Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021414--10993-3035505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 26 Dr. Bloch's wochenfttzrifl. Veite 467 nöthig zu haben meinen, sich für die weniger einträgliche Milchproduction allzusehr anzustrengen. Die Colonisten betreiben auch die Geflügelzucht ,mö besitzen zusammen über 4500 Stück Geflügel, deren Producle vortrefflichen Absatz finden. Ihre Hauptbeschäftigung bleibt jedoch der Ackerbau, den sie auf einer Flache von i 2.886 Hektar (gegen 9389 des Vorjahres) betreiben. Außerdem wurdet! bisher in Mauricio über 300.000 Bäume angepflanzt. Biel zu wünschen lassen die Colonien in E n t r e Rias übrig, obgleich auch diese sich selbstständig ernähren können. Ihre Haupteinnahmen bilden die 4000 Kühe, welche den Colonisten ca. 15 Dollars monatlich einbringen, und die Viehzucht, die ihnen ebensoviel einbringt. Dagegen hat' der Ackerbau welcher auf 27.706 Hektar betrieben wird, ihnen in Folge einer Mißernte, welche sich aus den ganzen Westen von Argentimen erstreckt hat, sehr wenig eingebracht. Dieses ist umso bedauerlicher, als Entre Rios nahezu 7/io aller jüdischen Colonisten Argentiniens beherbergt. Von allen Colonisten Entre Rios haben nur fünf ihre jährliche Abzahlung leisten können. Die „Flucht vom Lande" hält daher in Entre Rios noch sehr lebhaft an und hat im Berichtsjahre die Zahl der Colonisten um 113 mit 560 Seelen vermindert, so daß die Bevölkerung von 4982 auf 4580 zurückging.. Die Ausgewanderten hatten umsoweniger Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, als die Anpflanzung von Lucern als Futter für die Kühe noch weiter ausgedehnt werden soll und die Viehzucht noch in den Kinderschuhen steckt. Auch die Milchwirthschaft, welche im Berichtsjahre 57u.000 Liter Milch geliefert hat, ist noch einer großen Ausdehnung fähig. Die Verwaltung bedauert daher den Verlust dieser kleinmürhigen Colonisten umsoweniger als die Bevölkerung durch 200 Einwanderer, die auf eigene Kosten aus Rußland gekommen sind und welche im nächsten Jahre zu Colonisten gemacht werden sollen, theilweise wieder ergänzt wurde. Um jedoch eine weitere Auswanderung zu verhindern, beschloß die Administration, die erwachsenen Söhne, sowie die Schwiegersöhne der Colonisten selbstständig zu machen, wodurch in Entre Rios neue H5 Familien installirt wurden. Die Colonien in Entre Rios besitzen 18.554 Stück Vieh, wovon 17.400 den Colonisten gehören. Auch die Colonisten von Entre Rios haben ihre Verwandten Nachkommen lassen und unterstützen dieselben reichlich, was für ihre Zuversicht sowohl wie für ihr edles jüdisches Herz spricht. Der Beim t erwähnt noch die von der Administration ins Leben gerufene Viehzüchterei zu Zeballos, deren kostspielige Einrichtung beendet ist und die vom nächsten Jahre ab sich selber wird erhalten können. Die Züchterei besitzt 5455 Rindvieh, 1150 Schafe und Iv9 Pferde. P a l ä st i n a. Nächst Argentinien kommen sehr wesentlich die jüdischen Colonien in Palästina in Betracht. Der Bericht trägt dieser Thalsache auch insofern Rechnung, als in demselben den palästinensischen Colonien volle 16 Seiten gewidmet sind. An Ausdehnung weil hinter den in Argentinien zurückstehend, kommen sie an der Zahl der Eolonisten diesen fast gleich. Dafür unterscheiden sich die jüdischen Colonien in Palästina von denen in Argentinien sehr wesentlich dadurch, daß erstere nicht allein der Jetvish Colonisation Association, sondern mehreren Factoren ihre Entstehung verdanken« Nebst den eigenen Colonien der Jewish Colonisation Association gibt ^es in Palästina betanntlich jüdische Dörfer, welche eine Reihe von Jahren hindurch vom Baron Rothschild subventionirt wurden und deren Verwaltung am Beginn des Berichtsjahres von diesem an die Jewish Colonisation Association übertragen wurde. Endlich bestehen in Palästina acht jüdische Colonien, die entweder auf genossenschaftlichem Wege entstanden sind, oder von den Chowaweh-Zion begründet worden sind. Von diesen Letzteren wurden Rochowoty. Gadrah, Waad-el Chanin und Mlschmar Hajarden von der Jewish Colonisation Association durch größere einmalige Darlehen unterstützt Chederah wird gegenwärtig janirt, während die noch im Entstehen begriffenen Machnajrm, Artus und Bneh-Jehudah zu der Jewish Colonisation Association in gar keinen Beziehungen stehen. Dre Colonie Kastinjeh, welche von den vereinigten Chowaweh-Zion vor einigen Jahren gegründet wurde, gilt als völlig, selbstständig. Von den von der Gesellschaft durch Darlehen subventionirten Colonien haben 15 Colonisten in Waad-el Chanin ihre jährlichen Abzahlungen nicht leisten können. Sie besitzen etwa 63 Hektar Land, von denen 60 mit Trauben bepflanzt sind. Bei den reducirten Traubenpreiscn waren die Colonisten nicht in der Lage, nebst dem Zehnten, den Steuern und den Beiträgen zu den Gemeindekosten noch ihre Schulden zu bezahlen. In der Zukunft versprechen die beiden Orangerien in Umfange von 10 Hektar größere Einnahmen zu bringen. Dagegen haben die meisten Colonisten von Rochowoth ihre jährlichen Abzahlungen geleistet. Die Betreffenden besitzen 117 Hektar Weinland und haben 2750 Centner Trauben geliefert. Noch günstiger ist die Lage der Colonie Gadrah, wo sämmtliche Schuldner der Jewish Colomsation Association ihre Abzahlungen geleistet haben. Ihre 40 Hektar umfassenden Weinberge haben 1650 Centner Trauben geliefert. Sehr gut haben sich die Colonisten von M i s ch m a r H a j a r d e n bewährt, welche mit Hilfe eines großen Darlehens der Jewish Colonisation Association sich ganz selbstständig gemacht haben, trotzdem die Ernte von 1899 von Heuschrecken vernichtet wurde und auch die von 1900 nur eine mittelmäßige war. Die Colonie zählt 14 Familien mit 92 Seelen und der Bericht sagt von ihnen, daß sie tüchtige und fleißige Arbeiter mit sehr bescheidenen Bedürfnissen sind.. S e j e r a (Sedschera) ist die einzige jüdische Colonie, welche die Jewish Colonisation Association bisher in Palästina gegründet hat. Dieselbe umfaßt circa 1750 Hektar, von denen die Hälfte nur als Weideland verwendet werden kann. Die Colonie wird von der Gesellschaft mit Hilfe von 52 jüdischen, größtentheils aus Borislaw stammenden Taglöhnern selbstständig bewirthschaftet. Im ersten Jahre mußten diese Arbeiter von Arabern erst angelernt werden; jetzt verstehen sie schon selbstständig zu pflügen und zu säen. Sechs Familien wurden in Sejera als selbstständige Colonisten untergebracht. Daneben leben auf dem Gute 15 jüdische Handwerker, so daß Sejera 150 Juden eine Existenz gibt. Endlich besitzt die Colonie 30 Pferde »md Esel, 76 Ochsen, 150 Kühe und 300 Schafe. Das Htlfswerk der Jewish Colonisation Affociation in Jerusalem schreitet unter Leitung des Herrn Antebi rüstig vorwärts. Die Weberei gewährt 98 Personen einen Tagelohn von 1—2 Francs. Zu der Weberei ist jetzt noch eine Färberei hinzugetreten. Um weitere Werkstätten zu gründen, fehlt es an geeigneten jüdischen Werkmeistern, und die Gesellschaft sah sich genöthigt, 8 Knaben und 2 Mädchen nach Europa zu senden, wo die Knaben sich zu Schmieden, Schlossern, Webern und Färbermeistern ausdilden, während die beiden Mädchen in Belgien das Spitzenklöppeln erlernen sollen. Für die in der Weberei beschäftigten Arbeiter und Meister werden Wohnungen errichtet, welche durch allmähliche Abzahlung in den Besitz der Miether übergehen sollen. Endlich har die Jewish Colonisation Association an 15 Familien in Jerusalem gegen regelmäßige Ratenzahlungen, welche bereits pünktlich geleistet werden, Strickmaschinen geliefert, mit deren Hilfe diese Familien 1'/,— 2'/, Francs täglich verdienen. Die Rothschild'schen Colonien in Palästina. Sehr bedeutungsvoll dürfte die Thätigkeit der Jewish Colonisation Association für die bis vor einem Jahre von Baron Edmund Rothschild in Palästina subventionirten Colonien werden. Dieselben bedürfen einer gründlichen Reorganisation, wenn sie in einer nahen Zukunft sich selbstständig erhalten sollen. In erster Reihe kam es darauf an, die geradezu enormen Verwaltungskosten, welche in gar keinem Verhältniß zu der Zahl der Colonisten standen, sehr wesentlich zu reduciren. Ferner sollten alle unproductiven Ausgaben vermieden und dafür neue getvinnbrmgende Productionszweige eingeführt und gefördert werden. In dritter Reihe sollen für die Erzeugnisse der Colonisten neue Märkte gesucht und die alten erweitert werden. Endlich soll die in vielen jüdischen Colonien wirklich herrschende Landknappheil durch Zukauf von Land gründlich beseitigt werden. Von den einzelnen Colonien theilt der Bericht mit, daß Rischon-le-Zion infolge einer überaus gesegneten Traubenerute, im Berichtsjahre 51.400 Centner Trauben geliefert hat. Auch der Obstbau gewinnt von Jahr zu Jahr zunehmende Bedeutung. Nichtsdestoweniger kann Ekron mit seinen zahlreichen Obst- und Olivenbäumen ohne wesentlichen Zukauf von Land nicht existiren. In Pessach - Tikwa sind nur 28 Familien noch zu unterstützen. Dieselben besitzen 141 Hektar Weinland, außerdem hat die Gesellschaft ihnen llv Hektar Getreideboden abgetreten, den sie gemeinsam zu bewirthschaften haben. Die Gesellschaft besitzt in der Colonie eigene Orangerien, die in 'der Folge sehr ertragreich zu werden versprechen. Unhaltbar sind die Zustände in Sichron-Jacob, bas von der vorigen Adutinistration in Grund und Boden gewirthschaftet worden ist, und von dessen Bevölkerung der Bericht bezeichnenderweise als von den „sogenannten" Colonisten spricht. In der Colonie leben 194 Familien, für die es keinen andern Ausweg gibt, als sie zum Theil anderswo in Palästina anzufiedeln, damit das zur Verfügung stehende Land für den Rest ausreichend wird. Ebenso verfahren sind die Zustände m den eng benachbarten Colonien R o s ch - P i n a h und Iessod- Hamaaloh. Dieselben verfügen über weit mehr Land als Sichron- Jacob, dennoch kann nur ein Therl der Colonisten als selbstständig angesehen werden. Zwar haben beide Colonien 60o Centner Trauben geliefert, aus denen 750 Hektoliter Wein hergestellt werden konnten, allein der Transport dieses Weines bis zum nächsten Hafen stellt sich viel zu theuer, und auch der Versuch, die Trauben in Rosinen zu verwandeln, mußte aufgegeben werden, weil die theueren Herstellungskosten das Product von dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt völlig ausschließen. Dagegen find die mit dem T a b a k S b a u in der jüngsten Zeit gemachten Versuche sehr ermuthigend. Der in geringer Menge erzeugter Tabak läßt sowohl an Quantität wie an Qualität nichts zu wünschen übrig und ist der Tabaksbau für die jüdischen Colonien in Galiläa umsomehr zu empfehlen, als er die Verwerthung von ganz kleinen Parcellen fruchtbaren Bodens gestattet. Ferner wird der Versuch gemacht werden, die in den beiden Colonien zahlreich vorkommenden steinigen Partien durch Anpflanzung des anspruchslosen Cactus zu verwerthen, der ein vortreffliches Viehfutter abgibt. Die Seidenweberei in Rosch-Pinah, welche 1873 Pfund Seide geliefert hat, beschäftigt lüo Personen. Im nächsten Jahre werden noch eine Färberei und eine Spinnerei hinzukommen, die weiteren 33 Arbeitern Beschäftigung geben werden. Emdlich wird beabsichtigt, unter den Colonisten Webstühle zu vertheilen, wodurch ihre Angehörigen. sich einen hübschen Nebenverdienst verschaffen können. Die Colonisten von Met hule, welche vielversprechende Versuche mit dem Tabaksbau gemacht haben, leiden an Landknappheit. Die Ländereien im H a u r a n und in B e t i m a waren Gegenstand eines Zwistes, der jetzt beigelegt ist, ebenso konnte der nahe bei Sichron-Jacob liegende Boden von Atlit in einem Umfang von 900 Hektar wegen einer Controverse mit