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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-06-07 · 23 (7.6.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
23 (7.6.1901)
Date
1901-06-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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.,«7!^-»c.t.naggat^-anLaMtaa Sette 888 Des Weiteren referirt Herr Dr. Breuer, betreffend die Bildung einer ständigen Commission für Aufnahme in die Bersorguugsanstalt. Diesem Comitä sollen angehören: 3 Mitglieder des Vorstandes, die jeweiligen Obmänner der lll. Svction, des Bersorgungshaus- und des Spitalcomitäs, und als ärztliche Beiräthe der Primarius des israelitischen SpitaleS und der Bersorgungsanstalts-Arzt. Referent beantragt feie Genehmigung der Zusammensetzung des Comitös, sowie angesichts der Dringlichkeit die sofortige Vornahme der Wahl von 3 in das Comitö zu entsendenden Vorstandsmitgliedern. Nach einstimmiger Annahme dieser Anträge werden die Vorstandsmitglieder Dr. Breuer, Dr. Grünfeld und v. Mises in die Auf- «ahmS-Commission gewählt. Der Präsident bringt sohin in Erinnerung, daß die Feier der Schlußsteinlegung, welche laut Plenarbeschluß einen internen Charakter tragen soll, Sonntag den 9. Juni, 11 Uhr Bormittags, stattfinden wird, und knüpft hieran die Einladung an die Vorstandsmitglieder, an dieser Feier möglichst zahlreich theilzunehmen. Der Vorsitzende ordnet sodann die Fortsetzung der in der Sitzung am 21. Mai abgebrochenen Berathung über den Antrag der L Sektion, betreffend die Bildung einer historischen Commission, an. Referent Dr. Steiner resumirt die in der Sitzung vom 21. Mai d. I. gestellten Anträge. Herr Direktor Simon tritt nochmals für die Vorschläge der H. Sektion eim Herr Salo Cohn spricht aus finanziellen Gründen gegen de« Antrag, desgleichen Dr. Katzau, welcher ausführt, daß diese Angelegenheit nicht Sache einer, wenn auch noch so großen Gemeinde, sondern vielleicht des '^Gemeindebundes sei. Cultusvorsteher Gewitsch berichtigt, daß er nicht gegen die Sache an und für sich sei, sondern nur gegen die Geldbewilligung aus Gemeindemitteln. Schließlich werden im Sinne der Anträge der ll. Sektion mit Majorität folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Es ist eine historische Commission zu begründen, welche die Durchforschung der österreichischen Archive bezweckt, um für eine Geschichte der österreichischen Judenschaft das erforderliche Materiale zu sammeln und zu bearbeiten. 2. Um dies vorzubereiten, ist eine Borcommission zu bestellen, mit der Aufgabe, ein Aktionsprogramm für die zu begründende historische Commission zu entwerfen und dem Cultusvorstande zu unterbreiten. 3. Der H. Sektion wird zur Deckung der Auslagen der Borcommiffion ein Betrag von L 3000.— zur Verfügung gestellt. 4. Als Mitglieder der vorbereitenden Commission werden nominirt (außer Vorstandsmitgliedern) die Herren: Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Adolf Schmied!, Rector Schwarz, Prof. A. Büchler, Prof. Dr. Alfred PrLibram, Dr. I. S. Bloch, Dr. S, Frankfurter, Dr. Arthur Goldmann, Dr. Michael Holzmann, Dr. Heinrich Müller. Nach Erledigung von Angelegenheiten des Baucomites (Ref. Herr Ober-Baurath Tauffig) und einiger Personalien wird die Fortsetzung der Berathung und Beschlußfassung über die zahlreichen, noch auf der Tagesordnung befindlichen Gegenstände, insbesondere Stiftungsangelegenheiten vom Präsidenten für Mittwoch 3. Juni, halb 6 Uhr Abends, anberaumt. Ntarieubad. (E i n g e s e n d e t.) Das Vorgehen einer Marienbader Cultusgemeinde zu skizziren, sehe ich mich heute genöthigt. Nach der strenge eingehaltenen Regel der Israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft Prag ist für jede nach auswärts überführte Leiche ein Begleiter mosaischer Religion beizustellen. Bei Transporten per Bahn fährt mit demselben Zuge einer uuserer Glaubensgenossen mit, behufs Uebergabe der Leiche au Ort und Stelle. Nur in dem einzigen und gewiß nur sehr selten vorkommenden Falle, daß aus Opportunitätsgründen der Leichentransport am Jon Touw unterwegs sein müßte, hätte die Beistellung des jüdischen Leichenbegleiters zu unterbleiben. Die Jsraelüische Beerdigungs-Brüderschaft in Prag ist gewiß in -iesem Fache eine Autorität, nach deren Bestimmungen, so weit die Erfahrung lehrt, sich nicht nur die Gemeinden des Inlandes, sondern vielmehr auch des Auslandes richten. Rr. 33 Hier in Marienbad ist dies aber anders, da werden ganz einfach diese Bestimmungen umgangen, hier begleitet stets ein Christ die Leiche bei dem Transporte mit der Bahn nach einem anderen Orte, was gewiß ein grober Verstoß gegen den jüdischen Ritus ist. Am ersten Tag Schewuoth ist hier ein gewisser Heller aus Nürnberg gestorben, dies war an einem Freitage, am Samstage darf doch keine Tare sein, wo sind denn die üblichen Functionen geblieben? Am Samstage ist der Mann aber behufs Weiterbeförderung nach Nürnberg secirt worden und am Sonntage ist derselbe mittelst Begleitung von einem Manne christlicher Confessio» nach Nürnberg überführt worden. Nun frägt man sich, ist dies rituell gehandelt, daß Leichen jüdischer Confeffion mit Christenbegleitung an Ort und Stelle gebracht werden? Ist dies auch rituell, daß am Samstage die Leichen zur Weiterbeförderung hergerichtet werden, steht es doch in der heiligen Schrift, der Sabbath ist ein Ruhetag und in Folge dessen soll auch dem Todten am Sabbath die Ruhe gegönnt werden. K. Wolin. (Ein Musterpriester.) In unserer von nationalem und confeffionrllem Hasse erfüllten Zeit ist es ein tröstend Zeichen besseren Denkens und milderer Gesinnung, wenn man einen echt katholischen Priester sieht, der, von edler Duldsamkeit und Werthschätzung anderer Ueberzeugung erfüllt, fürs Judenthum eintritt und den albernen Spuk aus den Köpfen zu bannen sucht. Ein solcher Priester ist der hochwürdige Pater Kavalla in Hostitz bei Wolin. Seinen Predigten und seiner festen Gesinnung ist auch die Duldsamkeit und Mäßigung seiner Pfarrkinder zu danken. Er könnte wahrlich allen Jenen zum Muster dienen, die ihr Amt gegen die Juden mißbrauchen und besonders in den Hilsnertagen die Menge gegen die Juden in so bedrohender Weise aufstachelten. Anders unser Hostitzer Menschenfteund! Er achtet als treuer Sohn seiner Kirche die Juden, und zum Beweise seiner menschenfreundlichen Gesinnung besuchte er einen dortigen jüdischen Insassen, der mit einem Beinbruche darniederlag, täglich. Unlängst besuchte unser Menschenfreund aus Hostitz auch die Woliner Synagoge und sprach bei dieser Gelegenheit wahrhaft goldene Worte der Duldsamkeit/ Gologory. Se. Eminenz Herr Erzbischof v o n W e b-e r beehrte unsere Stadt mit seinem Besuche. Zu seinem Empfange erschienen u. A. die jüdischen Cultus- und Gemeinderäthe, geführt von unserem ehrwürdigen Rabbiner, welche der Kirchensürst besonders auszeichnete. Er sagte: „Ich danke Ihnen, Herr Seelsorger, für die sympathische Begrüßung namens ihrer Glaubensgenossen und nehmen Sie ebenfalls meinen geistlichen Segen und die Versicherung meiner guten Gesinnung entgegen." In der Kanzelrede kam der Kirchenfürst darauf zu sprechen, „daß es ihn sehr freue, zwischen christlichen und jüdischen Einwohnern Harmonie wahrzunehmen und empfiehlt seinen Parochionus, keinem 'Juden ein Leid zu thun, nicht in seine Existenz tendenziös zerstörend einzugreifen, keine Kulkis mehr zu bilden, mit der Betonung, daß die Juden ja auch leben dürfen, sich von unlauteren Elementen nicht dahin beeinflussen zu lassen, daß es keine Sünde sei, einem Juden Schulden abzuschwören, was sehr verwerflich ist, gleichviel ob Christ oder Jude, wir sind ja Alle Kinder eines Gottes und eines Erzvaters. I. D. Budapest. Der Gutsbesitzer und Präsident des hiesigen „Heiligen Vereines" (Chewra-Kadischa) Moses Ehrlich, eines der geachtetsten Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde, ist am 29. Mai nach kurzem Leiden im 73. Lebensjahre gestorben. Noch vor acht Tagen hatte er der Generalversammlung der Chewra-Kadischa präsidirt; Tags darauf erlitt er einen Schlaganfall, dem er nun erlegen ist. Ehrlich, der sich in allen Kreisen wohlverdienter Sympathien erfreute, hat besonders auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit eine umfassende Thätigkeit entfaltet. In der Traueranzeige, welche die Chewra-Kadischa aus diesem Anlässe ausgegeben, heißt es u. A.: „In dem Verewigten verlor unsere Chewra-Kadischa einen hingebungsvollen, begeisterten Führer, unser Wohlthätigkeitswesen eine hochherzige Stütze, unsere konfessionellen Bestrebungen einen allezeit opferwilligen Förderer." Ehrlich war Birilist des Comitats Jäß-Nagykun- Szolnvk und hatte vor vier Jahren, nach dem Ableben Karl Reiß', die Stelle eines Präsidenten des Heiligen Vereines angenommen, die er mit hingebungsvollem Eifer versah. Die irdischen Reste des Dahingeschiedenen wurden am 31. v. M.. Vormittags 9 Uhr, vom Trauerhause (V. Bezirk, Dorotheagaffe 3) aus nach dem israelitischen Friedhofe nächst der Kerepeserstraße zur ewigen Ruhe geleitet. Dr» Moch's Wochenschrijr»

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