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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 22 Ar. Vloch's Wochrnschriw Seite 379 und es sagt: mein Gott!" Wie geistvoll ist nun die Deutung der Verse 2—4 im 2. Capitel durch Heranziehung der halachischen Vorschriften für das Mincbath Keuooths. Dieselbe Methode beleuchtet auch Amos 4, 4—6 ganz vorzüglich, woselbst die Ethik, welche den Opfern zugrunde liegt, und Chaggai 2, 11—15, wo der Begriff der „Unreinheit" mit glücklichem Erfolge exegetisch verwendet worden. Das dritte Capitel des Chabakuk veranschaulicht die Uebersetzungskunst und ungewöhnliche Sprachgewalt des Autors, der stets bemüht ist, dem hohen Schwünge der prophetischen Rede zu folgen und den rauschenden Fliigelschlag ihrer Poesie auch iu der Version vernehmen zu lassen. Es lautet: 2. „O Gott! Als ich Deine Kunde vernahm, da fürchtete ich Gott! Dein Werk — im Kreisläufe von Jahren lasse es Leben gewinnen, im Kreisläufe von Jahren wirst Du es erkennen lassen — int Zürnen bist Du des Erbarmens eingedenk." 3. Gott wird von Theman kommen, btt Heilige vom Gebirge Paran, dann hat seine Majestät die Himmel bedeckt, und sein Thatenlob erfüllt die Eide. 4. Und der Schimmer wird dann wie das weltdurchstrahlende Licht, die Strahlenkraft wird ihm von Seiner Hand; und dort ist die Hülle seiner Siegesmacht. 5. Vor ihm schreitet die Pest, und der Brand zieht aus in seinem Gefolge. 6. Wenn er stille steht und seinen Maßstab an die Erde legt; wenn er's ersieht und Völker auflöst, und Berge zerstieben, die ewig fest, und Hügel einsinken, die ewig hoch schienen: so sind die Gänge derZeiten — Sein! 7. Unter der Sünde erliegen sah ich Kuschans Zelte, zu zittern haben nur die Zeltenwände des midjanitischen Landes. 8. Also in Zeitenströmen waltet Gottes Zürnen? Wenn in diesen Strömen Dein Zorn, wenn in diesem Meere Dein Unwille waltet, wenn Du Deine Rosse besteigst, so bedeuten Deine Lenkungen Heil! .9. Unverhiillt und enthüllt Dein Bogen, die den Stämmen geleisteten Schwüre bleiben ein ewig Gotteswort —: Die Ströme durchbricht die Erde. 10. Wenn sie Dich schauten und erbebten Berge, dahin geströmt der Wasser Schwall; wenn das Gewoge seine Donner vernehmen ließ, zur Höhe seine Wucht erhob; 11. Sonne, Mond dastanden an die Stelle gebannt, bei dem Lichte Deiner Pfeile, die dahinfahren, beim Scheine des Blitzes Deines Speeres; — 12. wenn Du mit Zorneslaut die Erde durchschreitest; im Zorne Völker niedertrittst — : 13. so zogst Du aus zum Heile Deines Volkes, für das Heil Deines Gesalbten, zerschmettertest das Haupt vom Hause des Frevlers, um die Grundlagen aufzudecken bis au den Hals. 14. Mit seinen eigenen Pfeilen durchbohrtest Du das Haupt seiner Fürsten, die daherstürmten, mich zu zerschmettern, ihr Jubelgeschrei, als gelte es, den Armen im Verborgenen zu verspeisen! 15. Wenn Du Deine Rosse das Meer betreten lässest, so werden zu gefügigem Thon die mächtigen Fluten! 16. Da ich's vemahm, da erbebte mein Inneres, bei der Kunde waren meine Lippen gelähmt, Moder kam in mein Gebein und an meiner Stätte erzitterte ich, der ich ruhig zu bleiben habe selbst am Tage der Noth, der über das Volk Heraufziehen soll, das uns mit seinen Schaaren überfällt. 17. Wenn auch der Feigenbaum nicht mehr blüht und kein Ertrag ist an den Weinstöcken; wenn versagt das Werk des Oelbaumes und keine Nahrung bietet die Flur; wenn geschwunden ist aus der Hürde das Schaf und kein Rind mehr in den Ställen; 18. So jauchze ich freudig auf von Gott getragen, ich juble durch den Gott meines Heils. 19. Gott, mein Herr, ist meine Kraft, er macht meine Füße den Rehen gleich und auf die mir bestimmten Höhen wird er mich führen! — Deshalb weihe ich mich Ihm, der mich durchdauern läßt in meinen Melodien." * q- * Von der gewöhnlichen, wettabweichenden Auffassung zeigt sich z. B. in folgenden Versen : Hosea X, 14; ibd. XI, 4. XIV, 3. Joel IV, 14. Amos V, 26. Micha II, 6—8. Nahum I, 10. ibd. IV, 3. Zeph I, 2. ibd. II, 1. III, 1, 10. Sachar. II, 12. III, 8. IV. 7. Uebersehen hat der Herausgeber, daß in Hosea VII, 9. der zweite Halbvers und in Chaggai II, 23, das von Hosea so vorzüglich gedeutete und geistreich erklärte Dniro l'nvvl unübersetzt geblieben sind. Die Einleitung zu jeglichem der zwölf Bücher gaben an Geschichtlichem das, was überhaupt festzustellen ist in gedrängter Kürze und nehmetl stets auf alles Einschlägige Rücksicht. Mit den Ergebnissen moderner Geschichtskritik ist Hosea offenbar vertraut, geht ihr aber aus dem Wege, weil er ja selbst aus dem Vollen zu schöpfen vermag. Wo sich Gelegenheit bietet werdeit Reflexionen über vergangene und gegenwärtige Zustände innerhalb und außerhalb Israels angestellt; der universell gebildete Mann und Denker zeigt sich mit untrüglicher Deutlichkeit. Ich muß gestehen, daß noch keine Wiedergabe der zwölf Propheten mit solcher Gegenständlichkeit und lebendiger Actualität auf mich gewirkt hat, wie diese, der die zündende Feuerkraft und heilige Begeisterung des Urtextes ungeschwächt innewohnt. Deshalb ist der Wunsch des pietätvollen Herausgebers, den wir mit ihm theilen, ein berechtigter, daß es dem Buche vergönnt sein möge, „immer innigere Vertrautheit mit dem erhabenen Inhalte und immer deutlicheres Bewußtsein von der unwandelbaren Geltung des Prophetenwortes zu schaffen und zu verbreiten." D'jro 7i2">2 „Der altbiblische Priestersegen." Ein Thema für alle Tage und alle Menschen. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger in Hamburg. Frankfurt a. M 1901. I. Kaufmann's Buchhandlung. Man steht in jüngster Zeit den Erzeugnissen jüdischer Kanzelberedtsamkeit oft mit einiger Skepsis gegenüber, -indem gleichwie bei vielen anderen modernen Erscheinungen auch auf diesem Gebiete eine Massenproduktion sich geltend gemacht hat, welche neben manchem Guten und Gediegenen auch viel Minderwerthiges zu Tage förderte. . Um so anmutbender und erfreulicher wirkt es, wenn man auf den homiletischen Büchermärkte wieder einem Werke begegnet, welches nicht blos oberflächlicher vorübergehender Lectüre, sondern eingehender gründlicher Beobachtung würdig ist. Dies gilt voll und ganz von vorliegendem Werkchen, welches eineit Cyclus von Predigten bildet, die in einer der vornehmsten jüdischen Gemeinden Deutschlands in jüngst vergangener Zeit gehalten wurden. Der Verfasser, einer der bekanntesten und sympathischesten deutschen Kanzelredner der Gegenwart, nennt sich mit berechtigtem Stolze einen Schüler Adolf Jellinek's, und er hat dies in vorliegendem Werke wiederum glänzend bewiesen. Denn so wie Jellinek bei aller modernen Form und Färbung seiner Predigten sich dennoch wohl bewußt war, daß diese nach ihrem Geistesgehalte, nach ihrem Aufbau und ihrer Gedankengliederung in altjüdischem Boden wurzeln, daß sie nichts Anderes seien, als die alte Derascha der classischen Haggadisten, umgegossen in die Redeform der Gegenwart, so hat auch Leimdörfer in seinem „altbiblischen Priestersegen" diese Gattung homiletischer Darstellungskunst mit Meisterschaft zu handhaben verstanden und wieder neu zu Ehren gebracht. Dem engen und knappen äußeren Rahmen, welchen die kurzen, aphorismenartigen Erklärungen der Talmud- und Midraschquellen zu dem dreifach gegliederten Priesterfegen (4. B. M. C 6, V. 22, ff) darbieten, hat der Verfasser eine Füllung gegeben, welche in Wahrheit, wie der Titel besagt, ein „Thema für alle Tage und alle Menschen" bildet. Nur das aus lebhafter Phantasie und gleichzeitigem tiefen realen Verständniß zusammengesetzte Anschauungsvermögen, wie es dem tüchtigen Prediger eigen, konnte es zu Wege bringen, an der Hand der Worte des Priestersegens mannigfache Bilder ans dem Leben des Einzelmenschen, sowohl wie aus dem der Gesammtheit aufzurollen, welche den so unbestimmt und abstract scheinenden Inhalt des Priestersegens zu concreter Anschaulichkeit bringen, das todte Wort zu sichtbarem Leben erwecken. Den Anfang bildet mit der Ueberschrtft „Quelle" eine Erörterung der den Segen einleitenden und beschließenden Gottesworte, der kulturgeschichtlichen Höhe und Bedeutung, zu welcher diese Worte emporwachsen, wenn sie von dem Maßstate gemessen werden, den die Auswüchse der Hierarchie bei anderen Völkern an die Hand geben, Zerrbilder der Cultur, von denen unterschieden die Ahronidenpriester in Israel nichts Anderes zu sein scheinen, als gehorsame Diener des ewigen Gottes, die nicht nach eigenem Ermessen den Segensinhalt für das Volk bestimmen können, sondern sich dabei einer für immer von Gott selbst ihnen vorgeschriebenen Segensformel zu bedienen haben, um „Alles zu vermeiden, was der Hoffart, der Ueberhebung, dem Gelüste einer Suprematie über das Volk Thor und Thür öffnen könnte." (S. 6.) Sodann geht die Betrachtung zur Erläuterung des Inhaltes der Segensworte selbst über, und indem sie in jedem der 3 Theile des Priestersegens wiederum je zwei besondere Glieder findet, ergeben sich sechs verschiedenartige Segnungen und demgemäß sechs weitere Predigten mit den Titeln „Segen", „Obhut", „Erleuchtung", „Gnade", „Liebe" und „Frieden". Auch darin verrathen diese Predigten echt Jellinek'schen Geist, daß Vorfälle und Ereignisse der actuellen Gegenwart als lebensvolle Illustration des jeweiligen erörterten Themas herangezogen werden Denn das ist der besondere Reiz der Jellinek'schen Predigten, daß sie außer ihrer religiösen und homiletischen Bedeutung sehr oft ihrem Inhalte nach ein reflexartiger Ausdruck der Gedanken und Stimmungen sind, welche die großen und kleinen Zeitereignisse in der damaligen Generation hervorgebracht haben. Diesen lebhaften Pulsschlag der Zeit spürt man auch vernehmlich in Leimdörfer's Predigten. Nicht minder sympathisch angeregt fühlt man sich endlich durch die häufig vorkommende geschickte Gegenüberstellung und Vergleichung jüdischer Jdeert mit Aussprüchen und Gedanken aus den antiken und modernen classischen Literaturwerken, sowie mit Grundideen der neueren Philosophie und Wissenschaft So verdient denn dieses Werkchen die liebevolle Beachtung eines größeren und weiteren jüdischen Leserkreises, welcher aus ihm geistige Erhebung, aber auch neue Kraft und Begeisterung schöpfen möge zur Treue und Anhänglichkeit an den angestammten Glauben der Väter. „Pans Gelächter". Satyren. Erste Serie von Oscar Wal deck. Verlag Gebrüder Schwarz, Preßburg. „Ich tauche meine Feder ein — ein Klecks, und was wie Gold geschienen — sagt uns in der kurzen Vorrede der Autor — „ist verrostet Eisen". Wie er auf den Gedanken kam, Satyren zu schreiben, erzählt uns die erste Satyre:

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