Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 24 (14.6.1901)
- Date
- 1901-06-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 406 Vr. Vloch's Wachrnfchrist. Nr. 24 mehr mit den beiden Paffagieren zu sympathisiren. Einige Tage darauf — es war Abends und ich wollte mich gerade zur Ruhe begeben — stürzten die Beiden in meine Cabine, fielen über mich her und begannen mich so lange zu würgen und mit den Fäusten zu bearbeiten, bis ich blutüberströmt und ohnmächtig zusammensank. Aus mehreren Wunden am Halse und am Kopfe, sowie aus Ohren und Nase floß mir das Blut. Nun erst entfernten sich die beiden Gesellen. Ich muß bemerken, daß diesem meuchlerischen Ueberfall kein Streit vorausgegangen war und daß ich stets bestrebt gewesen bin. Alles zu vermeiden, was einen Wortwechsel hätte herbeiführen können. Als Erinnerung an dieses Attentat leide ich noch heute an Gedächtnißschwäche und habe die Schärfe des Gehöres verloren. Es mar ungefähr 10 Uhr Nachts, als sich diese brutale Scene zugetragen hatte. Der Schiffsarzt, den einige Passagiere sofort herbeigerufen hatten, ließ mich, nachdem er mich verbunden hatte, sofort zu Bett bringen. Er hat mir auch gleich über die Art der Verlegungen ein Zeugniß ausgestellt. Die Passagiere, empört über diesen Vorfall, verlangten, daß der Capitän sofort von seiner Disciplinargewalt Gebrauch mache und die beiden Excedenten in Gewahrsam nehme, damit sie in Hamburg der Behörde übergeben werden. Doch der Capitän lehnte nicht nur jede Intervention ab, sondern war sogar darauf bedacht, den beiden Gewaltthätern ihre Freiheit zu sichern. Als wir nämlich in die Nähe von Cherbourg gelangten, klopfte der erste Ofstcier des Schiffes an meine Cajüte — ich lag noch krank zu Bett — und forderte mich auf, das Schiff zu verlassen, damit ich in Cherbourg ins Spital gebracht werde. Ich weigerte mich. entschieden mit dem Hinweis darauf, daß ich die Ueberfahrt bis Hamburg bezahlt haoe. Eingeschüchtert durch die früheren Vorfälle sperrte ich die Thür ab und gestattete Niemandem den Eintritt. Um meiner Anzeige gegen die beiden Reisenden in Hamburg vorzubeugen, wollte mich nämlich der Capitän in Cherbourg ans Land setzen. Da ihm dies nicht gelang, setzte er in Cherbourg die Herren Kuhlen und Haase ans Land. Ich verließ in Bremerhaven das Schiff und machte in Hamburg bei der Direction der Hamburg-Südamerikanischen Schifffahrrs Gesellschaft die Anzeige des Vorfalles, indem ich mich gleichzeitig über die uncorrecte Handlungsweise des Capitäns beschwerte. Man versprach mir zwar dort, den Fall zu untersuchen und mich von dem Egebniß zu verständigen, doch habe ich, trotzdem schon mehrere Wochen vergangen sind, keine weitere Nachricht hierüber von der Gesellschaft erhalten. Fast ausnahmslos haben fast sämmtliche Paffagiere des Schiffes gemeinsam eine Beschwerdeschrift über das Vorgehen des Capitäns an die Gesellschaft gerichtet. Zur Wahrung meiner Rechte habe ich die Angelegenheit dem Rechtsanwalt Herrn Dr. Dehn in Hamburg übergeben." Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung der israelitischen Cultusgemeinde unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserlicher Rath Heinr. Klinger. Die am Mittwoch den 5. Juni. 6 Uhr Abends, unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger abgehaltene Plenarsitzung war zum großen Theile der Erledigung dringender Stiftungs-Angelegenheiten gewidmet. Auf Grund der Anträge der Rechtssection (Referent erster Vice-Präsident Dr. Stern) werden nachfolgende Stiftungen, bezw. Widmungen in die Gemeinde-Verwaltung neu übernommen: Die Ludwig und Regina König-Stiftung mit einem Capitale von K 2000 zur Zinsenvertheilung an einen armen, verwaisten Knaben und ein armes verwaistes Mädchen an den Sterbetagen der Stifter; Die Stiftung des Herrn Samuel Kolisch zum Andenken an seinen Bruder Ignatz Freiherr» von Kolisch per K 20.000 zur Bertheilung der Jahreszinsen an Arme, in erster Linie Verwandte; Die Carl Pollak'sche Graberhaltungsstiftung per K 1400. lieber weiteren Antrag' der Rechtssection wird beschloffen, bei der Stiftungsbehörde eine Abänderung des Stiftsbriefes der Ignaz Ritter von Liebenberg'schen Graberhaltungs-Stiftung unter Aufrechterhaltung des Stiftungszweckes zu erwirken; des Ferneren wird einer Modification der zu errichtenden Sigmund und Regine Kauders'schen Ausstattungsstiftung nach dem Wunsche des Stifters zugestimmt. Endlich werden nach dem Anträge der II. Section die Modalitäten der Activirung der von Herrn David Ritter von Gutmann gegründeten Dr. Adolf Jellinek-Widmung und der vom Vorstande creirten Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl-Widmung beschloffen. Die Referate über die Verleihung der nachfolgenden Stiftungen werden genehmigt: Die Elise Herz'sche Heiratsausstattungs-Stiftung im Betrage von K 840 an eine arme jüdische Braut; Die Emanuel Bunzl'sche Stiftung für Blinde im Betrage von K 152 an fünf Petenten; Die Jda und Nathan Figdor'sche Stiftung per K 16 an eine arme Wöchnerin; Die Bernhard Friedmann'sche Stiftung für israelitische Arme im Betrage von je L 20 an vier Arme; Die Charlotte Kuffner'sche Stiftung per L 710 an sechs arme Verwandte; Die Josef und Cäcilie Adler'sche Stiftung per K 240 an sechs Petentinnen; Die Ignaz und Rosalia Wolf'sche Krankenstiftung per L 200 an drei arme Kranke; Die Clara Krasnopolsky - Stiftung per K HO an sieben Arme; Die Elise G. A. Gerson'sche Heiratsausstattungs-Stiftung per L 800 an ein armes jüdisches Brautpaar; Die Alfons und Theodor von Glaser'sche Stiftung Per jährlich L 82 an einen armen jüdischen Gymnasiasten für die Dauer seiner Gymnasialstudien; Die Otto Cohn'sche Stiftung im Betrage von je K 140 an drei arme jüdische Realschüler; Die Rosa Adler geb. Alschech-Stiftung per K 16 an eine Arme; Die Ignaz Blumenfeld'sche Künstlerstiftung per circa L 2000 an den von der Jury, bestehend aus den Herren Ignaz Brüll, Julius Epstein und Karl Goldmark, primo loco vorgeschlagenen Violinvirtuosen Heinrich Fiedler. Weiters bildeten Eingaben des Brigittenauer und Simmeringer Bethausvereines Gegenstand einer längeren Berathung. An Spenden sind eingelaufen: Von Frau Emma Wolf anläßlich der Genesung ihres Vaters für Arme des XI. Bezirkes K 1000 zur Bertheilung in 5 Jahresraten. aus den Sammelbüchsen im Stadttempel für arme Glaubensgenossen in Palästina L 85.85. Von Herrn Karl Auspitz Edlen von Artenegg anläßlich der Vermählung seines ältesten Sohnes, für das neue Siechenhaus K 5000; dem Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde K 4000; dem Verein „Kinderheim" zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, schwache und reconvalescente Kinder jüdischer Confesslv.l K 1000; zusammen K 10.000. Wien. (Dr. Herzl beim Großherzog von Baden.) Der badische Hofbericht vom 30. Mai berichtet, daß Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Baden Herrn Dr. Theodor Herzl aus Wien am Nachmittage desselben Tages in Audienz empfangen hat. Es läßt sich leicht vermuthen, warum Dr. Herzl unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Constantinopel sich nach Karlsruhe begeben hat, um dem Großherzog über den Erfolg seiner Reise Bericht zu erstatten. Das Berliner Zionistenorgan schreibt: (Share-Club-Berlin der Jüdischen Colonialbank.) Gesinnungsgenossen! Der Zionismus hat in diesem Jahre einen großen Schritt vorwärts gemacht. Nach langem Mühen ist es unserem Führer Dr. Herzl gelungen, die Wünsche und Ziele der Zionisten dem Sultan Abdul Hamid persönlich vorzutragen. Wenn wir auch heute keinerlei Einzelheiten über den Erfolg dieser außerordentlich bedeutungsvollen Audienz wissen — so viel steht fest, daß von der baldmöglichsten Eröffnung der Jüdischen Colonialbank Alles abhängt. Erst sie wird den Zionismus auch zu einem realen Machtfactor machen. Und nur mit einer Macht wird die Türkei verhandeln. Darum ist es die dringendste Pflicht eines jeden Zionisten, für das Zustandekommen der Bank seine ganze Kraft einzusetzen. Ein Jeder ist verpflichtet, Actien zu übernehmen und Freunde und Bekannte zur Zeichnung von Antheilscheinen zu veranlassen. Eine wesentliche Erleichterung für die Anschaffung von Actien bietet der Share-Club, dessen bisherige Mitglieder hierdurch nochmals zu eifrigster Agitation aufgefordert werden.