Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 22 (31.5.1901)
- Date
- 1901-05-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 Sette »75 Vr. Vloch's Wochenschrift. Vereinsmitglieder, insbesondere das Ehrenmitglied Cnltusvorsteher Adolf Lieblich und dessen Stellvertreter Simon Feldmann. Nach Verlesung und Verificirung des Protokolls der Generalversammlung wird seitens des Vorsitzenden der Rechenschaftsbericht erstattet, aus dem zu entnehmen ist, daß sich das Vereinsvermögen in den letzten 10 Jahren um nahezu 25.000 Kronen vermehrt habe und' nun 40.410*28 Kronen betrage, obwohl der Verein seinen armen, kranken Mitgliedern ärztliche Hilfe, Medicamente und Geldaushilsen in sehr zahlreichen Fällen gewährt, wie überhaupt in jedem Falle ausgiebige Hilfe jedem Vereinsmitgliede zukommen ließ. Unter den Einnahmen des letzten Jahres sei besonders beachtenswerth die Post „Spenden statt Grabkränze". Der hieraus sich ergebende Betrag per 495 Kronen wurde zur Anschaffung von Grabsteinen für arme Mitglieder verwendet. Mit großem Beifall wurde hierauf dem Vorstande das Absolutorium ertheilt. Herr Cnltusvorsteher Adolf Lieblich dankte sodann in überaus warmen, anerkennenden Worten allen Mitgliedern des Vereines, insbesondere dem Präsidenten, Herrn Oesterreicher, für sein zielbewußtes, humanes, ersprießliches Wirken und spricht den Wunsch aus, die Chewra-Kadischa möge stets in so segensreichem, wahrhaft jüdischem Geiste fortwirken. Zum Schluffe theilt Herr Oesterreicher noch mit, daß dem im Vorjahre gefaßten Beschlüsse der General-Versammlung entsprechend, den Damen Bertha Oesterreicher, Babette Kohn, Käthe Rosner und B. Herschmann kalligraphisch ausgestattete Dankadressen für ihre über jedes Lob erhabenehumane, liebevolle Betheiligung an allen Unternehmungen des Vereines überreicht wurden. Von diesen vier Damen sind nun Dankschreiben eingelangt, in denen sich die edlen Frauen auch weiter in den Dienst der Chewra-Kadischa stellen. Die Mittheilung wird mit großem Beifall entgegengenommen und sodann die Versammlung geschlossen. Sch. Budapest, 27. Mai. (Rabbinerjubiläum.) Heute Vormittags von 10 bis 1 Uhr war das mit Palmen und Lorbeerbäumen reich geschmückte Arbeitszimvier des Rabbiners der Pester israelitischen Gemeinde L. P o l l a k der Schauplatz einer erhebenden Feier. Pollak, der in der Synagoge in der Rombachgasse bereits durch drei Jahrzehnte höchst verdienstvoll wirkt, feierte heute die Vollendung seiner halbhundertjährigen Rabbinerthätigkeit. An seinem Jubel- und Ehrentage war der noch rüstige Jubelgreis Gegenstand der sinnigsten Ovationen. Es gab Adreffen, Ehrendiplome, Telegramme, Briefe uud kostbare Geschenke in Menge. Nicht nur hiesige, sondern auch Mitglieder anderer israelitischer Gemeinden des In- und Auslandes, ganz besonders aber zahlreiche Rabbiner wetteiferten mit einander, den Jubelrabbiner zu beglückwünschen. Pollal's geräumige Wohnung konnte die große Zahl der erschienenen Festgäste kaum fassen. Wir nennen die Deputationen des vom Rabbiner Pollak gegründeten Vereins „Nächstenliebe" (Ahasraß Reim) mit dem Präsidenten Tempelvorsteher Jakob B o s ch a u und dem Vicepräsidenten Tempelvorsteher Julius Adler. Als Sprecher fungirte Direktor Arnold Kohn, dann kam die Deputation der Synagogenbesucher mit ihren Vorständen Leopold K epp ich, Eduard Fleischmann. Samuel M ü n z und Abraham Nagler, ferner Obercantor Jacob B a ch m a n n, Professor Moriz R 6 t h y, Dr. Emil Farkas u. A. Sprecher waren Docent Dr. Max Schächter (ungarisch) und Rabbiner F e l d m a n n (deutsch). Cantor Josef Keller verlas eine von ihm verfaßte, im classischen Hebräisch gehaltene Adresse und Dr. Armin M u r a n y i überreichte den Stiftungsbrief über eine 500 Kronen betragende Rabbiner L. Pollak- Stiftung zu Gunsten des Vereines „Nächstenliebe". Hierauf kam der „Chinuch-Neorim"-(Jugenderziehungs-)Lerein, ebenfalls eine Gründung des Rabbiners Pollak, geführt von Jacob Messing er. Sprecher «war der Gemeindelehrer Goldberger. Es folgte die Deputation der israelitischen Religionsprofesforen, als deren Sprecher Dr. David Schön fungirte. Nun kamen die Vertreter der Altofner Jsraelttengemeinde und der Chewra-Kadischa unter Führung des Präsidenten Samuel Ehrlich und des Oberrabbiners Dr. Elias Adler, die passende Ansprachen an den Jubilar richteten. In Vertretung des Rabbinats überbrachte Dr. Samuel Kohn die herzlichsten Gratulationen. Die Pester israelitische Religionsgemeinde repräsentirten Universitätsproftssor Dr. Ignaz Goldziher und der Cultuschef Samuel Deutsch. Alle Ansprachen erwiderte der Jubilar voll tiefer Rührung. Adressen liefen ein von der Pester israelitischen Religionsgemeinde, der Pester Chewra-Kadischa, dem Pester israelitischen Frauenverein, den Synagogenbesuchern, von den hiesigen Gemeindebeamten, von dem Verein „Nächstenliebe" und von dem Jugenderziehungsverein; ferner von der Jsraelitengemeinde der Chewra- Kadischa und dem Poel-Z:dek-Bereiu in Neutra; von der Jsraelitengemeinde und dem Rabbinate in Prag und von der Jsraelitengemeinde in K r e m si er. Depeschen kamen von den Rabbinen: Hirsch (Hamburg), Dr. Himmler (Neutra), Dr. Kopfstein (Beuthen), Dr. Cohn (Jnowrazlaw), Dr. Fischer (Prag), Dr. Rosenfeld (Czernowitz), Dr. .Cohn (Breslau), Dr. Venetianer (Neupest), Dr. Austerlitz (Eperies), Dr. Stein (Tirnau) und Dr. Rosenberg (Arad), von den Jsraelitengemeinden in Arad, Jnowrazlaw, Altofen, Topolya und Janowitz, von der Chewra-Kadischa in Neutra, ferner von dem Präsidenten der israelitischen Religionsgemeinde Sigmund K o h n e r, vom Präsidenten der Neutraer Jsraelitengemeinde Joseph Engel, vom Secretär des ruffischen Großindustriellen Polyakoff Dr. Herz u. A. Endlich erhielt der Jubilar auch viele kostbare Ehrengeschenke. Noch sei erwähnt, daß der Dichter S. Cohn in Prag, der berühmte Verfasser des „Gabriel", sich mit einer kleinen Widmung einstellte. Er schrieb nämlich seinem Freunde: «Der Gott, der es gewollt — Daß Du vom Silber kamst zu Gold — Der führe Dich an seiner Vaterhand — Vom Golde auch zum Diamant!" Würzburg, 15. Mai. Heute fand vor dem hiesigen Landgerichte als Berufungsinstanz die Verhandlung gegen den Redacteur der antisemitischen „Neuen bayerischen Landeszeitüng" Thomas Memminger wegen groben Unfuges in Sachen der Fleischbesudlungs-Berleumdung statt. Nach eingehenden Beweiserhebungen und Verlesung der Gutachten, von denen 2 auf Antrag des Angeklagten und eines seitens der Anklagebehörde eingeholt wurde, erging folgendes Urtheil: Das Berufungsgericht ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß die vom Angeklagten aufgestellte Behauptung im Talmud nicht enthalten sei und daß auch der Geist des Talmud keinerlei Anhaltspunkte für die durch die Landeszeitung verbreiteten Bezichtigungen bietet. Wenn auch die Böswilligkeit des Redacteurs nicht direct nachgewiesen werden kann, so sei doch bei der bekannten antisemitischen Tendenz des Blattes eine der Böswilligkeit sehr nahe kommende Leichtfertigkeit unzweifelhaft anzunehmen. Weiterhin ist das Gericht mit der Borinstanz der Ansicht, daß eine Beunruhigung gewiffer Kreise vorhanden gewesen sei, nichts destoweniger mußte es zu einer Verwerfung der Berufung gelangen, weil der inkriminirte Artikel nicht als die einzige, oder als hauptsächliche Ursache der Beuruhigung erwiesen werden konnte. Der Berufung des Angeklagten, wonach die in 1. Instanz erwachsenen Kosten der Entlastungszeugen auf die Staatscasse zu übertragen seien, wurde stattgegeben. Berlin. Zum Director der reorganisirten preußischen Hypotheken-Actienbank ist von der ordentlichen Generalversammlung der Bankier Emil Salomon in Berlin einstimmig gewählt worden. Herr Salomon war bei den gesammten Vorarbeiten, die in der endgiltigen Sanirung der Preußischen Hypotheken-Aetienbank ihren Abschluß gefunden haben, in hervorragender Werse thätig. Er war zuletzt Vorsitzender des Curatoriums der Bank und unter seiner Leitung ist der letzte Geschäftsbericht der Preußischen Hypotheken-Actienbank zu Berlin hergestellt worden. Emil Salomon ist ein geborener Berliner und seit dem Jahre 1869 dort als Bankier etablirt. Er ist seit zwölf Jahren Mitglied des Börsenvorstandes und gehört feit drei Jahren dem Aeltestencollegium an. Außerdem ist der neuerwählte Leiter der Hypotheken-Actienbank Mitglied der Zulassnngsstelle für Werthpapiere. Als Handelsrichter hat Herr Salomon in den Jahren 1890— 95 in Berlin fungirt. Er hat den deutsch-französischen Krieg im Brandenbnrgischen Füsilierregiment mitgemacht und ist Lieutenant der Landwehr a. D. Bei Vionville wurde er durch einen Schuß in das linke Bein schwer verletzt. Die Annahme der Stellung als erster Director der reorganisirten Preußischen Hypotheken- Actienbank hat Herr Salomo» davon abhängig gemacht, daß ihm eine hervorragend tüchtige vertrauenswürdige Kraft an die Seite gegeben werde. Vermischtes. Wien. Am 8. Juni d. I. feiert der allgemein beliebte Erste Cantor der israelitischen Cultusgemeinde in Wien Herr Moritz Blatt mit seiner Gattin Therese geb. Goldmann das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Cantor Blatt erwarb sich während seiner 21jährigen Amt-Wirksamkeit allgemeine Sympathien und Werthschätzung. Sch. Wien. (Verlobung.) Fräulein Ernestine Friedmann. Tochter des bestbekannten Fabrikanten und Installateurs Herrn S. F r i e d m a n n, hier, hat sich mit Herrn Isidor B e i n- Hacker vom Hause Jacob Ehrenwald hier, verlobt. Wien. (Trauun g.) Sonntag den 2. Juni l. I., 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel XX. Kluckygasse, die Trauung von Fräulein Henriette G u t h, Tochter des Restaurateurs Herrn M. Guth, mit Herrn Max Schwarz, Kaffer - Hausinhaber in Wien, XX., Mathildenplatz 2 statt.