Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Date
1901-05-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021406--10861-3035365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 20 Br. Vwch?s WochenschrM. Sette 848 Vorstand kann nur die Anregung bieten, sonst nichts. Die Aufnahme eines Anlehens, um die Steuerträger zu belasten, erachte er für ausgeschlossen. Es kann sich nur darum handeln, ältere Versuche nach dieser Richtung zu erneuern. Sache des Comitös wird es sein, sich darüber zu vergewissern, ob bei denjenigen Factoren, welche sich für den Plan interessiren, auch die Opferwilligkeit vorhanden ist, um die Mittel zu beschaffen. Cultusvorsteher Salo Cohn erklärt sich für die Nothwendigkeit des Tempelbaues. Er verweist auf das Beispiel von Budapest, wo die Gemeinde ein großartiges Administrationsgebäude errichtet hat. Einem würdigen Tempel würden die Besucher nicht fehlen. Wir müssen auf Mittel sinnen, die Jugend wieder heranzuziehen. Redner erinnert an das vortheilhafte Anlehen bei der Bodencreditanstalt und fügt hinzu: Ob man uns heute, wo wir Ausgaben bewilligen, ohne die Einnahmen zu haben, ein solches Anlehen gewähren wird, ist zweifelhaft. Bor- Allem ist es nothwendig, an die Spitze des Comites einen energischen Mann zu stellen. Bon ihm allein wird es abhängen, ob das geplante Werk zu gedeihlichem Ende geführt werde. Der Vorsitzende berichtigt die Bemerkungen des Vorredners Herrn Salo Cohn dahin, daß nachweisbar nur solche Ausgaben gemacht werden, welche ihre Deckung in den Beschlüssen des Vorstandes im Rahmen der von demselben genehmigten Voranschläge finden. Vicepräsident Dr. Gustav K o h u : Die Creditfähigkeit der Gemeinde steht nicht in Discussion. Man sollte vermeiden, persönliche Beziehungen in den Kreis der Erörterung zu bringen. Cultusvorsteher Abgeordneter A u s p i tz erklärt nochmals, gegen die Bestellung eines Comitss nichts einzuwenden, namentlich wenn es auch die Möglichkeit, die finanziellen Mittel zu beschaffen, zu prüfen haben wird. Er fürchte aber, daß es bald nach dieser Richtung die Unmöglichkeit erkennen wird, dar Werk zu realisiren. Im Uebrigen erzählt der Redner: Sein Vater war Mitglied des Cultusvorstandes als der Bau des Leopoldstädter Tempels geplant wurde. Eine Partei war dagegen und man sagte, diese wünsche lieber eine Kathedrale in der Inneren Stadt. Der Präsident kaiserlicher Rath Klinger bemerkt, daß der Vorstand bedeutende Aufgaben in den letzten Jahren unternommen und durchgeführt habe, wie den Bau des Altersversorgungshauses und d. z. des Siechenhauses. Nunmehr sei der richtige Zeitpunkt wahrzunehmen, welcher sich als zur Erfüllung der vom Collegen Vicepräsidenten Dr. Stern in dankenswerther Weise gegebenen Anregung geeignet Herausstellen werde. Antragsteller Vicepräsident Dr. Alfred Stern vertheidigt seinen Antrag. Wenn man den richtigen Zeitpunkt abwarten will, so wird er nie kommen. Im Tempel der Inneren Stadt ist kein Sitz erhältlich. Will man die Jugend dem Judenthum erhalten, so muß man für ein würdiges Gotteshaus sorgen. Redner ist überzeugt, daß das Comite die Dringlichkeit erkennen werde, auch in der Inneren Stadt Wien ein würdiget jüdisches Gotteshaus erstehen zu laffen, und schließt sich deswegen dem Anträge des Herrn v. Taussig an. Ritter von Taussig beantragt sohin, es sei auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung die Wahl eines diese Angelegenheit betreffenden Comites zu setzen, für welche Wohl das Präsidium einen Vorschlag zu machen ersucht wird. Dieser Antrag gelangt einstimmig zur Annahme. Hierauf erklärt der Präsident wegen der Berathung dringlicher vertraulicher Angelegenheiten die öffentliche Sitzung für geschlossen. (Schluß der Sitzung 1 Uhr Nachmittags.) Wien, 12. Mai 1901. (Eine Bar-Mizwah-Feier im Hause Rothschild.) Am gestrigen Sabbath feierte der jüngste Sohn (O s k a r) des Freiherrn Albert v. Rothschild seine Bar-Mizwah und reihte sich dieses religiöse Familienfest all den vielen im Freiherrlich von Rothschild'schen Hause vorausgegangenen religiösen Familienfesten auf das Würdigste an. In der jetzigen glaubenskümmerlichen Zeit, wo es Mode geworden, religiöse Kundgebungen, wenn sie schon geübt werden müssen, fern vom Auge der Welt in stiller Zurückgezogenheit abzuhalten, muß diese im Freiherrlich von Rothschild'schen Hause geübte und dargelegte religiöse Gepflogenheit als mustergiltiges Beispiel anerkannt und der Oeffentlichkeit anheimgestellt werden. Nachdem der auch in seinem Aeußern liebenswürdige Confirmant Oskar Freiherr v. Rothschild im Tempel der Seitenstettengasse in Anwesenheit seines Vaters, Geschwister und der zum Feste erschienenen Vorstandsmitglieder, der Herren: Präsident kaiserl. Rath Heinrich Klinger, Dr. Maximilian Steiner, Doctor Spitzer, Baurath Stiaßny und Horner, und der Herren Bethausvorsteher Stiaßny, Moor und Langer, sowie der zahlreichen Tempelbesucher seine Hafthora mit lauter Stimme und feinst durchgearbeiteter Accentuirung vorgetragen, recitirte Obercautor Singer den usuellen Mischeberach überaus eindrucksvoll, worauf Oberrabbiner Güdemann die feierliche Einsegnung des Confirmanden unter allgemeiner Aufmerksamkeit vornahm. Der feierliche Act übte auf all die anwesenden zahlreichen Tempelbesucher eine mächtige Wirkung. Bei dem hierauf im Freiherrlich von Rothschild'schen Palais stattgehabten Bar- Mizwah-Mahle, zu welchem außer den beiden ersten Functionären den Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer, auch die Herren Präsident kaiserl. Rath Klinger, Baurath Stiaßny, Regierungsrath Frankel und die Procuristen des freiherrlichen Hauses, die Herren Horner, S t i e d n y, Dr. Blum, als auch Dr. Hammerschla'g und der langjährige verdienstvolle Religionslehrer des Hauses Jnspector Professor K a n i tz, sowie die Brüder und die Schwester des Confirmanden, Baroneffe N o e m i e zugezogen waren, hielt der Confirmand eine tiefempfundene Ansprache, in welcher er sowohl dem geliebten Vater für seine väterliche Fürsorge, als auch den beiden Herren Tempelfunctionären Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer für die feierliche Einsegnung und seinem verehrten Lehrer Jnspector Kanitz für den Unterricht, sowie den anwesenden Herren für ihr Erscheinen beim Feste herzlichen Dank sagte; die Ansprache des jugendlichen Redners zeigte Berständniß, ideale Auffassung der religiösen Handlung und eine bemerkenswerthe declamatorische Fertigkeit und wurde von allen Anwesenden sehr herzlich ausgenommen. In seinem Tischspruche apostrophirte Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann rhetorisch-vollendet, durch Humor und Ernst gewürzte Ansprache den »exemplatorisch" gewordenen, rühmenswerthen religiösen Geist des freiherrlich von Rothschild'schen Hauses. Diese anerkennenswerthe religiöse Gesinnung vererbte sich schon seit Decennien von Geschlecht zu Geschlecht und findet in dem jetzigen Stammhalter Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild einen sei,^ glänzendsten Vertreter. DerHansherr, Herr Albert Freiherr v. Rothschild dankte bewegten Herzens dem geehrten Herrn Vorredner für die seinem Hause entgegengebrachte freundliche Wohlmeinung und pries die heutige synagogale und declamatorische Leistung seines Sohnes, des Confirmanden, worauf Herr Präsident kaiserl. Rath Heinrich Klinger sein Glas auf das dem Gesammtjudenthume zum Stolze gereichende Haus v. Rothschild erhob und in tiefempfundenen Worten der Hoffnung Raum gab, daß dieser anerzogene und gewohnte religiöse Sinn auch die Tradition der anwesenden Freiherrlich-Rothschild'schen Familienmitglieder sein werde. Das vom Confirmanden hierauf mit Berständniß vorgetragene Tischgebet, bei welchem Herr Obercantor Singer einen die verehrten Anwesenden trefflich illustrirenden Horachawonu einschaltete, bildete den Abschluß des herzerhebenden Festes und wir fühlen uns gedrängt, dem Freiherrlich v. Rothschild'schen Stammhalter, Herrn Albert Freiherrn von Rothschild, das Psalmwort zuzurufen: Tomid nesapper thilosecho unehallel schem tifartecho. B . . . . Wien, 12. Mai. Heimgekehrt vom Confirmationsfest im Tempel in der Seitenstettengasse, noch völlig in Stimmung, berichte ich Ihnen, geehrter Herr Redacteur darüber. Unser Öberrabbiner Herr Dr. Güdemann hat, anknüpfend an Bibeltext, in engbemessenem Redebau die »neueFrauenbewegung unserer Zeit" prächtig eingestellt. Deren geistig hinaus strömende Richtung wurde als »dem Geiste des Judenthums nicht entsprechend" bezeichnet, »Haus" aber, Häuslichkeit und Religion als Lebens glück, als Stütze und Schutz, als Unterpfand des Familienheimes, als heiliges Band für Eltern, Kinder, Geschwister und Freunde dargestellt. Bei diesem zeither modernen jährlichen Feste vergißt und unterläßt Dr. Güdemann niemals zu betonen seinen ursprünglich — 5645/1885 angenommenen überbrückenden Standpunkt zur »Confirmation: sie ist die Feier für Abschluß des Religionsunterrichtes in der Schule, beim Uebergehen in den Religionsunterricht durch die Väter und Mütter, in den des Hauses, der Anschaulichkeit und Ausführung, des Uebersührens auf ihre Kinder für die Zukunft. Lebhaft und mit verständnißinniger Betonung sprachen die Confi-.mandinnen die Beantwortung der an sie gerichteten Fragen. Einen schönen Schluß bildete der der eng heran getretenen Schaar ertheilte Segen, eingeleitet von ernstem Fernblick in die Zufimft — begleitet von warmer Belehrung. Hoffen wir, all die herrlichen Momente werden in den jugendlichen Herzen zu steter segensreicher Erinnerung hrranreifen. Ordentlichen Antheil daran hat auch die gesangliche Mitwirkung. Besonders bemerkbar machte sich den Andächtigen: die deutschen Gebet-Texte waren nicht Jedem vor Auge und mundgerecht; der eifrige Obercantor Singer half dem ab; er sang sehr deutlich reeitirend, dabei unverkürzt melodisch schön und wohl einwirkend. N.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.