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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-24 · 21 (24.5.1901) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
21 (24.5.1901)
Date
1901-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 Vr. Blvch's Wochensüirift. Seite 351 Vte Generalversammlung der „ Israelitischen Allianz" zu Wien vom 16. Mai 1901. Die diesjährige Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" zu Wien war besonders zahlreich besucht, so daß der Saal der Israelitischen Cultusgemeinde als ungenügend sich erwies, die Massen der zuströmenden Mitglieder aufzunehmen. Es hatten sich nicht blos zionistische Führer mit ihrem studentischen Anhang und zahlreichen Angehörigen des „Jüdischen Volksvereines", sondern auch viele Freunde und Vereinsmitglieder der „Israelitischen Allianz zu Wien" eingefunden, welche sonst nie bei einer Generalversammlung des Vereines zu sehen waren. Man erwartete nämlich, daß die zionistischen Wortführer, welche während der letzten Monate, sowohl in ihrem officiellen Amtsblatt. als auch in öffentlichen Versammlungen gegen die Leiter der „Israelitischen Allianz" die schwersten ehrenrührigsten Anklagen erhoben hatten, die Gelegenheit ergreifen werden, diese Anschuldigungen vor der Generalversammlung zu begründen und das Urtheil der Generalversammlung zu provociren. In Erwartung einer solch klärenden Auseinandersetzung waren zahlreiche Mitglieder erschienen. Die Erwartung indeß ging nicht in Erfüllung. Die Generalversammlung wurde diesmal an Stelle des nicht erschienenen Präsidenten Herrn David Mtter v. Gut mann durch den Vice-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern geleitet. Der Vereins-Secretär Herr Dr. Kpaus brachte, den Rechenschaftsbericht zur Verlesung, welchem wir nachstehende Daten entnehmen: Die Hauptthätigkeit concentrirte sich im abgelaufenen Jahre auf das Hilfswerk für die rumänischen Juden. Vom 15. November bis 31. December I960 beförderte die Allianz auf ihre Kosten 611 Personen nach Rotterdam, 64 nach Frankreich, während 112 Personen, deren Weiterbeförderung nicht möglich war, Unterstützung zur Heimreise nach Rumänien erhielten. Der Bericht sagt weiter: Die Weiterbeförderungen erfuhren jedoch eine wesentliche Einschränkung. Die sich mit der Aufnahme der in den amerikanischen Häfen einlangenden Emigranten befassenden Comites erklärten nämlich dem Pariser Comite, daß die Landung einer solch großen Anzahl von rumänischen Auswanderern auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoße, daß die Garantien. welche die amerikanische Regierung verlange, von den Comilös nicht aufgebracht werden können, daß es daher unumgänglich nothwendig sei, die Beförderung in bedeutendem Maße zu restringiren. Das Pariser Counts informirte uns daher, daß es nunmehr lediglich in der Lage sei, 25 Personen (eine Anzahl, die später sogar auf 20 restringirt wurde) in der Woche von Rotterdam aus abzusenden. Diese Maßregel traf uns um so härter, als damals nicht nur Hunderte von Personen bereits auf die Beförderung warteten, sondern überdies täglich eine große Anzahl von Emigranten — und all' dies wenige Wochen vor den Pessachfeiertagen — in Wien ankamen. Wiewohl wir die hier Weilenden einer besonderen sorgfältigen Sichtung unterzogen, war bald — und zwar auf Wochen hinaus — die uns vorgeschriebene Zahl erschöpft. Ein nicht unbeträchtlicher Theil der neu Angekommenen mußte den Heimweg antreten. Wir haben diese Leute nicht nur hier mit Geldmitteln versehen, sondern ihnen auch verhältmßmäßige Unterstützungen in ihrem Heimatsorte anweisen lassen.; . : Erfreulicherweise aber sind wir in der Lage, Ihnen mittheilen zu können, daß nunmehr die seit Langem intendirte Organisation der Auswanderungsbewegung, und zwar in Rumänien selbst durch Errichtung von Comitss in den größeren Städten und durch Einsetzung von Vertrauensmännern an kleinen Orten durchgeführt worden ist. In Hinkunft werden diese Comitös, bezw. Vertrauensmänner unter den sich dort Meldenden die Sichtung vornehmen und die directe Beförderung der Emigranten nach den amerikanischen Häfen vollziehen. Die erste derartige Expedition soll bereits Mitte April von Statten gehen und -ist für die erste Zeit die Beförderung von 200 Personen im Monat in Aussicht genommen. Leider müssen wir constatiren, daß die rumänische Hilfsaction die finanziellen Mittel des Vereines in hohem Maße in Anspruch genommen hat. Da die Ausgaben, die diesem Zwecke zugewendet wurden, bis Ende December 1906 X 243.743-74 betragen haben, die von uns eingeleiteten Sammlungen aber nur eine Summe von X 222.848-01 ergaben, so wurde aus den eigenen Mitteln des Vereines ein Betrag von X 20.895-73 verausgabt. Dieser Betrag hat sich durch die weiteren Ausgaben für Emigrationszwecke im Jahre 1901 auf X 70.000 erhöht. Angesichts dieser bedeutenden Inanspruchnahme unserer ohnehin unzulänglichen Mittel appelliren wir an die Opferwilligkeit unserer Mitglieder und Gönner, daß sie durch Beitragsleistung und Spenden es uns ermöglichen, diese Vermögenseinbuße wettzumachen und die verausgabte Summe zu refundiren. _ ** Einzelnen Opfern der Plünderungen in Mähren' vom Oktober 1899 bewilligten wir im abgelaufenen Jahre Unterstützungen im .Gesammtbetrage von X 830. Anfangs April 1900 wurde uns von einer Seite, die nicht genannt sein will, als Ergebniß einer eingeleiteten Sammlung eine namhafte Summe mit der Bestimmung übergeben, daß davon ein Theil für die nothleidenden Boryslawer Arbeiter, der andere Theil zur Erhaltung und Förderung einer von dem Vereine Ahawath Zion in Tarnow gegründeten Colonie in Palästina (Machnajim) verwendet werden solle. Wir weisen die Beträge in unserem Rechnungsabschlnffe aus. Um die Mitte des Monates April 1900 gewährten wir X 906 zur Anschaffung von Lebensmitteln für die Pessachtuge den in ärgster Noth befindlichen entlassenen Bergarbeitern in Boryslaw. Betheiligt wurden 294 Personen, darunter 175 Kinder. Am 30. April 1900 reiste in miserem Aufträge unser Vereinssecretär gemeinsam mit dem Vertreter der Jewish Colonifation Association Herrn D. Rotier nach Boryslaw, um unter den ihres Erwerbes verlustig gewordenen Bergarbeitern eine sorgfältige Auslese von Personen zu treffen, die sich als geeignet zur Auswanderung nach Amerika erweisen. Demgemäß wählte unser Secretär zwanzig Familien mit 117 Personen aus, deren Familienväter im Alter von 27 bis 43 Jahren standen und den Nachweis zu erbringen vermochten, daß sie in Amerika Verwandte besitzen, die sie empfangen und einem Erwerbe zuführen werden. Fast die doppelte Anzahl von Personen reiste für Kosten der Jewish Colonisation Association ab. Einer Familie mit 8 Kindern gewährten wir zur Gründung einer Existenz in Boryslaw X 800. Wir gewährten ferner einer Reihe österreichischer und ungarischer Gemeinden und Cultusvereine zur Erhaltung ihrer Schulen oder des Religionsunterrichtes an öffentlichen staatlichen Anstalten nach jeweiliger eingehender Prüfung der örtlichen Verhältnisse entsprechende Beihilfe, so nach Aspern ad. D., Atzgersdorf-Liesing. Amstetten, Bruck a. d. L., Bözöd-Ujfalu, Babschitz b. Tabor, Bergreichenstein, Czernowitz i B.. Dürrmaul i. B.. Deutsch-Brod, Freudenthal i. Schlesien, Goltsch- Jenikau, Groß-Enzersdorf, Gänserndorf, Horn i. N.-Oe., Korneuburg, Krems a. d. D., Laa a. d. Th., Neu-Cerekwe, Nyitra-Novak, Pilgram, Radenin. Stanlpfen, Zwittau u. s. w., ferner subventionirten wir den Centralverein für jüdische Angelegenheiten in Prag für dessen Handwerksabrheilung, die Königswarter-Stiftung in Meran, den Jessode Thoras Emeß-Verein in Mattersdorf, den Talmud-Thora- L-chulverein in Wien, den akademischen Studentenunterstützungsverein „Charitas" in Graz, den Verein zur Unterstützung mittelloser israelit. Studirender in Wien, die jüd.-akad. Lesehalle in Wien, den Unterftützungsverrin für Hörer der Rechte in Wien, den rusfisch-akad. Studentenunterstützungsverein in Wien, den Rigorosanten- und Auscultantenverein in Lemberg u. s. w., u. s. w. Zur Förderung von Schul- und Unterrichtszwecken bewilligten wir außerdem Unterstützungen für eine Reihe von Erzeugnissen einschlägiger jüdischer Literatur und Wissenschaft und sorgten nach Möglichkeit für deren Verbreitung. Es erbittet sich das Wort Herr Dr. Niemirower, Oberrabbiner in Jassy, zu folgenden Ausführungen: Im Berichte der „Allianz" ist von den drei Ländern der classiscken Judennoth die Rede. Während man jedoch in Bezug auf die Juden Rußlands und Boryslaws eine günstige Veränderung verzeichnen konnte, hat sich die Lage der rumänischen Juden keineswegs gebessert. Ueber die politischen Verhältnisse will ich selbstverständlich nicht sprechen, da mein Rabbineramt es mir verbietet, Politik zu treiben. In socialer Hinsicht find die unglücklichen Juden Rumäniens nach wie vor auf die Hilfe der ausländischen Philanthropie angewiesen. Die errichteten Bolksk ü ch e n sollten erhalten und die a r b e i t s losen Bauarbeiter, die für lange Zeit keine Aussicht auf Arbeit haben, in jeder Beziehung unterstützt werden. In erster Reihe aber muß für die in Rumänien zurückgebliebenen Emigrantenfamilien gesorgt werden. Als im vorigen Jahre viele Juden in R. zum Wanderstab griffen, waren sie gezwungen, das ihnen Theuerste und Heiligste zurückzulaffen — sich von ihren Frauen und Kindern zu trennen. Für die Auswanderer sorgten die „Allianz"-Gesellschaften zu Wien, Paris u. s. w. Bis heute jedoch verzichten diese bedauernswerthen Männer auf jede Häuslichkeit und verhungern ihre Familien in Rumänien. Bei der Armuth der rumänisch-jüdischen Gemeinden, die nicht organisirt find und zur Erhaltung von Krankenhäusern, Schulen u. s. w. große Summen benöthigen und nur von wenigen Bemittelten aufbringen können, bei der großen Anzahl von Hilfsbedürftigen, die oft den dritten Theil der Gemeinde bilden, ist es den rumänischen Juden unmöglich, die Auswandererfamilien aus eigener Kraft nach Amerika zu befördern. Die großen Spenden, die aus Frankreich, Deutschland, Englands Oesterreich und Amerika kommen, sind in Anbetracht der Anzahl der Armen gering. Die verzweifelten Arbeitslosen werden wild, die verlassenen Frauen und Kinder, die unglücklicher als Witwen und Waisen find, laufen Gefahr, zu Grunde zu gehen. Auch vom Standpunkte der Moral ist es eine heilige Pflicht der Juden aller Länder „moralische Kata-

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