Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr. Vloch's WochrnschrM Seile 431 Privilegien in einer Urkunde zusammengefaßt, die bis 1765 blos im Manuscripte bestand, welche dann um diese Zeit von dem kaiserlichen Reichs- und Hofrath Freiherrn von Senkenberg, der in dem Kloster der Benedictiner am Raihrad in Mähren eine Handschrift auf Pergament vorfand, welche a) König Wenzel I. im Jahre 1243 der Stadt Brünn und b) die Rechte der Juden, welche ihnen, den Juden in Mähren, Premysl Ottokar H. verliehen hatte, enthielt, durch den Druck veröffentlicht wurde. (Siehe »Jura primavesi Moraviae, Collegunt et notis illustrant Benedictini Rayhradenes, Bnmae 1781“.) Die Urkunde über die Rechte der Juden ist in der Sammlung enthalten (append II. monument IV. B). Auch Carl IV. bestätigte 1356 diese Rechte der Juden. Siehe: Jus antigum municipale regni Bohemiae im Archiv der Stadt Prag. Siehe ferner H. Jirecek Codex Juris Bohemici I. p. 131—143. Im Jahre 1245 that Herzog Friedrich das Gleiche für die Juden in Oesterreich. Auf dem Kirchencongresse zu Wien 1267 wurden strenge Verordnungen gegen die Juden beschlossen. Sie wurden des starken Wuchers und des Meineides beschuldigt, weshalb König Johann von Luxemburg gebot, daß, falls sich der Jude nicht gehörig eines Anwurfes irgend einer bösen That rechtfertigen könne, solle ihm der zweifache Eid (nach Justinian's Gesetzessammlung) auferlegt werden. Diesen Eid legte der Jude barhäuptig, auf einer frischen, nassen Schweinshaut stehend, ab. Wenn König Johann Geld für seine Kriegszüge in aller Herren Länder brauchte, dann nahm er einfach alles bei den Juden sich vorfindende Gold und Silber und übergab es der Münze zur Prägung. 1341 wurde der königlichen Stadt Budweis gestattet, drei jüdische Familien aufzunehmen, die aber durch 10 Jahre befreit von allen Abgaben sein sollten. Allein die weisen Vertreter der Stadt nahmen — damit es sich doch rentire — ihrer gleich so viel auf, daß sie eine ganze Gasse bildeten. (Fortsetzung folgt.) Der letzte Wille eines Nichtjuden. Vor Kurzem verstarb in Warschau ein wohlhabender christlicher Kaufmann, Namens Alexander Lapiuski, und hiitterOcß ein Testament, welches zumal in unseren Zeiten im hohen Grade verdient, weiten Kreisen bekannt gemacht zu werden. Der Verstorbene vermachte der jüdischen Gemeinde von Warschau die Summe von 6000 Rubel zu ihren Zwecken und außerdem die Summe von 2000 Rubel der jüdischen Handwerkerschule, welche von dem Verein jüdischer Handelsangestellter unterhalten wird! Ist schon diese Thatsache allein merkwürdig in einer Zeit und in einer Stadt, wo die antisemitischen Leidenschaften, seit Jahren von gewissenlosen Hetzern aufgepeitscht, im stetigen Steigen begriffen sind, wo von der Presse und in der Gesellschaft der Haß gi-gen die jüdische Religion und deren Bekenner mit allen denkbaren Mittel unausgesetzt geschürt wird — so gewinnt das Geschehniß erst an Bedeutsamkeit, wenn man die Worte liest, mit denen der Erblasser sein Legat begleitete und seine außerordentliche wie auffällige Handlungsweise begründet. Die betreffende Stelle in dem Testamente des Herrn Lapinski lautet in wörtlicher Uebersitzung wie folgt: „Meine Lebensversicherungs-Polizze in der Höbe von 6000 Rubel soll sofort nach meinem Tode dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde übergeben werden zum Wähle der Armen mosaischen Bekenntnisses. Wie ich bereits in meinem Schreiben an den Vorstand genauer auseinandergesetzt habe, thue ich dies nicht nur aus Dankbarkeit für die redliche Handlungsweise meiner jüdischen Gläubiger, die mich vor der Schmach des Bankerotts gerettet haben, sondern auch um die Erinnerung an ihre Worte zu verewigen, die sie zu mir gesprochen, als ich sie befragte, wie sie dazu kämen, »ir, einem Christen, mit so großen Opfern hilfreiche Hand zu bieten, da doch, wie man unaufhörlich höre und lese, die Juden unglückliche Christen dem Untergange entgegentreiben. Darauf antworteten sie mir, daß sie in ihrem Verhalten mir gegenüber sich eben gerade nach den Vorschriften ihrer Religion richten, die ihnen gebietet, jeden ehrlichen Menschen, möge er welcher Religion immer angehören, von dem ihn bedrohenden Unglück zu retten." Mau muß sich vor Augen halten, was in den letzten -Jahren in der Presse und leider auch von den Kanzeln herab in der ungeziemendsten Weise über die „talmudische Ethik", über die „rücksichtsloseHabgier" und über die „Gemeinheiten der Juden"- zusammengelogen wurde, um genau zu ermessen, wie viel Vornehmheit und Selbstständigkeit des Denkens dieser einfache Kaufmann in seinen schlichten Worten zum Ausdrucke bringt. Dieser Mann gehörte offenbar zu den Wenigen, die sich von dem allgemeinen Gekläff? nicht beirren laffen, das Gezeter der gewissenlosen Zeitungsschreiber auf sich beruhen laffen und ihre Gesinnungen und Handlungen nach den Thatsachen des Lebens einrichten. Und die Thatsachen des Lebens haben den verewigten Herrn Lapiuski eben etwas ganz anderes gelehrt, als das, was er in allen Zeitungen seines Landes bei jeder sich darbietenden paffenden und unpassenden Gelegenheit lesen konnte. Mit rührender Stimme pflegte er in Freundeskreisen stets seine Erfahrungen mit den Juden zu erzählen. Als Kaufmann hatte er stets fast ausschließlich mit Juden zu thun und lernte dadurch Vieles von ihnen. Er hatte ihren Unternehmungsgeist, ihren Geschäftssinn und ihre Tüchtigkeit kennen gelernt und bewunderte besonders den Geist, mit dem sie die kleinen wie die großen Geschäfte behandeln, der so ganz abstach von der Art, wie die Polen im Handel vorzugehen pflegen, die Alles wie ein Familienfest oder einen Freundschaftsdienst behandeln. Er stand mit vielen ausländischen Fabriken in Verbindung und infolge schlechter Conjuncturen, die lange Zeit anhielten, büßte er einen großen Theil seines Vermögens ein und eine Reihe von Unglücksfällen in der Familie gesellte sich dazu. Seine Lage verwickelte sich immer mehr, bis er sich am Rande des Ruins sah. Er wußte keinen Ausweg und offenbarte seine verzweifelte Lage seinen jüdischen Geschäftsfreunden, in der Ueberzeugung, daß ihn nun diese „kalten Geschäftsmenschen" unbarmherzig ans Messer liefern würden. Wie war er nun erstaunt, als er anstatt harter Herzlosigkeit brüderliche Theilnahme fand. Die „kalten Geschäftsmenschen" traten zusammen, berechneten mit großer Kaltblütigkeit, tute hoch sich die Verluste beliefen und wie viel Geld nöthig wäre, um dem Bankerott des christlichen Geschäftsfreundes vorzubeugen und ihm, der Vater einer zahlreichen Familie war, seine frühere Stellung wiederzugeben. Es kamen mehrere Hunderttausende heraus. Geräuschlos bot ein Jeder den seinen Verhältnissen angemessenen Theil, man stellte den Credit der bedrohten Firma wieder her und bald darauf konnte Herr Lapinski sein Geschäft wieder beginnen, welches nach. Verlauf von einigen Jahren auf der früheren Höhe sich befand. Der Mann konnte sich vor Erstaunen über das Erlebniß nicht fassen, welches ihm nun die Welt in einem ganz anderen Lichte zeigte, hatte er ja v.rgebens bei allen „vornehmen" Institutionen angepocht und sich an die verschiedenen Vereine und Caffen gewendet, die „zur Rettung des christlichen Mittelstandes aus Judenhänden" wie Pitz? aus dem Boden geschoffen waren,.wie die Persönlichkeiten, welche nicht müde wurden, dem christlichen Volke den Untergang zu prophezeien, mit dem es die Juden ewig bedrohen! Damals vernahm Herr Lapinski aus dem Munde seiner jüdischen Freunde jene schlichten Worte, die er nun in seinem Testaruente verewigt wissen wollte. Seit jener Zeit gewann Herr Lapinski ein reges Interesse für seine jüdischen Mitbürger und deren Institutionen, er abonnirte jüdisch? Zeitungen, war Mitglied mehrerer jüdischer Wohlthätigkeitsvereine» und mit besonderer Sorgfalt ließ er sich die Fortschritte der jüdischen Handwerkerschule angelegen sein. Dieser Institution vermachte er auch, wie erwähnt, die Summe von 2000 Rubel und begleitete das Legat mit außerordentlich herzlichen und wohlwollenden Worten, die dem Herzen dieses edlen Mannes alle Ehre machten. Schon im Jahre 1892 hatte er diese Schule mit einer größeren Spende bedacht und dabei es sich nicht nehmen laffen, in einem Briefe an vie Verwaltung seinen Gefühlen Ausdruck zu geben. Auch in den letzten Augenblicken seines Lebens berief er sich auf dieses Schreiben und sügte hinzu: „Möge die Verwaltung stets darauf bedacht sein, in ihren Zöglingen die Liebe und die Hochachtung zu den großen und edlen Traditionen ihrer Religion wach zu erhalten, die zur Menschenliebe und zur Redlichkeit führen und die sicherste Bürgschaft bieten, daß Juden und Christen in ungetrübter Harmonie neben einander in dem gemeinsamen Vaterlande leben." („Mittheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus".) Die ungarischen Juden im 1848/Mer Freiheitskampf. Der 1848/49er Freiheitskampf wild in der Geschichte Ungarns auf Jahrhunderte hinaus einen Markstein bilden, nicht nur als Grenzscheide zwischen dem alten und dem neuen Ungarn, nicht nur als Morgenröthe der den modernen Anforderungen entsprechend reorganisirten und neubefestiaten Verfaffung, sondern auch als glänzende Bethätigung glühender, Wunder wirkender Vaterlandsliebe. An Gut und Blut hat damals die verhättnißmäßig kleine Nation unglaublich große Opfer gebracht, und diese Opfer, mehr noch der Heldenmuth, mit welchem die kleinen Schaaren der Honveds sich in den Kampf gegen die übermächtigen Gegner gestürzt, haben Thaten zu Wege gebracht, wie sie nur in