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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. L7 Dr. Sloch's WochrnsUrrist. Seite 458 sind diese Verhältnisse nur in „Petachtikweh“, „Chideroh“, „Ekron“ und theilweise in „Jesodhamaalah“, doch leiden alle diese unter dem hier herrschenden Fieber. Eine Ausnahme bildet nur die Colonie „La8tina", welche fieberfrei ist und guten Boden hat, obwohl auch hier die Umgebung fruchtbarer ist. In den kleineren Colonien lasten die großen Gemeindeausgaben schwer auf den wenigen Einwohnern, und da die meisten Colonien durch arabischen Grundbesitz in mehrere Theile getheilt sind, so gibt es nicht selten Streit, ja sogar Blutvergießen. Ein noch größerer Uebelstand ist der, daß sogar die einzelnen Antheile am Grundbesitz zersplittert sind, indem wegen der wechselnden Bodenbeschaffenheit innerhalb der Colonien den einzelnen Colonisten unzusammenhängende Stücke besseren und ärgeren Territoriums zugewiesen wurden. 6 Hektar Ackerland in „Gd6rah" zum Beispiel sind über drei verschiedene Plätze zerstreut, 12 Hektar Weinboden in „Mtulah" sogar über 7 Plätze. Ist es möglich, an so vielen Stellen zugleich den Boden zu bebauen, zu pflegen und zu beschützen? Dem Gedeihen der Colonien sind auch die türkischen Gesetze hinderlich. Wie in der ganzen Türkei, so ruht nämlich auch hier der größte Theil der Steuern auf den Schultern des Bauers, der dafür nicht nur nicht entschädigt, sondern sogar oft auf Schritt und Tritt geschädigt wird. Die Steuer beträgt ein Achtel der Ernte und der Bauer ist vollständig den Steuerorganen ausgeliefert, welche die Ernte abzuschätzen haben und ohne deren Erlaubniß sie nicht vom Felde weggeführt werden kann. In „Kastina“ z. B. wurde Heuer trotz eines Ausfalles der Ernte die Steuer nach der Schätzung des Vorjahres eingehoben. Zur Aufführung von Bauten ist eine besondere Erlaubniß einzuholen, deren Erlangung ohne „Rai^ehiseh" unmöglich ist. so daß in Palästina die Erlaubniß zum Bauen mehr kostet, als in Europa der Bau selbst. Straßen und gute Fahrwege sind sehr spärlich, was sich besonders in Galiläa bemerkbar macht, wo große Summen Geldes zur Herstellung brauchbarer Wege verausgabt werden mußten. Dazu kommt noch das häufige Auftreten der Biebpest, zu deren Bekämpfung die nöthigen Mittel nicht vorhanden sind. Da überhaupt veterinäre Maßregeln gänzlich fehlen, so konnte es z. B. vor drei Jahren Vorkommen, daß in Petaeh tikweh einem Colonisten 23 Stück fielen. Außerdem sind, nach arabischem Brauche Weideplätze Gemeingut, so daß z. B. den Colonisten von „Rosch pinah“ großer Schaden dadurch zugefügt wird, daß von weit und breit arabische Heerden auf ihre Weideplätze getrieben werden. Zu diesen mannigfachen Schwierigkeiten, welche eine rationelle Bebauung des Bodens hintanhalten, gesellen sich noch äußere Uebelstände, durch welche die Colonisation im Keime erstickt wurde. Bor Allem sind es die Berwaltungsbeamten, welche von allem Anbeginn ein Unglück für die Colonisation waren, und zwar bei dem großen Einflüsse der Colonien des Barons auch für alle übrigen Colonien. Herr Sußmann bringt, ohne sich von seinen Gefühlen hinreißen zu lassen, lediglich die trockenen Facta. Doch schon diese zeigen zur Genüge, in welch' himmelschreiender Weise die vielen Millionen des wohlthätigen Barons durch eine unverständige, ziel- und planlose Leitung mißbraucht wurden. Herr Sußmann führt an der Hand von Thatsachen Beispiele an, wie zum Säen geeigneter Boden bepflanzt wurde und umgekehrt; wie aus phantastischer Willkür Unmengen Geldes ausgegeben wurden, um mit der Natur zu kämpfen, um einerseits in felsigem Boden Sprengungen vorzunehmen und andererseits fetten Boden durch Sandbeimischung magerer und dadurch zur Anpflanzung von Oliven- und Mandelbäumen geeigneter zu machen, anstatt jedes Stück Erde seiner natürlichen Bestimmung zuzuführen; wie ferner muthwilligerweise dieSeiden- und Parfümindustrie unter Aufbietung großer Geldmittel eingeführt wurde, und ein Jahr später alles im Vorjahre Gepflanzte einfach ausgerissen wurde. All dies soll jedoch hier nicht weiter ausgeführt werden. Wir wollen uns auf einen Auszug aus dem 5. Capitel des Sußmann'schen Berichtes beschränken, wo in Kürze ein ebenso klares, als trauriges Bild der Mißstände in der Verwaltungsthätigkeit der Beamten entworfen wird. Anfangs beschäftigten sich alle Colonien mit Ackerbau. Auch „Ekron", „Lichron Jacob“, „Rosch pinah“, „Jesod hamaalah“ ackerten und säeten, soweit ihre Kräfte und Mittel reichten. Da es ihnen aber an Boden fehlte, wandten sie sich zu einer Zeit, wo solcher sehr leicht zu beschaffet! war, im Bittwege an Baron Rothschild. Doch der Hauptverwalter des Barons wollte es anders. ES wurde den Colonisten der Ackerbau überhaupt verboten und anbefohlen, sich von nun an mit Weinbau zu beschäftigen. Vorläufig sollten sie von den Geldern des Barons auf Rechnung der zukünftigen Erträgnisse ihrer Weinberge erhalten werden. Der Boden gehört, dem Baron, ihr seid nur seine Arbeiter. Jhrhabtnichtzubestimmen, was geschehe und was gearbeitet werden soll, ihr bekommt zumLebengenug unddamit basta! So wurde den Colonisten stets von der Verwaltung geantwortet, wenn sie ihrer Unzufriedenheit Ausdruck gegeben hatten. Das einzige Bestreben der Verwaltung, die Colonisten ganz von sich abhängig zu machen, ist vollständig gelungen. Die Bauern, welche früher so viel Eifer und Energie für ihre eigene Sache verwendeten, hatten jetzt jede Selbstständigkeit verloren, und sogar ihre Früchte und Weine mußten sie durch die Beamten, deren Willen sie vollständig ausgeliefert waren, verkaufen lassen, ohne sich bewußt zu sein, ob sie für sich selbst oder für Fremde gearbeitet haben. Ein Colonist aus „Sichron Jakob" beklagte sich darüber daß durch das lange Warten seine Weintrauben zu Grunde gingen. Er erhielt die Antwort, dies gehe ihn gar nichts an, denn die Trauben seien Eigenthum des Barons. Dazu wurden noch jene Colonisten bevorzugt, welche sich die ftanzöfische Sprache und blinden Gehorsam gegenüber der Beamtenschaft angeeignet hatten, um nur die Unselbstständigkeit großzuziehen und die Arbeitslust zu ersticken. Als Beispiel kann besonders die Colonie „Lichron Jakob" dienen, für welche der Baron eine besondere Vorliebe hatte. Wie erfreulich der äußere Anblick dieser Colonie ist, ebenso unerquicklich sind ihre inneren Verhältnisse. Und man hätte so leicht in diesem reizenden Winkel eine gesunde Arbeitergeneration erziehen können! Die Colonisten haben — selbstverständlich auf Kosten des Barons — schöne steinerne Häuser mit prachtvollen Gärten, haben Wasserleitung, ein schönes Spital. Aerzte und Apotheken, ja sogar ein Waarenmagazin.*) Und doch müßte Jeder, der den Begriff eines gesunden Dorflebens kennt, diesen Ort sofort verlaffen. Denn die Freuden und Leiden des Dorflebens sind den Bewohnern ganz unbekannt. Durch volle 18 Jahre hindurch waren sie von der Verwaltung verzärtelt worden, hatten Alles, was sie brauchten, aus den Caffen des Barons bekommen und höchstens leichte Arbeit verrichtet, die schwere den Arabern überlassend. Daher traf sir die Uebernahme der Colonien durch die Ika wie ein Donnerschlag. „Wir find nicht schuld daran", so sagten sie. „daß man Jahre hindurch die Arbeitsfreudigkeit in uns zu ersticken suchte; man möge uns eine rationellere Verwaltung geben und wir werden arbeiten." Die Unglücklichen sahen jetzt selbst ein, daß sie das Opfer einer Berwaltungspolitik geworden waren, deren Elemente übertriebene Wohlthat und das Streben nach unbeschränkter Macht waren. Nur so hatte es kommen können, daß sich in der aus 70 Familien bestehenden Colonie zu einer gewissen Zeit außer Gärtnern und höheren Beamten 260 Angestellte befanden. Der trockene, sachgemäße Bericht des Herrn Sußmann entrollt ein finsteres Bild vor der Seele des Lesers. Diese Beamtenwirthschaft wird ein trauriges, schwarzes Blatt in der Geschichte der jüdischen Colonisation bilden. Der edle Baron überzeugte sich ja schließlich selber von der Unfähigkeit der Beamten und setzte sie sofort ab. Aber wie viel Geld und Kraft waren bereits verloren gegangen und wie Großes hätte bis dahin geleistet werden können! Bis nun war von den Ursachen die Rede, welche die jetzige Lage herbeigeführt haben. Um auch darzulegen, wie von den Odeffaer Delegirten die Lage der Colonisten geschildert wurde, müssen wir uns dem Referate des Herrn Achad haam zuwenden, der im Gegensätze zu den einzelnen Facten des Herrn Sußmann ein allgemeines Bild entwirft. Bei dieser Beurtheilung der Lage mußten vor Allem die Colonien des BaronS berücksichtigt werden, weil sie am maßgebendsten sind und längere Zeit die tonangebenden waren. Die Klagen des Herrn Achad haam über die Beamtenschaft können wir übergehen, da wir schon genug davon gehört haben, und können gleich seine übrigen Angaben und Ziffern in Betracht ziehen. Fast ein Drittel der Weingärten find mit der besten Sorte bepflanzt. Man hoffte Anfangs, die Concurrenz mit den fran- *) Das Waarenmagazin, welches unter der Leitung der Verwaltung stand, verkaufte auch Luxussachen. Diese wurden während der Anwesenheit des Barons entfernt und durch nothwendige Gegenstände ersetzt. Als der Baron über die Geputztheit der Frauen sich äußerte, da sagte man ihm. die Geputztgekleideten seien Städterinnen gewesen, welche zu seinem Empfange erschienen wären

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