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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 462 SL-> Bloch's Wochrns^gW- Rr. 87 man vermuthet, daß hinter diesem Wink mit dem Zaunpfahl der antisemitische Prinz Alois Liechtenstein und seine antisemitischen Complicen zu suchen sind. In beiden Lagern war man daher aufs Aeußerste gespannt, welcher Erfolg dieser antisemitischen Anbiederung zur Seite stehen wird. Ader der regierende Fürst Johann Liechtenstein hat sich durch diesen Wink durchaus nicht beirren lasten; die liberale und humanitäre Gesinnung Seiner Durchlaucht ist zu wohl bekannt, und hat es allseitig mit hoher Befriedigung und innerer Genugthuung erfüllt, daß der hochherzige Fürst auf die antisemitischen Hetzereien nicht nur nicht reagirt hat, sondern auch den zur Benützung des Publicums eingeräumten Park noch um zwei Joch aus feinem Prwatgarten vergrößerte. Zum lebhaften Bedauern muß constatirt werden, daß die Hochherzigkeit und wahrhafle Menschenfreundlichkeit, wie sie tn dem regierenden Fürsten Johann Liechtenstein verkörpert ist, nur sehr spärlich mehr anzutreffen ist. Zu wünschen wäre, daß das edle und gute Beispiel, das Seine Durchlaucht der regierende Fürst Liechtenstein mit feiner hochherzigen und menschenfreundlichen Handlungsweise gegeben, Schule machen möchte. Eduard Beer. Die Rothschild- und Judenbahn. Motto: „Sie sind wie der Thon in des Töpfers Hand." Die Hetze gegen die Kaiser Ferdinands - Nordbahn wird continuirlich fortberrreben und hat sich bereits zu einer chronischen ausgestattel. Sie ist das Ziel der Angriffe, Verdächtigungen und Verleumdungen der antisemitischen Preßmeute, wen sie angeblich die „Rothschild-, die Judenbahnist. Wie wenig stnyhatlig, wie durchaus unberechtigt oieses Epitheton ornans lsi, har sich oel der vor Kurzem abgeyaltenen Generalversammlung dieser Bayngeseüschast in unzweifelhafter Weise gezeigt und erwiesen. Ein Actionär sprach in dieser Generalversammlung zum Anträge des Berwacrungsrathes auf Bewilligung emes sechzig Millionen betragenden Erebltes, behufs Jnscenuung von;yu> vestltionen, aus welchem Anlässe er die Verwaltung apostrophiree, nach wie vor auf die Erhaltung der Selbstständigkeit des Unternehmens das Augenmerk zu richten, denn, so führte dieser Aciwnör aus, mau fei die Sicherung der Selbstständigkeit der Kaiser Feroinands-Nordbahn schuldig den Acllenvesitzern, für die diese Selbstständigkeit „das Dauernde im Wechsel, der ruhende Punkt ui der Erscheinung Flucht ist". Man sei, so schloß dieser Actwnär, die Sicherung der Seibststänbigkelt aber auch schulvig den Ma n en des unvergeßlichen Gründers der Kaiser Ferdinands-Nordbayn (Baron Anselm von Rothschild) — der für diese seine ureigenste Schöpfung gestrebt und gerungen, physisch und materiell die größten Opfer gebracht, sein bestes Wollen und Können eingesetzt y a r. Diese Apotheose aus den Grünoer und Schöpfer der Norooahn, die für Zahllose eine Quelle von Auszeichnungen und Reichthum gewesen und auch derzeit noch ist; oie Hunderten uno Tausenden von Ariern zu Stellungen verholfen — an Ehren und Einkünften reich; der ungezählte Nlchtjuden — möglicherweise richtiger gesagt, Antisemiten — gutdotrrte Beamtensteüungen verdanken, wurde von der Generalversammlung mit eisiger Kälte hingenommen. Allein auch der Verwaltungsrath fand es nicht der Mühe werth, auf die,e Apotheose auch nur mit einem Sterbenswörtchen zu reagiren. Es mag ja richtig sein, daß die Apotheose den Stempel des Spontanen an ,stch trug, daß man auf dieselbe nicht vorbereitet, daß man von derseloen üoerrascht war, was aber au dem Charakteristischen und Symptomatischen an der Sache nichts ändert. Die peinliche Affaire gewinnt aber noch an Bedeutung durch einen anderen Zwischenfall, der sich vor Beginn der Generalversammlung abgespielt haue. Die Generaloersammlung konnte nämlich zur bestimmten Stunde nicht eröffnet werden, weil die Beschlußfähigkeit nicht constatirt zu werden vermochte, und zwar einfach deshalb, weil der Vertreter des Hauses Rothschild fehlte. Nahezu eine Stunde verstrich, ehe die Eröffnung vor sich gehen konnte, nachdem vorher der telephonische Apparat in Bewegung gesetzt worden war, um diesen fehlenden Rothschild-Vertreter als rettenden Engel herbeizurufen. Unter den derzeitigen Verhättmffcn ist die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung der Kaffer Ferdinands-Nordbahn ohne Anwesenheit und Mitwirkung des Hauses Rothschild überhaupt unmöglich und undenkbar. Der Verwaltungsrath der Kaiser Ferdinands-Norbbayn ist aber mit einer Ausnahme aus lauter Ariern zusammengesetzt. Nun tein Wort über arische Dankbarkeit, Takt und Manier, denn diese hätten geboten, den Manen desjenigen, dem die Fülle aller Herrlichkeiten zu danken ist, ein Wort des Gedenkens, der Dankbarkeit zu widmen. Es soll vielmehr nur constatirt werden, daß die Kaiser Ferdinands- Nordvahn weder der - Form, noch dem Wesen nach eine Rothschild- und Judenbahn ist, daß vielmehr mit ostentativer Affeclirtheir oder mit affectirter Ostentation Alles vermieden wird, eme Rothschilduno Judenvahn zu scheinen oder gar zu sein. Dies gilt sowohl was die Zusammensetzung des Verwaltungsratyes anbelangt, noch mehr aver — uno oies ist leider umso fühlbarer — was oie Anstellung der Beamten uno Diener der Gesellschaft betrifft — uno dies ist für die Tendenzen, vre ylennr Ausdruck finden sollen, woyl das eigentlich Wichtige und Bedeutungsvolle. ES ist nicht anzuaehmen, vatz das Haus Rothschild Keuntnlß besitzt von dem Mangel an Pietät, oie den Manen eines seiner bedeutendsten Ahnen entgegengevrachr wird. Es dürste sich wohl auch kein Beherzter finden, der den Muth hat, dasselbe in geeigneter Weise von der Sachlage zu verständigen. Und so muß mau sich damit vertraut machen, daß die geschilderten Zustände bei der Norobahn nach wie vor die gleichen bleiben werden, wohl kaum zu Nutz und Frommen oieses Unternehmens. „Stanislaus Tillinger/ Unsere Leser erinnern sich der seinerzeit der Prager „Bohemia“ entnommenen Mitryeilung über einen Rabvlnarscandidaten Namens Jehuda T i l l i n g e r aus Zavlotow m Galizien, welcher sich damals m Prag aushrelt und sich als ein Opfer der preußischen Verwaltung und Justiz hinstellte. Er erzäylie, daß er auf Grund einer preußischen Verordnung vom Jahre 1847, weil ec sich als österreichischer Jude länger ais sechs Wochen in Preußen ausgehalren uno ohne Anmeldung bei der Beyöroe als Rabbiner fungirt Habe, angeklagr worden sei, die Verhandlung nicht avgewarret habe und der Ausweisung zuvorgekommen sei. Er erging sich weiter ln Ausfällen gegen uie preußischen Behörden, insbesondere gegen den' Poliziidirecior von Berlin, dann gegen die dortige österreichische Botschaft, gegen die Berliner Repräsentanz der israel. Cullusgemelnde, gegen den Berliner Raovmer Dr. Maybaum rc. und vehauptere, daß er in Berlin einzig und allein aus dem Grunde verfolgt wurde, weil er ein Oesterreicher sei. In Prag wurde er damals, wie wir seinerzeit berichteten, von einem besonderen Mißgeschick betroffen l Er geriety irrthümlich in die Rebactlon des Realistenorganes „Lias“ uno machte dort, in der Meinung, daß er sich m der Redaktion der antisemitischen „Rad. L.“ befinde, allerhand Geständnisse, aus denen hervorging, daß er schon in Berlin Rltualmordarukel für antisemitische Blätter geschrieben habe, daß er von diesen Empfehlungen an Ernst Vergani m Wien erhalten, daß er m Prag mit Dr. Rohung eine Zusammenkunft halte, von dem er wieoer nach Wien mir dem Hinweis daraus weiter empfohlen worden sei, daß er (Tllluiger) zur katholischen Kirche übertreten wolle und daß er der antisemitischen Sache gule Dienste leisten könne rc. Während er sich so der antisemitischen Propaganda zur Verfügung stellte, bewaro er sich gleichzeitig ui den Prager Mischen Kreisen um Empfehlungen sür Rabbinerposten und strebte u. A. die Rabbiner stelle ui Smichov an. Seit den Enthüllungen im „Cas" war von Rabbi Jehuda Tilluiger ui Prag nichts mehr zu vernehmen. Neuestens wird fein Name wieoer in Erinnerung gebracht, und zwar in der von den Herren Pater Kopal und Pater Simon redlgirten christlich-socialen Zeitschrift „Odrana“. Dieses Blatt bringt den Beginn einer Arnkelrelhe, welche den Talmud zum Gegenstände und Stanislaus T i 1 l i n g e r zum Verfasser hat. In einer Fußnote wird in der „Obrana“ Folgendes bemerkt: „Der Autor dieses Aufsatzes, ein Jude, gewesener Rabbiner, ist fetzt nach dem Uebertrur in den Schoß der katholischen Kirche Hörer der Theologie in Wien/ Leichenverbrennung oder Grabstätte. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich mehrere jüdische Gelehrte bemüht, einiges Licht über Leichenverbrennung oder Grabstätte zu verbreneu, eine bestimmte einheitliche Erklärung aber ist über dieses Thema auf Grund der Quellen in Bibel, Talmud und Religionscodices nicht abgegeben worden. — Ich war daher erfreut, in Ihrem sehr geschätzten Blatte vom Herrn Rabbiner Dr. M. Klotz in Prag eine wissenschaftliche Abhandlung (vläs „Oesterr. Wochenschrift" Rr. zö

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