Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 428 Dr. Blvch's Wochenfttzrrst. schenk als Andenken uiitzugeben. Noch am selben Abend wurde der nöthige Betrag hierfür in freiwilligen Beiträgen weit überzeichnet. Das von der leitenden, aus den Herrn A. Prechel, M. Kauderer und C. A. Schmidt bestehenden Commission ausgewählte Geschenk bestand in einer von dem bekannten deutschen Künstler Treitler in Aquarell vorzüglich ausgeführten Ansicht der Hafeneinfahrt mit dem Zuckerhut, ein Bild, das in prächtigen Rahmen von ausgesuchtem brasilianischen Holze gefaßt, eine interessante Erinnerung an Rio de Janeiro bildet. Am 27. v. M. wurde von der genannten Commission das Geschenk dem Gesandten überbracht, begleitet von einem der Feder des Herrn Kauderer eutstauimendeu schwungvollen Schreiben. Wie«. (Xrauun g.) Sonntag den 23. Juni, 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel IX. Müllnergaffe die Trauung des Frl. Anna Quitlner, Tochter des Bereinsvorstehers Herrn Josef Quittner, mit Herrn Ludwig Jellinek statt. Wie«. (Trauung.) Sonutag den 30. Juni l. I. um 2 Uhr Nachmittags findet im Tempel, 1., Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Rosa Fischer, Tochter des Herrn Director Albert Fischer, mit Herrn Julius Urbach, Knaben- Pensionatsinhaber, statt. Wie». (Berlobun g.) Herr Med.-Dr. Gustav G ö tz l, an. Assistent des k. k. Rudolfsspitals, hat sich mit Frl. Luise Kahn verlobt. Wie«. Das Statut des »Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums in Wien undNiederö st erreicht ist von der hohen k. k. Statthalterei genehmigt worden. Die Constituirung des Vereines und Wahl des Vorstandes findet demnächst statt. Beitrittserklärungen werden bis Ende Juni erbcten an den provisorischen Vorsitzenden des ComiteZ Herrn Bernhard Hofbauer, I., Tuchlauben 26. W««. Jahresbericht des Vereines zur Unterstützung armer, kranker Israeliten von der 22. Verwattungsperiode (Vereins-Kanzlei II., Untere Augartenstraße 17). Wer da Gelegenheit hat, ein FamÜienmitglied gelegentlich im Allgemeinen Krankenh«m,e zu besuchen oder sonst aus religiösem Antriebe die Pflicht von »Bikkur Cholim" erfüllt, wird sich sicherlich von derNothwendigkeit dieses religiös-philanthropischen Vereines überzeugen und gewiß im Kreise seiner Bekannten für die Förderung desselben propagatorisch eintreten. Einstweilen laborirt der Verein noch an einem Deficit von etwa 1800 Kronen, welches der Obmann Herr Marcus B n n d i zu decken die Güte hatte. Die Einnahmen betrugen 19.370 Kronen, darunter sind als Beiträge der hiesigen Cultusgemeinde 1050 Kronen und der Chewra-Kadischa 100 Kronen zu verzeichnen, die Administratton der »Neuen Freien Presse" widmete 60 Kronen und kleinere Beträge kamen aus verschiedenen Anlässen von einzelnen Wohltbätern. Von den Ausgaben wären hervorzuheben 9673 Kronen für rituelle Verköstigung der Patienten, und zwar für das Passah-Fest allein 1959 Gulden und für Mazzoth 24-9 fl. Möge es dem eifrigen und rührigen Vorstande bald gelingen, das Gleichgewicht im Haushalte der Bereinsökonomie »mit vereinten Kräften" herzustelleu. Wien. (S pend e.) Wir erhalten von Frau Anna Wolf, Wien, IX. aus Anlaß des Ablebens ihrer seligen Mutter Frau Netti Horsetzer eine Spende von 20 Kronen anstatt eines Kranzes zur Bertheilung an würdige Arme. Pisek. (Trauung.) Sonntag den 23. Juni l. I. um 1 Uhr Nachmittags findet in Prag, Hotel Bristol, die Trauung des Frl. Gabriele Sachs, der Tochter des allgemein geachteten und hochgeschätzten Herrn Dr. S. Sachs, Stadt- und Gerichtsarztes in Pisek, mit Herrn Julius L ö w i, Cassier der Escomptt- Bank in Pilsen, statt. Rarrduitz. Bei der Durchreise Sr. Majestät von Prag nach Leitmeritz entstieg der Kaiser am hiesigen Bahnhofe zu kurzem Aufenthalt« dem Hofzuge, um die Huldigung der geistlichen und autonomen Behörden entgegenzunehmen. Neben den Vertretern der katholischen und evangelischen Confession wurde die Abordnung der jüdischen Cultusgemeinde, Rabbiner Doctor Reach und Vorsteher Adolf Braun, durch den k. k. Bezirkshauptmann Loula vorgestellt. Se. Majestät erkundigte sich bei dem Nr. 25 Genannten nach der Größe der Gemeinde und geruhte den Rabbiner auch ad personam zu fragen: »Sie waren auch Soldat!", worauf dieser erwiderte: »Jawohl Majestät, ich habe Ew. Majestät als Feldrabbiner gedient." Budapest. Sonntag am 16. d. M. fand im Gemeindesaale zu Neupest die feierliche Schlußprüfung an der dortigen Talmud-Thora- Schule statt. Als Prüfungscommissäre fungirten: Ehrwürden Herr Dr. L. V e n e t i a n e r, Rabbiner, Herr Moriz Weiß, Präses der Cultusgemeinde, Herr Dr. Heinrich L i ch t m a n n, Vicepräses, Herr Dr. Simon Führer, Herr Dr. Jakob W o l f n e r, Herr Ludwig Grünbau nt, Mitglieder der Schulcommission; auch eine Anzahl von Gästen war erschienen. Die Kinder haben zur größten Zufriedenheit die an sie gestellten Fragen beantwortet. Die I. Abtheilung hat Bibel, u. zw. die 6 ersten Wochenabschnitte gelernt; die II. Abtheilung Bibel mit Raschi-Commentar nebst Grammatik der hebräischen Sprache, die III. Abtheilung hat Talmud mit Raschi und Toszefot und Schulchan Aruch gelernt und haben darin die Schüler solche Fertigkeit erlangt, daß sie auswendig die an sie gestellten Fragen genau beantworteten. Herr Gemeindepräscs richtete gerührt Worte des Dankes und des Lobes an Se. Ehrwürden für seine Mühewaltung und aufopfernde Thätigkeit und betonte, daß nur ihm es zu danken sei, daß diese Anstalt solch' schöne Resultate zu Tage gefördert; nicht weniger an die Herren Lehrer Arnold Feldmann und Jakob Singer, die ihre ganze Kraft der heiligen Sache widmen und die Kinder zu Hebräern heranziehcn. Nachher vertheilte Herr Schulcommissions-Präses Dr. Führer unter den Zöglingen Prämien in Baargeld von 195 Kronen, zu 20, 10 und 5 Kronen, richtete an die Kinder aneifernde Worte, daß sie ferner fleißig und strebsam seien, und erwähnte des edlen Mannes David Fornheim — dem sie diese Prämien zu danken haben, denn er hat es testamentarisch so verfügt, daß das Zinsenerträgniß. von seinem Legate nur fleißigen Schülern der Talmud-Thora-Schule zugewendet werde. London. (Reiche S a m m l u n g.) Am 12. Juni fand unter dem Vorsitze des Sir George Faudel-Phillips ein Diner zu Gunsten der unter dem Protectorat des Königs Edward VII. stehenden jüdischen Alters- und Waisenversorgungsanstalt zu West-Norwood statt. Die Anstalt, welche 328 Waisen und 125 Lehrlinge nebst 12 Greisen beherbergt, gehört zu den größten jüdischen Waisenhäusern der ganzen Welt. Zur Tilgung von Schulden rc. waren 200.000 Mark erforderlich. Die beim Diner veranstaltete Sammlung ergab den anständigen Betrag von 212.800 Mark. Feuilleton. Der Unessane tokef. Novelle von Babetta Fried in Prag. IV. S a r a h. Sarah gab sich mit allem Eifer ihren Studien hin, besonders, da letztere nun ihre einzige Zerstreuung bildeten. Denn ihre treue, hingebungsvolle Gefährtin, Blimele, hatte das Haus verlassen. In dem Leben ihrer Mutter war ein unerwarteter Glücksfall eingetreten. Ihr Bruder, ein alter Junggeselle, war gestorben und ihr war dessen ganzes Vermögen zugefallen, welches hauptsächlich in dem Betriebe einer Schankwirthschaft bestand, die in einem nahen Dorfe eingerichtet war. Da es nicht denkbar war, daß die alte, der polnischen Sprache unkundige Frau ganz allein in dem fremden Dorfe Hausen könne, mußte Blimele ihren Posten in dem Koreff'schen Hause, das ihr eine zweite Heimat geworden, verlassen und der Mutter in das Dorf folgen. Sie that dies mit schwerem Herzen, doch das scharf ausgeprägte Pflichtgefühl des jungen Mädchens ließ es nicht zu, daß sie nur mit einer Silbe eine Klage darüber geäußert hätte, daß sie eine solch' behagliche Existenz, wie sie dieselbe im Koreff'schen Hause hatte, mit dem mühe' und arbeitsvollen Leben im Dorfe vertauschen müsse. Der Abschied von Sarah wollte ihr schier das Herz zerreißen. »Fräulein, wie schwer wird mir das Leben fern von Ihnen Vorkommen, wie werde ich es nur gewöhnen können." »Geh nur, Blimele". tröstete die Freundin, »wir werden uns ja öfters sehen, es ist ja nicht soweit hieher, auch komme ich zuweilen zu Euch. Vergiß nicht, daß Deine Mutter jetzt aufhört, von der Gnade der Kille abzuhängen, dies sollte Dich über alles Unangenehme binwegtrösten. An das Eine denke immer: »Wenn Du oder Deine Mutter etwas brauchen werdet, so wendet Euch nur immer an mich oder Papa, da weißt Du, daß wir Euch immer aushelfen werden. Wir haben Euch doch so lieb."