Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 426 Dr* Oloch's WochrnfchrM» Nr. 35 der letzte Jahrgang auf Grund des 5. Buch Moses eine Zusammenfassung unserer Religionslehre bieten. D^e Section ist sich bewußt, daß der beste Lehrplan ein todter Buchstabe bleibt, wenn er nicht in dem Geiste zur Anwendung kommt, in welchem er entworfen ist. Wir sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß es ein Gebot dringender Nothweudigkeit ist, den Unterricht in diesem Gegenstände leichtfaßlich und angenehm zu machen und die jungen Herzen für ihren Glauben zu erwärmen. Man kann aber eine Sache nicht lieben, die einen unangenehmen Beigeschmack hat und schmerzliche Empfindungen erweckt. Daher legen wir den Schwerpunkt unserer Arbeit in die Instructionen und werden durch den Einfluß unseres Vertreters im Landesschulrathe dahin wirken, daß die Instructionen mit dem Lehrplan von der Schulbehörde als Vorschrift hinausgegeben werden, die unter allen Bedingungen einzuhalten ist. Die Instructionen werden unter Benützung der Ergebnisse aller Fortschritte auf dem Gebiete der Methodik g^nau an geben, wie der Stoff zu behandeln ist; sie werden betonen, daß grammattsche und linguistische Erörterungen ganz ausgeschlossen sind, daß die Unterschiede der grammatischen Formen wohl beim Unterrichte veranschaulicht werden, aber niemals auf die Classification von Einfluß sein können; daß in der Geschichte Alles wegbleibeu muß, was das Gedächtniß ohne Noth belastet. Daß ein Ton der Liebe und des Wohlwollens den gesammten Religionsunterricht durchdringen muß. Und so hoffen wir, durch alle diese Vorschläge einen Nothstand zu beseittgen, der mit Recht Anlaß zu Klagen gegeben hat, und ich erlaube mir die Bitte um wohlwollende Behandlung der vorliegenden Anträge und Annahme derselben von seiten der geehrten Plenarversammlung. Baden. Der Archivar der Stadt Baden, Herr Dr. Hermann R o l l e t t, ein berühmter österreichischer Dichter und Göthesorscher, überraschte mich mit der Einsendung folgenden Gedichtes, welches der Veröffentlichung würdig ist: Der eiserne Mann. Eine Mener Sage von Hermann Rollett. 1901. Der Rittersmann im Eisenkleid - Am Rathhausthurm zu Wien Schaut unverwandt auf Lust und Leid Des Häusermeeres hin. Im Sturmesbrausen steht er fest Hoch oben auf dem Knauf, Nur manchmal sich ein Zittern läßt Vernehmen, ab und auf. Die Eisenbrust durchbebt es leis' Im Schau'n von all' dem Trug, Den Wien nicht abzuwenden weiß, Der's arg mtt Blindheit schlug. Ein Streblingsthum, voll Arglist, hat Verblendet Jung und Alt, Der finst're Rückschritt hält die Stadt In schändlicher Gewalt. N Doch, hört! es geht die Sage still Im Volksgemüth herum, Daß lang es nicht mehr dauern will, Daß bald die Schmachzett um. Da steigt vom Knauf der Rittersmann, Der eiserne und ficht In Volkes Mitte, bis den Bann Der Knechtschaft kühn es bricht. Mtt Gruß vom Verfasser. Hoffen wir, daß die Sage, so schön vom Dichter gegeben, sich bald bewahrhette. Rabbiner W. Reich. Prag, 16. Juni. (A u d i e n z b e i m K a i s e r.) Als Bertreter der »Israelitischen Cultusgemeinde in Prag" wurden der Präses der Cultusgemeinde-Rcpräsentanz Dr. Arnold Rosenbacher, Dr. Ludwig Bendiener, Präsesstellvertreter, und Se. Ehrwürden Oberrabbiner Doctor Nathan Ehrenfeld empfangen. Bor dem Empfange wurde über Anfrage des Doctor Rosenbacher von dem Hofcommiffär erklärt, daß der Oberrabbiner mit den beiden Vertretern der Cultusgemeinde unbedeckten Hauptes einzutreten habe, aber dann sofort ohne Anfrage das Haupt bedecke. Der Oberrabbiner, der im Ornate erschienen war, sprach den hebräischen Segensspruch und fügte den. deutschen hinzu: »Des Himmels reichster Segen ströme auf das geweihte Haupt Eurer Majestät, Amen!" Der Kaiser verneigte sich huldvollst und dankte, worauf er sich an Dr. Rosenbacher mit der Frage wandte: »Sie sind Vorsteher der Gemeinde?" Dr. Rosenbacher: »Zu Befehl, Majestät, seit 12 Jahren; ich hatte schon vor zehn Jahren das Glück, Eurer Majestät die Huldigung unserer Gemeinde zu unterbreiten." Der Kaiser: »Ja, ich weiß, es ist sehr verdienstlich, daß Sie das Amt so lange führen. Die Gemeinde hat sich wohl sehr vergrößert?" Dr. Rosenbacher: »Nach der letzten Volkszählung zählte Prag 19.000 und die Vororte 8000 Juden, sämmtlich tteue Unterthanen Eurer Majestät." Der Kaiser erwiderte huldvollst: „Das weiß ich, ich weiß, daß Ich mich auf sie verlassen kann." Sodann fragte der Monarch Se. Ehrw. den Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld: »Es sind wohl mehrere Rabbiner in Prag?" Dr. Ehrenfeld: »Zudienen, vier Rabbiner," Der Kaiser: „Wohl auch mehrere Synagogen?" Dr. Ehrenfeld: „Acht große und mehrere kleine, in denen allen, sowie in jenen des Landes allsabbathlich für Eure Majestät aus tiefstem Herzen gebetet wird." Der Monarch lächelte gnädigst und fragte weiter: „Es muß sehr viel zu thun sein? Schon das Administrative allein macht sehr viel Arbeit?" Dr. Ehrenfeld: „Es geschieht mit Liebe und Pflichteifer." Dr. Bendiener fragte der Kaiser: „Sie sind auch im Vorstände der Gemeinde!" Dr. Bendiener: „Jawohl, schon seit 30 Jahren." Der Kaiser: „So lange? Das ist schon sehr lange." Dr. Bendiener: „Ich hatte schon bei wiederholten Gelegenheiten das Glück, Eurer Majestät vorgestellt zu werden, da ich Stadtrath und Stadtverordneter war." Der Kaiser: „Es ist sehr verdienstlich, daß Sie so lange amtiren. Ich danke den Herren." Die Audienz währte ungefähr fünf Minuten. Prag-Smichow, 17. Juni 1901. Ganz besonders huldvoll wurde gestern die hierortige israelitische Cultusgemeinde von Sr. Majestät ausgezeichnet. Nachdem Se. Majestät dem Vorsteher, Herrn Rudolf Grab, — nach der Größe der Gemeinde sich erkundigend, die ungefähr 3000 Seelen zählt, —- gegenüber seiner Freude über das Wachsthum der Gemeinde Ausdruck verlieh, trat er an unseren Herrn Rabbiner Dr. Herzog heran, erkundigte sich eingehend über die inneren Einrichtungen der Gemeinde, die Dauer seines hiesigen Wirkens, nach seinem Studiengange. Als er gehört, daß derselbe ein Ungar, sprach er zum Abschiede mit Herrn Dr. Herzog in ungarischer Sprache.-Der ganzen Deputation drückte Se.. Majestät die Freude über ihr Kommen aus. Agram. lBischof und Rabbiner.) Der griechischorientalische Bischof von Pakracz, Miron N i k o! i c s, entging vor Kurzem auf wunderbare Weise einer Lebensgefahr. Als er sich auf einer Visitationsreise in seiner Diöcese befand, stürzten beim Passiren einer Brücke die Pferde in die Tiefe, den Wagen mit sich reißend. Dem hochwürdigen Bischof war es dank seiner Geistesgegenwart gelungen, in dem kritischen Moment aus dem Wagen zu springen, so daß er keine Verletzung erlitt. Anläßlich dieser Rettung aus der Lebensgefahr kauien dem Bischof Nikolics, der sich ob seines Wirkens nicht nur bei seinen Diöcesenangehörigen, sondern auch in den anderen Kreisen der Bevölkerung großer und aufrichtiger Sympathien erfreut, zahlreiche Gratulationsschreiben zu. Auf eines derselben, das ihm von dem Bezirksrabbiner von Belovar Herrn S. D. Tauber zuging, erwiderte Bischof Nikolics mit folgendem Schreiben: Euer Ehrwürden! Empfangen Euer Ehrwürden meinen schönsten Dank für die Freude, die ihr gutes Herz erfüllte ob meiner glücklichen Rettung aus der Gefahr, in welcher ich mich am 31. Mai befand. Danke auch für die mir aus diesem Anlässe dargebrachten Wünsche. Wie stets, so auch jetzt, wünsche auch ich Euer Ehrwürden, der allmächtige Allvater verleihe Euer Ehrwürden seinen mächtigen Schutz und Segen, damit Sie noch lange Jahre zum Frommen und Gedeihen Ihrer Cultusgemeinde und lieben Angehörige^ in ungebrochener Kraft des Körpers und Geistes wirken und die guten und reichen Früchte Ihrer gottgefälligen Arbeit genießen können. Mit Hochachtung ergeben Pakracz, 7. Juni 1901. Miron Nikolics. Pozsony. (Chewra-Sudah der israelitischen Religionsgemeinde.) Sonntag am 8. Juni feierte die Chewra-Kadischa unserer Gemeinde das Fest ihres 25jährigen Bestandes durch ein gelungenes und würdt volles Brubermal, welches in den Annalen unserer Gemeinde unvergeßlich bleiben wird, da es ein Fest unserer ganzen Gemeinde war.