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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-06-07 · 23 (7.6.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
23 (7.6.1901)
Date
1901-06-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 23 Seite 395 Sr. Blvch's Wochenschrift Gut, das wäre abgemacht. Wie ist es mit dem Namen, den man morgen dem Kinde in Schul beilegen soll? Wie;soll die Kleine heißen? Gnädige Frau Madamleben! Bei uns zu Hause besteht der Minhay, wenn chas wecholilu 2) ein Fall eintritt, wie bei mir leider Gottes, der Wand geklagt, so erhält das Josim den Namen seiner Mutter. Auch hier zu Lande besteht dieser Gebrauch, und soll auch in diesem traurigen Falle beibehalten werden. Wie hieß ihr Weib? — Blimele antwortete Feibisch mit einem Seufzer. Das ist ein schöner Name! O sie war auch schön mein Weib, wie ein Blümele am Feld, wie ein Rösl' am Busch! Die Erinnerung an seine verlorene Lebensgefährtin, die so treulich Glück und Unglück mit ihm getheilt hatte, erfaßte gar mächtig den Schnorrer, so daß ihm Thräne auf Thräne in seinen struppigen Bart hinabrollte. Und wie soll das Kind deutsch heißen? Wozu noch einen anderen Namen? Blimele ist dies nicht genug? Bei Euch daheim ist das genug, fiel Cheile erläuternd ein, hier zu Lande muß noch ein deutscher Namen sein. Ich z. B. heiße auf gut jüdisch Cheile, wenn ich mich aber auf etwas unterschreiben sollte, so müßte ich Katti schreiben, wie ich in der Matrik eingetragen bin. Ihr müßtet außer Feibisch noch einen Namen haben, entweder Veit oder Phillip, oder sonst einen ähnlichen. Habt Ihr mich verstanden? — Feibisch nickte mit dem Kopfe. Also wie soll das Kind heißen? Wie Sie es verstehen, Madamleben! Bitte, Mama, mengte sich die bisher schweigend dagesessene junge Frau ins Gespräch. Ich glaube, Blimele ließe sich ganz gut auf Flora übersetzen. Flora die Göttin der Blumen! Freilich! Jedoch wäre ich nicht für diesen Namen, weil er viel zu pompös ist. Ich will dem unschuldigen Kinde, Gott behüte, sein Glück nicht versagen, aber voraussichtlich wird es sich nicht in Kreisen bewegen, in denen der Name Flora unauffällig angewendet wird. Schon bei Benennung meiner eigenen Töchter, welche Reisel und Hannele heißen, habe ich auf einfache Namen Bedacht genommen und sie Rosa und Anna genannt, Namen, die unauffällig in allen, selbst in dienenden Kreisen Vorkommen. Sie scherzen, Mama, wie konnte Ihnen nur einfallen, daß Ihre Töchter in dienende Verhältnissen kommen werden? Warum nicht, verwies Frau Rosenberg mit ernster Miene. „Gott ist's, der reich macht und auch arm; er erniedrigt die Hohen, und erhöht die niedrig Gebornen, und setzet sie ein zu den Fürsten seines Volkes/ Bitte Mama, lasten Sie mir die Freude, das Kind Flora zu benennen. Dieser Name gefällt mir so sehr, und ich habe Absichten mit der Kleinen. Ich bin ja selber kinderlos! Das Beben ihrer Stimme verrieth die innere Bewegung, worin sie sich bei diesen Worten befand. Grämen Sie sich nicht, junge Frauleben, sagte Feibisch. Unsere fromme Mutter Chana sagte: Die Kinderlose wird Mutter siebenfach, das kann auch bei Ihnen geschehen! Der dichte Schleier, welcher das Gesicht der jungen Frau verhüllte, verbarg auch d e aufquellenden Thränen, welche die Augen der Dame netzten. Sie wünschte die Kleine zu sehen. Laß das heute sein, mein Kind, wehrte die Schwiegermutter freundlich ab, Du bist jetzt zu erregt dazu, und da das Kind doch in der Nähe bleibt, so wirst Du es so oft sehen können, als es Dir angenehm ist. Als die Damen sich entfernt hatten, rief Cheile den Kartenspielern zu, welche sich mit ihren Karten in eine Ecke der nebenstehenden Kammer geflüchtet hatten, als der Besuch gekommen war: jetzt ist genug gespielt, ihr Leute,, jetzt geht in Schul und nehmt Feibisch mit; er ist ja noch ein Uwel. — Nur ungern leisteten diese der an sie ergangenen Aufforderung Folge, mußten esaber schließlich dennoch thun; denn Cheile hielt diesfalls strenge Disciplin. Wo mag nur das Jüngel, das Dawidl sein. Seit Mittag ist er fort. Ist das ein Thunichtgut! Ich werde schon sehr froh sein, wenn diese Leute abziehen, denn was soll mir die Sorge um das fremde Kind? ’) Gebrauch. *) Gott behüte. Von dieser Sorge jedoch wurde das Weib bald erlöst. Dawidl fprang zur offenen Thür herein, gefolgt von einem Herrn in elegantem, lichtgrauen Reifeanzug, einen feinen, breiten Strohhut am Kopfe. Also da wären wir, sagte dieser. Wo ist der Vater, Bub'? Cheile blickte mit lebhaftem Staunen den Begleiter des Knaben an, und sagte: Wenn Sie den Feidisch suchen, der ist schon in Schul gegangen. Könnte ich ihn hier erwarten? Warum nicht? meinte Cheile. Wer sind Sie denn? Ich bin der Director einer ambulanten Concertgesellschaft und benütze meine kurzen Ferien zu einem Ausfluge in diese romantische Gegend. Lassen Sie sich in keiner Weise durch meine Gegenwart stören, ich werde hier auf den Vater dieses Knaben warten. Cheile ließ sich thatsächlich nicht stören. Sie breitete ein frischgewaschenes grobes Tischtuch über den Tisch, zündete die darüber hängende achtzackige Sabbathlampe an, wobei sie die übliche Benedeiung aussprach, dann setzte sie ihre große Horn-- brille auf, und begann aus einem dicken Sidur, besten Blätter vom langen Gebrauch schon ganz schmierig geworden und an den Ecken fast zusammenklebten, andächtig zu beten. Der Director schaute höchst interessirt all' ihren Bewegungen zu. War es, daß ihm bei diesem Anblicke alte Erinnerungen zu Kopfe stiegen, war es die dunstig schwüle Luft, die in dem Zimmer war, kurz der Aufenthalt daselbst wurde ihm auf die Dauer ungemüthlich. Komm, Dawidl, sagte er, wir werden deinen Vater draußen erwarten. Was die beiden Männer draußen in der späten Abendstunde verhandelten, das erfuhr vorderhand Niemand, es mußte aber etwas höchst Wichtiges gewesen sein, das zwischen ihnen zur Aussprache kam, und zwar nichts Unangenehmes, denn Feibisch kam, Dawidl an der Hand führend, ganz fröhlich nach Hause und ließ sich sein Nachtmahl, aus kaltem Fleisch und Zwiebeln bestehend, welches er sich heimbrachte, sehr wohl munden. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Die vier Kelche. Festpredigt von Dr. I. T a g l i ch t. Gleichsam als Epilog zur Feier des 60. Geburtstages des Herrn Architekten Max Fleischer ist jüngst im Verlage des Verfassers vorstehende Festschrift erschienen, die durch ihren gedankenreichen, tiefsinnigen Inhalt den Rahmen einer Gelegenheitsrede beiweitem überragt. Da dieser ausgezeichnete Kanzelredner seine Gedanken in eine anziehende bilderreiche Form zu kleiden versteht, wird die Lectüre dieses Büchleins gewiß jedermann Befriedigung und geistigen Genuß bieten. Srieskasten. K. Die Wiener städtische Rentenversicherungsanstalt ist so gut und sicher geleitet, daß sie selbstverständlich ein bedeutendes Deficit aufweist. Redaction der „Deutschen Zeitung" in Wien. Jawohl, wir erklären unumwunden, daß wir Leopold Hilsner n ich t für den Mörder der Agnes Hruza und der Klima halten. Schon seine körperlichen Kräfte reichen zu einer solchen Mordthat nicht hin. Der Oberste Gerichtshof hat sich lediglich mit der formalen Seite der Nichtigkeitsbeschwerde besaßt, nicht aber mit dem materiellen Inhalte des Unheils Mit uns aber sind Tausende und Tausende der gleichen Ueberzeugung, welche sie sich durch den Gang d e s P r o c e s s e s gebildet haben. Wäre Hilsner der wirkliche Mörder, so gebe es für ihn in diesem Falle keinerlei Milderungsgründe. Als einziger Milderungsgrund spricht zu seinen Gunsten lediglich die Ueberzeugung von seiner Unschuld und daß er das Opfer eines verhängnißvollen Justizirrthnnls geworden ist. l. L—g. In der That gibt es in Paris ein „Journal de abrntis“ („Zeitung für Cretins"). Aber dieses ist nicht mit dem Blatte Drumont's zu verwechseln. Nemo. Der Gedanke ist noch viel älter; er steht bereits in der Bibel: „An der Thüre lauert die Sünde, nach Dir ist ihr Begehr; Du aber kannst sie beherrschen." Dr. I. B—g. Graf Waldersee galt seinerzeit für einen Gönner und Beschützer des Hospredigers Stöcker. Was aber doch nicht hinderte, daß es mit dem Hofpredigerthum des gewissenlosen und — unbesonnenen Hetzers ex wurde. m. ». Man weiß allgemein, wen die „Ostdeutsche Rundschau" unter „Dr. Beuschelreißer" meint.

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