Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021413--10983-3035494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 458 Dr. Bloch's WvchenfchrM Nr» 37 Stehend und mit Begeisterung stimmten alle Anwesenden in die Hochrufe ein. Mit der Absingung der Volkshymne fand diese würdige Feier ihren Abschluß. Erwähnt muß noch werden, daß die ausgestellten weiblichen Handarbeiten allgemeine Zufriedenheit fanden. Wie«—Währing. Im Tempel des XVIII. Bezirkes, Schopenhauerstraße 39, hat am 30. v. M. eine öffentliche Prüfung der daselbst bestehenden Lese- und Bibelschule stattgefunden, aus deren Resultat dem Fachmanne wie auch denen, in deren Händen die religiöse Erziehung der jüdischen Jugend Wiens liegt, manch nützliche Anregung erwachsen wäre, wenn einige von ihnen es blos der Mühe werth erachtet hätten, der von dem Bibelschul- Comits an sie ergangenen Einladung Folge zu leisten, und der Prüfung beigewohnt hätten. Bon den 120 bis 130 israelitischen Knaben, die in diesem „Vorstadtbezirke" die Volks- und Bürgerschulen besuchen, sind am Anfänge des gegenwärttgen Schuljahres etwa IM Schüler in die erwähnten zwei Schulen durch den unermüdlichen Eifer des Herrn Lehrers M. Zeckendorf eingereiht worden, von denen sich über 80 zur öffentlichen Prüfung eingefunden haben. Das Resultat der Leseschule, die unter der Leitung des eben erwähnten Herrn Zeckendorf stand, wie auch das der Bibelschule, die vom Herrn Religionslehrer M. Stengel fett nun zwei Jahren geleitet wird, war keineswegs ein gewöhnliches, das mit einem wohlwollend herablaffenden: „Sehr brav, sehr gut" abzythun ist. Es war vielmehr ein Erfolg, der auch in den kostspielige» Bibelschulen selten zu verzeichnen ist. Denn, siebenjährige Kinder so weit zu bringen, daß sie mit Sicherheit fehlerlos lesen und übersetzen, Volks- und Bürgerschüler der Vorstadt im Hebräischen so weit auszubilden, daß sie mit einer virtuosen Treffsicherheit jede noch so schwierige grammatische Frage beantworten, ist selbst bei Mittelschülern keine alltägliche Erscheinung. Wenn man nun die vielen Schwierigkeiten ermißt, die einer nicht obligaten Schule entgegenstehen, und mit den erzielten Erfolgen vergleicht, muß man sich endlich fragen, woher es wohl komme, daß der obligate Religionsunterricht so beschämend geringe Resultate zu Tage fördert, und daß die Leseübungsschulen auch nicht ganz das leisten, was man von ihnen erwartet hat? Diese Frage, mit der die ganze Erziehungsfrage 'eng zusammenhängt, würde schneller, als man es glaubt, ihre'Lösung finden, wenn alle Herren, denen es zusteht, öfter unter das Volk gingen, will sagen, die Schulen öfter, wie sie sich es vorgenommen haben, persönlich besuchen würden, um hier mit den Lehrern in engeren Contact zu treten, um hier Lehrer und Schüler bester kennen zu lernen. Hier würden sie erfahren, daß es nicht genügt, irgend eine Schule ^r Pfründe irgend eines alten gebrechlichen Herrn herabzuwürdigen, um dann die so vergrößerten Ausgaben vom Leibe der tüchtigen Lehrer abzuzwacken, damit das Ünterrichtsbudget nicht ins Unermeßliche steige. Hier würden sie die Wahrhett des alten Satzes erfahren, daß die Lehrer nur dann etwas zu leisten im Stande sind, wenn ihnen eine menschenwürdige Existenz zugestanden wird. Stellet nur immer den richtigen Mann an den gebührenden Platz, dann werdet ihr nicht klagen über die zunehmende Conversion unter der jüdischen studierenden Jugend, aber entwürdiget nicht die Lehrer und Erzieher eurer Kinder dadurch, daß ihr sie zwinget. Privatstunden unter den beschämendsten und entwürdigendsten Bedingungen zu ertheilen, um sich das tägliche Brot zu erwerben. So lange ihr zu dieser Einsicht nicht gelangt seid, sind alle euere Conferenzen und Referate vergebens. Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen! Unter den Gästen waren zu bemerken: der in seinem Amtseifer unermüdliche Jnspector M. Kanitz, ferner Herr Rudolf Fuchs, Herr Rabbiner Dr. Hahn und die Vertretung der Bibelschule des Vlll. Bezirkes. Mit Absingung des Segens schloß die erhebende Feier. Die Neuwahlen in der Prager Cultusgemeinde- Repräsentanz. Seit einer Reihe von Monaten wurde in der zionistischen Preffe ein Sturm gegen die bisherigen Vertreter der Prager Cultusgemeinde angekündigt. Die Parteiorgane kündigten an, der allgemeine Unwille werde bei den nächsten, anläßlich des neuen Gemeindestatuts vorzunehmenden Neuwahlen die alte unfähige Repräsentanz wegfegen. Derselben wurde zur Last gelegt: Die Umwandlung der ehemaligen jüdischen Volksschule in eine allgemeine Gemeindeschule (erfolgte im Jahre 1850!), die Umwandlung des Judenspitales in ein allgemeines confeffionsloses Krankenhaus (erfolgte im Jahre 1859, die rituelle Verpflegung und die Verwaltung durch die Cultusgemeinde blieb bestehen, und die Umwandlung hat die Folge, daß das Land Böhmen 19.000 fl. jährlich an Berpflegsgebühren zahlt!), der ruinenhafte Zustand der Altneusynagoge (dieselbe wurde im Jahre 1883 zum größten Theile auf Gemeindekosten derart hergestellt, daß ihr Bestand bei vollkommener Erhaltung des altehrwürdigen Charakters auf Jahrhunderte hinaus gesichert ist), die erfolgte Demolirung der Judenstadt zum Zwecke der Assanirung, die Expropriation eines Theiles des alten Friedhofes, die Provocirung der Judenexcesse im Jahre 1897 rc. re. Mittelst eines Circulars, worin der bisherigen Vertretung „ein an Verbrechen grenzendes Vorgehen" zur Last gelegt wurde, wurde eine Wählerversammlung einberufen, bei der die erschienenen Zionisten selbst erklärten, sich dieses nach antisemitischem Muster abgefaßten Schriftstückes zu schämen. Die Angegriffenen haben nicht mit einem Worte geantwortet, aber dieWähler haben gesprochen. Sämmtliche Mitglieder der alten R epr äs e n t anz sind bei denam 16., 23. und 30. Juni vorgenommenen Neuwahlen wiedergewählt worden, und zwar im 3. Wahlkörper, der 880 Stimmberechtigte zählt, mit der Majorität von 657 bis 658 Stimmen gegen 54 bis 61 zionistische Stimmen; im 2. Wahlkörper, der 504 Stimmberechtigte zählt, mit 330 bis 331 Stimmen gegen 6 bis 7 zionistische Stimmen; im 1. Wahlkörper. der 151 Stimmberechtigte zählt, mit 87 bis 88 Stimmen. Zionistische Stimmen wurden in diesem Wahlkörper nicht abgegeben. Die zionistischen Blätter schweigen sich über das Wahlresultat gründlich aus. Es scheint, daß in der Prager jüdischen Gemeinde der Grundsatz: Calumniare audacter, semper aliquid haeret seine Geltung hat. Hohenelbe. (Antisemitische Judenvertilgung.) Nach einem Berichte des „G eb ir g s b o t en" wurde zwischen der hiesigen Gemeinde und den Augsburgswerken ein Vertrag zwecks Erbauung eines neuen Elektricitätswerkes abgeschlossen. Diese Neugründung, welche die Austreibung des Besitzers des bestehenden „Ersten Hohenelber Elektricitäts-Werkes", des Herrn Goldschmied, weil er ein Jude ist, bezweckt, bedeutet eine eno rme Schädigung der Gewerbetreibenden in Hohenelbe. Der Vertrag berechtigt die Augsburger Gesellschaft, den elektrischen Strom für Betriebszwrcke um 72 bis 100 Percent theurer abzugeben, wie es bisher Herr Goldschmied gethan hat. Außerdem darf vor dem Jahre 1919 eine Ermäßigung dieser unerschwinglichen Preise um 5 bis 20 Percent nur dann eintreten, wenn ein Jahresconsum von 1 bis 2 Millionen bezahlten Hektowattstunden festgestellt ist. In der kleinen. Stadt Hohenelbe hat das „Erste Hohenelber Elektricitätswerk" bis jetzt einen Jahresconsum von nicht ganz '/- Millionen Hektowattstunden erzielt. Da kann von einer Preisermäßigung vor Ablauf von 20 Jahren keine Rede sein. Zweiundzwanzig Gewerbetreibende haben bisher circa 8000 Kronen jährlich dem bestehenden Werke für den Strom bezahlt, nach den neuen vertragsmäßig f e st g estellten Preisen sollen dieselben um.8500 Kronen mehr zahlen. Der neue Vertrag erhält auch eine Bestimmung, nach welcher das neue Werk in 29 Jahren um 40 Peicent des Schätzungswerthes von der Gemeinde übernommen werden kann. Niemand dieser Herren hat jedoch gedacht, daß in Folge dieser enormen Preise die22 Gewerbetreibenden allein in 29 Jahren 536.000 Kronen werden dazu beigesteuert haben, damit die Gemeinde Hohenelbe das Recht hat, ein Werk, welches vielleicht 150.000 Kronen gekostet haben würde, noch um 60.000 Kronen zu übernehmen. So schaut der eminente Vortheil aus, der den Gründern des neuen Werkes dadurch erwächst. Die Verdrängung des „Ersten Hohenelber Elektricitätswerkes", dessen Besitzer ein Jude ist, wird daher der antisemitischen Gemeinde und besonders den Gewerbetreibenden ein schönes Stück Geld kosten. Jedoch was schadet das? Wenn nur die radicalen Antisemiten ihren Zweck erreichen, und der muß erreicht werden, mag es den Gewerbetreibenden kosten, was es will. Dies als Beitrag zur Rettung des Gewerbes durch di e Radical-Nationalen in der Praxis. Auf schöne Worte, Phrasen und Versprechen kommt.es ihnen in der Theorie, wenn Wahlen sind, durchaus nicht an. Budapest. Die Pester Chewra-Kadischa, die durch das Hinscheiden ihres Präsidenten Moses Ehrlich so schwer betroffen wurde, berief sofort nach Bekanntwerdung der Trauernachricht eine Vorstandssitzung ein. Anläßlich derselben hielt Herr königl. Rath Dr. Philipp Weinmann, der als Bicepräsident den