Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 21 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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■jniM»«iw’arMaaB»w»i:-n»wwea» imw.'ii.1! SM- 362 Doch herrlicher noch, Als die Gaben der Erde, War die Gabe des Himmels, Welche uns brachte Vom Sinai Berge Ein Lehrer und Weiser An diesem Tage. Thora! Du gabst uns Erleuchtung und Wissen, Tröstung im Leiden, In Noth und Verfolgung. In treuem Glauben Um Dich wir kämpften, Du einziges Kleinod, Das uns geblieben Von allem Glanze! Berlin. N. Al. Daniel. Ismaei. Psychologische Skizze von Janina Beaudouin de Courtelia»). Autorisirte Uebersetzung aus dem Polnischen von Malwiua Blumberg. (Fortsetzung und Schluß.) Physisch und moralisch gebrochen mit einem kranken, kraftlosen Willen, suchte ich meine letzte Zuflucht in wisienschaftlicher Arbeit. Ich wollte mich nur von eigenem Erwerb erhalten und so war es denn natürlich, daß ich in der kleinen, armen Universitätsstadt bald am Hungertuche zu nagen begann. Mein erhitztes, ermüdetes Hirn war damals nicht im Stande, ernste, systematische Studien unter Ihrer Leitung zu betreiben. Ihre Geist und Herz erquickenden Lehren mußten spurlos an mir vorübergehen, denn ich war in dem unseligen Augenblick zu Ihnen gekommen, da ich Glaube und Hoffnung verloren hatre. Doch verstand jd} eS damals nicht, Trost zu finden in der poetischen Prophezeiung meines biblischen Königs: »Der Gerechte — einer Palme gleich wird er aufblühen, — wie die Cedern auf dem Libanon sich mehren/ Wir sollen einst Könige gewesen sein?! Wir! . . . . X. Mein schwacher Charakter hielt nicht Stand. Meine physische und psychische Krankheit steigerte sich. Ich fühlte mich als senden, zertretenen Wurm, deffen Leben Niemandem nützen könne, um wie viel weniger noch sem Tod und sein Martyrium. Und sonderbar, — gerade jetzt begann mein persönlicher, mit Füßen getretener Stolz sein Haupt zu erheben, sich zu empören, zu klagen. Das Mitleid mit mir selber, das in einem Augenblicke der Schwäche Einzug in meine Seele gehalten hatte, schlug dieselbe in immer süßere Bande. Schuldbewußt gestehe ich, daß ich die Arme sehnsuchtsvoll nach diesen goldenen Ketten ausstreckte. Den Staub von den Füßen schütteln und wandern. Ha! fliehen . . . fliehen, wie ein „echter Jude!" wie ein nichtswürdiger Feigling! — sagte ich mir, um daun wieder einzuwenden: nein! nur wie ein Mensch, der dem Dasein einen so. blutigen Tribut gezahlt hat, daß er berechtigt ist, den noch übriggebliebenen Theil seines Lebens in Ruhe zubringen zu wollen. Meine Mutter sagte mir einst, mein Wesen erinnere mehr an Don Quixote als an Hamlet. Soll ich auch fernerhin, wie jener Ritter von La Mancha mit dem Kopfe an Mauern schlagen, die noch Jahrhunderte lang Bestand haben werden, bis sie endlich einstürzen und strahlendes Licht die Trümmer überflucheu wird?! . . . Ich, ein schwaches, krankes Menschenkind, sehne mich heule nur nach Ruhe und belebendem Balsam, wie einst Jsmael in der Wüste nach erquickendem Wasser sich sehnte. Fliehen dorthin, wo nur Stille, Ruhe und Natur zu finden. Und wäre es auch Todtenstille, Grabesruhe und von der Natur nichts als Wüste und Steine. Und es gibt ein solches Land. Still und todt. Ein riesenöroßes Denkmal des größten Volkes auf Erden. Das der Menschheit einst gelobte Land, die Liebe, die Heimat des auserwählten Volkes. Zu Füßen der himmelanstrebenden Cedern breitet es seine goldig wogenden Felder aus, und in seiner Mitte werden die Augen der Bewohner von den blauen Fluthen zweier großer Seen erfreut. Nr. 81 Und hier, in dem Glanze und der Gluth der Sonne, in der Kühle, die von den Bergen niederströmt auf dem sammtgrünen Rasen der Thäler, zwischen den unbezwingbaren Mauern der Festungen, umhüllt von dem Weihrauchdampfe, der goldenen Tempeln entsteigt — herrschte dos einzige, alle anderen überragende Volk, das königliche Volk, das heute zum verachteten, beschimpften Sclaven der Völker herabgesunken ist. Mit kräftiger, nimmer ruhender Hand bearbeitete es dieses Land, umkränzte es mit Weinbergen, pflegte zahllose Viehherden und betete zu seinem Gotte, daß er diesem Boden Segen spende. Auf den Stufen der Jahrhunderte sinkt das auserwählte Volk immer tiefer, aber das Band, das diesen Stamm mit Gott verbindet, ist unlösbar. Und mein in Folge ungerecht erlittener Qualen flammend loderndes Auge erblickte plötzlich ein Licht, das den Nebel zertheilen, kühlen Schatten, der meinen glühenden Kopf umfangen, sammtweichen Rasen, auf den meine schwachen Füße ruhen konnten. Wolken- und dornenlos ist mein Paradies. Der Herr des Lebens rief den Abkömmling der Galiläer wieder zu sich. Wie still es dort ist! Die Gegenwart schlummert und träumt von den Wundern der Vergangenheit. Weder Verfolger, »och Verfolgte gibt es dort, weder Verächter, noch Verachtete. Das öde Thal Josaphat's, wo dereinst die Feinde und Freunde aller Zeiten und aller Welten einander begegnen werden. Die altehrwürdige, einzige Heimat des Juden... nur hier ist er kein Verbannter. Muthig erhebt er das Haupt, athmet in vollen Zügen die Luft seines eigenen Landes. Sein Antlitz, seine Gewandung, hier, in diesem stillen, biblischen Lande sind sie auf dem rechten Platze. Mehr als das, er ist die Hauptgestalt auf diesem alterthümlichen Bilde. XI. Also als Jude —und ausschließlich als Jude — eilte ich in das gelobte Land und meine kranke Seele entfaltete die Schwingen zu diesem weiten Fluge. Ich weiß nicht, wie viele Tage, Monate, Jahre seit meiner „Heimkehr" verstrichen find; heute ist meine Seele wehmüthig, aber still; sie ruht aus und . . . singt . . . Wie ein mit den Wellen Ringender einen nackten Felsen zu erreichen sucht, weil er weiß, daß er dort vor den Fluthen geborgen ist, so sehnte ich mich, das gelobte Land zu erreichen. Ich dachte an keinen Hunger, ich fürchtete keine Einsamkeit . . . , im Gegentheil, ich suchte sie. Nachdem ich die europäische Hülle abgestreift, trank ich gierig, leidenschaftlich und mit dem beglückenden Bewußtsein des neuerwachten Lebens aus diesem Kelch der Freiheil, der, wiedergefundenen Menschenwürde und der Ruhe. Die Rose von Jericho, die in Europa verwelkt und verdorrt war, trieb frische Blüthen. Wie mein Körper in die orientalische Tracht, so hüllte meine schläfrige, träge, träumerische Seele sich in ein neues Gewand. In dieser ganzen Erzählung habe ich. nicht ein einziges Mal der großen Liebe meiner Jugend, der Musik, Erwähnung gethan. In den schwersten Augenblicken meines Lebens war ich ihr treu geblieben. Hungrig und ohne Erwerb hatte ich niemals die mir feindliche Menge mit meinem Cello amüsiren wollen, obgleich ich den Enthusiasmus meiner Professoren und Collegen, die mich im Hause meiner Mutter hatten spielen hören, nicht vergessen hatte. Wie häufig hatten sie in mich gedrungen, in der Hauptstadt öffentlich aufzutreten. Unterricht hätte ich erlheilt, aber ich war so krank und entnervt, daß ich die falschen Griffe der Schüler nicht ertragen konnte. Die späteren Kämpfe, die mich in den Abgrund stürzten, verschlangen auch diese singenden Wellen, die seit meiner frühesten Kindheit in mir und um mich geklungen und geflüstert hatten. Ich wollte mich vergessen — sie vergessen — und endlich gelang es mir; sie hörten auf, mich zu reizen, hörten auf, ihr Recht gebieterisch zu fordern. Aber in einer dieser ernsten sternenhellen Nächte, als ich träumend auf dem flachen Dache eines arabischen Hauses lag, begannen eigenarttge Klänge mich zu umschweben. Erst einzeln, schüchtern und leise... dann lauter und lauter . . . mächtige, in einander fließende Accorde ... und singende, bis nun nicht gekannte, nicht geahnte Stimmen. Fremde, eigenartige Klänge, entlockt einer vielseitigen Harfe, Zither oder Laute... oder Tausenden von Harfen, Zithern und Lauten. Der himmlische Sturm der Accorde verbreitet sich im Raume, umfluthet mich, schwebt über mir . .. Und die Stimmen, die Stimmen ... so viele sind ihrer, und doch klingen sie so einig und harmonisch, als wenn.sie der Brust eines einzigen Sängers entströmen möchten. Dr. Äioch's Wochen schra^