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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-06-14 · 24 (14.6.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
24 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 402 Dr. Bloch's Wochrnfchrlfi. Nr. 24 Vorsteher der türkischen Gemeinde L. Russo. Ortsschulrath Klebind er, die kaiserl. Räthe Dr. K o h n und Lichten st ad t, Schriftsteller Dr. Bloch, Director Heller, die Präsidentinnen der von den Frauen geleiteten Vereine, wie Frau Sofie Grünfeld, Frau Dr. K o h n, kais. Rath Wilhelm, kais. Rath Anninger, kaiserl. Rath Alexander Engel, Dr. Zins, Professor Büch l er (Seminar), Commercialrath Stiaßny, de Janossy, Neufeld, Präsident des Schiedsgerichtes, Dr. Josef L o e b l, Bethausvorstand Steiner, S. M e i s e l s, Vorsteher des Wohlthätigkeits-Vereines Herr I. K o h n und Gemalin. Damen-Comitä: Jda Diamant, Jda E i b e n s ch i tz, Therese Geisenheimer, Sophie Grünfeld, Jda Güdemann, Marie T e l e k h, Rosa Z i f f e r e r, Frau . v. Nierenstein, Frau K a l l i r, Frau Dr. Weiß, Fra« F r ä n k l, Frau Dr. L ö w n e r, Frau Rosa Eisenschimml u. v. A. An der Ostseite des Saales war der Raum für die Hinterlegung der Kapsel mit der Schlußsteinurkunde reservirt. Bevor dieser Schlußact des Hausbaues stattfand, stimmte der Tempelchor den Psalm 118 an, „der Stein, den die Bauleute verwerfen, wurde zum Eckstein". (Compositton Sulzer.) [bie Obercantoren Singer und Guttmann hatten mit prächtigem Organe den Gesang intonirt. Nach Beendigung der ersten Strophen hielt der Präsident der Cultusgemeinde kaiserl. Rath K l i n g e r folgende Begrüßungsansprache: Ansprache des Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde kais. Rath H. Klinger: Hochgeehrte Versammlung! Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde ist mir die ehrenvolle Aufgabe übertragen, die geehrte Versammlung zu begrüßen. Indem ich es mir zur Ehre rechne, dieser Aufgabe zu entsprechen, und Ihnen hochgeehrte Anwesende für Ihr Erscheinen danke, begrüße ich insbesonders auch die Herren Reichrathsabgeordueten N o s k e, Bezirksvorsteheher N i e b a u e r, Bezirksvorsteher-Stellvertreter O e r l e y und den Präsidenten der türkischen Gemeinde L. Russo und glaube die Theilnahme an dieser unserer heutigen Feier als einen Beweis der Sympathie mit unseren Bestrebungen auf humanitärem Gebiete bezeichnen zu können. Sie kennen, geehrte Anwesende, die Veranlassung zur Errichtung dieses Siechenhauses für den Vorstand: es galt auch uns — die wir in angestammter Treue unseren erhabenen Monarchen verehren — durch ein Werk der Mildthätigkeit den glorreichen Tag der 50jährigen Regierung unseres vielgeliebten Kaisers zu feiern. Nicht rauschende Feste, nicht prunkvolle Veranstaltungen, sondern — so war der Wunsch unseres Kaisers — Werke der Menschenliebe sollten diesen historischen Gedenktag verherrlichen. Von dieser Erwägung geleitet, haben wir im December 1898 den Grundstein gelegt, für ein im Anschlüsse an unser Altersversorgungshaus und in gebotener Ergänzung desselben zu errichtendes Siechenhaus — eine Stätte, geschaffen zu Ehren unseres geliebten Kaisers, bestimmt, den Bemitleidenswerthesten unserer Glaubensgenossen, hilflosen und bresthaften Greisen Schutz und Schirm zu gewähren. Hochgeehrte Anwesende! Es ist ein bedeutsamer Boden, — der einzige Fleck Wiener Erde, der gleichsam als Bermächtniß aus dem Mittelalter in ununterbrochener Conttnuität der Wiener Judenschaft gehört, — auf dem dieses Haus errichtet wurde, um als ein monumentales Wahrzeichen jüdischen Gemeinwesens seiner Bestimmung, der Bethätigung wahrer Menschenliebe, zugeführt zu werden. Auf den nie versiegenden Wohlthätigkeitssinn unserer Wiener Glaubensbrüder bauend, hat der Vorstand an diese um Betträge zur Förderung des Baues appellirt und die besten unserer Glaubensgenossen ließen diesen Appell nicht ungehört an sich vorübergehen. Ich entspreche einer Ehrenpflicht, wenn ich im Namen des Vorstandes all' den edlen Spendern für ihre Beiträge innigen und herzlichen Dank ausspreche. Siechen, unheilbaren Menschen daskümmerlicheDaseinzu erleichtern, gewährt gewiß erhebende Befriedigung und diese ist der allerbeste Dank für die Förderer unserer Anstalt. Wir wollen auch heute pietätvoll der nun in Gott ruhenden Baronin Clara von Hirsch gedenken, die für Zwecke des Betriebes M- Anstalt einen namhaften Betrag gespendet hat — für die Kosten des Betriebes, zu welchen, wie wir wohl erwarten dürfen, edle Wohlthäter auch weiterhin mildthätige Spenden zuführen werden. Indemwir, hochgeehrte Anwesende', nunmehr daran gehen, mit der Errichtung des Schlußsteines das symbolische Zeichen der Beendigung zu setzen, obliegt es mir, in meinem Namen und in dem des Vorstandes unserem trefflichen Collegen, Architekten Baurath Stiaßny, für seine hingebungsvolle Leitung des Baues herzlichen Dank und volle Anerkennung auszusprechen, wie wir auch dankend all der Gewerbetreibenden und Werkleute gedenken, welche unter seiner Führung den Bau zur Vollendung gebracht haben. Nunmehr steht das Haus fertig da — unser anwesender ehrwürdiger Oberrabbiner wird demselben die priesterliche Weihe geben — und in wenigen Wochen werden unsere Schützlinge die Anstalt beziehen. Wir, die derzeitigen Vorsteher der Gemeinde, können in unserem Namen und wohl in dem unserer Nachfolger das Gelöbniß abgeben, zu allen Zeiten unsere Fürsorge dem Hause und seinen Insassen zuzuwenden. Und so möge denn dasselbe dem Schutze der Vorsehung empfohlen sein! Sie werden es, geehrte Anwesende, begreiflich finden, wenn ich den Anlaß nicht - vorübergehen lassen kann, um auch von einer menschlichen Vorsehung, welche in diesem Hause waltet — ich meine von unserem Damencomitä zu sprechen, welches, geführt von seiner wackeren und unermüdlichen Obmännin, in wahrhaft edler und hingebungsvoller Weise — neben den Vorstehern — des Amtes waltet und ich entspreche gerne der Ehrenpflicht, auch bei diesem feierlichen Anlasse den edlen Damen für ihr. ersprießliches Wirken den innigsten und herzlichsten Dank zu sagen, umsomehr als dieses Wirken ja nicht nur auf Erzielung von Ersparnissen gerichtet ist, sondern seine -Mission auch darin erblickt, den Insassen schirmend zur Seite zu stehen. So möge denn dieses Haus in seiner nunmehrigen Ausgestaltung — zu Ehren unseres vielgeliebten Kaisers und zum Wohle unserer Allerärmsten errichtet, unter dem Segen Gottes, mit Hilfe unserer Glaubensgenossen und aller edlen Menschen seiner frommen Bestimmung stets gerecht werden — unseren Nachkommen bis ins fernste Geschlecht ein Wahrzeichen jüdischen Gemeinsinnes und der Erfüllung wahrer Menschenliebe! Und so wie immer gedenkenwir auch heute in unwandelbarer Treue unseres erhabenen Monarchen, und wir vereinigen uns in dem Rufe: „Gott erhalte, Gott schütze, Gott segne unseren allergnädigsten und vielgeliebten Kaiser. - j. Seine Majestät Kaiser Franz Josef I. lebe hoch, hoch, hoch!* Nachdem die Versammlung begeistert in die Hochrufe eingestimmt, ersucht der Präsident den Architekten, Herrn Baurath Stiaßny, die Schlußsteinurkunde zu verlesen. Sobald diese in die Mauerhöhlung versenkt und der Schlußstein gelegt war, richtete Herr Baurath Stiaßny an die Versammlung folgende Worte: Nach jenem Brauche, welcher durch Jahrhunderte geübt wird, haben wir den letzten Stein in die Mauer dieses Hauses eingefügt, welches der Vorstand zur Erinnerung an das 50jährige Regierungsjubiläum Seiner Majestät des Kaisers zu errichten beschlossen hat. Er hat mir die Verfassung und Ausführung der Pläne übertragen, und nachdem dies Werk zu gedeihlichem Abschluß gelangt ist, halte ich es für meine Pflicht, in meinem Namen und in dem meiner treuen Mitarbeiter, sowie aller am Bau betheiligten Gewerbetreibenden unseren Dank für das in uns gesetzte Vertrauen auszusprechen. In Demuth sei unser Dank zuerst der göttlichen Vorsehung dargebracht. Sodann gilt unser Dank dem hochverehrten Präsidenten, dessen Weisheit und Thatkraft manches edle Werk in unserer Gemeinde zu verdanken ist. dem Baucomite, das sich mit Energie und Hingebung der Arbeit gewidmet hat; dem Obmanne desselben, welcher der aufopferungsvollen Mühe sich unterzogen hat. Ich danke aber auch allen Mitarbeitern. Meistern und Gewerbetreibenden, die ihr bestes Können eingesetzt haben, dem Verwaltungsausschusse' sowie dem edlen Damencomitß, das mit Sachkenntniß und feinem Tatt dies Haus zu einem behaglichen Heim gestaltet hat. Die Gründung dieses Hauses ist nicht nur ein patriotisches Werk, sie entspricht auch jüdischer Tradition, der Fürsorge vor dem hilflosen Alter. An dem größten Festtage, welchen das Judenthum kennt, strömt es von Millionen von Lippen Andächtiger: „AI taschlicheno le es sikao“ „verwirf uns nicht, wenn wir alt geworden sind." ß>LMUnd in richtiger Würdigung der Aufgaben, die hier zu erfüllen, und, ist das Haus auf historischem Boden errichtet worden. Seit mehr als einem halben Jahrtausend ist die jüdische Gemeinde in unbestrittenem Besitze dieses Grundes, und wechselvolle Schicksale hat die Judenschast in diesem Zeiträume hier erlebt: Duldung und Plünderung, Hof-Schutzbrief und gelber Fleck, Freiheit,« Privilegien und Vertreibung

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