Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 27 Sette 459 Vr. Vloch s Wochenschrift. Vorsitz führte, folgende bemerkenswerthe Rede: »Die Pester Chewra-Kadischa hat einen gar großen Verlust, erlitten! Moses Ehrlich, ihr Präsident ist gestorben. Kaum zwei Wochen sind verstrichen, seitdem Sie Zeugen seiner Rechnungslegung über die Verwaltung jener Angelegenheiten waren, denen er seine ganze Sorgfalt, seine ganze Thätigkeit gewidmet hat und die er mit der vollen Gluth seines Herzens betreute. Sie haben seinen Bericht voll Anerkennung, bezüglich der Vergangenheit, entgegengenommen und ihm ihr unbegrenztes Vertrauen hinsichtlich seiner weiteren Wirksamkeit in der Zukunft ausgedrückt. Und siehe da, heute — heute schon mußten Sie zusammentreten, um bezüglich der letzten, ihm darzubringenden Ehrenbezeugungen Beschlüsse zu fassen. Welch trauriger Wandel der Dinge! Wer Moses Ehrlich als Mensch war, das wissen Sie alle. Unbeugsame Redlichkeit, unentwegtes Pflichtgefühl und das goldene jüdische Herz: diese bildeten die Grundlinien seines Wesens. Ebensowohl wissen Sie allesammt, welche Bedeutung sein Wirken sür die Chewra-Kadischa hatte. Meines Erachtens ist es nicht angezeigt, daß ich von diesem Platze und aus diesem Anlasse seine Wirksamkeit eingehend würdige, da ich ihm als Mitarbeiter an die Hand ging, nur auf etwas erlauben Sie mir dennoch Ihre Aufm rksawkeit zu lenken und das sind der hingebende Eifer und die ununterbrochene Thätigkeit, mit der er der Sache der Armen diente. Ich verweise auf die Institution der Liturgisten, die in erster Reihe den Ansprüchen der Armen hinsichtlich der Pietät zu genügen berufen ist, und deren Zustandekommen nur seinem zielbewußten Streben und seiner unermüdlichen Arbeitsamkeit ihre Entstehung verdankt. Ich verweise ferner auf den Umstand, daß die Chewra-Kadischa zu Beginn seiner Präsidentschaft im Jahre 1897 für die Armen 50 000 K geopfert hat, während sie in das 1901er-Budget 75.000 K einstellte. Und wer wollte und könnte jene ungezählten Summen berechnen, die er — die Ccsse der Chewra-Kadischa eifrig hütend — auf dem Altar der Armuth aus eigener Tasche darbrachte. Nun hat der unerbittliche Tod Moses Ehrlich zwar aus den Reihen der Lebenden gerissen, aber sein Name wird lange, lange in dem dankbaren pietätsvollen Andenken der Pester Chewra-Kadischa leben. Und jetzt, meine geehrten Herren, wollen Sie die Vorschläge anhören, die ich die Ehre habe, Ihnen, behufs Gutheißung, im Namen des Vorstandes zu unterbreiten/ Bägujhely (Ungarn). Der neununddreißigste Jahresbericht der Vägujhelyer israelitischen Realschule erweckt die extremsten Gefühle im Herzen des Lesers. Wir fühlen freudige Genugthuung darüber, daß diese Schule ihr segensreiches Wirken jährlich einer immer zahlreicheren Schülermenge zutheil werden läßt. 158 Schüler besuchten diese 4classige Anstalt, darunter 25 christlicher Confession. Zwei Drittel der Schüler recrutirten sich aus den entferntesten Gauen unseres Vaterlandes. Orthodoxe und Neologe ohne Unterschied vertrauten ihr theures Gut der Schule an, in deren Räumen sie gegen jeden nachtheiligen Einfluß geschützt, in dem Glauben ihrer Väter erzogen wurden und wo ihnen zugleich eine gründliche wissenschaftliche Bildung ertheilt wurde. Die Heiligung des Sabbaths und der Feiertage wird nicht durch profanen Unterricht gestört. Der Sabbath ist dem Gottesdienste und anderen religiösen Uebungen geweiht. Eine beträchtliche Anzahl unserer Schüler besucht den täglichen Morgen- und Abendgottesdienst; neun Zöglinge meldeten sich zum Talmud-Unterrichte. Der Jahresbericht hebt lobend hervor, daß während des ganzen Schuljahres kein einziger Schüler sich gegen die Moral vergangen. 108 Schüler erhielten aus Betragen die Note 1, der Rest wurde mit »entsprechend" classificirt. Befriedigend waren die Resultate im Unterrichte: blos 4% der Schüler müssen die Claffe repetiren; 10% erhielten vorzügliche, 82% gute und 36% genügende Fortgangsclasse. Der Rest hat sich einer Reparations- Prüfung zu unterziehen. So erzieht diese einzige jüdische Mittelschule Ungarns treue Söhne dem Vaterlande und tüchtige gute Glaubensgenossen. Unbemittelte Schüler wurden von der Schülerlade mit Büchern und Zeichenrequisiten versehen; der „Rabbi Weisse-Verein" bekleidete zehn Schüler, außerdem ist jede Familie bestrebt, mehreren Studenten Freitische zu gewähren. Die Last der Schulerhaltung trägt die Vägujhelyer israelitische Cultusgemeinde, die blos 250 steuerzahlende Mitglieder zählt, allein. In Würdigung der erworbenen Verdienste subventionirt die ungarische Regierung die Cultusgemeinde mit jährlich 8000 Kronen, die zu Zwecken der Realschule verwendet werden. Von Seite der ungarisch-jüdischen Glaubensgenossen erhält diese Anstalt weder Aufmunterung, noch Unterstützung. Dieser Umstand wirkt betrübend auf das Gemüth des Lesers. Eine lobenswerthe Ausnahme, die allgemeine Verbreitung verdient, bildet die edle That des jüngst verstorbenen seligen Herrn Nathan Latzko. Aus Pietät und Anhänglichkeit an feine Vaterstadt Vägujhely beauftragte er auf seinem Todtenbette feinen Sohn Herrn Karl Latzko, der Vägujhelyer israelitischen Cultusgemeiude zu wohlthätigen Zwecken 20.000 K zu spenden. Hievon erhielten das israelilische Siechenhaus, der Frauenverein, der Rabbi Weisse-Verein und die beiden Vereine der Realschule ansehnliche Beträge; zu Zwecken eines zu gründenden Alumneums wurde ebenfalls ein beträchtlicher Betrag capitalisirt. Möge diese schöne und edle That recht viele Nachahmer haben, damit diese 4clafsige Unter-Realschule baldigst zur Ober-Realschule ergänzt werde. Sie wäre eine Wohlthat sür das ungarische Judentum. Der Vorwurf würde dann verstummen, der den reichen ungarischen Juden von christlicher Seite gemacht wird, daß sie für ihre einzige jüdische Mittelschule nicht das geringste Opfer bringen, während die christliche Confession von 205 Mittelschulen 150 erhalte. Unsere christlichen Mitbürger denken bei ihrem Borwurfe freilich nicht an die Spaltung im ungarischen Judenthume, an den Mangel einer Organisation und an die Zersplitterung der Kräfte, die jedes eonfeflionelle Unternehmen im Keime erstickt. Möge das ungarische Judenthum den Wahlspruch unseres erhabenen Monarchen beherzigen und „viribus uuitis" fämmtliche gemeinnützige Einrichtungen unterstützen, dann wird auch bald der Tag anbrechen, an dem eine jüdische Ober-Realschule ihre Pforten den ihr zuströmenden Schülern öffnen wird. Das walte Gott. Efsek. (Abgeordneter von Adamovich an das Esseker T e mp e lb a u c o m i t e.) Das Comite zur Förderung des Tempelbaues in Essek-Unterstadt hat in seiner ersten Sitzung mit Begeisterung den Antragangenommen, dem Abgeordneten der Unterstadt Herrn Ivan von Adamovich die Bitte vorzutragen, das Protectorat über das genannte Count« zu übernehmen. In Ausführung dieses Eomitßbeschlufses wurde an den Herrn Abgeordneten die schriftliche Anfrage gerichtet, wann er bereit wäre, eine Deputation des Comites zu empfangen, welche ihm die oberwähnte Bitte unterbreiten würde. Dieser Tage ist nun die Antwort des geschätzten Herrn Abgeordneten herabgelangt, und wir glauben, daß dieselbe, welche den vollen Edelmuth des Herrn Abgeordneten im glänzendsten Lichte erscheinen läßt, nicht verfehlen wird, in allen dem Comite und der Unterstädter Bürgerschaft nahestehenden Kreisen die freudigste Stimmung und Begeisterung wachzurufen. Sie ist aber auch eine indirecte Ermahnung an jene Skeptiker, welche sich bisher dem Tempelbauproject gegenüber ziemlich kühl verhalten haben, aus ihrem bisherigen passiven Verhalten hervorzutreten und mit vereinten Kräften an dem schönen Werke weiterzuarbeiten. Der Brief des Herrn Abgeordneten, an den Obmann des Comites, Herrn Oscar K o h l b a ch, gerichtet, hat folgenden Wortlaut: »Bäcs-Nvvoßelo, den 22. Juni 1901. Euer Wohlgeboren! Geehrter Herr Präsident! Den mich sehr ehrenden Antrag, das Protectorat über das Essek-Unterstädter Tempelbaucomite anzunehmen, habe ich mit Freude erhalten und erkläre mich gerne bereit, dasselbe anzunehmen. Ich werde gewiß meine Kräfte für das Gelingen dieses religiösen Zweckes e i n s e tz e n. In der ersten Hälfte des Monates Juli werde ich längere Zeit in Erdöd weilen und mich dann bezüglich des Empfanges der Deputation mit Ew. Wohlgeboren direct in Verbindung setzen. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung, und mit der Bitte, mich den Herren des Comites bestens zu empfehlen und denselben meinen besten Dank für das mich so auszeichnende Vertrauen auszurichten, verbleibe ich Ihr aufrichtig ergebener Ivan von Adamovich m. p., Abgeordneter." Vom Baucomite zur Förderung des Tempelbaues in Efsek- Unterstadt ergeht besonders an die sehr geschätzte Damenwelt Efieks die höfliche Bitte, Spenden sür den Glückshafen (kleine Nippes, Bijouteriegegenstände oder Spielzeug) gefälligst im Geschäftslocale des Herrn Eduard P a u n z am Unterstädter Hauptplatz abgeben zu wollen. Jede, selbst die kleinste Gabe, wird mit größtem Danke angenommen. — Bei dem Volksfeste, welches tvie bekannt, Sonntag den 14. Juli im Stadtgarten stattfindet, werden, wie wir erfahren, auch mehrere Gesangsvereine, die Musikcapelle des 78. Infanterie-Regimentes und ein Riesen-Tamburica-Orchester Mitwirken. Das Streichorchester der Militärcapelle wird auch die B a l l m u s i k bei dem Kränzchen besorgen, welches nach dem Volksfeste im Stadtgartensaale stattfindet. Die competenten k. u. k. Militärbehörden