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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
– (sequence 16)
Language
German
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i gggrr1! ij.i Seite 380 Dr. Vloch's Wochrnschrifk. Nr. 22 „Mich hat ein Floh gejuckt, Ich hab's ihm abgeguckt, Jetzt jucke ich die Flöhe, Wo ich sie jucken sehe —" und so geißelt er das papierene und paragraphirte Jahrhundert, wo es auch immer in seiner Blüthe sich uns zeigt. Was ist ihm ein Minister, ein Statthalter, ein Theaterdirector, ein moderner Dichter u. s. w. — Bier Zeilen „befsig better" gewürzt und das Häßliche am Charakter eines Repräsentanten der Zeit ist bloßgelegt. Wenn Pau lacht, spielt irgendwo in dieser Welt ein Mann der Zeit Comödie. Schlimm kommen dabei fort die beiden Antipoden, Semiten und Antisemiten, schlimmer noch die sogenannte« Philanthropen der Philanthropen. Wer lustig lachen will, lese Pan's Gelächter. —s.— Neue Schriften: Samuel Meisel's, (Tarnopol). „Der Friedensgedanke im Judenthume", Tarnopol, Verlag des Berfaffers, Podolische Buchdruckerei 1901. Lazare Sain^an, „Une Carriäre Philologique“. Les Peripeties d’une Naturalisation, Paris, Chez Larousse 1901. Dr. Bernhard Ziemlich. „Eine Bücherconfiscation zu Fürth im Jahre 1702". Sonderabdruck aus dem Gedenkbuch zur Erinnerung an David Kaufmann. Commissionsverlag von Georg Rosenberg, Fürth-Nürnberg 1901. Eine Jüdin als Ehrenbnrgerin einer deutschen Residenzstadt. Am 30. April, am ersten Jahrzeitstage des sel. Barons von Cohn, spielte sich in der sonst so stillen Residenzstadt ein Ereigniß ab, das größere Kreise gewiß interessiren dürste. Eine Jüdin wurde „Ehrenbürgerin" der Stadt — eine Thatsache, die in den Geschichtsbüchern der deutschen Städte bisher noch nicht vorgekommen ist. Die jüngste deutsche Ehrenbürgerin hat nicht allein von ihrem Vater, dessen Persönlichkeit seinerzeit gewürdigt wurde, den guten Namen und den großen Reichthum geerbt, sondern sie versteht es auch, als treue Tochter unseres Volkes, von den Gütern, .die nur zeitlichen Werth haben, auch für alle Zeiten Gutes zu stiften und so die Erinnerung an den Vater und sich stets festzuhalten. Es war der Wunsch der edlen Spenderin, ihrer Vaterstadt eine gemeinnützige Einrichtung zu schaffen, welche der Stadtverwaltung Gelegenheit geben sollte, die Noth der leidenden Mitmenschen zu lindern. Schöner konnte diese Absicht nicht erfüllt werden, als durch die Stiftung eines Armenhauses. Frau Baronin von Cohn, verwitwete Oppenheim, der es, wie bekannt in Anbetracht der großen Verdienste ihres sel. Vaters, wie ihrer eigenen Humanitären Thätigkeit, gestattet wurde, den Titel und Namen des Verstorbenen zu sühren, gab der Stadt eine namhafte Summe zur Errichtung eines genannten Zwecken dienenden Hauses, und am ersten Jahrzeitstage, ist die Anstalt eröffnet worden, worauf Oberbürgermeister Dr Ebeling und Stadtverordnetenvorsteher Justizrath Dr. Döring sich in die Wohnung der Frau Baronin begaben und ihr einen künstlerisch ausgeführten Ehrenbürgerbrief überreichten, der folgenden Text hat: Der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt Dessau beurkundet hiemit, daß Frau Baronin von Cohn-Oppenheim kraft einstrmmigen Beschlusses des Gemeinderathes, nach §§ 55 uni» 58 Nr. 3 der Gemeindeordnung, in Anerkennung ihrer in wahrhaft großherziger Weise durch Schenkungen' und Stiftungen für die Stadt Dessau bethätigten Liebe zu ihrer Vaterstadt, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Dessau verliehen ist. Unter der Stadt Jnsiegel und Unterschrift. Dessau den 30. April 1901. Der Magistrat der Stadt Dessau Dr. Ernst Ebeling, Oberbürgermeister. Briefkasten. M. W—g. Die Sache ist ganz richtig. Der Herr Abgeordnete Ernst Schneider hat nicht nur jetzt die Minister der Bestechlichkeit geziehen, sondern auch schon vorher in öffentlicher Landtagssttzung die Päpste, welche die Blutbeschuldigung als Lüge brandmarkten, als „Judenknechte" bezeichnet. I. D—t. Aus Raumrücksichten können wir hier nicht sämmtliche wohldotirten Stellen verzeichnen, welche die antisemitischen Parteiführer innehaben. Das sind aber dieselben Herren, die, solange sie in der Minorität waren, die Bekämpfung der Stellen-Cumulirung als einen Programmpunkt aufstellten. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef M. g. Der Lehrer K a tschinka jun. wird von den dermaligen Machthabern eben zweifach gehaßt. Erstens, weil er ein freisinniger Mann, zweitens, weil er der — Sohn seines Vaters ist. Bei ihnen heißt es: Die.— Tugenden der Väter sollen geahndet werden bis in das zweite und dritte Geschlecht. Justus Wenn die Herrschaften Jemandem etwas am Zeuge flicken wollen, so machen sie ihn vor Allem zum Juden. Der Herr Regierungsrath Oskar Teuber ist weder Jude noch Judenstämmling. I. L. Ein aristokratischer Abgeordneter soll neulich über die Straßenmisöre, die Sie beklagen, sich geäußert haben: „Kein Wunder, daß die Christlich-Socialen die Straßen nicht kehren lassen. Sie brauchen ja Sand, um ihn in die Augen der Bevölkerung zu streuen. a. h. Warum soll V e r g a n i sich nicht über den Ton der Deutschnationalen im Parlamente beklagen dürfen? Hört man denn nicht die Damen vom Naschmarkt, wenn sie miteinander zanken, sich gegenseitig den Mangel an gutem Ton vorwerfen? H. R—g. Die Leute geberden sich, als wäre die Begnadigung Hilsner's ein Nationalunglück. Zuletzt hängt sich Einer oder der Andere von ihnen aus purer Verzweiflung darüber auf, daß Hilsner — nicht gehenkt wird. Anton H. Herr M a s a i d e k, der so viel Gift und Galle über die freisinnige Presse verspritzt, ist darum doch Mitglied der „Concordia" geblieben. „Nominöses.«' Der Musikkritiker der „Deutschen Zeitung" hat eben zwei Seelen in seiner Brust. Eine antisemitische, wenn er für Wahner schreibt, eine philosemitische, wenn er für den „Pester Lloyd" schreibt. Es geht eben nichts über die — Vielseitigkeit. I. W. Die Meinungen über Dr. Lueger gingen insofern auseinander, als der Abgeordnete S ch u m e i e r neulich im Parlamente meinte, er wäre vom Haus aus nicht viel werth gewesen, während der Vertheidiger Lueger's behauptete, derselbe sei erst durch seinen Verkehr so verdorben worden. „Leser". Das ist ein Jrrthum. Der biblische Satz: „Aug' um Aug', Zahn um Zahn" hatte niemals in seiner wörtlichen Bedeutung Geltung gefunden. Die andere Deutung gehört in die Kategorie der Fabeln, wie die von dem „Gott der Rache". Danksagung. Allen verehrten Herren und Damen, welche sich anläßlich meines 70jährigen Geburtstagsjubiläums in so liebenswürdiger Weise meiner erinnerten, sowie denjenigen, welche das Fest durch ihre Theiluahme verschönerten, spricht seinen tiefgefühlten, innigen Dank aus Ignaz Blau, städtischer Lehrer i. P. u. Religionslehrer. JULIU8 MEINL Kaffee-Import WIEN-BUDAPEST- BRÜNN CENTRALE; WIEN, I., FLEISCHMARKT 7 FILIALEN IN WIEN; II. Taborstrasse 26 III. Landsfrasse Hauptstrasse IV. Wiedener Hauptstrasse 16 VI. Mariahilfer srrasse 31 A/II.NeusNfhgasse 28 VII. Mariahiiferstrasse 112 IX. Servitengasse 12 X. Himbergerstrasse17 Xll.Schönbrunnerstrasse 261 XVII. Hernajser-Linie Stadtbahn-Viaduct 86 XVIII. Wähningen-Linie Stadtbahn-Viaduct 118 S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII.

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