Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 26 (28.6.1901)
- Date
- 1901-06-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 444 Nr. 2ft Dr. Bloch's Wochsnfchrrft. Paris. Der bekannte französische Gelehrte und Dichter Eugene Manuel ist im Alter von 78 Jahren hier gestorben. Manuel trieb zuerst philologische Studien und bekleidete längere Zeit verschiedene Lehrerstellen, zuletzt die Professur der Rhetorik am Lycee Henry IV. zu Paris, bis er 1870 die Aufmerksamkeit des damaligen Unterrichtsministers, des berühmten Jul. Simon, aus sich lenkte, der ihn dann zum Chef seines Secretariats ernannte. In dieser Stellung bewährte sich Manuel außerordentlich, so daß er nach acht Jahren schon Generalinspector des öffentlichen Unterrichtes wurde. In dieser Stellung, die er bis an sein Lebensende innehatte, übte der Verstorbene einen hervorragenden Einfluß auf die Gestaltung des geistigen Lebens in Frankreich aus. Nicht minder erfolgreich ist Manuel, der unter Anderem auch Commandeur der Ehrenlegion war, als Dichter gewesen. Von seinen Werken sind die wichtigsten Gedichtsammlungen „Pages intimes", die von der Pariser Akademie gekrönt wurden, sowie „Pendant la guerre" und „Poemes populaires", die die Stimmung des französischen Volkes während des großen Krieges in seltener Treue wiederspiegeln. Von seinen dramatische^ Erzeugniffen sind bekannter geworden „les Ouvriers" und „l'Absent". Besonders das erstere, das einen Preis von 6000 Francs seinerzeit davontrug, hat eine sehr warme Aufnahme gefunden. Noch heute zählen die „Ouvriers" zu dem ständigen Rep.rtoire der Comödie Fran^aise. Im israelitischen Central-Consistorium vertrat der Verstorbene seit Jahren Lyon. Kiew. (Feuer im Ghetto.) Abermals hat das Feuer ein mit Juden reich bevölkertes Städtchen zerstört. Wie nach Kiew telegraphirt wird, ist am 17. Juni das Städtchen Pokotilowo, Kreis Uman im Gouvernement Kiew, vom Feuer total zerstört worden. Mehr als 4000 Menschen sind brot- und obdachlos geworden und müffen unter freiem Himmel campiren. .Powtilowo ist die siebente jüdische Gemeinde, welche in dieser „Saison der Brände"' durch das Feuer vernichtet worden ist. Cherson. (EillOpferseinesBeruf.es) ist der jüdische Arzt Dr. Bilinkis geworden. Der Verstorbene, der von sehr armer Fumilie stammt, hot sich lange und schwer quälen müffen, bis es ihm im vorigen Jahre endlich gelungen war, sein Staatsexamen als Arzt machen zu können. Schon im November ist er nach Cherson geeilt, ^nn seinen hungernden und vom Hungertyphus schwer heimgesuchten jüdischen Brüdern zu helfen. In Nowobug, Kreis Cherson, wurde er jedoch selber von der heimtückischen Krankheit ergriffen, zu der eine ihrer schwersten Complicationen, die LleniogitiL, hinzugetreten war. Das edle Opfer seines Berufes und seiner jüdischen Bruderliebe hinterläßt zahlreiche Verwandte, die er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt hatte. - f Cherson. (Einen interessanten Brief) hat Oberst Rodkewitsch, Commandeur des in Cherson garnisonirenden Regiments an die dortige jüdische Gemeinde gerichtet: .Wie ich aus inliegendem Zeitungsausschnitt ersehe, hat die jüdische Gemeinde den jüdischen Soldaten meines Regiments zum Paffahfeste Mazzoth und warme Speisen geschenkt. Da ich finde, daß jüdische Soldaten, die den Rock des Czaren tragen, es nicht nöthig haben, sich zu den Feiertagen etwas schenken zu lassen, so habe ich für das mir anvertraute 6 Artillerie-Regiment angeordnet, daß die jüdischen Soldaten jeder Batterie für die Tage des Paffahsestes eine Genossenschaft zur Anschaffung von Mazzoth und anderer Paffahspeisen zu bilden haben. Zu diesem Behufe erhalten sie die jedem Soldaten gezahlten Beikostgelder für diese Zeit direct ausgezahlt, wofür sie sich ihr Essen entweder selbst bereiten oder sich bei einer beliebigen jüdischen Familie für die Feiertage einmiethen können. Natürlich würde ich auch nichts dagegen haben, wenn ein Jude einen jüdischen Soldaten während der Feiertage einmal zu Gast ladet." Möge das vom Oberst Rodkewitsch gegebene Beispiel in der russischen Armee zahlreiche Nachahmung finden. London. (Synagogenbau in Hongkong.) Am 7. Mai ist am Robinson Road zu Hongkong in China der Grundstein zum Bau einer Synagoge gelegt worden. Dieselbe wird aus rothen Ziegelsteinen aufgeführt, 80 Fuß lang, 36 breit und 25 Fuß hoch sein und 250 Sitze für Männer und 90 Sitze für Frauen haben. Die Kosten des Baues, welche sich auf 100.000 Mark belaufen dürften, werden von Jacob Sassoon getragen, welcher die Synagoge zum Andenken an seine verstorbene Mutter errichten läßt. Die Juden von Hongkong sind, ebenso wie die von Shanghai, großentheils über Indien aus Bagdad nach China herübergekommen. Der Rest besteht aus Aschkenasim, von denen die meisten aus Deutschland stammen. Vermischtes Wien. (Auszeichnung für Rabbiner Doctor S ch m i e d l.) Se. Majestät der Kaiser hat dem Rabbiner an der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien, Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Adolf Schmied! das Ritterkreuz des Franz Joseph- Ordens verliehen. Aus Anlaß dieser kaiserlichen Auszeichnung sind dem greisen Gelehrten zahlreiche Zeichen der Sympathie und Verehrung aus allen Kreisen der Gemeinde zugekommen. Wien. (Herr Theodor Kantor.) Der Kaiser hat dem Chef der Bankfirma Theodor Kantor u. Comp, in Wien, Theodor Kantor, den Orden der Eisernen Krone dritter Classe verliehen. Herr Theodor Kantor genießt nicht blos in der Finanzwelt allgemeine Sympathien, er ist auch ein beliebtes Mitglied des Wiener Schützrnvereines, an dessen Veranstaltungen er seit Jahren hervorragenden Antheil nimmt. Wien. (V e r m a h l u n g s f e i e r.) Im Tempel des IX. Stadtbezirkes fand am 23. Juni die Trauung des Fräuleins Anna Quittner, Tochter des Fabrikanten Herrn k. u. k. Hoflieferanten Josef Quittner, mit dem Großkaufmann Herrn Ludwig I e l l i n e k aus Warschau statt. Der Brautvater ist Mitgründer und langjähriger Vorsteher des Tempels im IX. Bezirk. Der Bräutigam ist ein Neffe des berühmten russischen Staatsrathes Bloch. Die Synagoge, welche hell erleuchtet und mit Blattpflanzen und Blumengewinden geziert war, war von einem distinguirten Publicum aus den besten Kreisen der Wiener Gesellschaft gefüllt. Politische und humanitäre Korporationen, die Wiener israelitische Cultusgemeinde, alle Bethausvereine waren durch Abgeordnete vertreten. Man sah den Vicepräsidenten Herrn Dr. Gustav K o h n, die Herren Cultusvorsteher Dr. Adolf Stein, Dr. Markus Spitzer. Herm. Ellbogen, den Vice-Obmann der Tempelgemeinde im IX. Bezirk Herrn Doctor S ch n e p p mit den Herren Vorstehern Julius K o p p st e i n, Ignatz Simon, Josef S u ch a r i p a, Frankel u. A. Den Trauungsact vollzog Herr Gemeinderabbiner Dr. G e l b h a u s. Seine Rede machte auf die andächtig lauschende Versammlung sichtlich einen mächtigen Eindruck. Von besonderer Wirkung war der Passus der Ansprache, in welchem der Prediger darauf hinwies, daß die Braut vor wenigen Jahren an derselben Stelle bei ihrer Konfirmation vor der ganzen Gemeinde das israelitische Glaubensbekenntniß ablegte. Den cantoralen Theil besorgte Herr Obercantor Kläger in vorzüglicher Weise. Der Chor, die Harfenproduction und Orgel, unter Leitung des Herrn Cantor Pekarnik, sowie die ganze musikalische Leistung verdienen vollste Anerkennung. E. B. Wien. (Verlobung.) Fcäulein Marianne Cohn Tochter des Herrn Salo Cohn, Gesellschafter der Firma Heilmann, Cohn & Söhne, hat sich mit dem Oberingenieur Herrn Julius Stern, Abtheilungs-Chef der Bereinigten Elektricitäts- Acliengesellschaft, verlobt. Wien. Herr Heinrich Hausner hat fick mit Fränlein Gini Berger vermählt. Wien. (Kaiser Franz Joseph I. Jubiläumsst i f t u n g.) An den Industriellen Herrn Eduard Beer in Wien ist nachstehendes Jntimat gelangt: „Seine k. u. k. Majestät haben über Ihre Bitte allergnädigst, zu bewilligen geruht, daß die von Ihnen anläßlich des Allerhöchsten siebzigsten Geburtsfestes für einen Webereischüler aus dem Gerichtsbezirke Neustadt a. M. errichtete Stiftung „Kaiser Franz Joseph I. Jubiläum s st i f t u li a" benannt werde. Hievon werden Euer Hochwohlgeboren in Folge hohen Statthallerei-Erlasses vom 29. Mai 1901, Nr. 97055 in die Kenntniß gesetzt." Wien. (Bibelschule des XVIII. Bezirkes.) Sonntag den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, findet im Tempel des XVlII. Bezirkes Schopenhauerstraße 39 die öffentliche Prüfung der Schüler der daselbst befindlichen Lese- und Bibelschule statt. Wien. (Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten!!., Untere Augartenstraße 17.) Der bekannte Wohlthäter Herr Cultusvorsteher Salo Cohn spendete dem Verein L 300 als Beitrag zur Deckung des Deficits unter warmer Anerkennung der hohen Aufgaben des Vereins. Wir wünschen, daß dieses edle Vorgehen vielseitig Nachahmung finde. Wien. Samstag den 6. Juli l. I.. um 1/29 Uhr Vormittags, begeht im israelitischen Tempel, XX., Kluckygasse, Herr Dr. Ernst Rosenthal, Ortsschulrath, Obmann-Stellvertreter des Bethausvereines Brigittenau, die Barmizwah-Feier seines Sohnes Paul. Wien. Dem Herrn Polizei-Obercommiffär kaiserl. Rath Moriz Stukart wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Herr Obercommissär Stukart hatte in der letzten Zeit Gelegenheit, sich vielfach auszuzeichnen.