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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-06-14 · 24 (14.6.1901) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
24 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Nr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 24 Seite 412 Bisenz. Aus Lemberg wird uns mitgetheilt: Der Bericht vom 31. Mai d. I. über die hier stattgefundene Cantorenwahl ist insoferne unrichtig als seit Jahren zwei im Range gleichgestellte Cantoren den . liturgischen Theil des Gottesdienstes abwechselnd versehen. Herr S. Weiß wurde daher einstimmig mit Acclamation zum Cantor und nicht, wie irrthümlich gemeldet, zum Obercantor gewählt. Ungarisch-Oftra. Die hiesige Jsraelitengemeinde wollte seit Jahren eine neue deutsche Schule errichten, deren Kosten durch Sammlungen ausgebracht werden sollten. Dieser mühsame Weg wurde der Gemeinde dadurch erspart, daß Hofrath S. Ritter v. Hahn und seine Gemahlin in Wien zum Andenken an ihren verstorbenen Sohn die Kosten des Bauer in der Höhe von 20.000 Kronen selbst zu tragen sich verpflichteten. Durch diese edle Spende wurde es der Gemeinde ermöglicht, die Einweihung dieser Schule schon am 3. Juni d. I. zu begehen. An dem Baue wurde eine Gedenktafel zu Ehren der Spender angebracht. Croatifch-Kreutz. Unser Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Dockor Max Engel hat vorige Woche vor einer königlichen Commission in Agram eine Prüfung aus der croatischen Sprache und Literatur mit sehr gutem Erfolge absolvirt. Unser Rabbiner fungirt hier 5 Jahre als Rabbiner und hat schon vor 2 Jahren das Gebetbuch in croatischer Sprache herausgegeben und schon mehr als 2 Jahre in der Landessprache gepredigt, welche Predigten stets ungetheilten Beifall ernten. Krrchdrauf. (Rab b i n e r w a hl.) Der seit dem Ableben des Rabbiners weil. P. Singer verwaiste hiesige Rabbinersitz wurde endlich am 30. Mai besetzt. Bon vier Candidaten erhielt der Nagyvärader Rabbinatsverweser Emanuel Schick die absolute Majorität; mithin proclamirte der seitens des Comitates exmittirte Wahlcommifsär Herr Oberstuhlrichter Gustav v. Görgey Herrn Emanuel Schick als gewählten Rabbiner der israelitischen Gemeinde Kirchdrauf und des dazu gehörenden Matrikelbezirkes. Berlin Zu Justizräthen sind ernannt worden die Rechtsanwälte Dr. Louis Wolfs, Hermanowski, Dr. Stadthagen, Theodor Friedmann, Dr. Dienstag, Julius Rosenberg, Dr. Guhrauer, Bodländer in Berlin, Wohlauer in Groß-Strehlitz, Dr. Rothfels in Cassel, Oelsner in Frankfurt a. M., Dr. Asch in Posen, Elkus in Meseritz. Constantinopel. (Ein jüdischer Divisionsgeneral.) Aus Constantinopel geht uns eine höchst interesiante Nachricht zu, welche unseren Lesern gewiß nicht gleichgiltig bleiben wird: Dr. Jaques Nissim Pascha ist soeben zum Divisionsgeneralin der türkischen Armee ernannt worden. Er ist der erste Jude, welcher zu diesem hohen Range befördert wurde und hat nur in Biceadmiral Dr. Elias Pascha seinen Vorgänger, welcher in der kaiserlichen türkischen Marine schon seit längerer Zeit einen ähnlichen hohen Posten bekleidet. Petersburg. (Spende des Czaren für die abgebrannten Juden.) Czar Nikolaus hat für die Abgebrannten in Brest-Litowsk eine großmüthige Spende van 50.000 und für die Abgebrannten in Pinsk eine solche von 10.000 Rubel bewilligt. Der Schaden in Brest-Litowsk beträgt, wie der Vorsitzende des Hilfscomitss, Generalmajor Pafchkow, officiell mittheilt, 7 Millionen Rubel. Es sind 653 Gebäude, darunter 494 Wohnhäuser verbrannb. Außerdem ist der Gostini Rjad (Bazar) mit seinen 190 Läden in Flammen aufgegangen. Die Zahl der Geschädigten beläuft sich auf 20.500. New-Hork. Das Kebrew Technical Institut hielt am 23. Mai seine Schlußfeier, bei der mehrere Zöglinge prämiirt und ausgezeichnet wurden.' Eine Ausstellung von Arbeiten der jungen Leute war mit der Feier verbunden und fand allgemeinen Beifall. Biele von den aus der Schule entlaffenen jungen Leuten haben bereits gut bezahlte Stellungen erhalten. Feuilleton. Der Unessane tokef. Novelle von Babetta Fried in Prag, lll. In Polen. Es ist keinem Sterblichen möglich, in die Speichen des vorwärts rollenden Weltenrades einzugreifen und ihm ein „Halt!" oder gar „Zurück!" zuzurufen. Selbst der. kühne Held Josua, der im Eifer des Gefechtes dem Sonnenläufe Stillstand und der Mondesscheibe Verweilen gebot, vermochte dies nur auf kurze Zeit zu thun. Dem Novellisten allein ist gestattet, weit zurück in die Vergangenheit zu greifen und alte Ereignisse, über die schon längst der Zeitenstrom dahingerauscht, aus dem inzwischen darüber aufgehäuften Gerölle herauszuziehen und ans Tageslicht zu bringen. Dieses Vorrecht benützend, führen wir den geneigten Leser in eine größere Handelsstadt Russisch-Polens. Es war auch dort der Sitz einer bedeutenden Judengemeinde. Jedoch der Besitzer des Hauses, in welches wir uns begeben, zählte kaum zu derselben, trotzdem das weitläufige Gebäude, das von einem parkähnlichen Garten umgeben war, hart an der Grenze und noch im Rayon der eigentlichen Judenstadt gelegen war, und der Fabrikant Jsak Koreff gerne alle Lasten getragen hätte, die ihm von Seiten der Gemeinde aufgelegt worden wären. Seit Jahren hatte es Koreff schon aufgegeben, sich um die Sympathien seiner Glaubensgenossen zu bemühen, nachdem seine Bestrebungen nach - dieser Richtung hin stets vergeblich gewesen, ja sogar derbe, beleidigende Abweisung erfuhren. Was ihm bei Lebzeiten seiner Gattin, der edlen, mildthätigen Golde nicht geglückt ist, wie sollte es nun geschehen, wo Golde schon längst in der Erde schlummerte, dort auf dem guten Orte, auf welchem ihr die grollenden Mitbürger gerne oder ungerne einen Platz anweisen mußten, wenn sie ihr einen solchen auch in ihrer Synagoge verweigerten. Ja! so unglaublich es klingt, die Unduldsamkeit der dortigen Juden ging so weit, daß sie Jsak Koreff und seiner Frau den Eintritt in die Synagoge verweigerten, und wenn Koreff am Sabbath und Festtagen oder an den Jahrzeittagen vorschriftsmäßig sein Gebet verrichten wollte, mußte er sein aus Juden bestehendes Geschäftspersonal um sich versammeln, um so ein Minjan*) herzustcllen. Zu diesem Zwecke hatte Koreff eines seiner vielen Zimmer als Haussynagoge eingerichtet und mit ollen nothwendigen Utensilien ausgestattet. Zwei Seforim* 2) ließ er eigens von einem berühmten Sofer3) in Wilna schreiben und sie auch äußerlich mit kostbarem Silbergeräth ausschmücken. Frau Golde gab ihr Brautkleid, das sogenannte „gute Kleid" her und ließ daraus ein prachtvolles Peroches4) verfertigen. Der erste Buchhalter war Chasen und Koreh5) in einer Person. Das anstoßende Cabinet war für die wenigen Frauen bestimmt, welche von da aus dem veranstalteten Gottesdienste beiwohnten: Frau Golde und die Frauen der verheirateten Angestellten. Wie kam es, daß die Gemeinde zu S. den reichen und, wie es schien, religiösen Jsak Koreff sogar von ihrem Gottesdienste ausschied. Befand er sich im Cherem?6) Das gerade nicht, aber behandelt .wurde er ebenso, als wenn irgend ein großer Rabbi den Bannfluch wider ihn geschleudert hätte, und er wäre vielleicht wirklich in Cherem gekommen, wenn nur irgend ein Anlaß oder auch nur Vorwand dazu gewesen wäre. Wenn auch nicht die Stimme eines großen Rabbi, so hat doch der Volksmund den Koreff und seine Familie verfehmt, trotzdem er gar nichts Anderes verbrochen, als daß er anders war als seine Umgebung, eine andere Lebensweise, wenn auch auf dem Boden des mosaischen Gesetzes, führte, als diese. Noch dazu brachte er sich ein Weib aus Deutschland, eine sogenannte Gebildete, welche eine falsche Haartour trug, statt des schwarzen Sammtbandes, wie die anderen Frauen in der Kille. Frau Golde benützte den großen Reichthum, der ihr durch die Verheiratung mit einem der größten Industriellen der Provinz zugefallen, dazu, Werke der Barmherzigkeit in größtem Maßstabe auszuüben, mußte aber hie und da erleben, daß ihre hilfsbereite Hand mit Abscheu zurückgewiesen wurde, als wäre.sie ein ekles Reptil, vor dessen Berührung man sich scheute. Wie oft geschah es derjenigen, die ihr palastartiges Heim verlassen hatte, um die Hütten der Armuth und des Elends aufzusuchen, daß ihr der Eintritt verweigert wurde, gleichsam, als würde sie mit ihrer Gegenwart dieselben entweihen. Es bedurfte der ganzen Sanftmuth und Milde dieser vortrefflichen Frau, daß ihr Herz nicht verhärtet wurde und sich von ihren nothleidenden Glaubensbrüdern, welche jedoch nichts weniger als brüderlich an ihr und ihrer Familie handelten, abwandte. Vermied sie in der Folge auch ein persönliches Eingreifen, so wußte sie doch Mittel und Wege zu finden, den vielen Bedürftigen der Gemeinde auf Umwegen Hilfe oder wenigstens Linderung ihrer Nothlage zu verschaffen. Koreff selber wurde des ewigen Nachgebens auch endlich müde ') Die zum Gebete erforderlichen 10 Männer. 2) Thorarollen. 3) Schreiber. 4) Vorhang. ') Vorleser aus dem Pentateuch. °) Bann.

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