Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021413--10979-3035490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 454 Dr. Bloch's WoU)e.rschrM) Nr. 87 sondern schon bei Kimchi 1160—1232 und dürfte Elfterer, der bekanntlich seine Werke ohne Bibliothek schrieb, da ihm bei Plünderung der Stadt Neapel seine Bücher und Handschriften verloren gingen, die Mittheilung vom Letzteren geschöpft haben. Weiters halte ich es nicht für nöthig, die Ansicht eines Nachmanides als eine irrige hinzustellen, besonders wenn Midrasch und jerusalem. Talmud sich gegenseitig zu ergänzen scheinen, wie wir es öfters in der alten jüdischen Literatur finden u. s. w. nnrr Dijjöa mm mm und beide Angaben, warum B. Juda hanassi ein Loch in seinem Sarge gewünscht, dahin gehen, daß der irdische Theil des Menschen der Mutter Erde wieder gegeben werde, woher er genommen. Freiwaldau. D. S. Ist eine andere Art der Bestattung als die des Begrabens int Judenthume zulässig oder nicht? Mit Eifer griff ich nach der letzten Nummer, als ich die Aufschrift dieses Artikels las, weil ich erhoffte, endlich einmal Authentisches darüber zu erfahren, ob gegen das Verbrennen der Leichen ein directes Verbot bestehe oder ob in der heiligen Schrift oder in den 'anderen Werken ein Gebot zur üblichen Beerdigung vorhanden sei. Ich las und las, doch meine Erwartungen wurden bitter enttäuscht. Nach Stellen, die der Autor Herr Dr. Klotz citirt, kommt er zum Schluffe, daß das Begraben kein biblisches Gebot sei, sondern nur ein Brauch. Bei uns pflegt man Brauch mit dem Worte „Minhag" zu bezeichnen; wie viele unsinnige Minhagim es aber gibt, davon kann sich nur Derjenige einen Begriff machen, der das Leben der Juden in den Landgemeinden kennt. Daß aber ein Consistorium einem Rabbiner die Theilnahme bei der Verbrennung in seiner Eigenschaft als Rabbiner verbietet, oder daß ein Rabbiner einer Großgemeinde nicht theilnimmt an einem Leichenbegängnisse eines zu Verbrennenden, muß doch einen viel tieferen Grund haben, als ein Gebrauch. Der Artikel hat mich aber absolut nicht befriedigt in Beziehung auf seine Richtigkeit. Herr Dr. Klotz behauptet: «Isaak stirbt alt rc., wo er aber begraben wird, ist nicht angegeb en." Das ist entschieden unrichtig, Herr Dr. Klotz möge sich bemühen, nachzuschlagen: I. Buch M., Cap. 49, Vers 31. Hier stehts deutlich, woJsaak begraben ist. Und gesetzt den Fall, der Vers wäre nicht vorhanden, so könnte doch klar geschloffen werden, daß Jsaakin derMachpela begraben ist. Cap 35, Vers 27 beschreibt doch genau, wo Isaak bei der Rückkehr des Jakob gewohnt und daß dieser Ort derselbe ist, wie im Cap. 23, Vers 2. Es wäre doch unerklärlich, warum er sich anderswo hätte begraben lassen sollen, wenn er seine eigene Grabstätte zur Verfügung hatte. Nun weiß Herr Dr. Klotz auch nicht, was mit dem Särge des Josef geschehen ist. Zwischen den Zeilen kann man mit Leichtigkeit herauslesen, daß Herr Dr. Klotz in Verlegenheit ist, woher Moses den Begräbnißort Josefs erfahren hat. Nun, Herr Dr. Klotz möge mir gefälligst entschuldigen, wenn ich ihm einen Gewährsmann vorführe, der unanfechtbar ist, ich meine nämlich einen Zeitgenossen des Josef, der auch noch zur Zeit des Moses lebte und der diesem auch gewiß die Begräbnißstätte Josefs gezeigt, um den dem Josef von den Brüdern gegebenen Schwur zu erfüllen Mein Gewährsman heißt „Mochir ben Menascbe“, Cap. 50, Vers 23. Derselbe Mochir lebte noch zur Zeit, als Moses den 2'/. Stämmen das Land zuwies, viäs 4. Buch M., Cap. 32, Vers 40. Und daß nur ein Zeitgenoffe des Josef dem Moses die Begräbnißstätte zeigen konnte, belehrt mich Raschi im 2. Buche, Cap. 13, Vers 19, der da behauptet, daß auch die Gebeine der anderen Stämme mitgeführt wurden, „ilebem“, hätte nicht ein Zeitgenosse ausdrücklich dem Moses die Begräbnißstätte des Josef gezeigt, so wäre dieses Versprechen nicht durchzuführen gewesen. Ich glaube nicht, daß also der Artikel des Herrn Dr. Klotz aufklärend gewirkt; denn er hat gerade Stellen der heiligen Schrift übergangen, die doch klar sprechen. K u t t e n b e r g, 25. Juni 1901. A b e l e s, Rabbiner und Religionslehrer an der k. k. Oberrealschule. Dibre Ilabikoreth- Einige Decennien sind es her, seit die Colonisation Palästinas neue Formen anzunehmen begann. Statt daß früher einige alte, fromme Juden nach dem heiligen Lande pilgerten, um dort friedlich und ruhig zu sterben, sind's jetzt begeisterte junge Leute, deren Wanderziel Palästina bildet, nicht um daselbst zu sterben, sondern um den Boden zu bearbeiten. Zur Zeit der russischen Judenverfolgungen bildete sich unter dem bekannten „Büu“ (Anfangsbuchstaben von „Beth jakob lchü wneleho“) ein derartiger Verein Mischer junger Leute, welche nach Palästina zogen, um dort Bauern zu werden. Ohne Geld, ohne Berufs-und Sprachkenntniffe, wie sie waren, bildeten Muth und träumerische Zuversicht ihr einziges Capital, und es gehörte Anfangs sehr viel Energie und Ausdauer dazu, um mit den geringfügigsten Unterstützungen seitens der geheimen und armen russischen Colonisationsverenir auszukommen. Mit der Zeit aber besserte sich ihre Lage um ein Bedeutendes. Denn einerseits bekam der Verein einen einflußreichen Gönner und Förderer in der Person des Barons Edmund Rothschild, dem die russischen Juden das Epitheton ,der bekannte Wohlthäter" verliehen haben; anderseits wurden die Unterstützungen aus Rußland immer beträchtlicher. Als nämlich die dortige Regierung die Gründung eines jüdischen Colonisationsvereines gestattet hatte, traten alle früheren geheimen Vereine zu einem einzigen großen Vereine mit dem Sitzein Odessa zusammen. Dieser große Verein gelangte bald zu so hoher Blüthe, daß jetzt feine Einkünfte mehr als 70.000 Rubel jährlich betragen und seine Leistungsfähigkeit von keinem anderen derartigen Vereine erreicht worden ist. Denn der Wiener Colonisationsverein ist, ohne je etwas geleistet zu haben, ein Statutenverein geblieben, ebenso der Pariser ,Erez Israel*. In Betracht kommen können nur „Esro* in Deutschland, „Chauwowe Zion* in London und «Ahawas Zion* in Tarnow. Jedenfalls werden sie alle von dem Odeffaer Vereine überragt, ohne den alle Leistungen der „Chauwowe Zion" unmöglich gewesen wären und der nicht nur die alten Colonien unterstützt, sondern auch eine neue Colonie unter dem Namen „Kastina" gegründet hat, welche ausschließlich Ackerbau betreibt und trotz ihrer Fehler als Mustercolonie bezeichnet werden darf. Als der Odeffaer Verein sein lOjähriges Jubiläum feierte, beschloß er, noch im Jahre 1898 zur Controlirung der Zustände in den Colonien einen Revisor nach Palästina zu schicken. Die Wahl fiel auf das Comitsmitglied Herrn A. Ginzberg, den unter dem Namen «Achad haam" bekannten uud beliebten hebräischen Publicisten, dessen nach der ersten Palästinareise veröffentlichte Artikelserie „Emeth me eretz" besonderes Aufsehen erregte, durch Offenheit und Wahrheitsliebe verblüffte und seinerzeit eine große Polemik hervvrrief. Mit desto größerer Spannung wurde das Resultat der zweiten Reise erwartet. Nachdem diese ein ganzes Jahr lang verschoben worden war, trat endlich im Jahre 1899 „Achad haam" in Begleitung des ihm vom Comite als Fachmann beigegebenen Agronomen Herrn Sußmann die Reise an. Die Ergebnisse ihres dreimonatlichen Aufenthaltes sind in dem Bericht an das Odeffaer Counts enthalten, welcher in russischer und hebräischer Sprache erschienen ist.*) Die Aufgaben der Revision hatte das Odeffaer Comitö in folgenden 6 Punkten zusammengefaßt: 1. Die gegenwärtige Lage der Colonisation Palästinas im Allgemeinen und die Lage der vom Odeffaer Verein unterstützten Colonien in materieller und moralischer Hinsicht zu untersuchen. 2. Die Haupthinderniffe des Gedeihens der Colonien und die Wege anzugeben, welche zum Zwecke einer Besserung eingeschlagen werden müßten. 3. Die allgemeine Lage der Arbeiter und Handwerker in Jaffa und in den Colonien zu Prüfen, und die Art, auf die ihnen zu helfen wäre. 4. Ueber die Schulverhältnisse in Jaffa und in den Colonien Bericht zu erstatten. Die anderen Punkte sind von untergeordneter Bedeutung, und es soll an dieser Stelle aus dem umfangreichen Berichte auszugsweise nur Dasjenige hervorgehoben werden, was von allgemeinem Interesse ist. Beide Delegirten nun erheben ein und dieselbe Wehklage: Trotz der vielen von Baron Rothschild und von den Colonis'ationsvereinen verausgabten Millionen sind fast alle Colo nisten — mit sehr geringen Ausnahmen — noch gar nicht selbstständig. Das Land — so sagt der Agronom Sußmann — ist ein sehr gutes. Die klimatischen und Bodenverhältnisse sind für eine Colonisation in großem Maßstabe außerordentlich geeignet, besonders was die Viehzucht — Ziegen und Schafe — anbetrifft. Schon die bisher angestellten kleineren Versuche übertrafen alle Erwartungen. Wenn erst eine Colonisation im großen Maßstabe durchgeführt würde, dann könnten auf dem Gebiete der Bodencultur glänzende Resullate erlangt werden. Aber — die sich entgegenstellenden Hindernisse sind bedeutend und nicht zu unterschätzen. Dahin gehört vor Allem die Bodenfrage. Bekanntlich haben die Araber nur minderwerthigen Boden verkauft, minderwerthig, sei es durch seine Beschaffenheit, sei es durch die sanitären oder Steuerverhältnisse. Die Umgebung von „Bisehon 1'zion" Hat gute Weizen- und Gerstenfelder, die Colonie selbst ist zum Anbau gar nicht geeignet. „Oderah" Hat Sand- und Steinboden, um sich Herum aber fruchtbare Felder. In „Ntulah" sogar, welches diesbezüglich keinen schlechten Ruf Hat, ist dreiviertel des Bodens steinig, während es rings sehr viel guten glatten Boden gibt. Gut *) „Dibre Habikoreth 1’ injane Hamoschawoth 1! arzenu hakdosckah“ von A. Ginzberg und Agronom A. Sußmann. Verlag von der russischen „C-bowwee Zion“.