Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 26 (28.6.1901)
- Date
- 1901-06-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 441 Ferner langten Begrüßungsschreiben ein von der israelitischen Cultusgemeinde Olmütz, dem Blindeninstitute auf der Hohen Warte in Wien, dem Verein „Frauenhort" in Wien, von den Präsidien der Vereine „Asyl für verkrüppelte Kinder" und „Kinderheim" in Wien u. v. A. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Euer Wohlgeboren! Auf meiner Reise von Wien nach Bad Hall bestand meine Coupsgesellschaft aus zwei Damen und einem Herrn, einem Kaufmann aus Wien. Alle drei waren Juden, ich selbst bin protestantischer Christ. Die Damen erkundigten sich bei mir nach einem Arzte in Hall, einem Juden, an den sie Empfehlungsbriefe hatten, und ich konnte ihnen mit gutem Gewissen eine sehr günstige Auskunft geben. Umso mehr erstaunte ich, als der jüdische Kaufmann den beiden Frauen im Gegentheil anrieth, einen andern, christlichen, Arzt aufzusuchen, von dessen antisemitischer Gesinnung ich mich oft persönlich überzeugte. Wenn schon diese Objektivität (!) an und für sich befremdend war, so wird sie umso ungeheuerlicher, wenn man hört, daß, als zu dem so warm empfohlenen Arzt eine arme Judenfrau mit 4 Kindern kam und um seinen Rath ersuchte, er dieselbe schroff abwies, jede Hilfe verweigerte und sagte, sie möge zum Judendoctor gehen. Bei zahlenden, jüdischen Patienten empfiehlt der Herr Doctor aber dies Vorgehen nicht. Trotzdem mich die Sache ja persönlich nicht berührt, konnte ich es nicht unterlassen, Ihnen mein Erstaunen über das Verhalten des jüdischen Kaufmannes auszusprechen, der den' eigenen Glaubensgenossen schädigt zu Gunsten eines rücksichtslosen und erbitterten Feindes, der ihm für dies seltsame Vorgehen nicht einmal Dank wissen wird. Floridsdorf. Am 16. d. M. fand im Amtsgebäude der hiesigen Cultusgemeinde die Bezirkslehrerconferenz der Religionslehrer der Cultusgemeinde unter dem Vorsitze Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners Doctor M. Rosenmann statt. Vor Besprechung der Tagesordnung ergriff Se. Ehrwürden das Wort, um dem scheidenden Obmanne der Schulsection Herrn M. Reumann in herzlichen Worten für seine Thätigkeit im Interesse des Religionsunterrichtes den Dank ausznsprechen. Sodann begrüßte der Herr Vorsitzende den neuen Obmann der Schulsection Herrn Dr. Brüll und richtete an ihn die Bitte, mit Wohlwollen die Interessen der Schule zu vertreten. Der Herr Obmann dankte Sr. Ehrwürden und versprach, im Vereine mit dem beliebten Seelenhirten seine ganze Kraft der heiligen Sache zu widmen. Sodann erstattete der städtische Lehrer und Religionslehrer Herr Karl Ehrenfest sein Referat über „Die Geschichte der Confirmation und ihre Bedeutung besonders für die Jetztzeit". Der Referent, der sich seit Jahren mit diesem Studium beschäftigt, verfolgte bis ins graue Alterthum die Spuren und beutete die Quellen aus, die geeignet sind, aus dem Choas der heidnischen Sitten und Gebräuche, aus den Aussprüchen der Weisen die Institution der Confirmation zu erforschen. Auf die Bedeutung der Confirmation übergehend, meinte der Vortragende, daß die israelitische Religion keinen blinden Glauben fordert, daß es daher Pflicht eines jeden Lehrers ist, die Institution der Tefillin genau zu erklären, keinen Bestandtheil zu übersehen, welcher die erhabene Idee dieses Gebotes zu festigen im Stande ist. Nachdem der Redner noch einige praktische Winke zur Ertheilung des Confirmationsunterrichtes gegeben hatte, wurde die Debatte eröffnet, an welcher sich die Herren Religionslehrer Ehrenfest seu., Eigner, Löw, Werdesheim und Zelinka sehr eifrig betheiligten. Rach Beendigung der Tagesordnung dankte Se. Ehrwürden dem Referenten für sein interessantes und wohlgelungenes Referat, den Anwesenden für ihr Erscheinen und schloß die Conferenz. v.|. Budapest. (D i e Ofener R a b b i n er w a h l.) In der unlängst stattgefundenen außerordentlichen Generalversammlung der Ofener Gemeindevertretung wurde die Candidatur für die durch den Tod Dr. Goldberg's verwaiste Stelle eines Rabbiners — nun schon zum zweiten Male — vorgenommen. Ueber den Verlauf der Versammlung meldet man uns Folgendes: Präsident Dr. Isidor Szabolcsi unterbreitete in Begleitung einer längeren Rede den Antrag des Gemeindevorstandes. welcher darin gipfelt, daß das Rabbinat mit dem Beszprimer Oberrabbiner Dr. Arnold Kis besetzt werde. Ingenieur I. Eugen K i s meint, daß es zweckmäßig wäre, außer Dr. Kis auch noch einen anderen Candidaten aufzustellen. Dr. Samnel Strehlinger als Führer der Minorität erklärte, es sei unschön, wenn die Majorität der Minorität ihren Willen aufoctroyiren wolle. Man möge lieber einen solchen Candidaten aufstellen, den beide Parteien wünschen. Professor Laß tritt in warmen Worten für die Candidatur Dr. Kis' ein. Rudolf Darüczy appellirt an die Mitglieder der Repräsentanz, den Antrag des Vorstandes zu acceptiren. (Ellenrufe.) Präsident Doctor Szabolcsi bemüht sich, die Argumente der Minorität zu entkräften, und erklärt, daß Niemand beeinflußt oder gar terrorisirt werde. Hiemtt war die Debatte geschloffen und der Vorsitzende ordnete die geheime Abstimmung an, welche ergab, daß von den 60 Repräsentanten 38 anwesend waren, von denen für die Candidatur Dr. Kis' 35, gegen dieselbe zwei stimmten; ein Stimmzettel war leer. Somit ist Doctor Arnold Kis zum Oberrabbiner der Ofener israelitischen Religionsgemeinde candidirt. Der Vorsitzende meldete, daß die eigentliche Wahl seitens des Plenums der Gemeinde schon in der kürzesten Zeit stattfinden dürfte. Laut dem Gemeindestatut muß der Candidat eine Zweidrittel-Majorität auf fich vereinigen. Budapest. (Eine neue Bürgerschule.) Die Pest er israelitische Religionsgemeinde, die erst vor kurzer Zeit ein neues Heim für arme Waisen geschaffen, hat in Verbindung mit diesem auch eine andere Institution ins Leben gerufen. Auf Vorschlag des Präsidenten der Waisenhauscommission Jacob Deutsch wird mit Anfang des nächsten Schuljahres im Waisenhause (Stadtwäldchenallee) eine Knaben- Bürgerschule mit dem Waisenhausdirector Bäla CsajLgi als Director eröffnet werden. Die Leitung der schon früher bestandenen Volksschule ist dem Waisenhausdirector Johann Herz kn anvertraut. Beide Schulen, sowohl die Bürgerwie auch die Volksschule, sind öffentlich, ihre Zeugnisse daher staatsgiltig. Der Profefforenkörper ist aus erprobten Kräften zusammengestellt, die Einrichtung und Organisation entspricht in jeder Hinsicht den gesetzlichen Anforderungen, und es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, daß die neue Schule eine Musterschule der Hauptstadt werden wird. Mit Beginn des Schuljahres 1901/2 wird die I. und H. Classe der Bürgerschule eröffnet, die III. Masse zu Anfang des Schuljahres 1902/3, die IV. und letzte Classe mtt dem Schuljahre 1903/4. Außer den Zöglingen der Anstalt können die Schulen auch auswärtige Kinder besuchen, insofern sie die nöthige Vorbildung haben. Die Einschreibegebühr beträgt für außerhalb des Waisenhauses wohnende Schüler 5 Kronen, das in zwei Raten zu entrichtende Schulgeld 60 Kronen jährlich. Diese Bestimmungen gelten auch für die vierclasfige Volksschule. Vormerkungen übernimmt der Secretär des Waisenhauses Geza K a b o s vom 28. Juni bis 2. Juli, täglich von 10 bis 1 Uhr im Secretariatsamte (VII. Bezirk, Stadtwäldchenallee Nr. 27). Die Einschreibungen beginnen am 28. August l. I. und dauern bis 4. September l. I. Baden. Der rühmlichst bekannte Stadt- und Curarzt in Baden, Dr. Josef Schwarz, feierte im Monate Mai, seinem bescheidenen Wesen entsprechend im engsten Familienzirkel den Gedenktag seiner 25jährigen Thätigkeit im hiesigen Curorte. Bei diesem Anlässe ernannte ihn der Ausschuß der hiesigen israelttischen Cultusgemeinde, dessen Mitglied der Jubilar ist, in der am 19. d. M. stattgehabten außerordentlichen Sitzung in Würdigung seiner vielen Verdienste und selbstlosen Mühewaltung auf humanitärem Gebiete zum Ehrenmitgliede der Badener Cultusgemeinde. Auch die hiesige Chewra-Kadischa, deren Ehrenmitglied der Gefeierte schon seit Jahren ist, wie die Filiale der Wiener Israelitischen Allianz und die städtische Feuerwehr, die ihn schon vor Jahren wegen seiner segensreichen Thätigkeit in derselben zu ihrem Ehrenmitgliede ernannte, brachten Herrn Dr. Josef Schwarz Ovationen und warm empfundene Glückwünsche entgegen. In besonders ehrender Weise beglückwünschte ihn her Verein der Aerzte Niederösterreichs; die Pfleglinge der Todesco-Stiftung und der Verwalter des Spitales seropholöser Kinder, deren dirigirender Arzt Herr Dr. Josef Schwarz ist, brachten Blumen und tiefgefühlte Dankesworte. Zu bemerken sei noch, daß Herr Dr. Josef Schwarz, der den Curort Baden schriftstellerisch behandelte, durch seine Jahre hindurch gehaltenen Sanitätscurse in der Feuerwehr der erste Anreger zu der hier bestehenden Rettungsgesellschaft war und die Feuerwehrmannschaft zu ihrer humanen und allgemein nützlichen Thätigkeit instruirte und anleitete. Brün«. Der mährische Cantorenverein hat in seiner letzthin stattgefundenen Generalversammlung auf Antrag des Bereinsvorstandes Se. Ehrwürden den Herrn Landesrabbiner Dr. B.