Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 24 (14.6.1901)
- Date
- 1901-06-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021410--10930-3035438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 408 Dp* B'och's Wochenschrift» Nr. 34 mehrung unserer Vereinsmitglieder seit einer Reihe von Jahren mit unermüdlichem Eifer und beispiellosem Erfolge entfalteten, wofür ihnen die dankbare Anerkennung in bleibender Form, wie auch zum aneifernden Beispiel in der Weise manifestirl wurde, daß der Beschluß gefaßt wurde, die Namen der beiden verdienstvollen Männer in der Reihe der Gründer auf der Marmortafel des Lehrlingsheims zu verewigen. Eine segensreiche Thätigkeit entfaltet auch ein dem Vereine affiliirtes Damen-Comite durch Besorgung der wirthsch östlichen Verein sagenden und Beaufsichtigung der Verpflegung der Vereinszöglinge. Schließlich sei noch der Umstand erwähnt, daß der Verein auch finanziell prosperirt und daß sich ihm die Sympathien der staatlichen und communalen Behörden materiell und moralisch zuwenden.' Der so wohlthätig wirkende Verein steht derzeit unter der Leitung des Reichstathsabgevrdneten Hofrath Dr. Armin Neumann. E. B. Lemberg. Unter außerordentlicher Agitation und colossaler Betheiligung haben die Wahlen in den Cultusrath aus allen drei Wählercurien ihren Abschluß gefunden. Eine dem Judenthum für gewöhnlich thuulichst ausweichende Clique, die ihren Ursprung aus dem bekannten Verein „Agadas Achim“ herleitet, die ihr jüdisches Herz nur anläßlich der Wahlen entdeckt und d>r es sich einzig und allein nur darum handelt, auf dem Buckel ihrer Glaubensgenossen emporzusieigen, hatte mit verblüffender Anmaßung und unter Anwendung von in der hiesigen Gemeinde bislang unbekannt gebliebener Mitteln einer bodenlosen Verdrehung, Entstellung, Begeiferung der leitenden Kreise sich erkühnt, die Führung der jüdischen Gemeinde an sich zu reißen. Die Wähler haben diesen politischen Ehrgeizlingen »in niederschmetterndes „Hand off“ zugerufen. Auch nicht ein einziger ihrer Candidaten fand die Approbation der Wähler und gerade diejenige Curie, auf welche sie ihre größte Hoffnung gesetzt hatten, die Curie der Intelligenz und Höchstbesteuerten, die Curie der vollständig unabhängigen Wähler, versetzte dieser Clique die grausamste Niederlage, aus welcher ihr Führer und bisher einziger Repräsentant im Cultusrathe auch die logische Consequenz zog und resignirre. In den Cultusrath wurden für eine sechsjährige Functioilsdauer gewählt die Herren: Samuel Edler von Horowitz, Director Moritz Lazarus, Dr. Emil Byk, Oberingenieur Euul Edler von Mises, Dr. Gottlieb, Ph. Nalhansvn, Dr. Bund, Kein, Rosenfeld, Dr. Bund, D. Maschler, Divche, Dr. Diamond, Dr. Horowitz, Dr. Mahl. Qlmütz. (Der „Pozor" und sein R itua lm ärch en.) Aneinem Abend im Monate März bereitete der Olmützer „Pozor“ seinen Lesern eine unerwartete Freude; er gab ein Extrablatt heraus, welches die „sensationelle" Meldung von der Entdeckung einer Ritualaffaire enthielt. Die Staatsanwaltschaft verbot die Verbreitung dieser Sonderausgabe, die Beschlagnahme konnte indessen nicht mehr erfolgen, weil die Zeitung vom Herausgeber schlauer Weise bereits eine Stunde vor der Verständigung der Censurbehörde verkauft worden war und massenhaften Absatz gefu-den hatte. Der Inhalt der Ritualgeschichte setzt sich aus demselben Gemisch von Widersinn, Lüge und tendenziöser Entstellung zusammen, wie die früheren ähnlichen Produkte dieses czechischen „Jntelligenzblattes". Eine Magd, Namens Amalie K l a s, war in Olmütz bei einem jüdischen Kaufmann bedienstet. Eines Morgens, so erzählt der „Pozor", als das Mädchen erwachte, verspürte es heftige Schmerzen am rechten Arme und am rechten Bein und bemerkte bei näherer Untersuchung an diesen zwei Gliedmaßen Verwundungen, über deren Entstehung sie sich keine Erklärung geben konnte. Das Mädchen verspürte dabei im ganzen Körper große Schwäche und hatte die Empfindung, als ob sie starken Blutverlust erlitten hätte. Sie begab sich zum Arzte Dr. M e l h u b a, der ihre Ueberführung ins Spital anordnete und den Fall beim Gerichte zur Anzeige brachte. Der^, „Pozor" hatte sich natürlich nicht mit dieser nüchternen Darstellung begnügt, sondern unter Ausfällen auf die Juden den Dienstgeber des Mädchens, sowie dessen Frau direct beschuldigt. daß sie der „christlichen Magd" Blut zu rituellen Zwecken abgezapft hätten. Das Olmützer Kreisgericht hat über die Schaudergeschichte eine lange Untersuchung geführt, die schließlich vor einigen Tagen mit der Einstellung des Verfahrens in dieser Angelegenhett endete, weil sich nicht der geringste Anhaltspuntt für die vom „Pozor" verbreiteten Gerüchte ergeben hat. Damit ist die ganze Haltlosigkeü des Ritualmärchens erwiesen, welches sich als nichts anderes darstellt, als ein auf den unglaubwürdigen Erzählungen eines Dienstmädchens aufgebautes Lügengewebe. Der „Pozor" natürlich findet diesen Abschluß der gerichtlichen Untersuchung „räthselhaft" und beharrt auf seinen ersten Mittheilungen, obgleich er dafür keine anderen Beweise ins Feld führen kann, als daß die Amalie K l a s daheim schwer krank darniederliege. Die Aerzte hätten angeblich die Hoffnung aufgegeben, das einst so gesunde und lebensfrohe Mädchen wieder vollends herzustellen. Man denke nicht, daß die Meldungen des „Pozor" nirgends Glauben finden. In der Olmützer Landbevölkerung, aber auch in einem recht ansehnlichen Theile der Stadtbevölkerung, namentlich der czechischen, finden derlei Geschichten einen günstigen Nährboden. Die Untersuchung hat keine Resultate ergeben — aber für den „Pozor" ist diese Thatsache unglaubwürdig. Hauptzweck ist ihm einzig und allein, durch die Verbreitung von Sensationsnachrichten die Juden- und Deutschenhetze immerfort zu schüren und dabei ein recht gutes Geschäft zu machen. Zborow. (Ern k a t h o l i s ch e r K i r ch e n f ü r st.) Auch unserer Stadt war die Ehre zutheil, von Sr. Eminenz dem römisch-katholischen Erzbischof von Weber aus Lemberg besucht zu werden. Alle Behörden bereiteten dem hohen Gaste einen begeisterten Empfang, zu welchem auch die Spitzen der jüdischen Gemeinde, Rabbiner und Cultusvorsteher sowie der Lehrkörper der Baron Hirsch'schen Stiftungsschule, geladen waren. Bei seiner Ankunft schritt der edle Kirchenfürst auf die jüdische Deputation zu und begrüßte dieselbe freundlichst, und als der Rabbiner den hohen Gast im Namen unserer Religion und unserer jüdischen Bevölkerung in kraftvollen Ausdrücken in deutscher Sprache willkommen hieß, war derselbe sichtlich angenehm berührt und dankte für den Empfang in herzlichen und warmen Worten. In seiner Predigt, welche er vor einer nach Tausenden von katholischen Zuhörern zählenden Versammlung hielt, sowie in allen seinen Predigten in seiner Diözese ermahnte er zu wiederholten Malen und in beredten Worien seine Zuhörer, mit den Juden in Eintracht und Frieden zu leben, sich an ihrer unerschütterlichen Frömmigkeit, ihrem moralischen Wandel und ihrer Lebensweise ein Beispiel zu nehmen und sich nie gegen sie zu versündigen! Mögen die Ermahnungen dieses edlen Kirchenfürsten ihre Früchte tragen! Berlin. (Ein Jude, der bei Kaiser Wilhelm spei st.) Der Antisemitenpresse Deutschlands schafft Kaiser Wilhelm große Pein. Am vergangenen Dienstag zog nämlich der deutsche Kaiser den Director der Hamburg-amerikanischen Paketfahrt-Actiengesellschaft, Herrn Ballin, der Frühstücktafel bei. Ballin ist wiederholt von Kaiser Wilhelm ausgezeichnet worden. Grämlich äußert sich die Berliner „Staatsbürger-Zeitung", daß so „ein Jude eine größere Ehre genoß, als sie Herrn Miquel zutheil wurde". Dazu bemerkt 8er „Vorwärts" satyrisch: „Nun, auch Miquel galt in früheren Jahren dem Ahlwardt-Organ als nicht vollwerthiger Judenstämmling. Seither hat sich die „Staatsbürger-Zeitung an ihn gewöhnt". Vielleicht gewöhnt sie sich schließlich auch an Herrn Bollin, der nun in Folge seiner genialen weltpolitischen Anschauungen vom deutschen Kaiser selbst geehrt wird. „Ritualmorde" wird er ja wohl nicht begehen". Berlin. Zwei Verordnungen haben den deutschen Antisemiten die Pfingstfrcude verdorben. Zunächst hat der evangelische Oberkirchenrath dem Pfarrer Krösell - Kloxin verboten, ferner noch Vorträge über den „Ritualmord" zu halten. Der Schmerz der Blutlügner ist nur zu begreiflich. Das Verbot muß ganz plötzlich gekommen sein, denn noch für den 21. v. M. war ein Vortrag Krösell's in Stettin angekündigt, dessen Thema: „Talmudmoral-Ritualmord" bilden sollte. Die zweite Verordnung ist die des KammergericktZ. das nunmehr definitiv das Aushängen antisemitischer Bilderbogen sür strafbar erklärt hat. Ein Barbier hatte derartige, die urtheilslosen Bolksmassen aufreizende, die Juden beschimpfende Illustrationen in seinem Schaufenster ausgehängt. Das ihn wegen groben Unfugs und Uebertretung des Preßgesetzes verurtheilende Erkenntniß hat das Kammergericht bestätigt, indem es annahm, daß es sich hier um das öffentliche Aushängen eines Plakats oder Anschlagezettels handelte, dessen Inhalt nach der Absicht des Thäters zur allgemeinen Kenntniß gebracht werden sollte. Sitzung des Ccntralausfchusscs des Rabbinerverbandes. Der Centralausschuß des Rabbinerverbandes in Deutschland hat, wie wir der „Israelitischen Wochenschrift" entnehmen, am Dienstag Sitzung gehalten. Früh 9 Uhr traten die Mitglieder im Bersammlungssaal des Gemeindehauses zusammen. Anwesend waren die Herren Dr. Maybaum, Dr. Eschelbacher, Dr. Rosenzweig, Dr. Blumenthal und Dr. Ungerleider (Berlin), Dr. Horowitz und Dr. Plaut (Frankfurt am Main), Dr. Frank (Cöln), Dr. Rahmer (Magdeburg), Dr. Werner (München), Dr. Prager (Cassel), Dr. Vogelstein (Stettin), Dr. Kopfstein (Beuthen), Dr. Grohnemann (Hannover), Dr. Winter (Dresden), Dr. Rosenberg (Thorn), Dr. Munck (Marburg). Den Vorsitz führte Herr Dr. Maybaum, als Schriftführer fungirte Herr Dr. Rosenberg. Als Gäste wohnten die Herren Rabbiner Dr. Finkel (Pasewalk) und Dr. Petuchowski den Verhandlungen bei. Herr Dr. Maybaum verlas den Bericht des geschäftsführenden Vorstandes, der namens des Centralausschusses an die Generalversammlung zu erstatten ist.