Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 21 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021407--10871-3035376- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
feejte 3tz2 js^o Bumr « W^ürenMrrrrt» W. 31 strophe u" La Rumänien, die eine Schanhe fürs gesammte Judenthum wären, zu verhüten. Di« ^Israelitische Allianz" sollte mit stammenden Worten für die Wiedererrichtung des zerstörten Familienlebens so vieler Glaubensgenossen, für die thatkräftige Fortsetzung des rumänisch-Mischen Hilsswerkes eintreten und au das Hetz aller Edelsinvige» qppelliren. Der Redner schilderte die Nothlage der Emigranteufannlie mit tiesergreifenden Worten und schloß mit einem feurigen Appell au alle Karteien innerhalb der Generalversammlung. Der Vorsitzende Herr Dr. Alfred Stern erwidert, daß es dieses Appells gar nicht bedurft hätte. Der Vorstand der „Israelitischen Allianz" hat sich wiederholt an die Lomites in Paris und in Amerika zu Gunsten dieser unglücklichen Emigrantensamilien gewendet und immer wieder den Bescheid erhalten, daß die Landung der Frauen und Kinder von der amerikanischen Behörde nicht zugelaffen werde, insolange nicht der Rachweis erbracht sei, dich das betreffende Familienhaupt nunmehr in einer Lage sei, welche ihm die Ernährung seiner Familie gestattet. Nichtsdestoweniger ist der Vorstand gerne bereit, die Angelegenheit dieser unglücklichen Familien bei den betreffenden Comitts nochmals in eindringlicher Weise in Anregung zu bringen. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Koke sch beantragt eine diesbezügliche Resolution, welche von der Versammlung unterstützt wird. Herr Rabbiner Dr. Funk aus Preßburg regt an, eine Propaganda für die „Wiener Allianz" in den ungarischen Gemeinde» in Angriff zu nehmen. Die Pariser Alliance Jsraelite hat in Ungarn zahlreiche Mitglieder, durch persönliche Intervention ist es leicht, diese für die Wiener Allianz zu gewinnen. Redner theilt mit, daß in Ungarn viele Gemeinden von der Existenz der Wiener Allianz nicht einmal Kenntuiß haben. Viele Gemeinden, durch welche die rumänischen Auswanderer kamen, hatten in aufopfernder Weise ihre Theilnahme bethätigt. Es sei daher angezeigt, daß der Vorstand durch persönliche Thätigkeit die ungarischen Gemeinden zur Mitgliedschaft heranziehe. Der Bericht über die Bereiusthätigkeit und die finanzielle Gebahruug im abgelaufenen Jahre wurde sodann von der Versammlung genehmigt. Ms zur Wahl von 5 Mitgliedern des Vorstandes an Stelle der durch das Los ausgeschiedenen Herren geschritten wurde, erbat sich das Wort Herr Dr. Paul Weißen grün, um im Namen des „Jüdischen Bolksvereines" zu erklären: „€>o sehr man mit den Leistungen der bisherigen Vorstandsmitglieder einverstanden sei, empfehle es sich doch, einen neuen Geist in die Verwaltung zu bringen, und deswegen an Stelle jener Herren, welche die Reihe zum Austritt aus dem Vorstände treffe, andere Herren, die er auch namhaft machte, zu candidiren." Von den namhaft gemachten Candidaten gehören zwei (Dr. S. Kornfeld und Dr. Schnürer) der zionistischen Gruppe und drei (Dr. Richard Rappaport, Dr. I. Kohy und Dr. Weißengrün) der Gruppe des .Jüdischen Bolksvereines" am Herr Dr. Kokesch erbittet sich das Wort, um im Namen der Zionisten zu erklären,, daß diese den Vorschlag ablehnen und auch eine etwaige Wahl nicht annehmen werden. Rwrmehrrrbittet sich das Wort Herr Dr. Marcell Hoffmann. Das Erscheinen dieses Redners, dessen Artikel gegen Max Nordau in allen Kreise« des Judenthums ungeheuere Sensation erregten, hat aus die Angehörigen der neuzionistischen Secte wie ein rolhes Tuch gewirkt, sie inscenirten einen wildwüthigen Spectakel, um durch ihr Toben und Lärme» den Redner am Sprechen zu verhindern. Offenbar furchigen diese Herren, daß Herr Dr. H offmann die Thatfache in. gehörige Beleuchtung bringen werde, wie dieselben Leute, welche das ganze Jahr hindurch nicht müde waren, gegen de». Vorstand der „Israelitischen Allianz" die gemeinsten und ehrenrührigsten Verleumdungen auszustreueu und öffentlich nach Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung schrieen, nuumehr, da diese Geueraltzersammlung tagt, von all ihren Beschwerden und Klagen nichts verlauten lassen^ als wäre ihnen der Mund verschlagen. Durch wilden Spectabcl mußte dieser Redner zum Schweigen gebracht werden. Allein Herr Dr. Marcell Hoffntflttn versuchte dem Terrorismus mit Ausdauer Stand zu halten, *uud als der Vorsitzende, um der wilden Scene ein Ende zu bereiten, Herrn Dr. Hoffmann das Wort entzog, wurde diese Maßregel von den Zionisten mit demonstrativem Beifall begrüßt, man vernahm aber auch Aeußemngen des Mißfallens und des Protestes von anderw Seite«, welche die Redefteiheit gewahrt wissen wollten. Unbehindert durch den tobenden Lärm, liest der Borfitzende die Sümmzettel für die Wahl in den Vorstand einsammeln. und erklärte, daß er wegen der herrschenden Unruhe die Sitzung schließe und das Ergebniß der Wahl nachträglich werde publicirt werden. Die Wahl in den Beirath wurde indeß sistirt. Die vorgenommene Wahl ergab folgendes Resultat: Anwesend waren 163 Mitglieder. 136 Stimmzettel waren giltig, 13 ungiltig, 5 leer — Majorität 69. ' ' Es erhielten: Horlier 114 Stimmen, Pollack 111 „ Reitlinger 111 „ Baumgarten 110 „ Kuranda 98 „ Dr. S. Kornfeld 26 u Dr. Schnürer 21 „ Dr. Rappaport 19 Dr. I. Kohn 19 „ Oon Eiden und Meineiden. Zu den vielen ungerechten Vorwürfen, die von den Antisemiten den Juden gemacht werden, gehört auch der des Mangels an Gewissenhaftigkeit, der Geringschätzung des Eides, des gegebenen Wortes. In früheren Jahrhunderten, ja in manchen Staaten noch bis in die neueste Zeit, mußten die Juden, wenn, sie vor Gericht etwas zu beschwören hatten, einen besonderen, eigens für sie abgefaßten, mit gräßlichen Fluchsormeln vollgespickteu Eid ablegen. Auch jetzt beschuldigt man die Juden, daß sie keinen einem Christen geleisteten Eid für bindend halten, und antisemitische Zeitungen pflegen, die jüdischen Feste mitfeierud, wie sie zu Ostern ihren Lesern eine Christenmordgeschichte serviren, ihnen zun: Versöhnungstag das Märchen von dem von allen Schwüren dispeusirenden Kol nidre aufzutischen. Das Christenthum hat die Heiligkeit des Eides aus dem Alten Testament entnommen, in dem an zahllosen Stellen die Heilighaltung des Eides eingeschärft und gepriesen wird. Ausführlich wird (Genesis Cap. 24 und 50, Exodus Cap. 13) erzählt, wie Eleazar und Joseph sich an den von ihnen geschworenen Eid halten. „Falschen Eid hasse ich, spricht der Ewige." (Zacharia VIII 17). „Zu dem heftigen Berge Gottes darf nur der gelangen, der auch den zu seinem schaden geleisteten Eid hält." (Psalm XV 4, XXIV 4.) Ja, Gott selbst ist durch seinen Eid gebunden (Deuteronomium VII 8, XXIX 12, Psalm CV, 9; CXXXII, 11 u. s. w.) Und den andersgläubigen Gibeoniteu wird der von ihnen mit List den Juden entlockte Eid gehalten. (Josua Cap. IX.) Aber nicht blos das Falschschwören und Eidbrechen ist bei den Juden streng verboten; selbst die Wahrheit zu beschwören, besonders wo es sich um minder wichtige Dinge handelt, gilt dem frommen Juden als etwas Bedenkliches, das thunlichst zu vermeiden ist. Trotzdem verleumden antisemitische Skribler die Juden, daß sie sich durch Andersgläubigen geleistete Eide nicht gebunden halten, wie sie ja auch das Blutmärchen emsig, verbreiten, obwohl sie ganz gut wissen, daß die Juden den Genuß des ihnen verbotenen Blutes verabscheuen. Und diese Verleumder und Lügner finden noch immer Gläubige! Oredo quia absurdum. Ein echter Antisemit scheut sich aber ebensowenig, eine Blutwurst zu essen, als sich, wie Rohling, zu einem falschen Eid anzubieten. Es ist merkwürdig, daß die Bibel, die doch von jüdischen Königen und Patriarchen manches Häßliche und Tadelnswerthe erzählt, von Meineiden nichts zu berichten hat. Durchblättern wir aber die Geschichte der christlichen und sogenannten arischen Völker, so stoßen wir fast aus jeder Seite auf Meineide und gebrochene Eide, von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Und die Geistlichkeit leistete manchmal noch Vorschub, indem sie von dem Halten geleisteter Schwüre dispensirte oder geradezu erklärte, daß man den einem Ketzer oder Ungläubigen geleisteten Eid nicht zu halten verpflichtet sei.