Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 26 (28.6.1901)
- Date
- 1901-06-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Gerte 442 2?to VloEs Wochrns<LvMc Rr. 36 P l a c z c! aus Anlaß seines 40jährigen Amtsjubiläums in Würdigung und dankbarer Anerkennung für das dem Cantorenstaude zu j-der Z-it entgegengebrachte Wohlwollen einstimmig zu seinem Ehrenmitglied ernannt. Bor einigen Tagen erschien eine Abordnuna obg-nannten Vereines unter Führung des Präsidenten Herrn Ob-rcantor Heller, bestehend aus den Herren Obercantor Stößler-Neu-Raußnitz. Obercantor Steiner-Gr. Meseritsch, Cantor Goldmann-Brünn, bei Sr. Ehrwürden und überreichte demselben das betreffende kunstvoll ausgeführte Ehrendiplom, wobei Herr Obercantor Heller in herzlichen und beredten Worten die tiefste Ehrerbietung namens des mährischen Cantorenvereines zum Ausdruck brachte. Se. Ehrwürden nahm diese Aufmerksamkeit mit gewohnter Herzlichkeit entgegen und wies in seiner Erwiderung auf seine stets bethätigte Beamtenfreundlichkeit hin. S. Auffig. (Empfang beim Kaiser) Als Vertreter der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde waren Präses Herr Dr. Mendl und Ehrwürden Herr Rabbiner S. Baß erschienen. Vor dem Empfang der Deputation wurde von dem Hofcommiffär erklärt, daß der Rabbiner unbedeckten Hauptes einzutreten habe, dann aber sofort ohne Anfrage das Haupt bedeckt. Der Rabbiner Herr S. Baß, der im Ornate erschienen war, sprach den hebräischen Segensspruch und fügte den deutschen hinzu: „Gottes reichster Segen ströme auf das geweihte Haupt Eurer Majestät. Amen!" Der Kaiser verneigte sich huldvollst und dankte. Auf die Ansprache des Cultusvorstehers Herrn Dr. Mendl sagte der Monarch, daß die Israeliten auch ferner seines Schutzes sicher sein können. Sodann fragte der Kaiser Se. Ehrwürden: „Wie lange sind Sie schon in Auffig?" Rabbiner Baß: „Dreizehn Jabre, Majestät". Der Kaiser: „So lange? Das ist sehr schön". Der Monarch erkundigte sich auch, wie groß die Cultusgemeinde ist und wie lange dieselbe schon besteht. Prag. Ueber die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers in Prag sei noch berichtet, daß der Kaiser am Samstag Nachmittag beim Besuche der Cadettenschule in besonders huldvoller Weise die mit dem Schulofficierscorps vor der Front des neuen Gebäudes zu seinem Empfange erschienenen drei geistlichen Profefforen P. Schuster, Superintendent Molnar und Feldrobbiner Dr. Kisch anredete. Letzteren, der bekanntlich wiederholt vom Kaiser ausgezeichnet wurde, erkannte der Kaiser sofort und sprach ihn auch in diesem Sinne an. Die Ansprachen wurden, da dieser Besuchrein militärischen Charakter trug und keinerlei Berichterstatter zugelaffen wurden in den Tagesblättern nicht veröffentlicht. Es dürfte Sie jedoch intereffiren, daß im Lehrpersonale drei Officiere jüdischen Bekenntnisses erschienen und auch der Platzmajor Töpfer von Willisfeld, der den Kaiser einführte. Israelit ist. Heute hat mit Schluß des theoretischen Semesterunterrichts unter Vorsitz des Schulcommandanten Oberstlieutenant R. v. Schönfeld die commissionelle Prüfung aus israelitischer R'liqionslehre stattgefunden, die das Resultat lieferte, daß alle 11 Zöglinge vorzüglich bestanden. Czeruowich. 11. Juni. In hiesiaen jüdischen Studentenkreisen rief die Ertheilung des Jonas Scheer'schen Stipendiums an einen christlichen Bewerber große Erregung hervor, da der Stiftungsurkönde gemäß bei gleicher Qualification jüdische Bewerber in erster Linie zu berücksichtigen sind. Die beiden jüdischen Mitpetenten wurden aber nichtsdestoweniger, trotzdem sie besser qualificirt waren, obgewiesen. Es sprachen nun in dieser Angelegenheit Donnerstag den 30. v. M. Deputationen der akademischen Verbindungen „Hasmonaea" „Zephira" ..Humanitas" und der jüdischen Finkeuschaft bei Sr. Magnificenz Rector Dr. Hauke vor und wurden von demselben in Anwesenheit der Decane in freundlichster Weise empfangen. Der Rector theilte hierbei den Deputirten mit. daß der akademische Senat dem berechtigten Ansuchen der jüdischen Studenten Rechnung getragen und das Stipendium stiftungs gemäß einem jüdischen Bewerber zuerkannt habe. Der frühere Senatsbeschluß wurde also rückgängig gemacht, und rust dieses loyale Vorgehen nicht nur in jüdischen Studentenkreisen, sondern auch in der jüdischen Bevölkerung lebhafte Befriedigung hervor. Lemberg. Die am 20. d. M. abgehaltene constituirende! Plenarsitzung des neu gewählten Cultusrathes eröffnete der Präsident Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk mit einem inhaltsreichen Rückblick auf die Leistungen der' abgllaufenen dreijährigen Periode. In diese Zeit fällt der Bau des der Repräsentanz der Großgmreinde würdigen Gemeindehauses; des Kaiserin Elisabeth-Altersversorgungshauses; die Gründung der jüdischen Gemeindebibliothek und einer dritten Fröbel-Schule; die weit gediehenen Vorarbeiten für die Creirung eines Religionslehrerseminars, welches berufen sein wird, dem empfindlichen Mangel an geeigneten Religionslehrern in Galizien abzuhelfen; die Durchführung großer Stiftungen wie des Lazarus'schen Spitales, der Horowitz'schen Stiftung und des Schaff'schen Waisenhausbaues; schließlich eine Reihe organisatorischer Arbeiten und Maßregeln, welche die Administration der jüdischen Cultusgemeinde Lemberg zu einer musterhaften gestalten. Diese bedeutsamen Ausführungen schloß der Präsident mit einem dreifachen Hoch auf Seine Majestät unfern gnädigen Kaiser, welcher erst jüngst wieder anläßlich der Reise nach Böhmen seiner warmen Fürsorge für seine jüdischen Unterthanen gütigen Ausdruck verlieh. — Bei der hierauf folgenden Constituirung wurden in den siebengliedrigen Vorstand gewählt die Herren: Dr. Emil Byk, als Präsident; Dr. Simon Schaff, als Vicepräsident; ferner als Referenten für Cultus, Unterricht, Wohlthätigkeit, Finanzen und organisatorische Angelegenheiten die Herren: Salomon Buber, Dr. Josef Czeszer. Oberingenieur Emil Edler von Mises, James Landau und Dr. Heinrich Gottlieb. Zu Vorsitzenden der analogen fünf Sectionen wurden gewählt die Herren: D'rector Moritz Lazarus, Dr. Joses Czeszer, Oberingenieur Emil Edler von Mises, Moritz Jonas und Samuel Edler von H o r o w i tz. Den Abschluß der Sitzung bildete ein von der jüdischen Waisencapelle intonirter Festmarsch. Dem neuen Cultusrathe ist zu wünschen, daß er, unbeirrt durch Angriffe und Verleumdungen, auf dem bewährten Wege vorwärtsschreite, zu Nutz und Frommen der jüdischen Gemeinde. Lemberg. Seit ungefähr einem halben Jahre hat der Abgeordnete Breiter in der von ihm herausgegebenen Zeitung „Monitor" die Baron Hirsch-Stiftung zur Zielscheibe seiner Angriffe gemacht. Je unbeachteter diese Ausfälle blieben, desto gehässiger wurden sie, und Herr Breiter ließ sich schließlich so weit hinreißen, die persönliche Ehrenhaftigkeit des Inspektors der Baron Hirsch-Stiftungsschulen Herrn Grünes anzutasten und die diffamirendsten Beschuldigungen gegen denselben vorzubringen. Herr Grünes hat infolge dessen die Anklage überreicht und vergangenen Freitag fand eine Schwurgerichtsverhandlung über diese häßliche Verleumdungsaffaire statt. Bei derselben konnte der verantwortliche Redacteur des „Monitor" auch nicht den Schatten eines Beweises für seine ehrenrührigen Behauptungen Vorbringen und sah sich schließlich zu der Erklärung gezwungen, daß die Ergebnisse der Verhandlung nicht den geringsten Anlaß boten, an der Ehrlichkeit des Herrn Grünes zu zweifeln. Letzterer zog hierauf die Klage zurück. Das Betrübendste an der Sache ist jedoch, daß die Vertheidiger des Abgeordneten Breiter zwei bekannte zionistische Parteiführer, die jüdischen Advocaten Dr. Malz und Dr. Ci pp er, waren, die sich, allerdings vergeblich, bemühten, das Vorgehen des Angeklagten gegen ihren eigenen Glaubensgenoffen und gegen ein so hervorragendes Culturinstitut, wie die Baron Hirsch- Stiftung, zu entschuldigen. Auch waren es stets, wie man uns mittheilt, zionistische Agitatoren, die Herrn Breiter das Material zu seinen Angriffen lieferten, und man fragt sich erstaunt, welches Interesse wohl die Zionisten daran haben, die Thätigkeit der bedeutendsten Wohlthätigkeitsinstitution zu verunglimpfen. Jedenfalls machte die denkwürdige Verhandlung einen traurigen und beschämenden Eindruck, der von allen Ohrenzeugen wohl empfunden wurde. A. H. J. H. Lemberg. Die antisemitische Bewegung, die zahllose jüdische Existenzen bereits ruinirt und vernichtet hat, manifestirt sich auch in den sogenannten Agricultur-Vereinen (Kolka rolnicze), die in letzter Zeit auf 2800 vermehrt. wurden und die statutengemäß die Aufgabe haben, jüdische Schenker und Krämer auf dem Lande zu verdrängen. Für diesen Verein, der Hunderte von Juden bereits brotlos gemacht hat, wird öffentlich gesammelt, und wir konnten unseren Augen nicht trauen, als wir in den Spenden-Ausweisen auch die Namen von jüdischen Großgrundbesitzern gefunden haben. Es ist ein trauriges Zeichen für die Solidarität der Juden, wenn Vereine mit derartigen Tendenzen von den eigenen Glaubensgenossen unterstützt werden. Frankfurt a. M., 13. Juni. Die an Zahl und Werken überaus reiche „Hebraica- und Judaica-Sammlung" der Frankfurter Stadtbibliorhek hat durch die Liberalität der Witwe des verstorbenen Barons Wilh. Carl von Rothschild, Freifrau Mathilde von Rothschild, eine neue, höchst werthvolle Bereicherung erhalten. Es wurde dem Institut gestattet, aus der von dem Verstorbenen mit Sachkenntniß ge-