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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Sette 457 Br. Vloch's Mvchr nfchrif Sir. 87 der Gasbeleuchtung durch eine solche mit elektrischem Lichte in allen Räumen. Im Anschlüsse hieran stehen Bauausführungen, welche ohne Rücksicht auf den Neubau im alten Gebäude aus hygienischen oder technischen Rücksichten vorgenommen werden müssen, wie z. B. die Errichtung je einer Jnfectionsabtheilung für Männer und für Frauen, Ubicationen zur Unterbringung von Augenkranken u. s. w. Referent stellt den Antrag, die dringendsten der obangeführten Arbeiten zu bewilligen und für dieselben die Kosten zu votiren. Nach sorgfältig vorgenommener Specialifirung wird hiezu der ungefähre Betrag von 75.000 Kronen erforderlich sein. Regierungsrath Prof. Dr. Oser schließt sich den Ausführungen des Referenten an und begründet vom ärztlichen Standpunkte die Unaufschiebbarkeit der Herstellungen im Sinne der gestellten Anträge. Nachdem sich an der Debatte vorwiegend die Herren Baurath R. v. Goldschmidt, Wilh. Kuffner und Dr. Spitzer betheiligten und der Präsident constatirt hatte, daß die im Sinne der Statuten zur Beschlußfassung über die gestellten Anträge erforderliche Anzahl von 22 Vorstandsmitgliedern anwesend ist, wurden die Referenteu- Anträge einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Ueber Referat des Herrn Vice-Präsidenten Dr. Gustav Kohn wird dem Tempelverein für Wieden und Margarethen in Anbetracht besonders rücksichts würdiger Umstände für das Jahr 1901 eine Subvention im erhöhten Betrage von 2000 K bewilligt, desgleichen über Referat des Herrn Dr. Berger dem Tempelvereine im HI. Bezirke „Berti Hachnethet“ außer der normalen Subvention pro 1901 eine weitere von K 500. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um Vr9 Uhr Abends geschlossen. Von der türkisch-israelitischen Cultusgemeinde. Am Sonntag den 30.' Juli l. I. fand im türk.-israelitischen Tempel (Winterbetsaal) die Jahresprüfung der türk.-israelitischen Volksschule statt. Anwesend waren: Der Herr Präsident Marcus R u s s o, mehrere Gemeinde- und Vorstandsmitglieder, sowie die Eltern der Kinder. ,v.gg| Die Kinder wurden aus der biblischen Geschichte, hebr. Sprache, spaniolischen Sprache und aus sämmtlichen Disciplinen der Volksschule geprüft. Sehr sympathisch berührten die schlagfertigen Antworten sämmtlicher Schüler und Schülerinnen, namentlich deren gründliches Wissen in der deutschen Sprache, hebräischer Sprache und Rechnen. Es zeigte sich, .daß die Kinder in diesen Disciplinen das vorgeschriebene Lehrziel nicht nur erreicht, sondern erheblich überschritten haben. Um den Schulgesang, der von den Kindern mit seltener Präcision vorgetragen wurde, erwarb sich besondere Verdienste Cantor Isidor L ö w i t. Den besten Eindruck machte jedoch die am Schluffe des Gesanges angestimmte türkische Volkshymne. Nachdem noch ein Schüler einige Dankesworte für die der Schule gebrachten Opfer an den Herrn Präsidenten richtete, wurden zwei Schüler mit Stipendien von je 92 Kronen, gestiftet vom türk. Großhändler, Herrn G. A. Gerson, beschenkt. Hierauf ergriff der Director der Anstalt, Ignaz Weber, das Wort in nachfolgender Weise: „Hochverehrter Herr Präsident! Sehr geschätzte Anwesende! Es ist wohl selbstverständlich, daß' ich als Director der Anstalt am Schluffe der Jahresprüfung mir erlaube, das Wort zu nehmen. Ich muß vor Allem einem Gefühle hier Ausdruck geben; einem Gefühle, welches gewiß, Sie, Herr Präsident, sämmtliche Vorstands- und Gemeindeglieder mit mir theilen. Ich erwähne blos den Namen d'es Herrn Heinrich Elias. Wajeze Chajim ben Menachem, wajelech el michuz luir. Herr Heinrich Elias zog von hinnen in ein unentdecktes, unbekanntes Land, von dessen Bezirk kein Wanderer wiederkehrt. Ich bemerkte absichtlich die. gleichbedeutenden Ausdrücke: Wajeze — wajelech, weil dieselbe Redewendung in der heiligen Thora von unserem Stammvater Jakob gebraucht wird. Wajezech Jakob mibes Schewa, wajelech Charunuh. Logischerweise fragt Raschi: Wozu die Synonima Wajezewajelech? Raschi gibt auch darüber Auskunft, und zwdr in sehr geistreicher Weise. Bisman schezadik hoju buis, hu hocke, hu sibu hu haduruh — juzu mischom pune hocke, pune sibu, pune haduruh. Solange der Gerechte in der Gemeinde weilt, ist er der Stolz, der Schmuck und die Zierde, geht er von dannen, so ist es gar mit diesen Herrlichkeiten. Jawohl, Herr Heinrich Elias ist von dannen gezogen, er bleibt jedoch unvergkffen b:n Armen und Bedürftigen, für die er immer eine offene Hand hatte, unvergeffen der Gemeinde, deren Zierde er war und deren Institutionen er kräftigst förderte. Er sowohl, wie sein seliger Vater, leben fort in unserem Angedenken, denn diese habet» unserer Schule ein Heim gewährt. Und solange in dieser Schule die ewigen Wahrheiten der heiligen Thora gelehrt werden, lebt er fort im Angedenken der immer Heranwachsenden Jugend. Leches Zadik Liwruchu! Ich muß noch einem Gefühle hier Worte leihen, und zwar einem Gefühle der Befriedigung und Freude. Der Herr Präsident beauftragte mich, zwei Schüler namhaft zu machen, welche mit Stipendien, gestiftet vom Herrn G. A. Gerson, bedacht werden sollen. Wahrlich, eine Gemeinde, die solche Mitglieder in ihrer Mitte birgt, hat ihre Sache auf festen Grund gebaut und kann ruhig der Zukunft entgegensetzen. Ich danke Herrn Gerson für die Schulfreundlichkeit und ich bitte, Herr Präsident, dem Spender diesen meinen Dank übermitteln zu wollen. Meine sehr Verehrten! Mit dem Fortschritte -iner Schule verhält es sich, wie mit dem Fortschritte eines jeden O ganismus. Menschen, Thiere und Pflanzen wachsen und gedeihen, ohne daß man dies in kurzen Zeitabschnitten bemerken würde und erst nach längerer Zeit gewahrt man, daß die Menschen sich entwickelt, die Thiere größer geworden find und die Pflanzen sich vervollständigt haben. Ebenso verhält es sich mit der Schule. Heute nach einem Jahre kann ich mit Befriedigung constatiren, daß' das Lehrziel in allen Disciplinen nicht nur erreicht, sondern in manchen Gegenständen überschritten werden konnte. Daß solch erfreuliche Resultate erreicht werden konnten, ist der Eigenartigkeit m»serer Schule zu verdanken. In den öffentlichen, namentlich in den Wiener Schulen wird der Unterricht vielfach beeinträchtigt durch e»»»e zu große Kinderzahl in den einzelnen Claffen, ja geradezu verschlechtert durch Momente, die so bekannt find, daß ich dieselben gar nicht zu erwähnen brauche. In unserer Schule werde» die Kinder intellectuell. individuell und rationell unterrichtet und erzogen. Es war dies kein glücklicher Gedanke, als seinerzeit unsere Glaubensgenoffen im Vertraue» auf schöne Verheißungen, die so herrlich am Papier zu lesen sind, also in einer Anwandlung von Leichtgläubigkeit, daß diese Verheißungen Fleisch und Blut werden sollen, ihre gut fundirten. ihre gut eingerichteten und gut geleiteten Schulen aufließen. Diese Leichtgläubigkeit hat schwere Verheerungen angerichtet und dem Judenthume tiefe Wunden geschlagen. Da waren die Evangelischen viel vorsichtiger — sie haben ihre Schule beibetzalten. Heule würden sie um keinen Preis eine ihrer Schulen auflassen und nicht wenige Kinder unserer Glaubensgenoffen genießen dort Schutz und Unterkunft, allerdings gegen Entrichtung bedeutender materieller Opfer. Nun meine Verehrten! Ist nun unser Gotteshaus eine Zierde nicht nur unserer Gemeinde, sondern der Judenschaft überhaupt, so bildet die Schule den Inhalt, m die Zukunft der Gemeinde. Mit Recht findet daher der Ausspruch Goethe's: „Da ist für mich nichts Neues zu erfahren. Das kann ich schon seit hunderttausend Jahren" auf die Schule Anwendung, in welcher die ewigen Wahrheiten der heiligen Thora gelehrt werden. Diese Wahrheiten, sie gelten noch heute, wie vor Tausenden von Jahren und werden Geltung finden für und für. Es ist daher Pflicht eines jeden überzeugungstreuen Juden, nach Möglichkeit zur Erhaltung dieser Schule beizutragen und diese zu fördern, den Herrn Präsidenten, sowie den Gesammtvorstand in deren edlen, hehren Mission kräftigst zu unterstützen. Indem ich noch für das mir und dem Lehrkörper entgegengebrachte Vertrauen danke, bitte ich um ferneres Wohlwolle»». Schließlich gedenke ich Desjenigen, dem wir zu größtem Danke verpflichtet sind. Es ist dies unser allerdurchlauchtigster Landesvater, zu dem wir hoffnungs- und vertrauensvoll emporblicken. Dieser edle Monarch, wie leuchtet er glorreich als glänzendes Beispiel allen Bewohnern seines großen, weiten Reiches voran. Alle seine Unterthanen ohne Unterschied des Standes und des Glaubens umfaßt er mit gleicher Liebe. Unsere Gemeinde erfreut sich auch der Gnade Sr. Majestät des Sultans. Ich entspreche daher gewiß Ihren Intentionen, wenn ich Sie ersuche, mit mir einzustimmen in den Ruf: Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser und H.-rr Franz Josef I. und Se. Majestät der Sultan Abdul-Hamid-Khann — dies beiden gottbegnadeten Monarchen — sie leben hoch, hoch, hoch!

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