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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 22 Seite 873 Vr. Block's Wvchenfüzcnr. In der äußersten Verlegenheit Lhat die Regierung ssgar den Schritt, sich an die Juden zu wenden und ihren Patriotismus anzurusen. Diese erhoben energische Einsprache in öffentlichen Versammlungen und vertheidigten auch in der Presse mit aller Kraft ihre Eigenschaft als Autochthone, so daß es die Regierung nicht wagte, in diesem Punkte von ihnen eine Nachgiebigkeit zu fordern, aber der Kriegsminister Lee ca und der Justizminister Stolojan machten im Köhlerglauben an den Reichthum der Juden und die Millionen, über welche angeblich die Alliance Jsraelite verfügte, den Juden den Vorschlag, die oppositionellen A bgeordneten mit Geld zu gewinnen. Der Justizminister ließ mir zu diesem Zwecke durch Herrn Paul Bukowineanu eine Liste von Abgeordneten zukommen, die ich noch besitze, auf welcher die judenfresserischen Abgeordneten, die als käuflich vermuthet wurden, mit einem Kreuz bezeichnet waren. Wir gaben ihm die Antwort, daß wir zu so unwürdigen Mitteln nicht greifen können, nicht greifen wollen. Angesichts der unermeßlichen Schwierigkeiten und der Fortdauer der geheimen Verhandlungen mit Deutschland, beschloß unser Actionscomit^, in Bukarest eine Berathung angesehener Juden, welche die rumänischen Gemeinden delegiren sollten, zu veranstalten, damit die unter diesen ernsten Verhältnissen zu ergreifenden Mittel und die Lage in Erwägung gezogen werden. X. Die Anträge Heraclid i's. In der am 15. October abgehaltenen Versammlung der Juden wurde das Verlangen des Abgeordneten H e r a c l i d i, eines Mitgliedes der judenfrefferischen Section der Kammer, kundgegeben, daselbst erscheinen zu dürfen, um namens der Opposition Anträge zu stellen. Dem Verlangen wurde Rechnung getragen und der Abgeordnete Heraclidi legte folgende Anträge vor: „Wir wissen, daß Sie sich hartnäckig weigern, individuelle Bitten um Naturalisation dem Parlamente zu überreichen, wahrscheinlich well Sie hoffen, in die Regierungsliste ausgenommen werden zu können: Sie müssen aber-wissen, daß nach der Absicht der Regierung nur etwa höchstens 1000 Personen in diese Liste ausgenommen werden sollen, für welche die Anerkennung als Bürger begehrt werden wird. Unsere Partei, die dem Listenproject sich nachdrücklich widersetzt, bietet Ihnen die Naturalisation von 3000 Personen an, wenn Sie, wie andere Fremde, das Gesuch unterzeichnen, denn, -wenn wir auch den Grundsatz gleichen Rechtes anerkennen, wollen wir doch durchaus nicht Ihnen den Rechtsgrund der Jndigenalität zusprechen." Wir gaben ihm folgende Antwort: „Die Eigenschaft der Jndigenalität kann uns Niemand bestreiten. Wir besitzen sie gesetzlich seit Jahrhunderten, ohne den Titel Bürger zu führen. Die Frage, wie viel Personen jetzt diesen Titel erhalten und an den politischen Wahlen theilnehmen dürfen, beschäftigt uns gar nicht. Was uns zu allermeist angeht, ist das Los des Restes der jüdischen Bevölkerung, der Sie die bürgerlichen Rechte nicht gewähren wollen. Wir wollen wissen, ob nach dem Sinne der Opposition dieser Theil der Bevölkerung in den Genuß der bürgerlichen Rechte wieder eingesetzt und ob die einschränkenden Gesetze, wie alle quälerischen und willkürlichen Maßnahmen nicht mehr werden angewendet werdenv Heraclidi entgegnete: „Unsere Partei ist geneigt, die Feindseligkeiten gegen Ihre Glaubensgenossen einzustellen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Ausnahms- und Unterdrückungsgesetze werden aufgehoben werden." Nach lebhafter Verhandlung beschloß die Versammlung, im Princip die Vorschläge des Abgeordneten Heraclidi anzunehmen, auf die frühere Entscheidung zurückzugreifen, den eingeborenen Juden zu gestatten, individuelle Naturalisationsgesuche zu überreichen, allein folgende Bedingungen festzustülen: I. Um genau zu constatiren, daß wir nicht der Opposition nachgegeben haben, muß vorerst die Regierung befragt werden, ob sie diese Vorschläge annimmt, und muß mit ihr ein Einvernehmen gepflogen werden, welches die verläßliche Ausführung der nachfolgenden Bestimmungen, welche die wesentlichen Forderungen des Einvernehmens enthalten, gewährleisten soll. 3.'Die eingeborenen Juden, die noch nicht den Bürgerrang erhalten, um die politischen Rechte auszuüben, werden dennoch die bürgerlichen Rechte genießen, sie werden überall Grundstücke und Weingärten erwerben und besitzen dürfen, ausgenommen ländlichen Großgrundbesitz, dessen Erwerb an den Besitz politischer Rechte geknüpft ist. 3. Sie werden frei und überall jeden Handel, jede Industrie, jedes Gewerbe betreiben dürfen, das Advocarengewerbe inbegriffen, und werden zu jeglichem öffentlichen Amt befähigt sein (übereinstimmend mit Artikel 46, Pariser Vertrag). 4. Alle bestehenden, einschränkenden Gesetze sind aufgehoben und keine gesetzliche oder administrative Verfügung, die nicht allgemeine Geltung hat, wird künftig auf sie allein angewendet werden dürfen. 5. Die dreitausend Juden, die auf Grund individueller Ansuchen naturalisirt werden sollen, werden von den Judengemeinden im Verhältniß zu ihrer Mitgliederzahl bestimmt. Nebst diesen dreitausend Juden aus dem Bürgerstande werden in gleicher Weise sämmtliche Soldaten, die an dem Kriege gegen die Türkei theilgenommen haben, als Bürger anerkannt. Die Versammlung setzte ferner eine Commission von fünf Mitgliedern ein — zu denen auch ich gehörte, — welche diesen Beschluß der Regierung zur Kenntniß bringen und mit ihr über die einzuschlagenden Wege verhandeln sollte. XI. Die Naturalisirungs frage. . Am nächsten Tage wurde das Comits, dem sich Abgeordneter Heraclidi angeschloffen hatte, vom damaligen Minister des Innern, Cogalniceanu, zu dessen Ressort die Angelegenheiten der Judengemeinden gehörten, in besonderer Audienz empfangen. Der Minister, der vom Zweck unseres Besuches unterrichtet war, rief bei unserem Eintritt aus: Welch ein Wechsel in den Zeiten und den Sitten! Der Judenfresser, Hand in Hand mit den Juden, — und zum Abgeordneten Heraclidi gewendet —. fügte er hinzu: „Mein Herr, ich kenne nicht die Beweggründe ihrer Aäion, aber selbst wenn jüdisches Geld Sie zu diesem Schritte bestimmt hätte, würden Sie einen großen Act von Vaterlandsliebe vollziehen, denn das Land und die Regierung find in eine gefährliche Sackgasse gerathen." Er wendete sich dann zu uns und sagte: „Sie kennen meine Gesinnungen in Bezug auf Sie und meine Liebe zum Fortschritt, sie werden mir von einer aufgeklärten Vaterlandsliebe geboten, die mein Land in die civilisirten Staaten eingereiht sehen will. Deshalb habe ich mich vom Beginne des Krieges in einer Note, die ich Ihnen mittheilen werde, an meine Collegen gewendet, um sie zu beschwören, einen muthigen Schritt zu thun und aus eigenem Antriebe jene großen Reformen zu vollenden, die ich seit der letzten Botschaft des Fürsten Cusa*) zur Verbesserung Ihrer Lage im Sinne des Fortschritts anempfohlen habe, und in vollem Umfange Ihre Emancipation vorzubereiten, bevor Sie uns als einem Barbarenvolke von Europa auferlegt wird. *) Dieser Fürst, der ebenso energisch war wie sein Minister, und der trotz der heftigen Opposition der Bojaren die erwähnten zwei großen Reformen: die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Verstaatlichung der Kirchengüter durchgeführt hatte, war entschlossen, sein Werk durch die Emancipation der Juden abzuschließen. Er sagte in seiner Thronrede bei Eröffnung der Kammer am 6./ «8. December 1865: „Meine Regierung wird Maßregeln ergreifen, um die Rumänen jüdischenGlaubens zu emancipiren". Die Bezeichnung „Rrunnui äs ritnl mosaic“ war die der Juden unter der Regentschaft dieses Fürsten in allen seinen Actenstücken und nicht die der „Straini", Fremden, wie sie heutzutage benannt werden.

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