Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 24 (14.6.1901)
- Date
- 1901-06-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 410 Nr. 24 %>v- Hvch's Wochenschrift Mitgliedern zu zerlegen, so daß die eine Section in Jassy, die andere in Bucarest ihren Sitz haben und unter der gemeinschaftlichen Leitung des Bucarester Präsidenten stehen solle. Der Section Jasiy wurden die Logen der Moldau zugewiesen werden, jene der Wallachei der Bucarester Section. Die Angelegenheiten der einzelnen Logen sind von den Sectionen im eigenen Wirkungskreis zu erledigen. Für allgemeine Angelegenheiten sind gemeinschaftliche Sitzungen der gesammten Groß-Loge abwechselnd nach Bucarest oder Jasiy einzuberufen. Der Groß-Präsident leitet nicht blos die Sitzungen der Groß-Loge, sondern auch jene der beiden Sectionen. Bei der fortgesetzten Berathung motivirt der Präsident der Jasiyer Loge Herr Goldenthal die Nothwendigkeit einer Theilung der Groß-Loge. Die Juden in der Moldau gravitiren nach Jasiy. Ueberdies zählt die Bucarester Loge kaum 52 Mitglieder, wahrend die Jasiyer Loge 200 zählt. Die Loge in Jasiy bildet das Centrum der gesammten jüdischen Culturarbeit und jüdischen Wohlthätigkeit, hält allwöchentlich Sitzungen ab. während in Bucarest das Logenleben stagnirt und die gesammte Arbeit einigen wenigen opferwilligen Personen seit vielen Jahren überlassen bleibt. Sehr energisch wird der Jasiyer Antrag von Herrn Rabbiner Dr. Niemirower in Jasiy unterstützt, währenh die Herren Dr. Beck, Dr. Blumenfeld das ganze Project der Zweitheilung mit großem Eifer und mit eingehender Motivirung bekämpfen. Der Groß-Präsident Herr Dr. Adolf Stern erklärt sich ebenfalls gegen den Jasiyer Antrag und empfiehlt, an der alten bewährten Organisation festzuhalten. Der Antrag wurde dann auch bei der Abstimmung mit 6 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Herr Auerbach referirt über den Stand der Emigrationsfrage. Der Groß-Präsident spricht Herrn Auerbach den Dank für seine Bemühungen aus und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Groß-Loge sein Werk nach Kräften unterstützen werde. Es wird zum letzten Punkt der Tagesordnung geschritten: Neuwahlen. Herr B r o c i n e r gibt die Erklärung ab, daß er infolge der Ablehnung des Jasiyer Antrages eine Wiederwahl in die Leitung der Groß-Loge anzunehmen nicht mehr in der Lage sei. Es wurden 20 Stimmen abgegeben, davon waren 2 unbeschrieben. Bon den 18 giltigen Stimmen erhielt Herr Dr. Adolf Stern 17 Stimmen,. die Herren Dr. Beck, Dr. Erdreich, Dr. Blumenfeld, Josef Stern je 18 Stimmen, Herr A. S ch ä f e r 10 Stimmen, Herr Meier Fränkel 12 Stimmen. Nach einem Schlußgebet, gesprochen vom Rabbiner Dr. Niemirower, wurde die Sitzung der Groß- Loge geschloffen. Brief aus Amerika. New-Iork. Mittwoch den 22. Mai fand die Grundsteinlegung für das neue Mount Sinai Hospital statt, die sich zu einer imposanten und erhebenden Feier gestaltete. Dem feierlichen Acte wohnte eine große Menschenmenge bei, die sich aus allen Clasien der Bevölkerung zusammensetzte. Unter den Anwesenden befand sich auch der einzig überlebende Mitgründer der Hospital-Gesellschaft, Herr Adolf S. S o l o^m o n s, ein greiser aber sehr rüstiger Herr, ferner die Beamten der Mount Sinai Gesellschaft mit dem Präsidenten Herrn Jsaac Wallach an der Spitze, das gesammte Baucomite, die hervorragendsten Vertreter der New Iorker Gesellschaft und eine nach Tausenden zählende Zuschauermenge. Die Feier wurde durch einen Bortrag des trefflich geschulten Knabenchors des israelitischen Waisenhauses eingeleitet, worauf der greise Redner Dr. G. Gottheil ein längeres Gebet sprach, das unverkennbar tiefen Eindruck machte. Hierauf wurde folgende Depesche des Gouverneurs Odell verlesen: »Jsaac Stern, Vorsitzender des Baucomites. Meinen herzlichsten Glückwunsch, den ich hoffte persönlich überbringen zu können und den ich nun auf diesem Wege Ihnen und Ihren Mitarbeitern aussprechen muß. Ihre heutige Feier gibt dem Volke unseres Landes ein ernstes, glänzendes und nachahmenswerthes Bild der Wohlthätigkeit und zeigt, daß in unserer vielbeschäftigten Zeit es noch Menschen gibt, die Muße finden, der Armen und Unglücklichen zu gedenken. Sie waren stets hilfreich gegen Alle, ohne Unterschied des Glaubens und der Race, die der Unterstützung bedurften und Sie reichten Ihre fürsorgliche Hand Jedem, der vom Elend verfolgt war. Ihre Barmherzigkeit, die nie engherzig und kleinlich geübt wurde, ist ein glänzendes Zeugniß für Ihre großmüthigen Gesinnungen. Stolz dürfen Sie auf die Erfolge in der Vergangenheit sein, die Ihre Institution erreicht hat, indem sie die Unglücklichen lehrte, daß es innerhalb unseres geliebten Vaterlands Leute gibt, die bestrebt sind, ihre Mitmenschen zu erheben und in alle Herzen das Streben nach höheren Zielen und edleren Thaten einzupflanzen. So wie auf dem Grundstein das Gebäude entstehen wird, das der Linderung Leidender geweiht ist, so möge Ihre Vereinigung die Menschen zu der herrlichsten Tugend erziehen, der Wohlthätigkeit gegey die ganze Menschheit. B. B. Odell, Gouverneur/ Nach Verlesung des Telegrammes folgten verschiedene Ansprachen, wie die des Stadtraths-Präsidenten Guggenheimer, der als Vertreter der Stadt New-Dork sprach, des Präsidenten der Columbia-Universität Herrn Seth Low, des Hospital-Präsidenten Jsaac Wallach, des Herrn Edward Lauterbach und schließlich die des Chefarztes Professor Dr. J acobi. Allen Rednern wurde begeisterter Beifall zutheil. Nachdem noch Redner Dr. H. Pereira Mendes den Segen gesprochen und der Grundstein gelegt worden war, folgte der Schluß der würdigen und eindrucksvollen Feier. Nachstehend geben wir einen Auszug aüs der interessanten Ansprache des Herrn Edward Lauterbach's: Zum dritten Male in weniger als einem halben Jahrhundert sind Juden und Christen in dieser Stadt zusammengekommen, um in erfolgreicher Weise den Grundstein für ein Gebäude zu legen, das man vor Jahren das „jüdische Hospital" nannte/ Es war im Jahre 1865, als das Hospit-l die erste öffentliche Hilfe vom Staate erhielt. Damals taufte man es vom „Jüdisches Hospital" in Mount Sinai Hospital um, denn es war ein Hospital, von Juden für alle anderen Nationalitäten gebaut und erhalten. Man stellte schon damals als Lehrsatz auf: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Diejenigen, welche das Geld zusammenbrachten, waren die Nachkommen der Männer, die von Portugal nach Spanien, nach Holland und Brasilien getrieben wurden, und von dort im Jahre 1654 wieder weg bis nach New-Amsterdam zogen, wo sie erwarteten, da gut ausgenommen zu werden. Das geschah zwar auch; die Leute erwarteten, mit dem Bürgerrecht die Freiheit zu erhalten, fanden sich aber durch das Verhalten des Gouverneurs Peter Stnyvesant gewaltig enttäuscht, denn dieser erhob betreffs der neuen Ankömmlinge seine Einwände. Man sandte sofort eine Beschwerdeschrift an die „Westindian Company", die von durchschlagender Wirkung war, denn sie gewährte den einwandernden Israeliten alle Rechte und Privilegien, deren sich Andere erfreuten, aber es wurde eine Bedingung daran geknüpft, von der vielleicht heute noch ein,Ueberbleibsel vorhanden sein mag. Die Juden sollten für ihre eigenen Armen, sorgen.. Haben wir das getreulich gethan seik 1654? Die Eingewanderten wurden mit der Zeit hervorragende Bürger und einer der Vorfahren des Herrn Seth Low wurde von einem derselben, Hyman Levy, beschäftigt. Die Revolution von 1848 brachte Deutschland eine Umwälzung und Leute wie Carl Schurz und Franz Siegel kamen hieher mit Tausenden von anderen Deutschen, die unbekannt mit der Sprache, den Gesetzen und den Gewohnheiten des Landes waren, und wir unterstützten die Armen. Konnte es einen größeren Altruismus, eine größere Selbstlosigkeit geben? Es wurden Wohlthätigkeits-Gesellschaften gegründet und im Jahre 1852 wurden die ersten 1000 Dollars für das Hospital durch ein Tanzvergnügen von jungen Hebräern aufgebracht. Der einzige Ueberlebende aus jener Zeit ist der noch rüstige Herr A. S. Solomons. Unter den damaligen W^hlthätern mag Samson Simpson genannt werden, der den Grundsatz aufstellte, daß das Hospital für „Jews and Gentises" dienen sollte, und das kleine Hospital war, als der Krieg ausbrach, oft mit 45 kranken Soldaten belegt. Man tadelte an dem Hospital nur ein Ding: es war, nicht groß genug. Der damalige Mayor Hoffman lobte die Verwaltung, Leute wie Joseph Fatman, Lehman und Nathan schenkten große Beträge und es wurde gleichzeitig für das Hospital und das Waisenhaus gearbeitet. Die Sonnabend- und Sonntag-Association hat die Arbeiten der Leiter des Hospitals und ihr Wirken dadurch anerkannt, daß sie dem Hospital die bedeutendste Summe vor allen anderen übergab. Was wir geleistet haben, darf nicht Wunder, nehmen, wenn man die Aerzte betrachtet, die damals dem Hospital ihre Kräfte widmeten, da waren Mott, Detmold, W. Parker, Krakowitzer u. A. Von den noch lebenden will ich Niemand nennen, kann aber doch nicht umhin, des Präsidenten des ärztlichen Stabes Professor Dr. A. Jacobi Erwähnung zu thun. Ich frug verschiedene Directoren, worüber ich in meiner Ansprache mich vorbereiten sollte, und einer der Herren meinte: vergessen Sie die Directoren nicht." Und das soll nicht geschehen, denn unermüdlich haben die Herren gearbeitet, bis - wir heute den Grundstein legen konnten. Wenn nach Vollendung des Hospitales einige Patrizier in der Umgebung des Centralparks die Nase rümpfen werden über entlassene Patienten, so soll uns das nicht anfechten! Was den finanziellen Theil angeht, so ist zwar die Gesammtsumme noch uicht gestiftet, wird es aber recht bald sein und über die Gaben von Henry L. Einstein, Ad. Lewisohn, Lehman, Guggenheimer, Benjamin Stern, darf auch die Christin Sarah Burr nicht vergessen werden. Im Bedford Park wird in der nächsten Woche, ein ^weiteres Werk jüdischer Wohlthätigkeit eröffnet werden: ein Heim für Schwind-