Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 24 (14.6.1901)
- Date
- 1901-06-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 24 Sette 403 Vr. Bloch'? wvchrnfchvifL sind an uns vorübergezogen. Aber mit beharrlicher Pietät hiiben wir diesen Fleck heil'ger Erde hochgehalten und mit Gottes Hilfe werden wir ihn festhalten bis ans Ende der Tage. Möge der allmächtige Baumeister aller Welten dies Haus in. seinen gnädigen Schutz nehmen, es schirmen und behüten, damit es immer seiner humanen Bestimmung diene und noch in späten Zeiten die Menschenfreundlichkeit seiner Begründer bekunde. Indem Sie nun die Hammerschläge verrichten werden, drücken Sie zugleich symbolisch aus, daß Sie die Arbeit ehren, der Niemand, so hoch er auch stehen möge, diesen schuldigen Tribut entziehen kann. Mir sei es gegönnt, mit folgendem Spruch die Weihe zu vollziehen: „Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, Muß den Stein mit eigener Hand behauen". Weihespruch des Oberrabbiners Dr. Bi. Güdemann: Hochgeehrte Versammlung! Die reinste und vollkommenste der menschlichen Freuden ist die siegreiche Bekämpfung der menschlichen Leiden. Vielleicht gibt is außer dieser überhaupt keine Freude, denn jede andere, die wir so nennen, ist vergänglich, oiese aber ist ewig wie die Leiden selbst. Wir können die Leiden nicht aus der Welt schaffen, aber wir können sie erleichtern, und jede Erleichterung bedeutet einen Sieg, einen Triumph. Das ist der schöne Inhalt der Feier, die uns hier zusammensührt, der Schlußsteinlegung des Siechenhauses. Es bildet einen Theil und eine Ergänzung des Altersversorgungshauses. Alter und Siechthum finden sich ja so oft beisammen. Sie sind diejenigen Leiden, die schon in der Unvollkommenheit der menschlichen Natur begründet sind, und man sollte deshalb glauben, daß sich dagegen überhaupt nicht ankämpfen ließe. In der That hat die früheste Zeit der Menschheit, haben selbst die cultivirtesten Völker des Alterthums derartige Versuche nie gemacht. Sie schwärmten für die Jugend und die kraftstrotzende Gesundheit, die ihnen das wahre Wesen der Menschheit darzustellen schienen. Von den Greisen und Siechen haben sie den Blick weggewendet, wie von Etwas, das ihren Schönheitssinn, ihre Lebensfreude und ihren Lebensgenuß zu stören geeignet war. Dagegen hat zuerst in der alten Welt die Religion Israels den Satz ausgesprochen: „Vor dem grauen Haupte sollst Du aufstehen und das Antlitz des Alten sollst Du ehren." Das war der erste Aufruf zum Kampfe gegen die Leiden des Alters; die Erhebung der Greise aus ihrer kümmerlichen Lage in die oberste Rangclaffe der Menschheit, die erste Anregung zur Altersversorgung. Was aber die Siechen betrifft, so ruft der Psalmensänger aus: „Heil, wer des' Armen sich annimmt," welcher Satz von unseren alten Lehrern dahin erklärt wird, daß hier unter dem Armen der Aermste der Armen, der Sieche, zu verstehen sei. Wer der Siechen sich anuimmt, dem ruft die Religion ihren Heilsruf, ein Glückauf zu, als wollte sie sagen, er habe den ersten Preis des Wohlthuns errungen. Mit Recht. Der Sieche ist doppelt unglücklich: ist er alt. so leidet er zweifach, und ist er jung, dann ist seine Jugend ein Hohn, der seinen Schaden noch schmerzlicher gestaltet. Heute aber dürfen wir über diesen zweifachen Feind triumphiren. Diese Räume werden von der Sonne der Humanität erleuchtet sein, von der man mit noch größerem Rechte behaupten darf, was die Bibel von der Sonne am Himmelszelt sagt, daß sie „Heil auf ihren Schwingen" trägt. Denn hier werden liebevolle Pflege, tröstlicher Zuspruch und die noch tröstlichere Gemeinsamkeit den Leidenden zwar nicht die Gesundheit wiedergeben, aber sie werden ihnen dasjenige erhalten, was auch für die Gesunden das Höchste ist: den Glauben an Gott und den Glauben an die Menschheit. So rufe ich denn im Namen der Religion Heil diesem Hause, seinen künftigen Bewohnern und den edlen Männern und Frauen zu, die an der Errichtung dieses Hauses mitgewirkt haben und seiner Verwaltung sich widmen werden. Und somit vollziehe ich die üblichen drei Hammerschläge im Namen Gottes, des Vaters aller Menschen, der da ist „eine Stütze der Fallenden, ein Arzt der Kranken und ein Erlöser der Gefeffelten." Gottes Segen walte über diesem Hause Amen. Hierauf that Präsident kaiserl. Rath K l i n g e r die Hammerschläge und sprach hiebei: „Im Namen der Cultusgemeinde, zur Ehre unseres allergnädigsten Kaisers, im Namen der Menschenliebe!" Der Tempelchor sang abermals zwei Strophen des obgenannten Psalmes und sodann wurde vom Chor die Volks- Hymne gesungen. Die Feier war zu Ende, die auf Alle einen ungemein tiefen Eindruck gemacht hatte, der sich dann noch verstärkte, als die Gäste Gelegenheit hatten, das Haus in allen Theilen zu besichtigen und sich von seiner überaus zweckmäßigen Einrichtung zu überzeugen. Baurath S t i a ß n y war Gegenstand wohlverdienter Ovationen und ebenso wurden dem Präsidenten K l i n g e r von allen Seiten die wärmsten Glückwünsche dargebracht, daß unter seiner Leitung und seiner unermüdlichen Energie die segensreiche Institution entstanden ist. Zur Frage der Errichtung eines monumentalen Tempels in der Inneren Stadt. Bon einem verehrten Mitgliede der israelitischen Gemeinde erhalten wir folgende Zuschrift: Wie den Berichten dieser geschätzten Zeitschrift zu entnehmen ist, wird in der Mitte des Vorstandes unserer Cultusgemeinde die Frage der Errichtung eines monumentalen Tempels in der Inneren Stadt gegenwärtig eifrig erwogen. Erhebend war für Jeden, der die diesbezüglichen Verhandlungen verfolgt hat, der auf allen Seiten hervorgetretene rege Eifer, an der Hebung des Judenthums Mitwirken zu wollen. Nicht minder gilt dies von der freudigen Bereitwilligkeit, die zur Errichtung dieses edlen Zweckes auch größere Opfer auf sich zu nehmen entschloffen ist. Gerade im Hinblick auf diese so günstigen Voraussetzungen innerhalb unserer gegenwärtigen Gemeindeverwaltung erachtet Schreiber dieser Zeilen es für geboten, daß auch aus der Mitte der Gemeinde zu dieser Frage Stellung genommen werde, und so glaubt er denn nicht anstehen zu sollen, auf Grund seiner eigenen Erfahrungen hiezu das Wort zu ergreifen. Diese führen jedoch unzweifelhaft zu dem Ergebniß, daß das Bedürfniß nach einem monumentalen Tempel im Innern der Stadt weder als ein dringliches, noch als überhaupt vorhanden angesehen werden kann. Für die gewöhnlichen Sabbathe und Festtage sind die vorhandenen Tempel sowohl in der Inneren Stadt, wie in den unmittelbar an dieselbe sich anlehnenden Bezirken mehr als hinreichend. Es kämen demnach nur noch die drei hohen Festtage — d. h. beide Tage des Neujahrs und der Versöhnungstag in Betracht. Nun ist es aber bei allen Bethausvorständen, selbst wenn sie eines prachtvollen Tempels und würdigen Gottesdienstes sich erfreuen, eine regelmäßig wiederkehrende Klage, daß es ihnen niemals gelingen will, alle verfügbaren Sitze selbst sür diese Tage an den Mann zu bringen. Es geht doch daraus aufs Unzweideutigste hervorj wie wenig in unseren oberen Schichten das Bedürfniß nach Theilnahme an einem Gottesdienste selbst an solchen Tagen sich geltend macht. Wozu also ein neuer großer Tempel? Herr Theodor Ritter v. Taussig hat daher vollkommen richtig diese Frage angefaßt, wenn er vor Allem einmal die Frage des Bedürfnisses über allen Zweifel fichergestellt wiffen wollte. Ein solches kann nach dem Gesagten keineswegs als vorliegend angesehen werden. Es soll darum nicht geleugnet werden, daß alljährlich gelegentlich der hohen Feiertage sich eine größere Nachfrage nach Theilnahme an Gottesdiensten, als Gelegenheiten hiezu vorhanden, sich zeigt. In welchen Kreisen dieselbe auftritt, das zeigt am besten ein Blick auf das Publicum, welches die für die hohen Feiertage eingerichteten sogenannten Geschäftsbethäuser in den für solche Zwecke sogar ungeeigneten Localen aufsucht. Diese großen Schaaren werden in dem neu zu errichtenden Prachttempel schwerlich Unterkunft finden, sind bei dessen Errichtung auch kaum als Besucher gedacht. In Anbetracht dieser Sachlage erachten wir es daher für eine unabweisbare Pflicht, daß der Vorstand unserer Cultusgemeinde, und zwar sofort, die nöthige Vorsorge treffe, diesen breiten Schichten der Gemeinde die Hand für die Befriedigung ihrer gottesdienstlichen Bedürfniffe zu bieten. Dazu sollen keineswegs neue Tempel errichtet werden, denn diese würden das ganze Jahr leer stehen und ihren eigentlichen Zweck sonach verfehlen. Vielmehr soll die Cultusgemeinde selbst in allen mit einer zahlreichen ärmeren jüdischen Bevölkerung besiedelten Stadttheilen geeignete Locale aufnehmen und würdige Personen für die Abhaltung des Gottesdienstes bestellen, der dann Allen ohne Entgelt offen zu stehen hat. Unser Vorstand würde sich auf diese Weise um den Preis ganz geringfügiger Opfer tausend und abertausend jüdischer Herzen wie im Fluge erobern, und dem unrühmlichen Gewerbe, welches das gottesdienstliche Bedürfniß