichtige jüdische Angelegenheit zur Berathung und Entscheidung, nämlich die Subventionirung der zu creirenden Anstalt zur Heranbildung von jüdischen Religionslehrern für Volksschulen. Das bezügliche Referat wurde vom Abgeordneten Reyski erstattet, vom Abgeordneten Stojalowstt ') Kaufmann ehrte später sein Andenken in Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, Band XXV, 12. Frankel forderte 1873 Kaufmann auf, daß dieser Frankel's Werk „Der gerichtliche Beweis" umarbeiten solle. (Aus Kaufmann's Tagebuche bei Frankl-Grün, Geschichte der Juden in Kremsier, Frankfurt a. M. 1901, m, 151). bekämpft, wohingegen die Abgeordneten Romanowiez und Doctor Löwenstein in beredten Worten für die Förderung dieser Anstalt eintraten und den Nachweis lieferten, daß die Errichtung dieses Religionslehrerseminars im wohlverstandenen Interesse des Landes gelegen sei, indem durch die Heranbildung und Anstellung intelligenter Religionslehrer an den Volksschulen das moralische und ethische Niveau der Bevölkerung wesentlich gehoben wird. Der Beschluß des Landtages lautete: Der Landesausschuß wird ermächtigt, vom Jahre 1902 angefangen, alljährlich in das Budget des Landesschulfonds 2000 Kronen als Subvention für das jüdische Religionslehrerseminar einzusetzen. Nachdem die Regierung voraussichtlich den gleichen Beitrag wie das Land leisten wird und auch der Lemberger Cultusrath eine angemessene Subventionirung dieser Anstalt beschlossen hat, ein ähnlicher Beschluß auch von den größeren galizischen Cultusgemeinden zu erwarten ist, so dürfte die Eröffnung dieses Institutes in unmittelbare Nähe gerückt sein. Bei dem notorischen empfindlichen Mangel qualificirter Lehrkräfte für den jüdischen Religionsunterricht'wird diese Anstalt berufen sein, ein wahrhaft jüdisch-eulturelles Interesse zu fördern und gebührt dem galizischen Landtage und den genannten Abgeordneten, sowie dem Lemberger Cultusrath e, welcher seit Jahren um die Creirung des Religionslehrerseminars sich bemühte, namentlich dem leider zu früh verstorbenen Landtagsabgeordneten und Cultusrathe Dr. Bernard Goldmann, der in dieser Richtung besonders hervorragend thätig war, der Dank der galizischen Judenschaft. Auffee in Steiermark. (Gründliche Abfertigung eines Antisemiten.) Der Mechaniker und Hausbesitzer Adolf Graf in Aussee, der den dortigen Bildhauer Herrn Josef Kohn seit Jahr und Tag mit Beleidigungen verfolgt, bat, trotzdem er bereits einmal deshalb, wie in Nummer 10 dieses Blattes gemeldet war, zu einer 14tägigen Arreststrafe verurtheilt worden ist, sein Geschimpfe wieder ausgenommen. Neuerdings sah sich Herr Josef Kohn genöthigt, di<> Ehrenbeleidigungsklage zu erheben, über welche am 5. Juli d. I. die Hauptverhandlung vor dem dortigen Bezirksgerichte stattsand. Angesichts der empfindlichen Strafe, die seiner harrte, wurde Graf sehr kleinlaut und erklärte im Vorhinein seine Worte zurückzunehmen. Es wurde ihm aber klargemacht, daß dies keine genügende Satisfaction sei. Er mußte sich daher bequemen, folgende, von dem klägerischen Vertreter formulirte Erklärung vor Gericht in Gegenwart der Zeugen abzugeben und in die »Alpenpost" einzuschalten. Die Erklärung lautet: „Ich habe aus Gehässigkeit wider Josef Kohn, Bildhauer in Aussee. ein unwahres Gerücht verbreitet, welches seine Ehre aufs Empfindlichste berührt. Von demselben zur gerichtlichen Verantwortung gezogen, habe ich demselben vor Gericht in Gegenwart der Zeugen um Entschuldigung gebeten und mich auch zur Veröffentlichung der Erklärung in der nächsten Nummer der „Alpenpost" und zum Koffenersatze verpflichtet. Herr Josef Kohn hat hierauf die Anklage zurückgezogen und spreche ich ihm für sein Entgegenkommen hiemit öffentlich den Dank aus. Adolf Graf." Herr Josef Kohn hat hierauf seine Klagezurückgezogen und damit wahre Großmuth gegenüber einem hartnäckigen Judenfeinde bewiesen. Allerdings geht der Judenhaß des Herrn Adolf Graf nicht so weit, auf jüdische Miether und auf die Kundschaft jüdischer Radfahrer zu verzichten. Ung.-Brod. Sie hatten die Güte, unseren Aufruf des Tempelbauvereines in Luhatschowitz in Ihrem geschätzten Journale zu veröffentlichen und stelle ich nunmehr als derzeitiger Schriftführer des Vereines die höflichste Bitte um gefällige Aufnahme, dieses Verzeichnisses behufs Veröffentlichung der P. T. Herren Spender, in Ihrem geschätzten Journale. Bis nun liefen nachfolgende Spenden und Beiträge ein: Profeffor Salzman, Wien Kr. 4; Dr. I. Schulz, Brünn Kr. 4; Simon Donat, Brünn Kr. 4; Johann Poleny. Brünn 10; Josef Spitzer, Mähr-Ostrau Kr. 20; Sam. Reisner, Böfing Kr. 4; Jac. Schön, Ung-Hradisch Kr. 4; H. Weinreb, Budapest Kr. 4; Moritz Deutsch, Brünn Kr. 10; Eva Löwy, Hradek Kr. 10; S. Kaufmann, Brünn Kr. 4; S. Engelsman, Bagujhely Kr. 4; H. Hüttner, Deutsch-Leuten Kr. 4; M. Brauner, Bisenz Kr. 4; Franz Groß, Mähr-Ostrau Kr. 4; Leop. Suran, Bagujhely Kr. 4; Isidor Donat Luhatschowitz. Kr. 20; Dr. Baderle, Olmütz Kr. 4; Max Keßler, Rossitz Kr. 5; I. Jellinek's Söhne, Luhatschowitz Kr. 20; Dr. Jos. Hoff, Bisenz Kr. 4; Dr. M. Jung, Ung-Brod Kr. 4; Eduard Schlesinger, Preßburg Kr. 4; Julius Eisinger, Floridsdorf Kr. 4; Gartenfest Kr. 20; Sigm. Gutman, Budapest Kr. 4; Dr. Duches, Wien Kr. 4; Mark. Smetana, Ung.-Brod Kr. 10;