Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 24 (14.6.1901)
- Date
- 1901-06-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 24 Sette 411 Br. Blvck's Wochenschrift süchtige, das die Montefiore Home Gesellschaft gebaut hat, und so könnte ich noch eine ganze Reihe jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten nennen. Und wir sind stolz darauf, uns Amerikaner zu nennen, ja wir sind fast noch früher Amerikaner, wie Juden. Es wäre eine Gefühlsduselei, wollten wir nach einem anderen Lande, das uns zuweilen nahegelegt wird, auswandern. Wir sind hier nicht als Durchreisende, sondern sind berechtigt, uns Bürger zu nennen, und haben unsere Loyalität mehrfach bewiesen. Redner schloß mit der wiederholten Versicherung, daß das Hospital niemals dem Sectenwesen zugänglich sein werde. Vermischtes. Wien. (Trauun g.) Sonntag den 16. Juni l. I., um 'Ta2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse, die Trauung des Fräulein Marie Aschermann Tochter des Herrn E. Aschermann, Communal- und Religionslehrers, mit Herrn Victor Stransky, Sohn des Herrn I. Stransky, Ober-Officials, der israelitischen Cultusgemeinde, statt. Wien. (B a r - M i z w a h.) Am verflossenen Samstag fand im Tempel des Bethausvereines ,Beth hachnetet" unter den Weißgärbern die Confirmation eines Sohnes des allgemein geachteten Bethauspräsidenten Dr. Ludwig Straß er statt. Die Feier, die im festlich geschmückten Tempel stattfand, nahm einen würdigen Verlauf. Allgemein tiefen Eindruck machten die treffliche Rede des Vereinsrabbiners Dr. Armin A b e l e s z und die gesanglichen Leistungen des Cantors Schwarz. Unter den vielen Gästen, die der Festlichkeit beiwohnten, bemerkte man auch den Vicepräsideuten der israelitischen Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Director Brunner, Apotheker Dr. Otto v. Trnköczy und zahlreiche Vertreter des Aerzte- und Advocatenstandes. Wien. (Silberhochzeit.) Samstag den 8. d. M. beging der I. Cantor der israelitischen Cultusgemeinde, Herrr Moriz Blatt, mit seiner Gattin Therese, geb. Goldmann, das Fest der silbernen Hochzeit. Die rege Theilnahme von Nah und Fern gab Zeugniß für die Beliebtheit, deren sich Herr Cantor Blatt allseits erfreut. Der Bethausvorstand übertrug ihm für diesen Sabbath die Functionen des Obercantors. Herr Obercantor Bela Guttmann sang mit seiner herrlichen Stimme einen von ihm selbst verfaßten Wseßeberaeli, welcher allgemeinen Beifall fand. Herr Rabbiner Dr. Schmied! ließ dem Jubilar ebenfalls einen Äiselieberaeft machen und spendete bei dieser Gelegenheit einen größeren Betrag für gemeinnützige Zwecke. Schriftliche Gratulationensandten: Der Vorstand derisraelitischen Cultusgemeinde. der Bethausvorstand, die einzelnen Cultusvorsteher, Herr Oberrabbiner Dr. Güdem ann, Professor S ulzer und viele Berufscollegcn. Mündlich gratulirten: Der I. Vicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern, der ll. Vicepräsident Herr LandesschulrathDr. Gustav Kohn, Cultusvorsteher und Bezirksschulrath Dr. M. Spitzer, Bethausvorsteher Wasservogel, Rabbiner Dr. Schmied!, kais. Rath Dr. Lieben und Gemalin, Rector Dr. Schwarz und Gemalin, Obercantor Bauer und Gemalin,I. Cantor Fuchs, dieCantorenRotier und Serebnik, Chordirigent Löwit, I.Cantor Schiller u. v. A. Der Präsident des Cantorenvereines Herr Obercantor Singer hielt an den Jubilar im Namen dieses Vereines eine herzliche Ansprache und überreichte demselben einen Silberpocal; Herr Professor Kanitz sprach im Namen der Mittelschullehrer, Herr Lehrer Antscherl im Namen der Volksschullehrer. Beide dankten dem Jubilar für die würdevolle Leitung des Jugend-Gottesdienstes. Der Männerchor unter Führung des Herrn H e im a n n brachte dem Jubilar in seiner Wohnung ein Ständchen und im traulichen Familienkreise schloß dieses schöne Fest. 8. Lemberg, 4. Juni. Eine furchtbare Blutthat ist in der Grenzstadt Chrzanow verübt worden. Der Fleischergeselle P a l k a, der am Morgen geäußert hatte.'„Heute muß ich einen Juden todt machen!" stieß dem Fleischermeister Balisch und seiner Frau das Messer ins Herz. Beide waren sofort todt. Der Mörder ist verhaftet. E. B. Brünn. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier Herr Moriz O e h l e r, Mitchef der Firma S. Oehler u. Co., nach kurzem Leiden im rüstigen Mannesalter, tiefbetrauert von seinen Verwandten und allen denjenigen, die je Gelegenheit hatten, mit dem Dahingeschiedenen in irgend welchen Verkehr zu treten. Der Verstorbene erfreute sich auch in geschäftlichen Kreisen vieler Sympathien, die er sich durch reelles Gebühren und strenge Solidität zu erwerben verstanden hat. Olmütz, 10. Juni. Heute Nachmittags 5 Uhr fand' auf der israelitischen Abtheilung des Communalfriedhofes die Beisetzung der Leiche der auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Gastwirthsgattin Frau Cäcilie Pinsker statt. Frau Pinsker wurde von einem Soldaten des 93. Regiments ohne vorhergegangenen Streit mit dem Bajonett niedergestochen. Auf dem Friedhofe hatten sich nebst den trauernden Hinterbliebenen und zahlreichen Freunden der Familie derselben der Commandant des Infanterie-Regiments Nr. 93. Herr Oberst Tarbuk mit dem Regiments-Adjutanten Herrn Oberlieutenant Lndwig H o e f e l eingefunden. Herr Rabbiner Dr. Oppenheim hielt eine Ansprache an die Trauerversammlung, deren im Sinne der Versöhnung gehaltenen Ausführungen einen tiefen Eindruck machten. Die israelitische Cultusgemeinde hat die Gründung einer jüdischen Gemeindebibliothek beschlossen. Mit der Durchführung dieses rühmenswerthen Unternehmens wurde eine Commission betraut, welche nebst dem Rabbiner aus den Herren Sigmund Zweig, Professor Dr. Frank, Dr. Baderle und Sal. Czeczoniczka besteht. Mahrisch-Ostrau Am Mittwoch den 5. d. M. wurde hier Frau Kath. Lebowitsch im 71. Lebensjahre beerdigt. Sie war die Begründerin sämmtlicher Miedererzeugungsstellen der bekannten Firma Lebowitsch in der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die großen Erfolge hatte sie nur ihrer rastlosen Thätigkeit und streng reellen Geschäftsgebahrung zu verdanken. Obwohl die Dahingeschiedene schon längere Zeit an das Zimmer gebunden war, traf die unerwartete und daher doppelt erregende Trauerkunde erschütternd, denn sie erledigte noch zwei Stunden früher ihre Korrespondenz und bis zum letzten Moment hatte sie Besuche ihrer zahlreichen Bekannten. Nicht nur die Armen Mährisch-Ostraus, wo sie in den letzten Jahren ihren Wohnsitz harte, verlieren an ihr eine ausgiebige Stütze, sondern weit über diesen hinaus entwickelte sie ihre Wohlthätigteit. Sie suchte die Armuth auf und war bemüht, auch ihre Umgebung und Fernstehende zur Unterstützung der leidenden Menschheit heranzuziehen. Sie erfteute sich eines großen Vertrauens, so daß ihr monatlich größere Beträge zur weiteren Auftheilung zugingen. Im dichtgefüllten Trauerhaufe nahm der Sohn herzergreifenden Abschied von seiner theueren Mutter. Im Namen ihrer Schwiegersöhne hielt ihr Herr Moritz Spiegel aus Troppau einen Nachruf, indem er dem edlen Charakter der geliebten Schwiegermutter in beredten Worten Ausdruck verlieh, wobei er unter Anderem sagte: Dornenvoll war die Lebensbahn der Verewigten, mühevoll ihr Lebenswerk, aber auch gerecht und edel ihr Lebensziel, und darum so ehrenhaft ihr Lebensende. Die Mitglieder der Chewra- Kadischa ehrten sie in der Weise, daß selbe die Bahre vom Trauergemach bis zum Wagen trugen. Ein schier endloser Zug folgte dem Sarge. In der Ceremonienhalle bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Spira die Kanzel. In gediegener Ausführung besprach Seine Ehrwürden die gewinnende Persönlichkeit, den lauteren Charakter, den edlen Wohlthätigkeitsfinn und die wahre Frömmigkeit der zu früh Dahingeschiedenen. Sie war eine Esches-Chajil im wahrsten Sinne des Wortes und ihre hohen Tugenden mögen für Alle als Ideal und Nachahmung für alle Zeiten bestehen. Die Erde sei ihr leicht. Essegg. Mit dem Bau des Unterstädter Tempels scheint es nun, nachdem seitens des Magistrates der bisherige Tempel wegen Baufälligkeit gesperrt wurde, ernst zu werden. Der Tempel soll auf dem Grunde zwischen der Kraus'schen Dampfmühle und der Franz Josefs-Artillerie-Kaserne, und zwar in Ziegelrohbau errichtet werden. Friede!. Bei der in Gegenwart des als Regierungscommissär fungrrenden Bürgermeisters Eduard Koltschar vorgenommenen Wahl der Cultusgemeinde-Bertretung wurden in den Ausschuß gewählt: Mathias Schwarz, Hermann Löw, Adolf Reik, Ferd. Kornfeld, Heinrich Löschner, Alois Reik, Salomon Tauber, Siegmund Wechsberg, Jacob Munk und Dr. I. Lamberg, als Ersatzmänner Sam. Aufricht und Markus Brenner und in den verstärkten Ausschuß I. Pollak, Rzepischt, Ferd. Geiringer, Heinrich Trammer, Wilhelm Fried, Carl Milch, Jac. Lichtenstern, Josef Süß, Markus Kuffler, Sal. Blumenfrucht und Hermann Brodavka. Kozlow. (Jüdische Literatur-Vereine in Galizien.) Aus Kozlow in Galizien wird uns geschrieben: Bekanntlich bestehen in den meisten größeren Städten des westlichen Europas Vereine, die sich der Pflege und Verbreitung jüdischer Literatur und Geschichte widmen. Nur hier in Galizien herrscht, ein empfindlicher Mangel an solchen Vereinen, weil sich die hiesige Bevölkerung entweder extrem orthodox verhält oder so freisinnig, daß sie für religiöse und jüdische Dinge kein Interesse mehr übrig behält. Es wäre aber sehr zu wünschen, daß sich auch hier Männer fänden, die es sich zur Aufgabe machen, ähnliche segenspendende Vereine trotz aller Hindernisse ins Leben zu rufen. M. H.