Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Ar. Sloch's Wochenschrift Sette 471 Zur Frage der Leichenverbrennung. Sehr geehrter Herr Red acteur! Mit Freuden habe ich aus der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes entnommen, daß mein Artikel in der Nummer 25 nicht nur mit Interesse, sondern auch mit Eifer gelesen wurde. Es sind aber auch einige Ausstellungen gemacht worden und ich bitte Sie daher, zu gestatten, daß ich dieselben der Reihe nach, Punkt für Punkt, widerlege. Herr Rabbiner M. Adolf Gerloczi in Fiume stimmt mit den Ausführungen in seinem Artikel voll und ganz überein, bemerkte nur, daß der Satz Genesis 3, 19, „Vom Staube bist Du und zu Staub sollst Du zurückkehren" schlecht übersetzt sei, da unter „Staub" nar auch Asche gemeint sein könnte. Wer auch nur einigermaßen Hebräisch versteht, der wird doch wohl den Unterschied zwischen *■©£ „Erdenstaub" und “iss „Asche" machen können und daher ersteres nicht mit letzterem für identisch halten. Auch die Zunz'sche Bibelübersetzung nimmt keinen Anstand, den in Rede stehenden Satz ins Deutsche zu übertragen: „Denn Staub bist Du und zum Staub zurück kehrst Du." Herr Rabbiner Dr. Adolf Hahn behauptet: „Das Begraben ist daher eine religiöse Pflicht, ein Gebot." und stützt diese seine Behauptung auf Aussprüche des „Rabbi Joseph Earo, des anerkannten großen Talmudgelehrten und Verfassers des Schulchan Aruch und des Maharam Münz, Oberrabbiners in Altofen." Ich begreife nicht, wie Herr Dr. Hahn, auf diese „Achronim“ sich berufend, meine Behauptung, daß das Begraben kein biblisch-talmudisches Gebot sei, widerlegen wolle. Maimonides mit Joseph Caro und Maharam Münz in Schutz nehmen zu wollen, bedeutet so viel, als wenn Jemand sagen wollte: Dieses oder jenes sei ein biblisches Gebot, denn so stehe es im S ch u l ch a n A r u ch, den Rabbi Joseph Caro geschrieben. Hätte Herr Dr. Hahn den zweiten Satz meines Artikels aufmerksamer gelesen, welcher wörtlich lautet: „In den späteren Religionscodices wird zwar das Begraben als die alleinige und ausschließliche Art der Bestattung vom religionsgesetzlichen Standpunkte aufgestellt; dennoch aber steht es uns frei, zu fragen, ob in den alten Quellen, in Bibel und Talmud, sich für diese Behauptung Belege finden lassen", so würde er wohl eingesehen haben, daß meine Abhandlung nur auf die alten Quellen allein, also nur auf Bibel und Talmud, Bezug nehme. Was der „Schulchan Aruch" zu diesem Gegenstände sagt, wußte ich auch, ich konnte ihn doch aber unmöglich als Quelle anführen, um zu beweisen, daß das Begraben biblisch geboten sei, da sich in Bibel und Talmud, wie ich in meinem Artikel nachgewiesen habe, keine einzige Belegstelle für das Begraben als Gebot findet. . Die Citate, welche Herr Dr. Hahn aus Misehna Sanhedrin 46a und Gemara ibidem 47a zur Bekräftigung der Behauptung des Maimonides, daß das Begraben ein biblisches Gebot sei, ins Treffen führt, beweisen nichts, da die an diesen beiden Stellen vorkommenden Worte auch die Deutung zulassen: „Wer einen Todten über Nacht unbestattet liegen läßt." Es ist daher noch lange nicht „zur Genüge coistatirt, daß das Begraben nicht nur von dem Rambam, sondern auch von dem Talmud als ein biblisches Gebot betrachtet wird." Herr D. S. aus Freiwaldau vergaß, daß die irdischen Ueberreste Josefs eine zweimalige Beisetzung fanden, das eine Mal in Egypten, das andere Mal in Sichern. Auch mir ist 'die Stelle Josua 24, 32 und die daran sich kniipfende Bemerkung im Talmud Sote nicht entgangen, nur sagte ich in meinem Artikel, „daß man Josefs Leiche einbalsamirte und in einen Sarg in Egypten legte; was aber mit dem Sarg in Egypten geschah, ob er in die Erde gelegt wurde, oder unbeerdigt liegen blieb, wissen wir nicht, da die Schrift uns hierüber im Unklaren läßt." Es ist mir geradezu ein Räthsel, wie diese so klar und deutlich gesprochenen Worte mißverstanden werden konnten. Herr D. S. bemerkt noch zum Schluß: „Weiter halte ich es nicht für nöthig, die Ansicht eines Nachmanides als eine irrige hinzustellen, besonders wenn Midrasch und jerusalemischer Talmud sich gegenseitig zu ergänzen scheinen u. s. w." Wie kann man hier an eine Ergänzung denken, da der jerusalemische Talmud für den Wunsch des R. Juda hanassi, seinen Sarg zu durchbohren, gar keinen Grund angibt, während die Begründung des Midrasch der Ansicht des Nachmanides geradezu entgegengesetzt ist. Herr Abeles merkt mir „die Verlegenheit" an und muthet mir zu, daß ich nicht einmal wußte, „woher Moses den Begräbnißort Josefs erfahren hat!" Er versucht mit einer Gelehrtenmiene und mit einem Profefforentone, von Oben herab mich zu belehren, daß Mochir den Menasche es war, der MoseS die Grabstätte Josefs gezeigt hätte. „Mochir ben Menasche, der Enkel Josefs", so belehrt mich Herr Abeles, Rabbiner und Religionslehrer an der k. k. Oberrealschule in Kuttenberg, „ist derselbe, welcher noch zur Zeit lebte, als Moses den 2'/? Stämmen das Land zuwies, vide 4. Buch M. Cap. 32, Vers 40." Verzeihen Sie, Herr Abeles, wenn ich es wage, Ihren „Gewährsmann", den Sie für „unanfechtbar" halten, anzugreifen. Glauben Sie wirklich, daß Mochir ben Menasche, der Enkel Josefs, zur Zeit der Vertheilnng des Landes an die 2 7, Stämme noch gelebt hat? Wenn Herr Abeles weiß, was im 4. Buch M., Cap. 32, Vers 40 steht,, so sollte er doch auch wissen, was im selben Buche, Cap. 26. Vers 56 steht. Dort heißt es: „Denn der Ewige hatte von ihnen gesprochen, sterben sollen sie in der Wüste und keiner blieb von ihnen übrig, außer Kaleb Sohn Jefunneh und Josua Sohn Nun." Demnach konnte Mochir den Menasche, der Enkelsohn Josefs, zur Zeit der Vertheilnng des Landes an die 2'/, Stämme sicherlich nicht mehr gelebt haben. Mochir ben Menasche in Numeri Cap 32, 40 ist nur als Geschlechtsname, „die Mochiriten", aufzufassen. In diesem Sinne faßte auch Abraham ibn Esra diesen Vers auf, indem er zur Stelle bemerkt: „den Nachkommen des Mochir", weil Mochir selbst nicht mehr am Leben war. Aber auch ohne ibn Esra sollte doch der in der Bibel so belesene Herr Abeles den vorangehenden Vers 39 kennen, in welchem es heißt: „Und es gingen d i e S ö h n e Mochir's, Sohnes Menasche's nach Gilead und nahmen es ein." Wenn hier also von den Söhnen Mochir's die Rede ist, so kann doch im unmittelbar darauf folgenden Vers: „Und Moses gab Gilead dem Mochir den Menasche", „Mochir^ Hier nicht wörtlich genommen werden. Dies liegt klar und deutlich auf der Hand. Herr Abeles bittet mich um Entschuldigung, wenn er mich zu belehren sucht, daß Mochir den Menasche dem Males die Grabstätte Josefs gezeigt habe. Auf diesen Einfall, auf den Herr Abeles sich so gütlich thut, ist nicht einmal der Talmud gekommen, da letzterer, wie bekannt, Serach, die Tochter Ascher's. für diejenige bezeichnet, welche Moses die Grabstätte Josefs gezeigt habe. Herr Abeles schließt seine gelehrte Polemik gegen mich mit den Worten: „Ich glaube nicht daß also der Artikel des Herrn Dr Klotz aufklärend gewirkt; denn er hat gerade Stellen der heiligen Schrift übergangen, die doch klar sprechen." Welche Stellen der heiligen Schrift habe ich übergangen? Doch nicht etwa die. welche Herr Abeles citirt hat. Und was bedeutet die Phrase „die doch klar sprechen?" Wofür sprechen diese Stellen so klar? Möge Herr Abeles für die Folge etwas vorsichtiger in seiner Kritik sein, denn der starke Ton allein macht die Kritik nicht aus. Prag. Rabbiner Dr. Klotz. Sehr geehrter'Herr Redacteur! Das zweite Buch der Könige. Cap. 9. Vers 34 belehrt, daß im biblischen Zeitalter die Beerdigung der Verstorbenen eine heilige Sitte war. Von der ermordeten Königin Jsebel heißt es: „Begrabet sie. denn sie ist eine Königstochter." Die Perser ließen die Leichen nicht begraben, damit die Erde nicht verunreinigt werde und dadurch den Wachsthum der Pflanzen nicht schädige, sondern man ließ selbe von den Vögeln verzehren. Prag den 5. Jul: 1901. Leopold Günsberger. Anm. d. Red. Wir erachten diese Discussion für unser Blatt als geschlossen. David Kaufmann. 1852-1898. Von Dr. Samuel Krauß in Budapest. Mit der Wehmuth des Schülers, der seinen Lehrer verloren, mit der Trauer des Juden, der den Tod des treuen Sohnes seines Volkes beweint, mit dem herben Schmerze des Menschen, der ein gottbegnadetes herzliches Geschöpf am Mittag seines Lebens ins kalte Grab mußte sinken sehen, tiefbewegt und im Innersten der Seele ergriffen, schicke ich mich an, den Lebenslauf mH die wissenschaftliche Thätigkeit David K a u f m a n n's zu schildern. Nur eine Erinnerung an ihn kann ich schreiben, nicht ihn selbst zeichnen; ein reiches Leben, wie das seine war, kann durch Hervorhebung einiger Züge nicht festgehalten werden. Ihn nach Gebühr schildern, müßte ich die Meisterschaft seines Styles haben, seine Bedeutung würdigen zu können, müßte ich über sein reiches Wiffen verfügen. So ist es nur gleichsam ein pietätvoller Besuch auf seinem frisch aufgeworfenen Grabe, den ich im Kreise von Freunden mache, wenn ich in weihevoller Stunde die Gedanken auf ihn richte, aus ihn, den alle Leser dieser Erinnerung kannten, auch wenn sie nicht seine Freunde waren, dem sie Alle Freunde waren, auch wenn sie ihn nicht kannten. Ich muß dem Namen David Kaufmann's nichts hinzufügen; so ohne Titel, ohne Prädicat, klingt er am besten. Denn wir hörten und sahen oft diesen Namen; überall, wo man von hoher Menschlichkeit nnd würdiger Persönlichkeit sprach, hörten wir den Ruhm dieses Namens; überall, wo die Wissenschaft des Judenthums eine Stätte fand, sahen wir diesen Namen. Unbegreiflich ist es uns fast, wie in dem halben Ausmaß, das diesem Leben beschieden war. eine solche Fülle enthalten sein konnte, und bitteres Weh erfaßt uns, wenn wir bedenken, welchen Reichthum dieses Leben hätte entfalten können, wenn ihm die ganze Frist des gewöhnlichen Menschenlebens zugetheilt worden wäre. Wenn aber das, was uns Kaufmann geleistet, recht deutlich vergegenwärtigt, was wir an ihm verloren haben, so ist andererseits das, was uns von ihm geblieben ist, der einzige