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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette S70 Dr. Bloch's Wochenfttzrlft. Sammtliche 50 Sttstungsschulen waren im abgelaufcnen Schuljahre von 9934 Knaben besucht. Außer den Tagesschulen bestanden in 29 Stistungsschulen Abendcurse, größtevtheilS für das Schulalter bereits entwachsene Analphabeten, und zwar in Bialykamien, Bohorodczany, Boryslaw, Bursztyn, Ezernelica, Gologory, GwoLdziec, Horodenka, Jagielnica, Kobomea, Koffow, Mikulince, Monasterchska, Ottynia, Pomorzany, Rawa ruska, Rozwadow, Saffow, Skole, ßniathn. Stanislau, Tarnow, Tlmnacz. Tysmiernca, McieczL», Wiönicz, Zablotow, Zaleszczyki, Zloczow. Die Abendcurse wurden zusammen von 1496 Schülern besucht. Die Frequenz an den Stistungsschulen war im abgelaufenen Schuljahre eine konstante, da die hygienischen Verhältnisse im Allgemeinen günstigere waren, als in den vorängegangenen Jahren. Es zeigte sich dies auch darin, daß nur wenige Stiftungsschulen und auch diese nur für kurze Zeit infolge von Epidemien gesperrt wurden. Gefördert wurde dieser Gesundheitszustand zu nicht geringem Theile auch durch die Aufführung eigener Schulhäuser, welche allen modernen Anforderungen der Schulhygiene entsprechen. Die Stiftung ist dermalen im Besitze von 31 eigenen Schulhäusern, von denen manche bereits infolge unerwartet rasch anwachsender Frequenz erweitert werden mußten. Subventionen erhielten die Schulen in Brody, Zablocie (Saybusch), Tarnopol, Bolechow mb Suczawa (Bukowina). - In den verschiedenen galizischen Lehrerbildungsanstalten befanden sich 46 Schüler, welche Stifttmgsstipendien genoffen. Die Zahl der Handwerkslehrlinge ergibt sich aus Folgenden!: Nach Schluß des Schuljahres 1898/1899 verblieben in der Lehre 726. Im Laufe des Schuljahres 1899/1800 wurden steigesprochen 167. Nachdem ferner 84 Knaben die Lehre verlaffen haben, verblieben bei Meistern 490. Somit betrug der Stand der Lehrlinge mit Ende des Schuljahres 1899/1900 618. An 20 Zöglinge des Brodyer Waisenhauses behufs Zuführung derselben zum Handwerke und an 20 Handwerkslehrlinge in der Bukowina wurden Stipendien gewährt. In der Schlofferwerkstätte in Rzeszow waren im Schuljahre 1899/1900 18 Zöglinge, von denen mit Ende des Schuljahres 9 zu Gesellen freigesprochen wurden. Die praktische Arbeit dauerte täglich 7 Stunden, der theoretische Unterricht eine Stunde. An Sonntagen wurde Zeichenunterricht durch 6 Stunden ertheilt. f '!‘ Da die meisten Knaben während des abgelaufenen Schuljahres freigesprdchen werden sollten, wurden die Knaben ausschließlich mit der Anfertigung von Schlofferarbeiten beschäftigt, die in der Praxis häufig Vorkommen. Die Knaben lernten gut und rasch arbeiten. Gelegenheit hiezu gaben die Aufträge des Curatoriums, für die Baron Hirsch- Schule in Tarnow und Delatyn Schlosserarbeiten auszüführen. Im Schuljahre 1899/1900 wurden beim Handwerk 128 untergebracht. Schließlich sei noch bemerkt, daß 14 fleißige Gewerbe- und Fachschüler mit Stipendien bedacht wurden. In der Zusammensetzung des Curatoriums traten Aenderungen ein. Herr Ministerialrath Witold Hausner ist aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten und hat die k. k. Regierung den Gymnasialprofeffor, Herrn Saturin Kwiatkowski zum Curätor ernannt. Religionsunterricht und Vibellrsen. Von Ph. Lederer, Pilsen. Die Urquelle eines jeden Religionsunterrichtes, bei Juden wie bei Christen, ist die Bibel. Ohne dieses Fundament kann"an einen gediegenen Unterricht in der Religion nicht gedacht werden. Ob tvir nun von dem Glauben an Gott, von dein Vertrauen auf Gott, von Tugend, Moral, Sittlichkeit, Menschlichkeit, Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Redlichkeit, Seligkeit oder von welchem religiösen Gedanken immer ausgehen Mögen und daraus eine Lehre entwickeln wollen, so werden wir immer <mf dieses erste Religionsbuch der Menschheit zurückgreifen muffen, darin wir des Menschen Wesen und Bestimmung, fein Dasein wie seine Zukunft, seine Entstehung und Ausbreitung als Volk und Nation dargestellt und ausgeprägt finden. Dieses unser ältestes Schriftwerk, das den Stempel der Gottheit an seiner Stirne trägt, enthält alle wesentlichen Momente der ältesten Geschichte unseres Volkes, sowie die Lehren der Religion über unser Verhättniß zu Gott und zu unseren Nebenmenschen. Doch eben deshalb, weil dieses große und erhabene Werk aus einer Zeit entstammt, aus welcher kein anderes Volk der Welt eine zusammenhängende Geschichte aufzuweisen hat, dieses unerreichte «nd unerreichbare Buch daher einzig in seiner Art dasteht, indem eS Wer Länder und Völker berichtet, welche vor mehr als fünftausend Jahren einen Namen und eine weltgeschichtliche Bedeutung gehabt haben, der Inhalt desselben daher durch kein anderes Geschichtswerk contwlirbar ist, haben in neuerer Zeit gelehrte Forscher an dieses Denkmal MS grauer Vckrzeit die Sonde der Kritik angelegt und von ihrem Standpunkte aus dasselbe behandelt und beurtheilt. Einer der radicalsten Geschichtsschreiber dieser Art ist Herr Profeffor Dr. Bernhard Stade in Gießen, der in seiner „Geschichte des Volkes Israel" in kühnem Gedankenfiuge Jahrtausende des Bibeltextes mit seiner historisch-kritischen Methode zur Fabel umwandelt. Es hat viel Mühe und Anstrengung gekostet, dieses große Werk auf solche Weise discreditiren zu wollen; man muß daher diesen ganzen großen Apparat von Gedankenarbeit, Scharfsinn, Geist, Witz und Satyre mit voller Aufmerksamkeit studiren, um Absicht, Tendenz und Zweck des Buches herauszufinden. Um den Leser so recht auf den Pfad des Jrrthums zu leiten, wird alles dazu mit Umsicht und Vorsicht vorbereitet und eingeleitet. „Es kann nicht energisch genug davor gewarnt werden", sagt Professor Stade, „daß man sich hüten muß, auf die alttestamentliche Religion etwa den Schleiermacher'schen Grundsatz anzuwenden, daß das eigenthümliche Wesen der Religion am reinsten an ihrer Quelle zur Anerkennung kommt. Es ist das die unrichtige Verallgemeinerung einer am Christenthume gemachten Beobachtung." Das spricht deutlich genug und läßt über Ziel und Richtung des Verfassers keinen Zweifel zu. Sein Bestreben geht einfach dahin, jeden vermeintlichen unbedeutenden Widerspruch in den biblischen Büchern zu großen Beweisen für Fälschungen hmznstellen und den Pentateuch in seiner Gesammtheit als Fabel zu erklären. Wenn wir nun auch nicht in Abrede stellen wollen, daß Professor Stade ein Forscher von großer Bedeutung ist, dessen Leistungen auf dem Gebiete alttestamentlicher Wissenschaft hervorragend sind, so muß dsnnoch andererseits wiederum constatirt werden, daß die Jrrthümer großer, geistreicher Männer diesem ihrem großen Geiste glcichkommen. Um über ein Werk, dessen Inhalt eine mehr als dreitausendjährige Geschichte umfaßt, derart abzuurtheilen, müssen andere Beweise gebracht werden können, als blos vage Vermuthungen und Darstellung von Wahrscheinlichkeiten über das, was „anscheinend möglich, vermeintlich oder zweifelhaft ist." Dazu kommt aber noch der Umstand, daß in neuerer.Zeit das Gegentheil von dem, was Professor Stade anstrebt, durch ganz andere staunenerregende Beweismittel, durch Zeugnisse aus der Urzeit des Menschengeschlechtes handgreiflich und unwiderleglich mit Evidenz nachgcwiesen wird. Es sind keilschriftliche Denkmäler, welche in neuester Zeit durch Forscherfleiß entziffert worden sind und Vieles enthalten, was mit dem Bibeltexte vollkommen übereinstimlnt. Die Entdeckungen dieser Art haben viel zur Aufhellung der Geschichte des Alterthums' beigetragen, und noch lange ist dieses reichlich vorhandene Material nicht am Ende seiner Enthüllungen angelangt. Es ist hoch intereffant zu lesen, wie die verschiedenen Keilschriftgattungen, zur Entzifferung gelangten, womit bedeutende Männer seit Jahrhunderten sich befassen und große Leistungen im Interesse der Geschichtswissenschaft aufzuweisen haben. Sehr populär und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit ist die „Geschichte Babyloniens und Assyriens" von Dr. Fritz Hommel, Privatdocent an der Universität München, gehalten. Die Einleitung dieses bedeutsamen Werkes enthält m ihrem vierten Abschnitte eine ausführliche Abhandlung über das Keilschriftsystem in seiner historischen Entwicklung und im fünften Abschnitte die Geschichte der Entzifferung und der Ausgrabungen Wir finden aber auch in diesem trefflichen Geschichtswerke Hommel's die für uns sehr wichtige Thatsache dargestellt, daß die Geschichte Babylons mit ihren Enthüllungen aus grauer Vorzeit manche Anknüpfungspunkte an unser Buch der Bücher enthält, welche ganz besonders gegen die Ausführungen der Bibelkritiker sehr werthvoll sind. Im Gegensätze zu Professor Stade bringt Dr. Hommel eklatante Beweise für die Lauterkeit und Echtheit des Bibeltextes, dessen Inhalt mit den Enthüllungen von Inschriften auf altbabylonischen Denkmälern übereiustimmt. Wenn Professor Stade mit dem Aufwande seiner ganzen Geisteskraft bemüht ist, die Erzählungen der Bibel als apokryph -darzustellen und ihren Inhalt in das Reich der Fabel zu versetzen, fö erbringt Dr. Hommel authentische Belege für die Wahrheit und Richtigkeit dieser Urkunden der Vorzeit, dessen Argumente unanfechtbar sind. Es wird unsere Leser sicherlich interessiren, wenn wir hier einige Stellen aus diesem herrlichen Buche hervorheben, und "gar mancher dürfte dadurch veranlaßt werden, das Werk in seiner Vollkommenheit kennen zu lernen. Auf Seite 8 seiner „Geschichte Babylons und Assyriens" schreibt Dr. Hommel: „Was ist es, das unser Herz höher schlagen macht, wenn die babylonisch-assyrische Geschichte ihre Blätter uns zu entrollen beginnt? Was die Ursache, daß keiner ohne Spannung das darin Berichtete anhören kann, daß vom Anfang bis zu Ende, auch wenn hie und da in monotoner Weise eim Zeit lang Unbedeutendes den Fluß der Entwicklung zu hemmen scheint, dennoch Jeder wieder von Neuem gefesselt wird', und daß trotz der entworfenen dürren Skizze doch ein farbenreiches Gemälde aus jener Geschichte entsteht, wenn man sie nur in die rechte Beleuchtung rückt? Worin liegt es, daß trotz der viel.en neu auftauchenden Namen, Gestalten und Orte uns fast überall heimische Luft anweht, daß alte, längst vergessene Erinnerungen sich frisch beleben und neues Interesse erwecken? Die zahlreichen Beziehungen zur biblischen Geschichte, zur Geschichte .des Volkes Israel, sind es einmal 7 und in erster Linie, die solches bewirken. Auch für Diejenigen, welchen dieselbe längst den Schimmer des Heiligen, den froinmer Kindesglaube einst um sie gewoben, verloren hat, ist doch der Reiz nicht entschwunden, den alles, was von den Jugendtagen zu uns herüberklingt, unvergänglich in . sich trägt und auch bis ins späteste Alter beibehält. Um wie viel mehr aber muß der, dem die moderne Cultur und ihre falsche Aufklärung noch nicht den letzten Rest des Glaubens an ein göttliches Walten

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