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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-06-21 · 25 (21.6.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
25 (21.6.1901)
Date
1901-06-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Dr« Bwch's Wochenschrift. Seite 427 Nachdem die Vorstandsmitglieder vorher eorporativ am Gottesacker erschienen waren, versammelten sich alle Mitglieder der Chewra-Kadischa in dem festlich beleuchteten Gotteshaus. Herr Obercantor Hoffmann verrichtete unter Assistenz des Tempelchores das Mincka-Gebet und leitete den Festgottesdienst mit dem würdevollen Vortrage des Psalmes 111 ein. woraus Herr Rabbiner Dr. Funk in einer Predigt, an der Hand von talmudischen und biblischen Citaten, die erhabene, sittlich-religiöse Bedeutung der Chewra-Kadischa beleuchtete. In der hierauf abgehaltenen Festsitzung gedachte der Chewra-Präses Herr Hermann Ehrenwald in einer gehaltvollen Ansprache der verstorbenen Gründer und Förderer des heiligen Vereines; unter dem tiefen Eindrücke der Rede des Rabbiners Dr. Funk habe er das Bedürfniß, diesem, welcher sich um die Förderung des Gemeindelebens hohe Verdienste erworben, dessen begeistertes Wort dieses Fest veranlaßte, den herzlichsten Dank und die aufrichtige Anerkennung auszusprechen. Hierauf begann in den Localitäten der israelitischen Primarschule die Chewra-Sudab. Herr Obmann Ehrenwald richtete an die versammelten Chewra-Mitglieder eine sehr schöne Begrüßungsrede, worauf Herr Dr. Barach den Toast auf Seine Majestät ausbrachte. Herr Obercantor Hoffmann intonirte unter Assistenz des Chores den Hymnus, welcher stehend angehört wurde. Herr Gemeindepräses Wilhelm Eisenstädter ließ die Chewra-Kadischa, Herr Dr. Stern den Vorstand derselben hochleben. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Funk auf die Gemeinde und deren Institutionen, indem er die Gemeinde mit dem Leuchter des Propheten Secharja verglich, dessen 7 Leuchter den sieben Humanitätsinstitutionen der Gemeinde entsprachen, die zur Seite des Leuchters rechts und links stehenden Oelbäume bedeuten den Culturfortschritt und traditionelles Judenthum, von welchen der Leuchter — also die Gemeinde — ihre Lebenskraft zu schöpfen habe. Herr Dr. Langfelder trank auf den Schulstuhl, worauf Schulpräses Dr. Löwinger unter gespannter Aufmerksamkeit die Geschichte der seit vielen Jahren bestehenden israelitischen Primarschule in einer höchst interessanten Darstellung schilderte und wie diese Schule die Basis der Congreßgemeinde geworden. Herr Sigmund Fischer, Sohn des verewigten Vorstehers Josef Fischer, trug ein geistreiches, selbstverfaßtes Gelegenheitsgedicht auf die Frauen der Gemeinde vor. Vorstandsmitglied Markus Schick erhob sein Glas auf Rabbiner Dr. Funk, worauf dieser den Dank der Chewra- Kadischa den das Fest bereitenden Damen Wottitz, Grünbut, Haschler, Rübner. Fischer und Somoffy aussprach, sowie auch das Verdienst der Beamtencollegen der Gemeinde.' namentlich des Seeretärs und Obercantors Hoffmann, in ehrender Weise hervorhob. Schuldirector Berger, die Lehrer Feuer und Ehrenthal würzten die Tafel mit ihren geistreichen Toasten auf Schule und Erziehung. Nachdem Ehrenwald jun. den tiefen Eindruck der Chewra-Sudah begeisternd hervorhob, hielt Dr. Funk eine von tiefer jüdischer Wärme durchdrungene Schlußrede und votirte den Chewra-Borständen Herrn Ehrenwald, Jellinek. Rübner, Wottitz, Herrnfeld, Elias und dem Chewra-Arzt Dr. Fischer, sowie auch dem eifrigen Festarrangeur Herrn Großmann den allgemeinen Dank. Mit einem gemeinsamen Tischgebet schloß spät nach Mitternacht die erhebende Feier. Berlin. Vom Centralcomits des »Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes in Rußland und Polen" erhält der »Vorwärts" nachstehende Mittheilung: Die unglaubliche Willkür und Grausamkeit der Czarenregierung ist den Lesern des „Vorwärts" zur Genüge bekannt Aber es kommen manchmal bei uns Grausamkeiten vor, die das Maß des Möglichen weit überschreiten. Solch eine fürchterliche Grausamkeit geschah vor Kurzem in L o d z, wo von der Ortspolizei ein jüdischer Arbeiter zu Tode gefoltert wurde. Dies ist der Thatbestand: Am 9. Mai wurde in Lodz der Bäckergeselle Jakob Leiser Palkin auf die Anzeige seines Arbeitgebers als politisch „Unzuverlässiger" arretirt. Er wurde im 1. Polizeirevier in einer Einzelzelle gehalten, wo er bei schauderhafter Behandlung seitens der Polizei fünf Tage hintereinander nichts zu essen und zu trinken bekam. Als der unglückliche Arbeiter am fünften Tage vor Hunger- und Durstqualen seine Kräfte schwinden fühlte, klopfte er an die Thüre seiner Zelle und flehte seine Henker an, ihm etwas Wasser zu geben. Doch die Henker rissen sofort die Thürs auf, stürzten sich auf ihn und bearbeiteten ihn mit fürchterlichen Schlägen. Die in den Nachbarzellen inhastirten Genoffen theilten uns nachher mit, daß sie Anfangs ein unmenschliches Geschrei und Stöhnen hörten, allmählich wurde aber die Stimme des Gefolterten schwächer, und schließlich verstummte sie ganz: er war todt! Der Vater des Getödteten, ein Greis, kam mehrmals ins Revier, um zu seinem Sohne zugelaffen zu werden und ihm Nahrungsmittel zu übergeben. Aber er wurde nicht zugelaffen. Erst am sechsten Tage, als sein Sohn schon getödtet war. wurden die Nahrungsmittel angenommen. Auf seine Frage, wo sein Sohn sich befinde, wurde ihm geantwortet, er sei nach Warschau überführt worden. Doch einigen Verhafteten, die die schreckliche Scene mit angehört hatten, gelang es,, dem Greise das Geschehene mittheilen zu lassen. Dieser wandte sich an den Chef der Gendarmerie und bat, ihm eine Auskunft Über seinen Sohn zu geben. Doch er erhielt eine Antwort, die man sogar im Czarenreiche für unmögliche gehalten hätte: „Bis zum Alter von 12 Jahren gehört der Sohn Dir, nach 12 Jahren . . .uns, und Du hast kein Recht, zu ftagen, was wir mit Deinem Sohne gethan haben." Der unglückliche Greis b°gab sich nun zu dem Rabbiner Maisel, der ihm nur mittheilen konnte, daß er, der Vorschrift der Polizei getreu gehorchend. bereits am 16. den Begräbnißschein seines Sohnes unterzeichnet hatte, ohne ihn davon in Kenntniß gesetzt zu haben. Der Greis begab sich weiter an den Vorstand der Beerdigungscommisfion und bat, ihm den Ort zu zeigen, wo sein Sohn begraben wurde, doch auch da erhielt er die Antwort, daß es von der Polizei verboten wäre, ihm diese Auskunft zu geben. Es gelang ihm nur, zu erfahren, daß auf der Leiche seines Sohnes deutliche Spuren von Schlägen zu sehen waren, und daß sie in der Nacht des 16. zu Grabe gebracht wurde. Als der Leichenwagen in den Hof des Revieres hineingefahren wurde, war die Straße streng bewacht und für den Verkehr gesperrt. Der Sarg wurde von Kosaken bewacht; verkleidete Schutzmänner folgten dem Leichenwagen . . . Außer diesen Maßregeln, um ihr Verbrechen nicht in die Oeffentlichkeit gerathen zu lassen, verbreitete die Polizei das Gerücht, der Arbeiter habe sich selbst das Leben genommen.' London. (Rückkehr d es Oberst Goldsmid.) Der als Chowaweb-Zion bekannte jüdische Oberst im englischen Dienste, Colonel Albert Goldsmid, welcher Ende December 1899 mit der 6. Division unter General Kelly-Kenny nach Südafrika gegangen war, ist am 18. Mai nach England zurückgekehrt. Während der 18 Monate, welche er in Südafrika zugebracht hat, fand Oberst Goldsmid reichlich Gelegenheit, sich seinem englischen Baterlande nützlich zu machen. Nach der Schlacht bei Paardeberg, in der ihm ein Pferd unter dem Leibe weggeschoffen wurde, wurde ihm die Ueberwachung der rückwärtigen Verbindungslinie in dem Oranjefreistaat übertragen, worauf er unter 8ir lAmrles IVarren bei der Pacificirung von Griqualand-West mitwirkte. Während des Einfalls der Buren in der Capcolonie hatte er wieder die Ueberwachung der Eisenbahn nach Captown übernommen, wobei ihm ein Gebiet von der Ausdehnung Großbritanniens unterstellt war. In dieser Stellung siel ihm auch die Ueberwachung des Afrikandercongreffes in Worcester zu, wo er die Stadt von den australischen Truppen umzingeln und alle Worcester beherrschenden Höhen mit Kanonen besetzen ließ, wodurch er den Ausbruch von Unruhen im Keime erstickt hat. Die Rückkehr des Oberst Goldsmid dürste der Thätigkeit der englischen Chowaweh-Zion, welche während der Abwesenheit de- Führers nahezu gänzlich erloschen war, einen neuen Aufschwung verleihen. New-Iork. Wenige Tage nach der Grundsteinlegung des neuen Mount Sinai Hospitals, über die wir unsern Lesern eingehend berichteten, ist ein neues Denkmal jüdischer Nächstenliebe der Oeffentlichkeit übergeben worden. Das Montefiore-Heim für chronische Invaliden wurde durch ein neues Sanatorium für Schwindsüchtige erweitert, das den Leidenden aller Confeffionen offenstehen wird. Die Einweihung des imposanten Baues fand unter regster Betheiligung statt. Unter den Rednern bei dieser feierlichen Gelegenheit zeichneten sich besonders der Bice-Präfident der Bereinigten Staaten Theodor Roofevelt, Bischof Henry C. Potter und der frühere Gesandte bei der Pforte Oscar S. Straus aus. Wir citiren zum Schluß die Einleitungsworte aus der interessanten Rede Roosevelt's. Er sagte: »Ich erschien hier weniger, um Ihnen und den Herrn Directoren Worte der Ermuthigung zuzurufen, sondern mehr, um Ihnen die Dankbarkeit des Volkes der Vereinigten Staaten auszudrücken, nicht für die That, sondern für das Beispiel der That. Wir find Ihnen verpflichtet, nicht nur für den Kampf, den sie gegen das schreckliche Gespenst der Schwindsucht unternehmen, sondern hauptsächlich für das Muster edler Bürgertugend die Sie ausüben und stets ausgeübt haben." T. Rio de Janeirs, 3. März 1991. Bereits vorgestern hat Herr Graf von Areo-Balley, kaiserl. deutscher Gesandter, vom Bundespräfidenten officiellen Abschied genommen, um in den nächsten Tagen über Nordamerika nach seinem neuen Posten in Japan abzureisen. Der Graf hat wiederholt Gelegenheit gehabt, trotzdem er ein strenger Katholik ist, seine humane Gesinnung zu bekunden. Der Club »Schubert", dem auch viele unserer Glaubensgenoffen angehören, beschloß deswegen, dem Gesandten ein Ge-

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