Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 21 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Serie 350 Nr. 21 2*r<> Block s WochrMirM des hygienischen Instituts in Berlin eine Sitzung ab, um den physiologischen Werth des nach verschiedenen Methoden geschlachteten Fleisches in Discussion zu stellen. Vorsitzender der Versammlung war der Geheime Oberregierungsrath Spinola, als Referent fungirte Dr. Krüger vom Berliner Physiologischen Institut. Dr. Krüger schloß seinen Vortrag mit der Erklärung, daß ein Uriheil über die beste Schlachtmethode uicht den Schlächtermeistern, auch nicht den Thierschützlern, sondern nur allein den Physiologen zustehe. Vom hygienischen Standpunkte aus könne mau nur wünschen, daß die jüdische Schächtmethode endlich die Anerkennung finde, welche sie verdient. Die Staatsbehörden hätten alle Veranlassung, nicht Verbote gegen diese Schlachtmethode zu erlassen, sondern die allgemeine Einführung derselben zu bewirken. Mit Zustimmung der Versammlung erklärte Geheimrath Spinola das volle Einverständniß der Versammlung mit den Ausführungen des Vortragenden. (Hört, hört.) Ende September 1894 hielt in Paris Herr Professor I. V. Laborde, Chef des physiologischen Instituts der dortigen Universität, in der Sitzung der Academie de medicine einen Vortrag über die „verschiedenen Schlachtmethoden vom physiologischen Standpunkte". Er gelaugt ebenfalls zum Schlüsse (liest): „Resumiren wir also, so glaube ich auf Grund sowohl der auseinandergesetzten Motive der experimentellen Beobachtung, als auch der praktischen. Thatsachen, daß bei dem gegenwärtigen Stand der Verhältnisse, die Blutentziehung durch den Halsschnitt, — das ist also da» jüdische Schächten — ausschließlich vom physiologischen Standpunkte betrachtet und frei von jeder Frage der Secte und des Ritus, diejenige Schlachtmethode bildet, welche am wenigsten dazu angethan ist, den Thieren, bei welchen sie Anwendung findet, Schmerzen zu verursachen. Zu dem gleichen Resultat gelangen 254 Gutachten, welche von hervorragenden Autoritäten der Wissenschaft über das beste Schächtverfahreu abgegeben worden. Diese Gutachten sind erstattet von 23 Professoren der Physiologie, Pathologie rc. in Deutschland, welche sämmtlich zugleich Directoren physiologischer, pathologisch-anatomischer oder hygienischer Univcrsitätsinstitute sind; von 7 Universitätsprofessoren Oesterreich-Ungarns, von 6 Universitäts- Professoren Hollands, von 3 Universitätsprosessoren Englands, von 3 Universitätsprosessoren Dänemarks, von 3 Universitätsprofessoren der Schweiz, von 3 Universitätsprofessoren Italiens, von 2 Universitätsprosessoren Frankreichs; im Ganzen von 50 Universitätsprosessoren. Dazu kommen: 14 Directoren von Thierarzneischulen, 24 Professoren der Thierarzneikuude, sowie 152 Thierärzte in verschiedenen Stellungen. Endlich haben sich diesem Gutachten 14 Großschächter- und Metzger-Innungen angeschlossen. Im DeutschenReichstag wurde über eine Petition der Thierschutzvereine das jüdische Schächtverfahreu zum Gegenstände der Verhandlung gemacht, und aus den Debatten coustatiren wir blos die Thatsache, daß die P e t i t i o n scommission einstimmig anerkannte, „daß das jüdische Schächten zu gesetzgeberischem Einschreiten keine Veranlassung bietet, weil es sich mit den Grundsätzen der Humanität nicht in Widerspruch setzt", und daß der Abgeordnete Dr. B r ö m e l constatirte: „Mir ist selten ein Fall vorgekommen, wo allgemein aufgestellte Behauptungen so gründlich und schlagend widerlegt worden sind, wie die Behauptung, daß das jüdische Schächten in hohem Maße eine Thierguälerei enthalte." Der Fiuanzminister und Vicepräsident des Preußischen Staatsministeriums Dr. Miguel sagte damals wörtlich: „Wir wollen doch die rituellen Vorschriften der Juden beachtet wissen. Bei jeder neuen Gesetzgebung, und zwar erstens weil wir uns überzeugt haben aus den Gutachten hervorragender Gelehrter, daß diese Art des Tödteus von Thieren keine Grausamkeit ist, gegen die Humanität nicht verstößt, und anderentheils -darüber kein Zweifel walten kann, daß das Schächten durch den religiösen Glauben einer großen Anzahl Deutscher gefordert wird. Ich bin überzeugt, daß, so lange in Deutschland die Grundsätze der Toleranz und der gegenseitigen Achtung der deutschen Bürger noch Geltung haben, man über solche unzweifelhaft tief eingewurzelte religiöse Gefühle unmöglich hinweggehen kann bei einer Frage wie der vorliegenden, wo es doch mindestens für zweifelhaft gehalten werden muß, ob das rituelle Schächten nicht geradezu als eine besonders zweckmäßige und. humane Einrichtung anzusehen ist." Wenn es dem Einsender des citirten verlogenen Pasquils mit seiner Thierfreundlichkeit Ernst ist, warum veröffentlicht er nicht einen „Aufruf an die Menschheit", um die grausamen Hetzjagden abzuschaffen, deren sich die Menschheit in Wahrheit zu schämen hat. Mit der Jagd haben aber die Juden von jeher wenig zu schaffen, und daher finden sich auch unsere modernen antff. semitischen Thierfreunde nicht veranlaßt, bei den Regierungen gegen diese großartige Thierquälerei zu protestireu und zu petitioniren. Aus einigen vor Kurzem veröffentlichen Berichten ersehen wir, daß im Jahre 189 l im Wienerwalde 641 Hirsche, Rehe und Kälber, 345 Hasen, 137 Rebhühner u. s. w., im Ganzen bei Lausend Stück Wild erlegt wurden, in den fürstlich SÄwarzenbergffchen Revieren, in Böhmen und. Steiermark 380 Stück Edelwild, 24.097 Hasen, 26.082 Rebhühner, im Ganzen bei 56.<'00 Stück Wild. In ganz Cisleithanien werden durchschnittlich im Jahre 2 Millionen, in Preußen dritthalb Millionen Stück Wild erlegt Und was bedeuten gegenüber diesen Millionen die paar tausend Ochsen, welche nach den jüdischen Vorschriften geschlachtet werden? Und wie schmerzlos ist verhältuißmäßig ihr Tod gegen die Qualen des von Treibern aufgeschreckten, mit gierigen Hunden gejagten, angeschossenen, verwundeten, gehetzten Wildes. Stundenlang jagt die Meute dem angcschossenen Wilde nach, seinen Blutspuren folgend; endlich wird es eerricht, gierig schlagen die Hunde ihre Zähne in das Fleisch des Hirsches, bis endlich der Jäger auf athemlosem Pferde herankommt und ihm.den Gnadenstoß versetzt. Das edle'Thier bricht zusammen, den letzten vorwurfsvollen Blick auf seinen Mörder werfend. Und der Jäger ist gar nicht so grausam, er hat vielleicht, bevor er zur Jagd aufbrach, eine Petition gegen das „orientalische Schächtverfahren" unterschrieben. Ein ebenso thierfreundlicher Mann ist vielleicht auch jener Naturforscher, der ein kleines Jagdvergnügen in Afrika mit folgenden Worten schildert: „Unten schlägt eine Sporengans im Todeskampfe den blutgerötheten Sandboden, ihre Genossen sind entflohen und ließen sie allein mit zerschossenen Flügeln zurück. Jagdeifrig stürzt sich der Hund auf die Beute, aber verendend versetzt das Thier dem Feinde mit dem dornbewehrten Flügeln noch dermaßen Schläge, daß er winselnd zurückweicht. Ja, auch den armen Hunden ergeht es mitunter recht schlecht bei solchen Vergnügungen. So ist auf einem Bilde von Seyders im k. k. kunsthistorischen Hofmuseum (Saal LV1I1) zu sehen, wie ein Eber dis ihn anfallenden Hunde zurichtet, und au derselben Wand siehr man wieder einen von Hunden angefallenen Hirsch, der mit flehenden Augen und weit geöffnetem Munde, den Kopf gegen den Himmel wendet, als wollte er die bösen Menschen anklagen, die den Unschuldigen verfolgen. Die Jagd wird man wohl trotz aller Humanitäts- und Moralphrasen nie abschaffen, aber könnte man sie nicht ein wenig schonender machen? Der jüdische Schächter muß sich doch über eine gewisse Fachkenutniß ausweisen, das Wild kann aber von den ungeschicktesten Sonntagsjägern nach Belieben gequält werden. Wie wäre es, wenn man da eine Art Befähigungsnachweis einführen möchte? Nein, nicht um Thierschutz, sondern um eine Judenhatz ist es diesen Herren zu thun.