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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Date
1901-05-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Leite Ui Nr. 20 Vr. Bloches Wochenschrift Brün«. Se. Ehrwürden unser Herr Landesrabbiner beging das 40jährige Amtsjubiläum. Er sprach den dringenden Wunsch aus, seinen Bedürfnissen nach Ruhe Rechnung zu tragen und von jeder öffentlichen Feierlichkeit abzusehen. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde hat sich zunächst darauf beschränkt, den Gefühlen der Dankbarkeit für den allverehrten Herrn Landesrabbiner mit nachstehender Adreffe zum Ausdruck zu bringen. Seiner Ehrwürden Herrn Dr. B. P l a c z e k Landes-Rabbiner, Rabbiner und Prediger in Brünn. Euer Ehrwürden! Auf vierzig Jahre ruhmvollen, reichgesegneten Wirkens in unserer Gemeinde blicken Sie, hochverehrter Herr Doctor, in diesen Tagen zurück. Klein an Seelenzahl war die Gemeinde, die Sie vor vierzig Jahren als ihren ersten Seelenhirten unter vielen Berufenen wählte, den schon in jungen Jahren in theologischem und weltlichem Wiffen hervorragenden Sohn eines im ganzen Laude und über dessen Grenzen hinaus hochverehrten Gottes gelehrten, der durch ungewöhnliche Herzensgüte, Humanität und Friedensliebe, gepaart mit ftommem Sinne und Forscherernste, das Priesteramt adelte, dem er ein langes, selbstlos thatenreiches Leben geweiht hatte. Seinen leuchtenden Spuren folgend, widmeten Sie, hochverehrter Herr Landesrabbiner, vier Jahrzehnte hindurch Ihre ganze Kraft unserer Glaubensgemeinde. Unter Ihrer Aegide wuchs sie von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Ansehen, konnte sie in ausgedehntem Maße für die religiöse Ausbildung der Heranwachsenden Jugend sorgen und Wohlthätigkeitßvereine gründen, die auch über ihre Marken hinaus der Roth steuern und Sinkende ausrichten, wie der Ihrer thatkräftigen Initiative zuddankeude, unser ganzes Kronland umspannende Waisen-Hilfsverein. Dem Gottesdienste im Tempel und den gottesdienstlichen Functionen außerhalb desselben gaben Sie die würdigen, weihevollen Formen, die mustergiltig wurden für unfere Schwestergemeinden. Mit vielbewunderter, herzentstammter Beredtsamkeit verkündeten Sie von der Kanzel die Lehren unseres heiligen Glaubens, mahnend, tröstend, aufrichtend, segneten Sie Hunderte von Ehebündniffen und träufelten milden Balsam in todeswunde Herzen beiBestattung theuerer Dahingeschiedener. Darum gibt es kaum ein Mitglied unserer Gemeinde, das Ihnen nicht zu unauslöschlichem Danke verpflichtet wäre, darum erfreuen Sie sich der allgemeinen Verehrung. Den bedeutsamen Abschnitt Ihrer vierzigjährigen Amtswirksamkeit kann die Gemeinde nicht vorübergehen .lassen, ohne Sie zu Ihren erzielten großen Erfolgen vom ganzen Herzen zu beglückwünschen und den Wunsch und die Hofftlung auszusprechen, daß es uns noch viele Jahre gegönnt sein möge. Sie, hochverehrter Herr Doctor, als unseren Rabbiner und Prediger in ungetrübter Gesundheit und Geistesftische wirken zu sehen. Brünn, im Februar 1901. Der Vorstand der isr. Cultusgemeinde in Brünn. Brün». (Cantvrentag.) Am 28. April l. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde Brünn die Generalversammlung des , Mährischen Cantorenvereines" bei sehr zahlreicher Betheiligung der Mitglieder statt. Nach herzlicher Begrüßung der Versammlung durch den Obmann, Herrn Obercantor Josef Heller erstattet derselbe einen ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Vereines seit dem Zeitpunkte der Gründung desselben, woraus hervorgeht, daß die Vereinsleitung bemüht war, helfend einzugreifen, wo das Jntereffe der College» es erheischte, und daß es derselben auch gelungen, durch rechtzeitige tactvolle Vermittlung mehrere in ihrer Existenz bedrohte College« in ihrer Stellung zu erhalten. Er erwähnt ferner der im Laufe des Jahres verstorbenen Vereinsmitglieder, Adolf Kornitzer in Brünn und Josef Herz in Prerau, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrt. Weiters erwähnt der Bericht die von der k. k. mährischen Statthalterei bewilligte Statutenänderung, gemäß welcher nunmehr Cantoren auch ferner Mitglieder dieses Vereines bleiben können, wenngleich sie aus Mähren in ein anderes Kronland übersiedeln. Zum Schluffe spricht der Bereinspräses den aufrichtigen Wunsch aus, es möge dieser Verein, der einem allseitig tief gefühlten Bedürftnsse seine Entstehung verdankt, fernerhin wachsen, blühen und gedeihen. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes durch den Caffier Obercantor D. Kohn-Lundenburg und nach vorgenommener Revision durch die gewählten Revisoren, Löwensohn- Eibenschitz und Schmitz-Gaya wurde der Bereinsleitung das Absolutorium ertheilt und gleichzeitig auch derselben der Dank für das bisherige verdienstvolle uneigennützige Wirken und das allseitige Vertrauen votirt. Die nach dreijähriger Functionsdauer schriftlich vorgenommene Neuwahl der Bereinsleitung ergab nachstehendes, mit Stimmeneinhelligkeit erzieltes Resultat: Herr Obercantor Heller, Brünn, Obmann; Herr Obercantor Stöhsler, Neu-Raußnitz, Stellvertreter; Herr Obercantor Kohn, Lundenburg, Caffier; Herr Obercantor Steiner, Groß.Meseritsch, Schriftführer; Herr Obercantor Schulz, Bisenz. Controlor; Herr Obercantor Löwensohn, Eibenschitz; Herr Cantor Goldmann, Brünn. Abends fand im Restaurant Mehler eine gesellige Zusammenkunft statt, an welcher sich auch weitere Kreise betheiligten. Bei dieser Gelegenheit hielt Herr Professor Dr. Grünfeld eine höchst beifällig aufgenommeue Ansprache, worin er die Bedeutung des Cantorenstandes für das religiöse Leben hervorhob und diesen Stand als wahren Pfleger und Erhalter des Judenthums bezeichnet^ St. Prag. (Verein zur Beschaffung von Passahbedürfnissen in Prag.) In der am 5. d. M. abgehaltenen Generalversammlung gedachte der Vorsitzende des im Vorjahre verstorbenen gründenden Mitgliedes Herrn Leopold Kühe mit ehrenden Worten, was die Anwesenden stehend anhörten. Ferner theilte er mit, daß der Verein Heuer seinen 20jährigen Bestand feiere, was durch einen wohlthätigen Act zum nächsten Passahfeste begangen werden wird. Der hierauf vom Caffier verlesene Geschäfts- und Cassabericht wurde von der Versammlung genehmigt. Die statutengemäß aus dem Vorstande scheidenden Herren M. Aron und Salomon Flaschner wurden mit Stimmeneinhelligkeit in den Vorstand wiedergewählt. Als Rechnungsrevisoren wurden die Herren: Simon D e w i d e l s, Salom. Knina wieder- und Herr Jur.-Dr. N. Kohn er neugewählt. Bei der Constituirung des Vorstandes wurden die Herren S. P e r l i tz (Obmann), Gabriel Lieben (Caffier), Hugo Eckstein (Rechnungsführer) und I. Kornführer als Schriftführer wiedergewählt. Schwerin, 7. Mai. (Jubiläum.) Unser allverehrter LandeSrabbiner Dr. Feilchenfeld beging am letzten Sabbath das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum als Rabbiner der mecklenburgischen Gemeinden. Am Sabbath fand ein erhebender Festgottesdienst, am Montag Abend ein herrliches Fest statt. Namens der Behörden gratulirten die landesherrlichen Commiffäre. Der Großherzog hatte Herrn Dr. Feilchenfeld schon vorher empfangen und ihm seinen Dank für seine segensreiche Wirksamkeit ausgesprochen. Die Gemeinden sammelten große Beiträge zur „Dr. Feilchenfeld-Stiftung" für arme Gemeinden, die Lehrer überreichten eine Adresse. Möge es dem vortrefflichen Manne vergönnt sein, noch viele Jahre mit jugendlicher Frische und Begeisterung sein heiliges Amt zur Ehre des Judenthums auszufüllen. Paderborn. Ueber eine kleine antisemitische Scene in einer Sitzung der Stadtverordneten wird der „Rhein.-Westf. Ztg/ berichtet: Auf der Tagesordnung stand die Entsendung zweier Mitglieder des Stadtverordneten-Collegiums als Vertreter bei dem bevorstehenden 50jährigen Garnisons-Jubiläum des 8. Husaren- Regiments zu dem im Schlosse zu Neuhaus stattfindenden Festessen. Seitens der Commission waren dazu vorgeschlagen der Stadtverordneten-Borsteher Büllers und der Stadtverordnete Bankier Ransohoff; dieser aus dem Grunde, weil er ehedem als Einjähriger bei dem Regiments gedient hatte. Gegen seine Entsendung erhob der Stadtverordnete Vonderbcck, Hauptmann der Reserve a. D., Widerspruch mit der Begründung, es werde Anstoß erregen, daß die Stadt Paderborn einen Israeliten als Vertreter entsende, da bekanntlich im Officierscorps Abneigung gegen die Juden herrsche, wie ja auch kein Jude zum Officier befördert werde. Der Stadtverordneten-Borsteher Büllers bedauert lebhaft, daß eine solche Aeußerung im Collegium vorgebracht sei, und erklärte, in diesem kenne man keine Confession, sondern nur Vertreter der Bürgerschaft. Der Stadtverordnete Vonderbeck hielt seine Bedenken aufrecht, indessen wurde der Stadtverordnete Ransohoff trotzdem mit großer Mehrheit zur Theilnahme an dem Festessen delegirt. Coburg. (Die Beerdigung des Geheimen Commerzienrathes voll Mayer.) Geh. Commerzienrath Jacob Freiherr von Mayer ist gestorben. Dessen Begräbniß verdient geschildert zu werden. Es fand am 5. Mai Vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle aus, auf dem israelitischen Friedhofe statt und legte beredtes Zeugniß davon ab, welcher Verehrung sich der Verblichene in den weitesten Kreisen seiner Mitbürger erfreute. Die Zahl der Theilnehmer ist mit 800 nicht zu gering geschätzt. Nachdem Herr Lehrer und Prediger Oppenheimer die Todtengebete verrichtet hatte, widmete er den Verblichenen ergreifende Worte des Gedächtnisses. Nun setzte sich

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