Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 468 Dr. Bloch's WochenfttzrM. Sir. s8 den Arabern bis jetzt nicht besiedelt werden. Der Streit ist jetzt beigelegt und Atlit wu.de vorerst mit 10 Familien aus Sichron-Jacob vestedelt. Atlit ist also eine neue Colo nie, das zweite jüdische Dorf, das von der Jewish Colonisation Association in Palästina begründet wurde. Zum Schlüsse muß noch die -800 Hektar umfassende Colonie Chederay, die umfangreichste jüdische Colome in Palästina, erwähnt werden, die ihres fieverschwangern Klimas wegen bisher nicht dauernd besiedelt werden tonnte. Die 49 Colonisten dieser Colonie haben nun, um das Kleber zu bekämpfen, in Chederah einen wahren Wald von circa ooü.uoo Eucalyptusbäumen gepflanzt, und sollen dieie Anpflanzungen im nächsten Jahre beendet werde». Die Gesellschaft Hut den Colonisten Häuser und Ställe gebaut, so daß die Colonie un Jahre 1001 dauernd besiedelt sein wird. Nordamerika. In den Bereinigten Staaten von Nordamerika tritt die Jewish Colo'niiallon Ästoclatlo« nicht als lelvststänbige Unlerueymeri«« aus, Wabern wirkt rm Bererne mit anderen jüdischen wohityatlgen Zuimulianen. Im Lereme mu dem Baron Hlrscy-Fono hat pe die Colonien m New-Jersey ulld New-Cnglano unterstützt. In den Colonien von New-Jersey, welche zulammen einen llmsang von 5053 Acres haben, leüe» lbi Farmer mit 949 Personen. Die Farmer haben 8144 Acres Land angebaut und besitzen überdies 15.000 Fruchlvaume. Ihr Crlös aus dem Verlause ihrer tanowirlhichaftticheu Producre belief sich tut Berichtsjahre aus 47.795 Dollars. Der Manger an Märkten für die Proüucre oer Farmer steht einer Bergrößerung der Colonien rm Wege. Cs soll der Versuch gemacht werden, die Angehörigen der Farnier in der Bekleidungsindustrie dadurch zu beschäftigen, daß iyneu mit tzitfe der Zwischenmeisler Arven aus der Stadt verschafft werden so». Dte Ciufuhrung der Industrie m den Colonien selbst, respective die Crrichluiig von Schnelderwerkstältett oasetbst hat sich als vertustrelch erwiescu und wird aufgegebeu werden. Curlstiger ist ole Lage oer Farmer ui Nem-Cngtand, wo das Lano besser, und geeigneter Absatz m der Nähe ist. Die von viele« Seiten empfohlene Evacuirung der großen Ghettos von New-Aork und Phitadetpyla har sich als ,ehr schwer ourchsüyrbar erwiesen. Die Gesellschasl hat im Berichtsjahre^ 171 Familien und 72 alleinsteheuoe Personen, tui Galizen oöö seeten, in New-Jersey, Norty-Jersey, New-Eugla««d und Peunsylvanien untergevrachl. Davon sind aber 20/ Personen vereus m oas Ghetto von New-Dorr zurückgekeyrt, da die in Norty-Jersey errichtete Schiieideriverrslätle einen Fehlbetrag gebracht yat. Cnolich har ow Jewish Cownisalwn Association die Schule zu Woodbiiie uule«- siützl, die im Berichtsjahre wesentlich vergrößert wurde. Die Zahl oer Zöglinge in der Ablyeilung für Ackerbau belief sich aus 101, oavon 84 Knaben und 1« Mädchen. Die Hirschcolonie in Canada zählt jetzt 22 Familien die lOOu Acres bebaut haben. Trotz des aunertennenswerthen Fleißes, oer Cotouisleil koilille«« sie cnsolge einer Mißernte m Westcanada uichi selvftstäudig bestehen. Kleinasien und Cypern.' Die Thätigkeit der Jewish Colonisation Association in Kleinasien ist noch einsiweileu in den Kinderschuhen. Die daselbst ohne Zuthml von maßgebender Seile entstandenen 4 jüdischen Colonien lvaicii im Berichtsjahre in oer Auslösung begriffen, wozu die Gesellschasl, ourch übertrieben pessimistische Berichte irregesuhrt, durch Repalrurung oer Colonisten das Ihrige oeigelrageu har. Nur die Colome O r Jehudah, welche 208/ Hektar umfaßt, hm eine Fortentwicklung erfahren/ Dieselbe beherbergt bereits 18 Colonisten und eme größere Anzahl jüdischer Pachter, oie vor. Io Jahren aus Nußtand iiach DMyrna ausgewanoert smd und nach vielsachen mißglückten Bersuchen, sich eine Cxlsrenz zu gründen, schließlich in Or Jehudah gelandet sind, wo sie sich ms sieißige und tüchtige Landaroeller entpuppt haben. Daneben oesteht in Dr Jehudah eine Ackerbauschule, die für 20u Jöglillge emgerichret ist, in der jedoch vorerst nur 80 untergebracht wurden. Die Schule soll nach dem Muster der Ackerbauschule der Alliance geleitet werden, wenigstens wird m derselben eoen>o steißig Französisch getrieben, wie m der berühmten Ackerbauschule Rtikwep Israel oer Jaffa. Wozu Juden, welche m der Türke: Bauern tveroen sollen. Französisch brauchen, ist uns unerfindlich. Die Colonie Margo Tiflik in Cypern steht - verwaist da. Die Cownisteu haben dieselbe, da auch die zweite Crnie eine schlechte war, verlassen, wodurch die Bevölkerung von 88 auf 86 Seelen gesunren ist. Gegenwärtig wohnen in Margo Tiflik 8 Arbeiter und » Colonisten, meist aus Palästina. Da ötfe Jewish Colonisation Association ihnen sehr viel Land zugekauft hat, sind Aussichten vorpauben, baß sie sich in Cypern werde«« behaupten rönnen. Rußland, Rumänien und Galizien. In diesen drei Ländern, in denen weit über die Hälfte des gesammten jüdischen Volkes auf seiner Wanderung durch die ganze Welt einen zeitweiligen Aufenthalt genommen hat und, jeden Moment zur Weiterwanderung bereu, einen immer schwereren Kampf ums Dasein kämpft, ist , die ThatigkeU der Jewish Colonisation Association weniger in oie Augen springend als m den bisher genannten Lälidern, in welchen die Gesellschaft für unsere Glaubensgenossen aus dem Osten Europas landwirthschaftliche Colonien zu gründen sucht. Der größte Theil der Arbeit der Jewisb Colonisation Association trägt daselbst einen provisorischen Charakter und ist nur dazu bestimmt, unseren unter überaus schwerem politischen und ökonomischen 'Drucke seufzenden Brüdern durch Errichtung von Schulen den Kampf ums Dasein zu erleichtern. Nur die in Rußland und Galizien errichteten Ackerbauschulen, in welchen das Heranwachsende Geschlecht für seinen künftigen Beruf, in außereuropäischen Ländern Ackerbau zu treiben, vorbereitet werden soll, silld vor« bleibendem Werth, und die zu diesem Zwecke ausgegebenen Summen werden dereinst dem Jndenthume reichliche Zinsen tragen. Neben den Schulen hat die Jewish Colonisation Association im Berichtsjahre große Beträge zur Unterstützung und Förderung der jüdischen landwirthschaftlichen Colonien in Rußland, zur Gründung von Fabriken in Rußland und Galizien, sowie zu einem, wohl als gescheitert zu betrachtenden Versuch in den großen jüdischen Centren des russischen Ansiedelungsrayons gesunde Wohnungen zn errichten. In Rußland hat die Gesellschaft in dem Berichtsjahre 12 Handwerkerschulen für Knaben, 5 Handarbeitsschulen für Mädchen und 2 gemischte Schulen errichtet, beziehungsweise subventionirt. Ueber die Zahl der Zöglinge gibt der Bericht unvollständige Auskunft. In 6 Knabenschulen (Cherson, Minsk, Odessas Warschau und Wilna) werden 779 Schüler unterrichlet, die Handarbeitsschulen für Mädchen zählten 729 Schülerinnen, während die Gemischten Schulen von 775 Zöglingen besucht wurden. Daneben förderte die Gesellschaft 6 Ackerrespective Garteubauschulen mit einer unbekannten Schülerzahl. (In Mohilew, Orgjejew und Minsk werden zusammen 62 Zöglinge angegeben.) Bon den sehr zahlreichen jüdischen Ackerbaucolonien in Rußland haben jene in den Gouvernements Wilna, Minsk und Grodiio von der Gesellschaft Unterstützungen zum Ankauf von Vieh und zur Verbesserung der Arbeitsmethoden erhalten. Dasselbe geschah für d«e Colomeu in Beß-Aräbien, die Winzercolonie Jaruga in Podolieii und nainentlich für die Colonien un Gouvernement Cherson. In diesem Gouvernement befinden sich 21 Colonien mit 3300 Colonisten und 23.000 Seelen. Im Gouvernement Cherson leben also weit mehr jüdische Ackerbauer als in Palästina und Argentinien zusammen. Leider arbeiten diese Colonisten nach der veralteten Methode der russischen Bauern, ohne jedoch, wie diese in der Lage zu sein, durch Auswanderung nach Nord-Rußland oder Sibirien sich kostenlos neues Land zu verschaffen. Die Jewish Colonisation Association gewährte den Colonisten Darlehen und hat für sie den Plan zu einer besseren Arbeitsmethode ausgearbeitet. Die Zahl sämmtlicher jüdischen Colonisten in Rußland wird auf 70.000 geschätzt. Auf dem Gebiete der Industrie hat die Jewish Colonisation Association die Actiengesellschaft für Spinnerei und Weberei in Dubrowno errichtet und überdies 100 Webern daselbst 60 Webstühle gekauft. Die von der Gesellschaft in Wilna errichteten 2 Häuser sind in Besitz einer neugegründeten Actiengesellschaft für hygienische Wohnungen übergegangen. Die Häuser haben 205 Wohnungen, von denen jedoch am 81. December 1900 nur 71 vermiethet waren. Die Kasernirung ist dem russischen Juden conträr und die Miethspreise von 3'/, bis 6 Rubel monatlich ohne Beheizung zu hoch. Daher hat wohl die Geellschaft den Bau eines 8. Hauses „auf spätere Zeit" verschoben. Betreffend die Thätigkeit der Gesellschaft in Rumänien, verbreitet sich der Bericht nur über das Schulwesen ausführlich. In 15 Städten ivurden 80 Schulen subventionirt mit 8960 Knaben und 2285 Mädchen. In 4 Schulen ist die Zahl der Zöglinge nicht angegeben. Ueber den zweiten wichtigeren Theil ihrer Thätigkeit in Rumänien gleitet die Gesellschaft mit der kurzen Bemerkung hinweg, oaß infolge einer ökonomischen Krisis die Auswanderungsfrage plötzlich überaus acut wurde. Die Gesellschaft habe alles Mögliche aufgeboten, um die kopflose Auswanderung zu verhindern und alle Diejenigen zu retten, welche sich leichtfertig aus die Wanderschaft nach Amerika und Kleinasien begeben haben. In Galizien unterstützte die Gesellschaft in Stanislau, Tarnow und Kolomea drei Handwerkerschulen, in welchen 59 Lehrlinge die Tischlerei erlernen. Ferner hat sie das bei Kolomea gelegene 900 Hektar umfassende Gut Slobodka Leßna angekauft, um auf demselben eine Ackerbauschule zu errichten, welche gegenwärtig schon '25 Schüler zählt. Endlich hat sie in Tarnow, Brody, Kolomea, Stanislau, Zaleszczyki und Neu-Sandec o Creditgenossenschaften für den Kleinhandel und das Kleingewerbe unterstützt. Davon sind 2 Genossenschaften noch im Entstehen begriffen, die übrigen 4 zählen 1260 Mitglieder und haben bis jetzt an 1778 Darlehensnehmer 272.000 Kronen verborgt, von den etwa 148.000 zurückgezahlt wurden, der Rest aber sich noch in Circulation befindet.