Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Vr. Blvch's Wochenschrift Rr. 87 Veite 46V haben diesbezüglich dem Comits das größte und liebenswürdigstes» Entgegenkommen an den Tag gelegt. — Dieser Tage wird auchM an circa 160 der schönsten Mädchen Efseks die Ein-M ladung ergehen, sich als Verkäuferinnen an dem Volksfeste ge-1 fälligst betheiligen zu wollen. Die eingeladenen Fräuleins werden * auch auf diesem Wege höflich gebeten, ihren diesbezüglichen Entschluß dem Comite längstens bis zum 6. Juli bekänntzugeben. Berlin, 24. Juni. Der hiesige .Club der Landwirt he" hat sich, wie zur Zeit mitgethxilt wurde, in seiner December-Sitzung.mit der S ch ä ch t f r a g e beschäftigt. Die sehr angeregte Diseufsion, welche sich zu einer lebhaften Befürwortung unseres rituellen Schlachtverfahrens gestaltete, knüpfte an einen Bortrag des Herrn Ockonomierathes Plehn über .Die Thierquälerei beim Schlachten" an. Dieser Bortrag ist in der letzten Nummer der .Nachrichten aus dem Club der Landwirthe zu Berlin" zum Abdruck gelangt. Der auf das Schächten bezügliche Theil lautet: „Ich komme nun zur zweiten Form des Schlachtens, welche sich weniger Zuneigung im Publicum zu erwerben gewußt hat, das Schachten der Juden. Ich habe mich oft gefragt, woher wohl die Abneigung be£ Publicums gegen das Schächten kommen möge, und vermuthe, es wird einmal Jemand, der kein Judenfreund war, sich haben erklären lassen, daß der jüdische Ritus den Leuten verbietet, Blnt zu genießen, und daß deshalb, um das Thier stark ausbluten zu lassen, die Adern geöffnet werden, damit das Thier möglichst ausbluten kann. Er hat das gehört, ohne näher orientirt zu sein, und hat gesagt: „D.is ist ja eine schreckliche Thierquälerei, das Thier länger ausbluten zu laffen. blos um das Fleisch vom Blute zu befreien und einem Ritus zu genügen". Er hat das einem Zweiten uud Dritten erzählt; der Vierte hat es geglaubt, der Zehnte schwört darauf, und ich bin überzeugt: die große Mehrzahl der Menschen, welche über das Schächten klagen, haben es nie gesehen. Und nun gestatten Sie mir, Ihnen mitzutheilen, wie es sich vor meinen Augen zuaetragen bat. Das zum Schlachten bestimmte Thier wurde an beiden Hörnern gefeffelt, an beide Seiten traten handfeste Männer und hielten den Kopf, vor allen Dingen wurden die Augen mit einem Tuch bedeckt. Daun kommt der Schächter mit seinem beinahe */< Meter haarscharf geschliffenen Messer, setzt das Messer mit dem Griffcnde am Halse an, zieht es gedankenschnell durch und schneidet in diesem Augenblick, schneller als ich es aussprechen kann, die ganze Kehle bis auf das Rückgrat durch. Das Thier stürzt zusammen; es kommt die dritte von den vorhin angegebenen Methoden hier zur Anwendung: das Gehirn wird sofort blutleer und die Schmerzempftndung sofort gehemmt. Neuerdings ist das Schachten, wenn ich den Ausdruck brauchen darf, einigermaßen salonfähig geworden; denn die militärischen Eonservefabriken sollen allgemein die Schächtung eingeföhrt haben, weil man gefunden hat, daß Fleisch, welches gut ausblutet, haltbarer, also für Conserven geeigneter wird Als ich das hörte, ist mir der Gedanke gekommen, ob das Schächtgebot bei den Juden nicht rein aus sanitären Rücksichten hervorgegangen ist, wie ja vielfach rituelle Bestimmungen auf sanitäre Gründe sich stützen; zum Beispiel das Verbot des Genusses von Schweinefleisch, was nicht blos bei den Juden, sondern auch bei den Mohammedanern rituell verboten ist, wird darauf zurückgeführt, daß in heißen Gegenden der Genuß des fetten Fleisches für die Gesundheit nachtheilig ist. namentlich den Aussatz befördert und dergleichen. Gibt es doch auch Aerzte, welche die Beschneidung auf derartige Gründe zurückfübren, indem sie gewisse Unreinigkeiten vermindere oder verhindere. Sei dem aber, wie ihm wolle, ich glaube nachgewiesen zu haben, daß die Voreingenommenheit gegen das Schächten ein wkrkliches Dorurtheil ist, welches ohne jeden Halt da steht". So urtheilt auf Grund eigener, unmittelbarer Beobachtungen ein sicherlich Sachverständiger, dessen Ausführungen an der Stelle, wo sie vorgetragen wurden, gesteigerte Bedeutung erhalten. Hamburg, 11. Juni. Der in der .Neuen Freien Presse'' publicirte Bericht über die Mißhandlung eines österreichischen Reisenden auf dem Dampfer .San Paulo" von der Hamburg-Südamerika-Linie schien mir so unglaublich, daß ich mich, um auch dem andern Theile Gelegenheü zur Aeußerung zu geben, an die Direction der Linie um AuSmnft wandte. Man wies mich an einen Herrn, der als Direktor F r a n z e n bez-rchnet wurde. Sobald dieser von der Sache hörte, erklärte er mit fester Stimme, sich durchaus nicht darum zu kümmern, was in deu Zeitungen stehe. Die Hamburg- Südamerika-Linie .sei an Angriffe" gewöhnt, es sei ihr völlig .schnuppe", was in der Presse stehe, uud sie stehe zu groß da, als daß d man ihr etwas anhaben könne; das von dem Großdastchen ist, nebenbei bemerkt, eine Meinung des Directors, die sehr viele Andere nicht theilen. Zur Sache ist zu sagen, daß nach dm Verhalten der Direction der Hamburg-Südamerika-Linie die öffentliche Meinung die Darstellung des Herrn Leo G. für wahr zu halten hat. Wenn sie nicht wahr wäre, so würde den Herrschaften der Fall wohl nicht .schnuppe" sein. Also: Zwei Passagiere prügeln einen jüdischen Mitpassagier blutig, der Arzt muß ihn verbinden und der Capitän will ihn unterwegs absetzen, damit es keinen Scandal gebe. Die Direction aber lehnt es ab, irgend etwas dazu zu sagen. Nun wäre es bei dem heute so lebhaften Verkehr nach Südamerika ja geradezu schrecklich für dahin reisende Israeliten, wenn es blos diese eine Linie gäbe. Sie müßten dann, wie es der vielleicht nicht besonders streitbare Herr Leo G. getban hat, die Thür ihrer Cabine absperren und Niemandem den Eintritt gestatten; das Essen könnte ihnen durch die Thürspalte gereicht werden und nach gewissen Orten dürften sie sich nur unter Escorte von vier bis an die Zähne bewaffneten Stewards begeben. Aber glücklicherweise ist das alles nicht nöthig. Man kann nämlich nach der Ostküste Südamerikas noch sehr gut von andern Orten gelangen, als von Hamburg. Da ist z. B. der Norddeutsche Lloyd in Bremen, der Passagiere nach den La Platahäfen befördert; es gibt auch viele ausländische Gesellschaften, die die südamerikanische Fahrt betreiben, so die Messageries Maritimes, die Londoner Royal Mail Steam Co. u. A. mehr. Dem Dreschflegel-Grafen Pückler aber und den Seinen bleibe» die Hamburger Dampfer. Vielleicht benutzt er diese Chance zur Verwirklichung seiner Ideen und fährt über den Sommer nach Südamerika! Paris. Wie wir bereits in der vorigen Nummer gemeldet, hat am 17. v. M. in Paris eine Conferenz der hervorragendsten israelitischen Hilfsvereine in Angelegenheit der rumänischen Judenftage stattgefunden. Anwesend waren Vertreter der Alliance und der Jewish Colonisation aus Paris, sowie verschiedene Herren aus London, Berlin, Köln, Frankfurt a.M., Hannover, Budapest und Wien. Das Bureau war folgendermaßen zusammengesetzt: Narciß Leven, Präsident, Claude Montefiore, Vicepräsident, Rechtsanwalt Plotke, Dr. Wahrmann, B. Deutsch de Hatvan, M. I. Bigart, Schriftführer. Auch in Frankreich gibt. es jüdische Antisemiten, ja dort noch mehr als anderswo. Bei Gelegenheit einer Preßpolemik gegen den übelberüchtigten .Matin" haben einige junge Rechtsaywälte es für würdig und angemessen befunden/ cm’ dieses Blatt längere Briefe zu richten, um ihren Glauben und ihre Glaubensgenossen darin zu verleugnen. Die Sache hat in Paris ziemliches Aufsehen erregt, und ein -unbefangener französischer Schriftsteller wie Francis de Preffenss schreibt darüber in der .Aurore" folgendermaßen: .Man sieht Juden, die, erschrocken über die Fortschritte des Antisemitismus, nicht daran denken, für die Gleichheit des Rechts und den Sieg der Regierung zu kämpfen, sondern sich an die Drumonts und Guörins herandrängen und ihre Brüder von der unglücklichen Roce preisgeben. Wir sprechen nicht etwa von den Berräthern ä la Meyer oder Pollonnais, diesem Auswurf beider Parteien, den Knechten der Peiniger ihres Stammes. Wir haben die Ociginalbriefe selbst gelesen, in denen Söhne Israels, anstatt feierlichst das Recht der Idee auf Existenz an sich zu verkünden, vielmehr aus mildernde Umstände plaidiren und bestrebt sind, einige muthige Männer anzugreifen, die das Recht und die Gesetzlichkeit auch den Juden gegenüber vertheidigen, und ferner versuchen, ihren Ursprung durch Kriecherei und Niederträchtigkeit entschuldbar zu machen." Das ist hart, aber gerecht. Die Worte des französischen Schriftstellers können übrigens auch in Deutschland ihre Anwendung finden. Vermischtes. Wien. (Danksagung.) Aus Anlaß der huldreichen kaiserlichen Auszeichnung, die mir zutheil geworden, sind mir so zahlreiche mich hoch ehrende Beweise der allgemeinen Theilnahme und Sympathie zugekommen, daß ich außer Stande bin, Jedem der Freunde einzeln zu danken. Ich sage daher an dieser Stelle Allen insgesammt, sowohl Corporationen als Einzelpersonen meinen tiefempfundenen innigsten Dank. Wien, am 1. Juli 190l. Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l. Wien. Anläßlich der Reise nach Böhmenhat der Kaiser nachstehende Auszeichnungen verliehen: Dem Landtagsabgeordneten und Großindustriellen Josef Inwald in Prag wurde der