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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-24 · 21 (24.5.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
21 (24.5.1901)
Date
1901-05-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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3*m- >;lg».'.t.'»'.«>"-w»Tj.>«-ll |1,.| II I Str. 21 Dr. Vloch's WvchrnfchrM. Seite 35s gewählt. Gleichzeitig wurde dem Borstande das Recht ein geräumt, noch eine Stelle durch Cooptation zu besetzen. Zu Sensoren wurden die Herren S. Steiner und Alfred W a i z n e r wieder- und Herr Bezirksrath Jakob Mensch neugewählt. Eine Scene im österreichischen Parlament vom 88. Mai 1901. Der Präsident ertheilt das Wort dem Abgeordneten Schneider. Diesem sieht man es aus dem ersten Blick an, daß er schon zeitlich Morgens etwas zu viel hinter die Binde gegossen hat. Seine Augen glänzen, das Gesicht ist blutroth, er erhält sich offenbar.nur mit Mühe aufrecht. Auch mit dem Sprechen geht etwas schwer. Nach dem ersten Satz hat er vergessen, was er sagen wollte, und^, so stammelt er dann die Anfrage an den Präsidenten, ob ihm bekannt sei, „welche Faetoren daran schuld seien und mit welchen Summen diese Faetoren von den Juden bestochen worden sind, daß Hilsner bis heute noch nicht gehenkt worden ist und auch nicht gehenkt wird." Die Abgeordneten erkennen sofort, wie es heute mit Herrn Schneider beschaffen ist und begrüßen diese Frage mit lautem Halloh. Dadurch geräth der alte Narr nur noch mehr in Wuth und schreit jetzt laut: „Alle sind bestochen, die Minister haben auch von den Juden Geld bekommend (Neuerliches Gelächter.) Abgeordneter Schneider zum Abgeordneten N o s k e: „Wie viel haben denn Sie bekommen? Alle seidJhr von denJuden bezahlt. Wie viel haben denn die Minister bekommen? Judenknechte!" Dieser Ausbruch von Delirium tremens erregt natürlich Stürme der'Heiterkeit bei den Abgeordneten. Als das Gelächter nicht enden Null, packt Abgeordneter Schneider, dem feine Schimpfworte mehr einfielen, seine Papiere und läuft zur Tbür hinaus. Im Abgehen schreit er noch laut: Leckts mich im Arsch! Herr Schneider ist nicht blos einer der Führer der Wiener Christlich-Socialen, sondern auch ein intimer Freund des Prinzen Liechtensteins Retz. Ende des vorigen Monats führte mich eine sehr traurige Pflicht in die Strafanstalt nach Göllersdorf. Es galt die Vornahme der gesetzlichen Bersöhnungsversuche wegen Lösung der Ehe zwischen einem in der Strafanstalt Jnhaftirten und seiner in Galizien lebenden und zu diesem Zwecke hierhergereisten Gattin. — Das über aus freundliche Entgegenkommen des Strafanstalts-Directors. die warme und aufrichtige Theilnahme, welche dieser dem so tief Gefallenen zuwendete, verdient Erwähnung und Anerkennung, da es für fast unmöglich erscheinen sollte, daß ein Mann, der jahraus jahrein Sträflinge zu beaufsichtigen hat, sich somit unter diesen bewegt — noch ein warm- und mitleidfühlendes Herz bekundet! Ein solcher Mann ist der gegenwärtige Director obiger Strafanstalt. Kaum glaublich klingt es deshalb, daß diese „geschlossene Gesellschaft", der Alles, was die Hausordnung gestattet, erlaubt ist, dennoch zu Excessen sich verleiten läßt, wie dies schon zu wiederholten Malen daselbst vorgekommen ist. J. T. Agram. Die „Agramer Zeitung" berichtet in ihrer Nummer vom 14. d. M.: (Neue Commercialräthe.) Wie wir erfahren, wurde dem Director der Baumwollspinnerei in Dugaresa, .I. Jerusalem, dem Großgrundbesitzer Dragau P. T u rk o v i c, dem Director der Dampf- und Kunstmühle in Agram Julius Weiß und dem Mühlenbesitzer Oskar Weißmayer in Effek als Mitglieder der Waarenwerthbestimmungs- Commiffion im Sinne des mit allerhöchster Entschließung vom 24. März 1901 genehmigten Statutes für diese Commission während ihrer Functionsdauer der Titel eines Commereialrathes zuerkannt. Diesem Berichte ist hinzuzufügen, daß die Herren Jerusalem, Weiß und Weißmayer Juden sind. Sonntag den 12. d. M. wurde hier der Private Herr Adolf Herzel zu Grabe getragen. Die hiesige Gemeinde verliert in dem Dahingeschiedenen einen überzeugungstreuen Anhänger des Judenthums, ein Muster wahrhafter Frömmigkeit, einen edlen Wohltbäter der Armen und Dürftigen. Sein hohes Alter, 75 Jahre, hinderte ihn nicht, regelmäßig Früh und Abend .die Synagoge zu besuchen und sich unentwegt dem Studium jüdischer Wissenschaft zu widmen. Seine Ernennung zum Ehrengaboi von Seite des hiesigen Gemeindeausschusses war eine Krönung seines gott- und menschengefälligen Wirkens. Bei dem Leichenbegängniffe, dem der Ausschuß der Cnltusgemeinde unter Führung des Vorstehers Herrn Joses Siebenschein, ferner seine hochachtbaren und allgemein geschätzten Kinder und eine sehr zahlreiche Menschenmenge anwohnte, hielt Herr Oberrabbiner Dr. Jacobi einen rührenden Nachruf, in dem er die große Liebe des Heimgegangenen zum Judenthume, deffen besondere Anhänglichkeit zur hiesigen Cultusgemeinde, seine Rechtschaffenheit und wahre Religiosität würdigte und seinen Tod als allgemeinen Verlust beklagte. Die cantorale Function leitete Herr Obercantor Reudi, der in ergreifender Weise die rituellen Gebete und Gesänge meisterhaft vorlrug. Berlin. (Die Juden in Rußland.) Der Eintritt von Juden über die russische Grenze ist abermals erschwert werden. Wie wir bereits berichteten, gelangte eine aufsehenerregende Ministerialverfügung, welche von Petersburg an die Grenzzollämter telegraphisch erlassen wurde, an die zuständigen ruffischen Grenzbehörden; dadurch wurde der jüdischen Handelswelt ein schwerer Schlag versetzt. Nach diesem telegraphischen Erlasse ist bis auf Weiteres allen Juden des ruffischen Reiches der Uebergang auf das preußische Gebiet trotz Grenzlegitimationsscheines strengstens verboten. Desgleichen ist den Juden auf preußischer Seite der Eingang nach dem russischen Reiche verboten, wenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, in das Innere des Reiches abgeschoben zu werden. Diese unerwartete und plötzlich eintretende Maßregel wirkte wie ein Donnerschlag auf die Jntereffenten. Die vielfach von privater Seite abgesandten telegraphischen Anfragen haben nur negative Ergebniffe gehabt. Sofort nach Verkündigung des telegraphischen Ministerialerlasses mußten die in früher Morgenstunde auf Grund ihres Grenzlegitimationsscheines nach Rußland gekommenen preußischen Juden das diesseitige Gebiet verlaffen. Zunzstiftung. Die Zunzstiftung unterstützt ausnahmslos nur solche Arbeiten, welche inhaltlich und methodisch die Wiffenschaft des Judenthums fördern. Nur Anträge, welche mit vollständigen, ein Urtheil ermöglichenden Unterlagen versehen find, werden berücksichtigt. Dieselben sind spätestens bis z u m 31. I u 1 i dem Unterzeichneten Vorsitzenden einzureichen. — Für das Jahr 1901 sind überhaupt 1300 Mk. verfügbar. Das Curatorium der Zunzstiftung: Dr. S. Neumann, Vorsitzender, Kurfürstenstr. 126; Dr. A. Abraham, Schriftführer. Berlin, im Mai 1901. Frankfurt a. M., 22. April. Heute Vormittag erfolgte die Amtseinführung des neuernannten Directorder Realschule und höheren Töchterschule der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft, Dr. G. Lange. Im Austrage des königlichen ProvinzialschulcollegiumS zu Caffel begrüßte Schulrath Dr. Kaiser den neuen Leiter der Schule, der dem Provinzialschulcollegium kein Unbekannter sei und dem es gelingen werde, in einmüthigem Zusammenwirken mit seinem tüchtigen Lehrercollegium das reiche Erbe des unvergeßlichen Directors Dr. Hirsch zu erhalten und zu mehren. Unter Hinweis auf die vorher stattgehabte Vereidigung wurde Dr. Lange nunmehr die königliche Bestallungsurkunde ausgehändigt. Namens des SchulratheS gab Rabbiner Dr. Breuer der Freude Ausdruck, daß es gelungen sei, in Dr. Lange den Mann zu finden, dem die Gemeinde ihr höchstes Kleinod, ihre Kinder, ruhigen Herzens anvertrauen könne. In einem geschichtlichen Rückblick auf die Gründung und Entwicklung der Schule, gedachte der Redner deren besonderer Stellung innerhalb der Bildungsarbeit der Gegenwart und sprach die Zuversicht aus, daß die Schule im Geiste ihrer Begründer weiterhin eine Stätte echt humaner und religiöser Menschenbildung bleiben werde. Nachdem hierauf Prof. Dr. Portmann namens des Lehrercollegiums Begrüßungsworte gesprochen, entwickelte Dr. Lange in längeren Ausführungen sein Programm. Bon dem Vertrauen der Behörden wie des Lehrer collegiums gestärkt, von der Liebe der Schüler getragen, hoffe er das Werk seiner Vorgänger erhalten und weiterentwickeln zu dürfen. Mit Vorträgen des Schülerchors begann und schloß die Feier. Paris. (EineSPende desSchah von Persien.) Gelegentlich des großen Ramadanfestes Ende März hat der Vertreter der Alliance in Teheran dem persischen Großvezier eine Visite abgestattet, während welcher dieser dem Vertreter der Alliance namens des Schah sein lebhaftes Bedauern über die während der jüngsten Krawalle in Teheran den Juden zugefügten Schäden ausdrückte und ihm die feste Versicherung gab. daß sowohl er, der persische Ministerpräsident, selber als auch der Schah auf das Wohl der Juden in Persien ein wachsames Auge haben werden. Gleichzeitig theilte er chm mit, daß er den Minister des Auswärtigen angewiesen hat, den Juden von Teheran für den von ihnen erlittenen Schaden aus der Privatschatulle des Schahs 20.000 Mark auszuzahlen. London. (Der Kampf gegen die Fre m,d e n e inwand e r u n g.) Obgleich die Zahl der Fremden, milche in to*. ersten vier Monaten d. I. sich definitiv in Engtauü tuedergelaffcu

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