Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 26 (28.6.1901)
- Date
- 1901-06-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Dr. Vlortz's WmtzrnsttzrM. Seite 447 ein Ehepaar, und ein glückliches obendrein. Die Gevatterin Dawidls schickte eine reichhaltige Aussteuer und einen namhaften Geldbetrag, so daß der gewöhnliche Zwist- und Zankerceger, der Dalles') keinen Eingang in die Behausung der jungen Eheleute gefunden. Das glückliche Zusammenleben dieser einfachen aber seelenguten Menschen dauerte so lange, bis die von Feiblsch ut der Schlafftatt geschilderte Katastrophe kam und sie von da an Heimat- und vermögenslos in der Heimat umherrrreu mußten. Drei Kinder hatte die unglückliche Blimele aus ihrer Wanderschaft geboren und alle Drei waren unterwegs aus Mangel an nolhwen.diger Pflege, gestorben. Sie wußte am Enoe selbst nicht mehr, in welchem Wuikel Böhmens oder Mährens die armen Wesen ihre Ruhestätte gefunden hatten. Nun war auch die müde Mutter am Ziele ihrer Wanderung aagelangt, nun sollte auch ihr, der armen Dulderin, dem unschuldigen Opfer nationaler und religiöser Unduldsamkeit die Erlösungsftunde schlagen l Die einfache und im steten Verkehr mit allerhand fahrendem Volke rauh und anscheinend hart gewordene Schlasstätterin Cyeile hatte tiefes Erbarmen mit dem fremden Weibe empfunden, welche aus weiter Ferne hieher gekommen, um hier zu sterben. Wie eine Mutter an dem Schmerzeiislager des eigenen Kindes, saß Checke unermüdlich Tag und Nacht an der Lagerstätte der Fremden. Sie ließ nichts unversucht, was derselben zur Erleichterung dienen konnte, weder körperliche Pflege, noch trostreichen Zuspruch. „Verzagt nicht, Blimele", sagte die Alte, „Ihr werdet wieder gesund werden und noch große Freude an Dawidl und dem Kiuüleben da erleben. Uno so valo dürft Ihr mir nicht fort von hier. Ueber die lonckovckeu* *) müßt Ihr hier bei nur bleiben, daß Ihr ganz gesund und stark werbet. Der Feiblsch soll in die Welt gehen und Euch lmmer was schicken, uno über den Winter bleibt das Kindleben hier. Damit es Euch mit oem Mäderl da nicht ergeht, wie mit den anderen Kindern. Wohl berührten diese freundlichen, aus dem ehrlichen Herzen der braven Frau kommenden Worte gar angenehm die Kranke, aber sie täuschte sich kernen Moment über ihren Zustand, und zu schwach, um sprechen zu können, schüttelte sie olos ungläubig mit dem Kopfe. Bei dem Worte Dawidl, das Checke ausgesprochen hatte, machte die Kranke eine hastige Bewegung, zog aus einer in ihrem Gewände verborgeiien Tasche ein fiemts Packet Schriftstücke hervor und hauchte dabei vre Worte: „Für Dawidl, bis er 18 Jahre alt wird." Gleichsam, als hätte sie mit diesem Aufträge das letzte Band gelöst, welches sie noch an dieses Leben fesselte, hauchte sie ein leises: „Schma Jisroel“3), und mit dlesem Glauvensvelenntniß auf den Lippen war die rastlose Wanderin hlnübergegangen in ein Land, welches sie aus ihren Strerfzügen noch mchr berührt hatte und wo kein Unterschied gemacht wird zwischen Hoch und Niedrig, Arm und Reich. — — — — — — — — Als an dem Samstage, welcher dem Sabbathe folgte, wo dem verwaist zurückgebliebenen Schnorrerskinde in Schul der Name Blimele veigelegt wurde, Feivisch die Kille verließ, einen großen Ranzen am Rücken und klein Dawidl an der Hand, schloß sich ihm der Musikoirector an, mit dem er am verflossenen Freilag Abends jene lange, wichtige Unterredung gehabt hatte. „Nun, wie habt Ihr Euch entschlossen, Mann?" frug der Director. „Was bleibt mir anders übrig, als Ihnen das Kind zu überlassen? Ec kann ja nicht ewig schnorren mit mir gehen, er muß doch was lernen. Sre müssen aber gut mit ihm umgehen, denn er ist ein feines Jüngel." Der Dlrecror versprach dies mir einer Stimme und mit emem Gesichlsausorucke, der selbst diesen in weltlichen Dingen so unersahreneu Fmv'.'ch Vertrauen emfloßie. „Jetzt habe ich noch eine Veorngung." „Sprecht sie aus, Feibisch!" „Versprechen Sie mir, daß Sie das Jüngel niemals verleiten werden, seinen Glauben zu verlassen, daß Sie ihn als Juden aufziehen werden! „Mem Ehrenwort darauf! Genügt Euch dies?" -Ja!" Dawidl war schon vorher von seinem Vater instruirt worden, daß er zu dem fremden Herrn kommen soll, wo er singen und spielen lernen werde, und so wie vor 8 Jahren Feii) Mangel. *) Festtage. 9) Höre Jstaej. bisch' Gesang das Kind angelockt hatte, so war auch hier die Aussicht, selber singen zu können, welche den Knaben den Abschied von dem gelieblen Pflegevater erleichterte. Bevor Felblsch weggegangen war, rief sich ihn Checke bei Seite, uud sagte lerfe zu rym, daß Dawidl es nicht höre: „Nichts für ungut, Fewlsch! Aber ich warne Euch! Gebt Acht, daß Ihr wo am Weg nicht mit Rertzel Jaroslau zusammeukommr; die har Augen aus Euch geworfen, wie Euer Weib noch lebte, die läßt Euch nicht los, und das wäre Euer und der Kinder Unglück! (Fortsetzung folgt.) Literatur. ReaL-Encyklostädie des Jrr-enthums. Wörterbuch zum Handgebrauch sur Bivelsreunoe, Theologen, Juristen, Staatsmänner, Gememoeuno Schulvorsteyer, Leyrer, Schuliusperloren, u. A. m. Äusgearbeiter von Dc. I. H a m b u r g e r, Over- und Landesrabbuler zu Srrelitz in Mecklenburg. Abtheckung Ul. Supplement VJ. Schlußyesr. Leipzig, Commisslonsoerlaz von K. F. Köhler. Mit dem vorliegenden 8 Bogen starken Heft ist die gelehrte Arbeit, oie schon in ihren Anfängen Anerkennung und Fceunoe gesunoen, zum Abschluß gebracht. Wir möchten oie Anschaffung oes vollstänolgen Buches allen Mischen-Vereinen dringendst empfehlen. Witwe Marie Kauder's „Erste israelitische Fachschule Vielfach prämurl. (vertag von S>. W. Pascheles Prag.) Bon biefen vielfach au-g^cichnelen, bei den Hausfrauen besonders beliebten, ausführlichen Kochbuch, das die böhmische, ungarische, englische und sianzosische Küche berücksichtigt und in einer oesonderen Ablyellung oie O st e r k ü ch e behandelt, ist, bedeutend er weitert uuo verbessert, soeben die vierte Auslage erschienen. Dieser Erfolg spricht am deutlichsten für die Vorzüglichkeit oes Buches, das durch ein ausführliches JuhaitSverzcichniß sehr übersichtlich gemacht ist. Briefkasten. S. St. Wir werden trachten, Ihrem Wunsche zu entsprechen. «. gönn;, Prag: Vorschriften exlstiren hierüber Nicht. Der Usus entstand in polnischeu^Gememüen Mid dort war es üblich, beim Gebete für das Seelenheck ieöe Titulatur wegzulasten. In Wien i|t die llebung eine anoere. jgier ijt bei Maskirgeoet Usus, die Verdienste und Titulatur oes Verstorvenen uiid bei der Nennung seines Vaters auch dessen Verdienste und Titulatur zu erwähnen. Eine Kritik ist hier aus deut Grunde nicht am Platze, weck beslimutte Normen nicht exlstiren. >.n. jö—g. Dr. Alühlfeld war es, der den Antrag auf Zulassung der Juden zum Rvlariale rm Abgeordnetenhaus«: einvrachre. Der Antrag ging mrr einer glänzenden Majorität durch. Der im Herrenhause von dem Staatsratye Freiherrn v. Lichtenfels abgefaßle Eommissionsantrag schlotz mrr den Worten: „Die Vürgschafl sur Rechtlichkeit, Unbescholtenheit, Ehrenhaftigkeit ist nicht ausschlkeglich im Religwnsbekennlmsse zu suchen." Bei der Abstimmung stimmten die Erzherzoge für den Antrag, welcher zum Beschluß erhoben wurde. Am 17. November 186a erfolgte das Gesetz. I. L—d. Die ebenso gehässigen als.unwahren Behauptuugen, welche die Schönerraner m Form euier Interpellation u. A. auch betreffs des Regierungsrathes Oskar T e u v e r aufstellten, haben den ehrenhaften Mann — wie dessen nähere Freunde versichern — in eme Aufregung versetzt, welche als die Ursache semes Todes bezeichnet werden mutz. i. Es ist noch Vielen in Erinnerung, daß die Angriffe» die Dr. Lueger gegen Herrn v. E t i e n n e richtete, diesen zum Selbstmorde trieben. «S. v». Pohrlitz. Nächste Woche. H. W. Wien. Die Zayrzeu wird nach der jüdischen Zeitrechnung abgehalten. Der öü. Juni xyuo war Samstag am 3. Tamuz, welcher in diesem Jahre auf Donnerstag den ao. Ium fällt. 3>. §). Z Ist der vezeichnere Herr etwa mu dem Beamten der Cornides-Favrck identisch, welcher, vom Gastwirthe in St.-Beit geohrfeigt, zwei Wochen spater doch wieder ber demselben verkehrtes Herrn »Advocat S. P., Warschau. Ob der anwesende rühmlichst bekannte Maler Sochaczewski der gewesene Schwiegersohn des verewigten, ehrwürdigen Rabbiners L. in L. ist, wissen wir nicht bestimmt; wohl aber'teunen wir „pur reuommes" den zweiten Mann derselben Tochter Rosa L. Herrn Henryk W. in Warschau, der in einer unerhörten Affarre im Vereine mit seinem Schwager Sp. und einem gewissen Isidor S. ebendort eine ungeziemende Rolle spielte.