Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 21 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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.■hm.,,.. Seite 360 Bloch's WochBNlckrtft. Nr. 21 haben, nicht nur zugenommen, sondern gegen das verflossene Jahr noch eine kleine Abnahme erfahren hat, hat sich doch vor einigen Tagen in London eine Gesellschaft zur Unterdrückung der Einwanderung von fremden Armen gebildet. Die Gesellschaft nennt sich selbst die „Gesellschaft der englischen Brüder", obgleich ihr einzig auf Menschenhaß und Mensche'nverfolgung gerichtetes Ziel nichts weniger als brüderlich ist. Wenn jedoch der Name der Gesellschaft auch ebenso verlogen wie heuchlerisch ist, so ist doch ihr Ziel klar uud ganz unzweideutig. Wenigstens hat es der Gründer der Gesellschaft und Parlamentsmitglied, der englischen Oberbruder Mr. Murray Guthrie ganz ungenirt ausgesprochen. Dieser Herr war ehrlich genug, in seiner bei der Gründung der Gesellschaft gehaltenen Rede alle Phrasen und Redensarten bei Seite zu thun und mit sehr lobenswerthem Cynismus das Kind bei seinem wahren Namen zu nennen. Ec gab nämlich zu, daß er weder gegen die Fremden noch gegen die „Paupers" etwas einzuwenden habe. Sein Wunsch sei nur der, die Einwanderung von Juden zu verhindern. Das brutale Parlamentsmitglied für Bow hat seinen Haß gegen die Juden auch motioirt. Mr. Guthrie meinte, die Juden halten sich immer abseits und wollen sich nicht den Engländern affimiliren. Da jedoch die eingewanderten russischen Juden bereits in der zweiten Generation alle Sitten und Gewohnheiten des echten und rechten Engländers annehmen, so kann die von Mr. Guthrie so schmerzlich vermißte Assimilation nur auf religiösem Gebiete liegen. Mr. Guthrie ist wohl der Ansicht, daß die fremden jüdischen „Paupers" wohl bessere englische Bürger würden, wenn sie aus schlechten Juden sich in noch schlechtere Christen verwandeln würden. Das Mitglied des Unterchauses Mr. Dewar theilte unter großem Jubel seiner Zuhörerschaft mit, daß er fest entschlossen sei, die Frage im Parlament so lange anzuschueiden, bis dieselbe nach Wunsch gelöst ist. Es ist das derselbe Mr. Dewar, der seine Wahl ins Parlament eben diesen fremden Paupers zu verdanken hat, die er jetzt, wenige Monate nach seiner Wahl, als ein Unglück für das Land erklärt. Sowohl Lord Rothschild einerseits als den Zionistenhäuptling Sir Francis Montefiore andererseits haben de« russischen Juden aufs Eindringlichste empfohlen, Mr. Dewar zu wählen. Lord Rothschild empfahl den Mann, weil er der conservativen Partei angehört, während Sir Francis Montefiore den verlogenen Antisemiten empfahl, weil dieser sich verpflichtet hat, im Unterhaus« für den — Zionismus zu wirken. Wir sind empört, zu hören, daß die unwissenden Juden in Galizien hin uud wieder einem antisemitisch angehauchten polnischen Schlachzizen ins Abgeordnetenhaus verhelfen. Jetzt haben zwei sich modern dünkende Londoner Juden dasselbe gethan. Sie haben damit einem Menschen zu einem Mandat verholfen, der seinen Einfluß dazu mißbrauchen will, so lange die Fremdenfrage in England immer wieder und wieder anzuschneiden, bis den Juden die Einwanderung in England verboten wird. Wie». Aus Constantinopel wird gemeldet: Der Sultan empfing nach dem Selamlik den Präsidenten des zionistischen Actionscomitäs Dr. Theodor Herzl und die Herren Marmor e k und Wolffsohn in 2*/r ständiger Audienz. Dr. Herzl wurde vom Sultan durch Verleihung des Großcordons des Medschidje-Ordens ausgezeichnet. — Budapester Blätter und Berliner Zuschriften geben der Ansicht Ausdruck, daß es sich um einen „Theatereoup zu Gunsten des diesjährigen Zionistencongresses" handelt. Wir unserseits wollen uns hüten, voreilig zu «rtheilM. Sollte es Herr» Dr. Th. Herzl gelingen, Nützliches für unsere Gesammtheit beim Sultan zu erwirken, so werden wir die ersten sein, ihn zu beglückwünschen und unsere Opposition gegen seine Pläne einzustellen. % Wien. Das Organ „Monitor", des Lemberger Äbgeordneten Streiter, brachte vor Kurzem eine Notiz, daß auf einer den Pariser Rothschilds gehörigen Petrvleumgruben alle Juden, namentlich auch der Pförtner Krügel, entlassen worden seien. Sollte eiu derartiger Vorfall sich ereignet haben, so muß es sich jedenfalls um andere Besitzer handeln. Wenigstens ist der Name Krügel auf der Grube Mraznica nicht bekannt, und an anderen Petroleumgruben Galiziens sind die Pariser Rothschilds unseres Wissens nicht betheiligt. Es liegt anscheinend eine Verwechslung mit einer anderen Grube vor. Wien. (Prediger Man n h eimer- Verein.) Am 17. October d. I. gelangen die Zinsen des „Prediger Mnnn- Heimer-Vereines" zur Bertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich- Ungarn, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. an den „Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines", Wien, I., Börsegasse Nr. 9 zu übersenden. Wien. Der Großindustrielle Herr Moriz Doctor wurde von Sr. Majestät dem Kaiser durch den Titel eines Commercienrathes ausgezeichnet. E. B. Wien. (Todesfall.) Vorige Woche verschied in Capri, wo er zur Erholung weilte, Herr Ferdinand G o l dschwidt, Chef der Bielvhrader Mechanischen Weberei,- nach langem und schweren Leiden, tiefbetrauert von seiner gramgebeugten Witwe und feinen verwaisten Kindern. Der Dahingeschiedene erfreute sich wegen seiner Leutseligkeit und Humanität, insbesonders aber wegen seines gediegenen Charakters in weitesten Kreisen allgemeiner Sympathien. Wien. Beim Leichenbegängniß des seligen Herrn Abraham Zak, Schwiegervater des k. t. Hoflieferanten Herrn Hermann Beck, hat Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Jul. Max Bach die Trauerrede gehalten, welche auf Angehörige und Anwesende einen tiefen Eindruck gemacht hat. Wien. Der bekannte Gelehrte Mayer Fried m'a n n, Lector am Bet-ba-rnickrsseb und Lehrer am Rabbiner-Seminar in Wien, vollendet am 4. Thamus, das ist am 21. Juni d. I., sein 70. Lebensjahr. Wien. Das Lehrbuch der jüdischen Geschichte für die Oberstufe der österreichischen Mittelschulen, bearbeitet von Prof. Dr. M. Brann, 2. Theil, ist mit Erlaß des hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht zum Gebrauche Melassen worden. Wien. (Jubiläum) Anläßlich des 70. Geburtstages desstädtischen Lehrers i. P. und derzeitigen Religionslehrers Herrn Ignaz Blau veranstalteten Schüler und College» des verdienstvollen Jubilars am 18. d. M. eine Festfeier in der Restauration Guth. Der Feier wohnten nebst zahlreichen Freunden, Schülern und Kollegen die Herren Schulinspectoren Prof. Kanitz und Dr. Langfelder, der Secretär der israelitischen Cultusgemeinde Herr Jul. Braun, meä. Dr. M. Deutsch u. A. bei. Von der außergewöhnlichen Beliebtheit und Anerkennung, deren der greise Jubilar in allen Schichten der Bevölkerung erfteut, zeigten sich die überaus zahlreichen Telegramme und Zuschriften, die aus dem Jn- und Auslande einliefen. In besonders anerkennenden, warmen Worten gratulirte das Präsidium der Cultusgemeinde. der Cultus- und Bethausvorstand von Ottakring. Beim heiteren Festmahle toastirten die Herren Schulinspectoren Dr. Langfelder und Prof. Kanitz. Letzterer feierte in - geistreichen Worten den Lehrerstand überhaupt und das anspruchslose, höchst verdienstvolle Wirken des Jubilars insbesondere. Herr Lehrer Epstein beglückwünschte den Jubilar namens der Lehrer und Collegen, Herr Secretär Braun namens der Beamten, Herr Dr. Deutsch überbrachte die herzlichsten Grüße und Glückwünsche namens der zahlreichen Freunde. In überaus warmen Worten feierte sodann Herr Lehrer I. Heksch, als einstiger Schüler des Jubilars, die außerordentlichen Verdienste desselben als Pädagogen und Erzieher und in wahrhaft rührenden Worten hob er seine Verdienste auf humatärem Gebiete hervor. Es sprachen noch die Herren Zechendorf, Weiß, Schulhof u. A. Die schöne Feier währte bis in die späte Nachtstunde. Möge es dem verdienstvollen Jubilar gegönnt sein, noch viele, viele Jahre sich der aufrichtigen Sympathien seiner zahlreichen Freunde und Schüler zu erfteuen! Leb. W Wien. Als Nachtrag zu unserem vorwöchentlichen Berichte über die Bar ruir^vab-Feier im Hause des Baron von Rothschild berichten wir, daß sämmtliche Speisen für das Familien-Dejeuner von dem in culinarischer Beziehung geradezu berühmten Restaurateur T o n e l l o beigestellt wurden und allgemeinen Beifall fanden. Wien. (Kranken-Unterstützungsverein „Mens ch e n l i e b e", Wien IX.) Dieser Verein hat sich bereits constituirt und seine Thatigkeit begonnen. Präsident des Vereines ist Herr M. Pilpel. Vicepräses Herr M. Jakobi, Schriftführer Herr Josef Deutsch, kassier Herr Jacob Bartischan, Kassier - Stellvertreter Herr Ignatz Kraus, I. Controlor Herr Max Belläk, II. Controlor Herr Max Popper, Krankencontrolore Herr Zeisel ,en. und Herr Adolf Bock. Ferner als Ausschußmitglieder die Herren: I. L. Löffler, Emanuel Goldscheider, Wilhelm Lederer, Sigmund Wahle, Ingenieur Bauer und Ignatz Groß. Als Vereinsarzt fungirt Herr Dr. Emanuel Deutsch,